Aufruhr in Oxford

Erschienen: Januar 1937

Bibliographische Angaben

  • London: Victor Gollancz, 1935, Titel: 'Gaudy Night', Originalsprache
  • Hamburg: Christian Wegner, 1937, Seiten: 531, Übersetzt: Marianne von Schön
  • Zürich: Fretz & Wasmuth, 1952, Seiten: 471
  • Frankfurt am Main: Ullstein, 1960, Seiten: 366
  • Tübingen: Wunderlich, 1972, Seiten: 471
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1974, Seiten: 396
  • Tübingen: Wunderlich, 1981, Seiten: 623, Übersetzt: Otto Bayer
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1983, Seiten: 468, Übersetzt: Otto Bayer
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 468, Übersetzt: Otto Bayer

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Lord Peter Wimsey, blaublütig, scharfsinnig und cool von Geburt, wird in letzter Not in ein Mädchen-College nach Oxford gerufen. Man will jedes Aufsehen und vor allem das Auftauchen der Polizei vermeiden, obwohl Unheimliches passiert. Schülerinnen und Lehrkräfte erhalten Drohbriefe. Eine Strohpuppe, durchbohrt von einem Messer, hängt an einem Dachbalken. Ein früheres College-Mitglied, die Kriminalautorin Harriet Vane, entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Gerade ihr eilt Lord Peter gern zur Hilfe. Oxford wird so auch zum Ort seiner großen Liebe.

Aufruhr in Oxford

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Letzte Kommentare:
19.06.2015 18:28:59
Rainer Möller

Von Franz Lehar heißt es, dass er die (vorher schlanke und leichte) Form der Operette aufwerten wollte, indem er sie veroperte und dadurch schwerfällig machte.
Etwas ähnliches hat Dorothy Sayers mit dem Krimi versucht, mit prekären Resultaten. Ich finde aber, in diesem konkreten Fall hat sich der Versuch gelohnt.
Neben dem Krimi haben wir einen Liebesroman, der eigentümlich, aber von seiten der Frau nicht unverständlich ist (nur ihre Seite wird wirklich verdeutlicht). Und wer hier davon redet, dass sich die Vane einen Hochadligen angelt, der übersieht, dass sie es ja ist, die vor dieser Ehe zurückschreckt.
Daneben haben wir drittens ein Gesellschaftsporträt, dass einen sehr weiten und fairen Überblick bildet - von den Arbeitern, die sich einen Hitler für England wünschen, bis zu den Wissenschaftlerinnen, die im Faschismus ihre persönliche Berufung bedroht sehen.Jeder, der eine wissenschaftliche Bildung hat, wird hier die eine oder andere Stelle gefunden haben, wo das wissenschaftliche Ethos hervorragend zur Sprache kommt, mit seiner Gefahr der Inhumanität.
Und was gar nicht zu überschätzen ist, hier wird - anders als in tausenden anderen Romanen - das große bleibende Problem des Kapitalismus angeschnitten, nämlich die Verdrängungskonkurrenz der Werktätigen im Kampf um die knappen Arbeitsplätze.

19.06.2015 18:28:22
Rainer Möller

Von Franz Lehar heißt es, dass er die (vorher schlanke und leichte) Form der Operette aufwerten wollte, indem er sie veroperte und dadurch schwerfällig machte.
Etwas ähnliches hat Dorothy Sayers mit dem Krimi versucht, mit prekären Resultaten. Ich finde aber, in diesem konkreten Fall hat sich der Versuch gelohnt.
Neben dem Krimi haben wir einen Liebesroman, der eigentümlich, aber von seiten der Frau nicht unverständlich ist (nur ihre Seite wird wirklich verdeutlicht). Und wer hier davon redet, dass sich die Vane einen Hochadligen angelt, der übersieht, dass sie es ja ist, die vor dieser Ehe zurückschreckt.
Daneben haben wir drittens ein Gesellschaftsporträt, dass einen sehr weiten und fairen Überblick bildet - von den Arbeitern, die sich einen Hitler für England wünschen, bis zu den Wissenschaftlerinnen, die im Faschismus ihre persönliche Berufung bedroht sehen.Jeder, der eine wissenschaftliche Bildung hat, wird hier die eine oder andere Stelle gefunden haben, wo das wissenschaftliche Ethos hervorragend zur Sprache kommt, mit seiner Gefahr der Inhumanität.
Und was gar nicht zu überschätzen ist, hier wird - anders als in tausenden anderen Romanen - das große bleibende Problem des Kapitalismus angeschnitten, nämlich die Verdrängungskonkurrenz der Werktätigen im Kampf um die knappen Arbeitsplätze.

05.10.2012 02:15:54
Cantabile

Zur Frage von kernwer, "wann die Wimsey-Saga wieder im Fernsehen kommt": es gibt drei sehr gelungene vierteilige Fernsehverfilmungen von Sayers-Romanen aus den 80er Jahren, darunter "Gaudy Night", die allerdings in Deutschland meines Wissens nie gesendet wurden und daher nur in englischer Sprache als DVD erhältlich sind (von der BBC mit Edward Petherbridge in der Hauptrolle - nicht zu verwechseln mit den Verfilmungen aus den 70er Jahren mit Ian Carmichael). Die anderen beiden Verfilmungen dieser Reihe sind übrigens "Strong Poison" und "Have his Carcase".Zum Reinschauen kann man auch auf YouTube gucken (LPW eingeben), wo alle Filme allerdings leider im Format zu breit erscheinen.

15.02.2012 19:50:57
Petra

Große Güte! Ich weiß ja nicht, was Sie - Frau Handke - gelesen haben. Aber "Aufruhr in Oxford" kann es nicht gewesen sein.
Keine Ihrer "Behauptungen" kann ich in dem Buch wiederfinden. Ganz im Gegenteil.
Leider muss ich sagen, dass ich Ihre Meinung reichlich absurd finde, sorry to say. Vielleicht lesen Sie das Buch noch einmal und revidieren ggf. Ihre Meinung.

15.02.2012 18:35:20
Jutta Handke

Ich lese seit mehr als 50 Jahren Krimis.
Natürlich habe ich auch im Laufe der Zeit Sayers gelesen. Die witzigen Bücher waren gelungen. "Aufruhr in Oxford" ist keiner ihrer gelungenen Krimis. Hier verspinnt sich die Autorin mit dem heftigen Wunsch in den Hochadel hineinzuheiraten. Die scheinbaren englischen Feministinnen scheinen bis heute diesen Wunsch zu haben.
Das Interessanteste an diesem Roman ist,dass die akademische Autorin ganz
deutlich dem Faschismus verfallen zu sein scheint. Ist doch interessant, oder?

10.08.2011 00:31:01
kernwer

Kann mir jemand sagen, wann die Wimsey-Saga wieder im Fernsehen kommt?
Ich sehne mich so sehr danach. Gaudy Night habe ich leider noch niemals gesehen. Selbst auf DVD kann ich es nicht finden. Und niemand kann mir sagen, wie ich es finden kann. Dabei würde es mich sehr interessieren, was für Phantasien dieses Buch bei anderen Menschen ausgelöst haben kann.

10.08.2011 00:22:14
kernwer

Hörst Du die Eule? Hörst Du die Nachtigall?
Es liegt immer eine kleine Bedrohung in der Luft. Dieses Buch verleiht dieser kleinen Bedrohung unvergleichliche Gestalt. Ein Tor zu schließen, eine Beobachtung zu machen,l ein Wort zu sprechen. So einfach ist es leider nur in Kriminalromanen. Dorothy Sayers hat die allerbesten Kriminalromane geschrieben, aber gelebt hat sie nicht.

10.08.2011 00:02:45
kernwer

Wenn es ein Buch gibt, das ich über alles liebe, dann dieses. Krimis sind unvergleichlich,aber in diesem geht es um soviel mehr. Ich liebe die Stimmung , ich mag, daß es nicht um ein wirkliches Verbrechen geht. Diese Frau muß sich nur entscheiden, will sie leben oder in einer Enklave existieren.?
Es gibt kein besseres Buch über Mord. Obwohl kein Mord geschieht.

02.12.2008 16:57:47
Nora

Ein wunderbares Buch! Schon klar, es gibt nicht so viele Ermittlungen, keine leiche usw. wie in den anderen DLS-Krimis. Aber wer Lord Peter als Person liebt wird von diesem Buch begeistert sein! Die Geschichte ist toll, besonders wenn man danach noch die Nachfolgebücher liest (Hochtzeit kommt vor dem Fall, In feiner Gesellschaft + Mord in mageren Zeiten). Und was Elmar angeht: Warum liest du das Buch überhaupt, wenn du es so langweilig findest? Lies irgend einen Thriller oder so, da werden die Leute massenweise umgebracht. Aber ich möchte nicht wissen, wie viele Leute du schon um die Lektüre eines wunderbaren Buches gebracht hast.

02.08.2008 16:01:19
trueIgel

"Mädchen-College": Wer solches schreibt, hat von diesem Buch ebensowenig verstanden wie von der Liebesgeschichte darin. Schade.
Die englische Ausgabe zu lesen ist eine sehr gute Idee. Literarisch ist dieses Buch sicher kein Meillenstein, aber ich kann mich der sicher kitschigen Romantik einfach nicht entziehen...

22.05.2008 22:02:53
Claudia

Ein absolut tolles Buch! Ich habe es gleich 2x hintereinander gelesen, das 1. Mal vor lauter Spannung so schnell, daß ich mir einfach noch ein genußvolles langsames detailschwelgerisches Lesen gönnen mußte.
Obwohl es 1935 spielt, sind einige gesellschaftliche Aspekte erstaunlich aktuell:
die Frage nach Werten und der Stellung der Frau.

24.12.2007 20:37:41
P. F.

... habe das Buch jetzt wieder gelesen - zum dritten Mal innerhalb von 15 Jahren. Zeit, mir die englische Ausgabe zu besorgen. Zäher Einstieg ins Shrewbury College vor dem aufkommenden Faschismus (Sterilisationen, Akademiker-Zuchtvereine, Whimsey fürs Außenamt in Italien stationiert); dann: wehende Talare, ergreifende Blicke über Oxford in der Morgendämmerung (so kann man nur eine Stadt beschreiben, die man liebt), viel Geschlechtermetaphysik und etliches an noch immer aktuellem Feminismus. Wer wütet so bösartig gegen die Frauen, die das Leben des Geistes leben? Muss sich Harriet Vane zwischen Geist und Fleisch entscheiden, oder wird sie beides haben können? Tja, placebit magistrae, denn Literatur ist Wunscherfüllung.

19.01.2007 19:19:52
Rolf Wamers

Das Buch "ist durch und durch ein Frauenroman voll pseudoseriösem Geschwafel der einzelnen Personen, das sich Seite für Seite fortsetzt." So urteilt Julian Symons, der große Autor und Kritiker, in Bloody Murder, und ich (ein Sayers-Fan!) muss ihm Recht geben. Diese staubtrockene Geschichte, ein Pillepalle-Fall, wird auf über 500 Seiten ausgewälzt, wo eine 30-Seiten-Kurzgeschichte ausgereicht hätte. Und die Liebesgeschichte ? Wie man sich den Hochadel krallt, wissen wir seit Camilla in allen Einzelheiten. Gut, das konnte DLS nicht wissen, aber vor diesem Hintergrund kommt einem Lord Peters Balz ziemlich einfältig vor.
"Aufruhr in Oxford" ist vielleicht das am meisten überschätzte Buch der Kriminalliteratur.

22.01.2005 18:40:36
Alexandra

Mein absolutes Lieblingsbuch!!! Fällt mir mindestens alle 2 Monate mal wieder in die Finger. Sayers war nie so wortgewandt und hintergründig wie in diesem Buch und die Situation akademisch gebildeter Frauen zu dieser Zeit ist faszinierend dargestellt. Und dass Harriet Vane sich endlich ihre Liebe zu Lord Peter Wimsey eingestehen muss, macht das Ganze dann perfekt!

12.12.2004 16:41:58
Petra

Ein weiterer wunderbarer Roman der Sayers. Man sollte jedoch die Wimsey-Bücher in chronologischer Folge lesen, um "mitkommen" zu können. Für einen "ernsthaften" Krimi-Liebhaber sicherlich ein Genuß. Für die anderen gibt es ja noch Jerry Cotton - mit Gruß an Herrn Elmar !

17.08.2004 15:35:44
Torsten Janssen

Lieber Elmar, hören Sie doch auf damit Dorothy Sayers ständig zu beschimpfen. Autoren die ich nicht mag, lese ich gar nicht erst. Ich könnte mich auch ständig über Stephen King aufregen, lese ihn aber lieber gar nicht. Also lesen sie lieber Comics.

17.08.2004 10:55:30
Elmar

Der langweiligste Roman meines Lebens. Besser als jede Schlaftablette. Sayers muß wirklich der Überzeugung gewesen sein, eine \'literarische\' Schriftstellerin zu sein, aber das glaubt schließlich Rosamunde Pilcher auch...

26.02.2003 19:37:56
Joana

Ich finde das Buch anfangs etwas schwer zu lesen, da man oft nicht ganz mitkommt, ich komme immer mit den personen durcheinander! Auch kommt im ersten viertel des buches nur Harriet Vane vor, von Lord Peter Wimsey bekommt man nur mit, dass er in Harriet verliebt ist! Ich habe von meiner Deutsch Lehrerin den Auftrag, ein Portrait über den Detektiv des Buches zu schreiben und denke schon daran über Harriet zu schreiben, da anfangs nur sie ermittelt!
Wenn man nicht schon andere Romane mit Lord Peter Wimsey als Detektiv kennt, ist man schnell irritiert!! Doch bin ich der Überzeugung, dass es ein lesenswertes Buch ist!

16.01.2003 18:22:06
Andrea Rohe

Wer hinter diesem Roman einen einfach zu lesenden, vor allem knisternd-spannenden und mitreißenden "Krimi" à la "who dunnit" vermutet, wird seine Erwartungen sicher nicht erfüllt finden. Wer aber die liebe- und lustvolle Zeichnung von unverwechselbaren, äußerst menschlichen Charakteren liebt, der wird das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Denn hier geht es nicht um Mord - es gibt nicht einmal eine Leiche! -, sondern um die Frage, was vorbehaltlose Liebe anzurichten vermag. Und es geht um die Frage, ob starke (heute würde man sagen "karrierebewusste") Frauen überhaupt mit ebensolchen Männern zusammenleben können, ohne ihre eigenen Ziele aufgeben zu müssen.
Die Erzählperspektive nimmt, wie schon im Roman " Zur fraglichen Stunde", nicht der berühmte Aristokrat Lord Peter Wimsey ein, sondern die Detektivschriftstellerin Harriet Vane, die von ihrer ehemaligen Universität Oxford um Hilfe gebeten wird: Myteriöse Botschaften und obszöne Zeichnungen verunsichern zusehends die Oxforder Profssorinnen, die die Missetäterin unter ihresgleichen vermuten und dabei langsam verrückt werden. Doch Harriet muss bald feststellen, dass Kriminalromane schreiben und Kriminalfälle aufklären zwei grundverschiedene Sachen sind, zumal ihre Gedanken nicht immer bei der Sache sind...
Die Antworten, die der noch immer unglücklich verliebte, aber wie immer charmante und (scharf-) sinnige Lord Peter am Ende auf all diese Fragen mit Harriet Vane findet, könnten auch heute aktueller nicht sein. Ein Lesevergnügen, das seinesgleichen sucht!