Die Nürburg-Papiere

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2010, Seiten: 10, Übersetzt: Jacques Berndorf
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011, Seiten: 368, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2012, Seiten: 368, Originalsprache

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Andreas Kurth
Siggi Baumeister läuft zu großer Form auf

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2010

Manager wird mit Kalaschnikow erschossen

Es gärt mächtig, rund um den "neuen Nürburgring" in der Eifel. Große Teile der Bevölkerung sind nicht einverstanden mit dem Größenwahn der schier allmächtigen Nürburgring GmbH. Satte 300 Millionen aus Landeszuschüssen sind an der Formel 1-Rennstrecke verbaut worden. Ein riesiges Luxus-Hotel, eine Achterbahn die nicht funktioniert, ein Einkaufszentrum ohne Mieter es ist schon gewaltig, was dort als Investitionsruine thront. Und dann fallen Schüsse in einer dunklen Winternacht. Claudio Bremm, der wichtigste Mann aus den Reihen der Manager und Berater, wird brutal mit einer Kalaschnikow niedergemäht. Der Mörder jagt das komplette Magazin der automatischen Waffe in den Körper des von vielen bewunderten, aber von ebenso vielen gehassten Mannes. Und ohne dass die Mordkommission eine verwertbare Spur findet, stirbt ein zweiter Mann. Im kleinen Dörfchen Dirsbach wird der alte Bauer Jakob Lenzen in seinem Stall erschossen der Mord wirkt wie eine Hinrichtung. Ein Mensch, der nie jemandem etwas getan hat.

Taubenschlag im Hause Baumeister

Gleichzeitig hat Siggi Baumeister, Journalist und routinierter Hobby-Kriminologe, ganz andere Sorgen. Sein Haus füllt sich mit Heimatlosen der unterschiedlichsten Herkunft. Zuerst kommt Emma, die vor dem stets schlecht gelaunten Rodenstock flüchtet. Dann steht eine verlauste Gestalt vor seiner Haustür, die kaum noch an seinen alten Freund Werner aus den Münchener Zeiten erinnert. Dann taucht Jennifer aus Brasilien plötzlich wieder auf, wie immer in höchsten emotionalen Nöten. Und es gesellt sich noch Gabi hinzu sie ist wieder solo, und Baumeister passt in ihr Beuteschema. Rodenstock ist das ganze Chaos völlig egal er braucht Siggi für die Ermittlungen, zu denen ihn der zuständige Kriminalrat hinzu gezogen hat.

Ermittler graben Überraschungen aus

Die beiden Morde bleiben allerdings nicht die letzten am neuen "Ring". Der Kreis der potenziell Verdächtigen ist groß: verzweifelte Eifeler Gastwirte und Hoteliers, die sich von den Managern rüde aus dem Geschäft gedrängt sehen. Trotz der privaten Turbulenzen stürzt sich Siggi mit Feuereifer in die Ermittlungen, obwohl sein gestörtes Verhältnis zu Rodenstock die Arbeit problematisch macht. Aber auch Werner, den Siggi ohne langes Zögern aufgenommen hat, hilft bei der Mördersuche mit seinen unkonventionellen Ideen mit. Und so entwickelt sich ein hochspannender Kriminalfall, bei dem die drei völlig unterschiedlichen Ermittler so manche Überraschung ausgraben, Beteiligungen und Verwicklungen enthüllen. Überraschend und teilweise tragisch ist dann auch das Ende des Buches.

Baumeister in großer Form

Jacques Berndorf ist ein begnadeter Erzählen. In anderen Bänden seiner Siggi-Baumeister-Reihe hat er sich zuweilen von der eigenen Fabulierlust und seiner Liebe zur schönen Eifel überwältigen lassen. Aber in seinem neuen Roman präsentiert er starke, neue Charaktere, lässt Siggi Baumeister zu großer Form auflaufen, und erzählt von der Eifel nur so viel, wie für die Geschichte nötig ist. Der Menschenschlag der Eifel störrisch und doch stets direkt - kommt dennoch zu seinem Recht. Der Autor zählt auch viele Daten und Fakten rund um die Baumaßnahmen am Nürburgring auf, aber das ist bei dieser Geschichte unvermeidlich. Und stört nicht weiter, denn es gelingt Berndorf von Beginn an, den Leser eminent zu fesseln.

Prügel von Unterwelt-Größen

Die vielen quälenden Fragen, die sich die Ermittler in den unterschiedlichen Stadien ihrer Arbeit stellen, beschäftigen auch den Leser. Berndorf lässt ihn teilhaben an der ebenso spannenden wie unkonventionellen Arbeit von Siggi Baumeister. Der leistet sich im Zuge der Ermittlungen etliche Stolperer. So fotografiert er eine Gruppe von Unterweltgrößen, die mit ihren Prostituierten nackt auf dem Schnee vor dem Hotel am Ring herumtollen. Dabei wird er erwischt, was ihm mehr als ein Veilchen einträgt. Aber das ficht einen Siggi Baumeister nicht an, der konsequent weitere Nachforschungen anstellt.

Teilweise anrührende Geschichte

Etliche Neben-Geschichten sind geschickt in die flüssige Erzählung eingewoben. So hat Emma ihre Probleme mit dem unbeugsamen Rodenstock, Jennifer ist zwischen Europa und Südamerika hin- und hergerissen, und Gabi streckt ihre Fänge nach Siggi aus. Und immer bekommt der Autor rechtzeitig die Kurve zurück zum Kriminalfall. So bleiben viele Randereignisse das, was sie auch sein sollten Episoden am Wegesrand. Berndorfs mit leichter Feder erzählte Geschichte ist ungemein fesselnd und doch auch anrührend. Die Ängste der Menschen rund um den Ring werden dabei intensiv geschildert und auch ernst genommen. Viele falsche Fährten und zunächst Verdächtige halten Ermittler und Leser in Atem. Anrührend ist aber vor allem das Schicksal von Werner. In seiner Münchener Zeit hat Siggi ihm viel geholfen. Und so erfährt auch der altgediente Berndorf-Fan noch einige Neuheiten über Siggi Baumeister. Insgesamt ist dem Altmeister des Eifel-Krimis mal wieder ein großer Wurf gelungen.

Die Nürburg-Papiere

Die Nürburg-Papiere

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Letzte Kommentare:
29.10.2018 16:36:20
Günter B.

Ich habe bereits etliche Eifelkrimis mit Begeisterung gelesen, dieser hier hat mich - zum ersten mal - enttäuscht. Die Story ist gestelzt und aufgesetzt, der Handlungsverlauf über weite Strecken hanebüchen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die m.E. zu sehr in den Vordergrund gestellt werden, sind größtenteils unglaubwürdig, insbesondere Baumeisters neue Liebe Gabi. Ich glaube Berndorf hat sich hier einfach verzettelt und den roten Faden der Handlung aus den Augen verloren. Weniger wäre mehr gewesen!

21.03.2014 13:32:37
Ammica

Endlich weiß ich wie man Geld wäscht!

Da ich selbst aus der Nürburg-Ecke, nämlich aus Koblenz komme ist es für mich das Thema sehr interessant.

Als "Lieschen Müller" (Normal-Bürgerin) habe ich in meiner Naivität keinen blassen Dunst gehabt wie das mit dem "Gemauschel" eigentlich geht. Jetzt weiß ich endlich ein bisschen wie unser eins beschissen wird.

Für das Buch hat Herr Berdorf gut regergiert - was bestimmt nicht einfach war. Und er hat nur die Spitze des Eisbergs angekratzt.

Fazit: Durch die ausführlichen Erklärungen ist das Buch, an manchen Stellen zwar etwas langatmig - diese müssen aber sein um die gigantische Volks-Verarsche zu verstehen.
Irgendwie erinnert mich das Ganze an den Nürburg Ring ;-)

27.04.2012 19:54:31
Klobelesen

Michael Preute ist ganz gut, Jacques Berndorf nervt ein wenig in den Eifel-Krimis.
Preute, der Journalist, erzählt gute Kerngeschichten mit urigen Charakteren. Jacques Berndorf hingegen ist Hard Boild für Arme. Man nehme Dashiell Hammet, Raymond Chandler, Mickey Spillane, ein hart gekochtes Ei, eine Kuckucksuhr und etwas gelsenkirchener Barock, gebe eine Karte der Eifel hinzu, das ein oder andere Katzenfell, etwas Wetterbericht, ein Naturkundebuch, in den Mixer, brr, brr, brr, fertig ist ein Berndorf-Krimi. Baumeister und Rodenstock sind schon lange fällig wegen Amtsanmaßung. Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft bezieht sich auf die Dienstgrade Polizei-/Kriminalmeister bis Erster Polizei-/Kriminalhauptkommissar. Dem Rodenstock müsste ich nicht mal meinen Perso zeigen (auch als er noch im Dienst war). Und die Frauen, die vom Himmel fallen...das konnten die Autoren, wo Berndorf abgekupfert hat, besser. Wahrscheinlich hat er nur die Varianten aus Hollywood gesehen, die mit Curry`s Katzenfutter? Die Romane verlaufen anders als die Filme. Und ja, ich habe alle Berndorf gelesen und/oder gehört. Weniger Berndorf, mehr Preute, das wär`s.

27.01.2012 21:00:42
Koslowski

Ich habe die meisten seiner Eifel-Krimis gelesen und ich kann mit seinem Schreibstil sehr gut leben. Zwei, drei Tage und ich bin durch. Aber irgendwie bleibt Enttäuschung zurück, immer das selbe Strickmuster. Da wird eine Riesengeschichte aufgemacht und doch endet alles wieder im persönlichen Umfeld, wie gehabt, in anderen Werken auch schon. Die Geschichte um die Entwicklung von Rodenstock könnte auch mehr hergeben. Und die Geschichte mit Gabi geht gar nicht. Platt und hanebüchen, keine Entwicklung.

04.11.2011 21:34:57
hapesu

Dies war der 24. Roman des Autors, den ich gelesen habe. Wahrscheinlich bin ich ein dummes, ahnungsloses Schaf - aber ich gebe es offen zu: mir hat das Buch gut gefallen, so wie alle bisherigen Werke.
Was mir aber die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die grenzenlose, unerträgliche Arroganz eines Erstlesers namens borderbonsai, der meint, nach 100 Seiten nicht mehr weiter lesen zu können.
Aber im Grunde ist es ja gut so: er/sie hat die anderen Bücher gar nicht verdient!

17.10.2011 10:30:08
Juergen

Habe die ungekürzte Autorenlesung der Hörbuchfassung angehört.
Herr Berndorf hat wirklich eine angenehme Stimme.
Was den Inhalt angeht, so habe ich neben der zu langatmigen Erzählweise so meine Schwierigkeiten mit der etwas platten romantischen Darstellung dieses Landstrichs und insbesondere seiner Bewohner.
Ich finde, dass einige Charaktere bisweilen mit etwas zu groben Strichen gezeichnet sind.
Die guten, rechtschaffenen Eifelbauern scheinen mir in einem Heimatfilm der 50er besser aufgehoben zu sein.
Kutschen-Jakob beispielsweise, der sanfte und weise alte Bauer war mir sehr weit hergeholt.
Fienchen, die mit seherischen Fähigkeiten ausgestattete alte Dame, gab mir auch ein wenig zu denken.

Und dann der Ring... Die Eifeler lieben ihren Ring. Aber nur den guten alten Ring.

Whatever. Ich werde vermutlich auch den nächsten Eifel-Krimi lesen oder anhören.

18.03.2011 22:01:53
Sunniva1

Ich kann mich der Meinung von Schmitz nur anschließen. Das Strickmuster dieses Krimis ist alles andere als aufregend. Filz am Ring konnte mich nicht vom Hocker reißen. Ich war enttäuscht, habe ich doch fast alle "Vorgänger" gelesen. Die Geschichte seines "gefallenen" Freundes ist vollkommen unglaubwürdig. Wenn nicht Frosch und Katze gewesen wären, hätte ich es gleich wieder weggelegt! Bitte wieder etwas Besseres Herr Berndorf!

25.02.2011 16:51:46
Karl-J. Schmitz

Ich habe bisher "alle" Romane mehr oder weniger begeistert gelesen bzw. gehört. Nicht alle waren super, aber fast alle recht gut.
Die "Nürburg-Papiere" sind schlechtweg grauenhaft (Kenne allerdings nur die Hörbuchversion). Ich habe den Eindruck, dass in dem Roman nur eine möglichst hohe Seitenzahl erreicht werden sollte. Da werden Satzpassagen unendlich wiederholt und/oder bereits vorher beschriebene "Erkenntnisse" noch einmal zitiert.
Was mich sehr betroffen gemacht hat ist,
dass ein trockener Alkoholiker seinen Protagonisten (Werner) ständig Alkohol in sich hineinschütten läßt (wegen der Schmerzen). Ich lebe seit über 20 Jahren abstinent und weis das Alkohol kein "Lösungsmittel" sein kann und darf.
Der Rückfall fängt im Kopf an !

01.02.2011 15:55:36
AL

"Da wirkte alles frischer und interessanter, vielleicht hat man dort ja des bessere Lektorat."

Da kann man dem "Vorschreiber" nur zustimmen. Hatte auch den Eindruck, dass man etwas über gutes und schlechtes Lektorat lernen konnte.
Als Hörbuch vom Autor gelesen wird das Buch außerdem sehr pathetisch und „Phrasen und Floskel“ lastig. Auf den ein oder anderen Handlungsstrang hätte man sicher verzichten können … oder ihn zu einem neuen Roman verarbeiten können. schade!!

AL

26.01.2011 15:31:44
vanthomas

Schade, schade. Wie immer mit freudiger Erwartung den neuesten Eifel-Krimi gestartet und was dann. Vom Kater Satchmo am Anfang, Baumeister wird bei irgendeinem Abenteuer verletzt, Baumeister wird im Auto von der Strasse abgedrängt, allerlei Gäste machen sein Haus zum Taubenschlag, Baumeister bekommt zu wenig Schlaf, weil es immer mitten in der Nacht was wichtiges zu recherchieren gibt... and so on. Alles schon mal gelesen. Das ist eher langweilig, von der Freude auf "alte Bekannte" bleibt nicht viel übrig, die Figuren entwickeln sich nicht weiter. Doch es gibt auch Ausnahmen, Rodenstocks Verstimmungen und die schon fast sentimentale Geschichte um Werner. Was war da jetzt mit dem Nürburg-Ring? Mehr als vorher weiss ich immer noch nicht. Insgesamt eine vertane Chance, vielleicht sollt Berndorf wieder mit seinen Eifel-Krimis zu Grafit zurückgehen. Da wirkte alles frischer und interessanter, vielleicht hat man dort ja des bessere Lektorat.
Übrigens: Auch wenn sich das alles nicht so begeistert anhört: Ich warte schon gespannt auf den nächsten Berndorf aus der Eifel!

30.12.2010 22:32:58
Jo

Jaques Berndorff hat schon bessere Krimis geschrieben. Diesmal steht weniger der Krimi im Vordergrund als die zwischenmenschlichen Beziehungen. Leider leidet das Buch etwas darunter. Der Fall selber loest sich nebenbei auf. Der Autor politisiert diesmal auch, was der Eifel sicherlich so nicht gerecht wird. Schade eigentlich.

14.12.2010 17:26:01
boarderbonsai

War (besser: ist) mein erstes Buch vom Autor. Ich habs nach ca. 100 Seiten weggelegt - geht gar nicht! Was auch immer der "Nürburgring- Skandal" ist, ich mag nicht erst googeln müssen um das Thema zu verstehen. Und die Handlung schleppt sich bis Seite 100 auch gemächlich vorwärts. Habe das Buch geschenkt bekommen, wird aber sicher auch das Einzige des Autors in meiner Bibliothek bleiben. Schade, eigentlich gebe ich nicht so schnell auf.

01.10.2010 14:14:42
Eifelkrimifan

Nee - tut mir leid: Der alte Mann hat es leider nicht mehr drauf. Ich habe alle Berndorf-Krimis gelesen. Der aktuelle ist besser als sein unsäglicher Vorgänger "Mond über der Eifel", aber das war auch nicht schwer. Wer die ganzen Hintergründe des Nürburgring-Skandals nicht kennt, der kommt dem Thema auch nicht durch den Krimi näher. Die Qualität der frühen Baumeister-Geschichten (Eifel-Blues und Requiem für einen Henker - nur als Beispiel), die ganze Spannung ist futsch.