Der Bär

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Gerolstein: Gerolsteiner Brunnen, 1999, Seiten: 242, Originalsprache, Bemerkung: In: "111 Jahre Gerolsteiner Brunnen: Chronik"
  • Hillesheim: KBV, 2007, Seiten: 210, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011, Seiten: 224, Originalsprache

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Eva Bergschneider
Ein Revival der frühen Werke - nicht nur für Baumeister-Fans

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Jun 2007

Der Journalist Michael Preute, respektive Jacques Berndorf, hat seiner treuen Fan-Gemeinde den Hobby-Kriminologen mit autobiographischen Zügen Siggi Baumeister bereits in zahlreichen Krimis des Grafit-Verlages präsentiert. Nun gräbt der in Schauplatznähe, in der Eifel ansässige KBV-Verlag noch einmal ältere Werke mit dem streitbaren Pfeifenraucher und Jazz-Fan aus. Bei KBV sind bereits Requiem für einen Henker und Der letzte Agent erschienen.

Tod eines Geheimnisträgers

Tessa Schmitz ist fest entschlossen, ihre Historik-Doktorarbeit über den Mord an dem Roma Tutut zu schreiben und bittet Siggi Baumeister um Unterstützung. Ziel der temperamentvollen Gerolsteinerin ist die Aufklärung der Tat, die vor 111 Jahren an einer Wegkreuzung zwischen Gerolstein und Daun begangen wurde. Von diesem alten Rätsel fasziniert, macht sich Siggi mit dem pensionierten Ermittler Rodenstock und dessen Partnerin Emma an die Ermittlungsarbeit.

Hat tatsächlich der Bauer Schmitz, dessen Grundstück damals an die Wegkreuzung grenzte, den allgemein beliebten Tutut auf dem Gewissen gehabt, als er sich kurze Zeit später dem Auswandererstrom aus der Eifel in Richtung Amerika anschloss?

Eifel-Filz anno 1888?

Tutus Tod ist durchaus noch im Gedächtnis der älteren Eifel-Bewohner verhaftet, sogar detaillierter, als die 90-jährigen zeitnahen Zeugen zunächst zugeben wollen. Dagegen existieren auffällig wenig offizielle Aufzeichnungen, die sonst so akribisch dokumentierenden preußischen Behörden haben lediglich den Tod eines von einem Unbekannten erschlagenen Namenlosen zu Protokoll gegeben.

Der mysteriöse Tod des mit seinem Bären umherziehenden Vagabunden beginnt nachträglich Wellen der Empörung zu schlagen, als die Überreste des Toten ausgegraben werden und Hinweise auftauchen, die den damals zum elitären Zirkel gehörenden Steuereintreiber Wesendonker ins Spiel bringen. Sollte ein Skandal in honorigen Kreisen vertuscht werden, der auch noch über 100 Jahre später Unbehagen zu verursachen droht?

Gerolsteiner Geschichte

Vorab sei gesagt, dass man nervenzerreißende Spannung von diesem Berndorf-Krimi nicht erwarten sollte, er liest sich ein wenig wie ein heimatkundlicher Aufsatz. Dazu passt, dass der Autor den Roman bereits 1999 als Auftragsarbeit zum 111. Jubiläum der Gerolsteiner Sprudelfabrik verfasst hat.

Dennoch kommt keine Langeweile auf, denn in Der Bär decken Sigi Baumeister und seine Mitstreiter nach und nach eine komplexe Geschichte auf. Eine Kette von gut und weniger gut gemeinten Vorhaben und hinterhältigen Betrügereien führte fast zwangsläufig zum Tod des vermeintlich unbedeutenden Zigeuners.

Auch fast ohne die sonst unverzichtbaren Elemente Mord und Gewalt ist es Berndorf gelungen, einen faszinierenden Mix aus Detektiv-Geschichte und historisch anmutenden Kriminalroman zu schreiben. Der Autor integriert in seine Erzählung einige interessante Aspekte der damaligen Lebensumstände der Eifler und die gesellschaftliche Struktur Gerolsteins an der Schwelle zur Industrialisierung.

Humorvoll und eigenwillig wie immer

Auch dieser etwas andere Eifel-Krimi lässt keine der beliebten Charakteristika vermissen. Mit Humor und viel Idealismus gehen Siggi und Rodenstock ans Werk. Durch beharrliche und zugleich einfühlsame Zeugenbefragungen werden Anekdoten und Lebensgeschichten gesammelt. Alte Briefe und Aufzeichnungen komplettieren schließlich das Puzzle zu einem kleinen Stück Gerolsteiner Historie. An trockenem Wortwitz und markanten Sprüchen fehlt es dabei genauso wenig, wie an eigenwilligen Typen und an der typisch herzlich-schroffen Atmosphäre.

Ob es dem Autor gelingt, die Eigenarten der Eifler authentisch wieder zu geben, sei mal dahin gestellt, einige sind wahrscheinlich etwas klischeehaft überzeichnet worden. Der Hauptakteur kommt allerdings in Sätzen wie

 

"Ich hoffe, der Bär hat Deinem Mörder den halben Arsch weggerissen. Ich gebe Dir Deine Geschichte wieder, ich gebe Dir Deine Geschichte wieder. Sie haben Dich würdelos behandelt, sie haben Dich würdelos verscharrt"

 

gewohnt eigenwillig-sympathisch und engagiert herüber.

Dass Siggi Baumeister auch diesmal wieder auf die Mütze bekommt, verleiht der Geschichte eine etwas aufgesetzt wirkende, beängstigende Atmosphäre, die aber durchaus funktioniert und dem Roman etwas Action verleiht.
Insgesamt hat Jacques Berndorf auch in diesem Gerolsteiner-Sprudel-Jubiläumswerk eine originelle Idee zu einem facettenreichen Rätsel verarbeitet, das gewohnt schlüssig aufgelöst wird und keine Fragen offen lässt.
Der Bär ist zweifellos ein "Must Read" für Berndorf Fans, aber auch Liebhabern guter Rätsel-Krimis mit historischem Hintergrund zu empfehlen.

Der Bär

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