Eifel-Feuer

Erschienen: Januar 1990

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 1997, Seiten: 313, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990, Titel: 'Der General und das Mädchen', Seiten: 222, Originalsprache

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Peter Kümmel
Gelungene Persiflage oder unfreiwillige Komik?

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Kein guter Tag für Siggi Baumeister: Freundin Dinah will sich selbst verwirklichen und zieht ohne Vorwarnung aus der gemeinsamen Wohnung aus. Baumeister macht daraufhin erst mal eine lange Spazierfahrt durch seine geliebte Eifel - natürlich wie immer mit exakter Wegbeschreibung - und will anschließend einem alten Freund in dessen abgelegener Jagdhütte einen Besuch abstatten, dem General Otmar Ravenstein. Den findet er auch dort vor, von Gewehrsalven durchsiebt.

Was sich dann am Tatort abspielt, nachdem Baumeister die Polizei verständigt hat, ist schon wieder so unglaublich, dass es fast realistisch wirkt. Kurz nach der Polizei trifft ein Hubschrauber ein, dem lauter wichtig aussehende Leute entsteigen. Angehörige aller möglichen Geheimdienste, Verfassungsschutz etc. haben sich versammelt, um zu beraten, wie sie den Tod des Generals der Öffentlichkeit verkaufen können. Nachdem eventuell vorhandene Spuren mittlerweile absolut unbrauchbar sind und man sich genügend über Graubrot und geplante abendliche Vergnügungen ausgetauscht hat, beschließt man, den Mord als Unfall darzustellen: der General wurde beim Reinigen seiner (nicht existierenden) Waffe versehentlich getötet.

Strengstes Stillschweigen wird Baumeister verordnet und daß er bloß nicht auf die Idee käme, in dem Fall zu ermitteln, sonst reißt man ihm die Eier ab. Das braucht man Baumeister natürlich nicht zweimal zu sagen. Und das Buch kann natürlich auch nicht bereits nach dem ersten Kapitel zu Ende sein.

Unterstützung erhält Baumister zunächst von Germaine, der Geliebten des Generals und später natürlich auch wieder von seinem alten Mitstreiter Rodenstock und dessen Freundin Emma. Und auf der Suche nach möglichen Motiven für den Mord an einem Logistikexperten der NATO findet Baumeister vor allem immer wieder eines: Leichen.

Am "Eifel-Feuer" scheiden sich die Geister. Gelungene Persiflage auf Geheimdienste und Behörden oder ein abgedrehter Agentenroman mit unfreiwilliger Komik? Da ich bereits mehrere Baumeister-Krimis gelesen habe, tendiere ich eindeutig zu ersterem. Trotz allem zähle ich "Eifel-Feuer" dennoch zu den nicht ganz so gut gelungenen Eifel-Krimis.

Die Charaktere sind etwas farbloser als gewohnt. Dies mag bei den vielen Bürokraten durchaus beabsichtigt sein, soll doch gerade deren Austauschbarkeit symbolisiert werden. Doch auch Baumeisters Mitstreiterinnen Germaine und Marion bleiben weithin blaß. Diese Aussage mag zwar angesichts des ersten Auftretens von Germaine mit der äußerlichen Beschreibung als "kleiner Clown mit rotem Kopftuch und sackähnlichem Pullover in wild fließenden Farbstreifen" paradox erscheinen, doch leider versäumt es der Autor, diese Figur weiter zu vertiefen.

Wenn Berndorf an manchen Stellen reichlich dick aufträgt, so dient das oftmals der Dramaturgie. Dabei muß natürlich nicht immer alles vollkommen realistisch zugehen. Dennoch trüben einige Fakten das ansonsten stimmige Gesamtbild. So lässt der Clan der Geheimdienstleute Baumeister trotz vorheriger übelster Drohungen seelenruhig mit der Kamera in der Hand quer durch den Tatort spazieren und keiner bemerkt, dass er dabei alles "aus der Hüfte heraus" genauestens fotografiert. Und warum man ein Handy unbedingt möglichst weit wegwerfen muß, damit man nicht abgehört oder geortet werden kann, ist mir auch nicht so recht klar geworden. Normalerweise haben diese Geräte einen Knopf zum Ausschalten. Ein richtiger Lapsus ist dem Autor dann unterlaufen, als er einen BMW Boxter kreiert hat. Bei so vielen BMWs - Geheimdienstleute fahren offensichtlich ausschließlich BMW - ist ihm wohl auch ein Boxter zum BMW mutiert.

Natürlich wird man auch bei "Eifel-Feuer" wie immer bei Siggi Baumeister prima unterhalten. Reichlich Spannung, viel Humor und die gewohnte Werbung für die Eifel sorgen dafür, dass es einem nie langweilig wird, denn es ist sicher einer der tempogeladensten und actionreichsten Eifel-Krimis. Und wieder einer, der sehr an Baumeisters gesundheitliche Substanz geht.

Am Schluß geht dann alles wieder recht schnell: Action, Großaufgebot der Polizei, Riesenknall, Happy-End und der Autor vergisst, die letzten Fäden auch noch aufzulösen.

Eifel-Feuer

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