Ärger im Bellona-Club / Es geschah im Bellona-Club

Erschienen: Januar 1939

Bibliographische Angaben

  • London: Ernest Benn, 1928, Titel: 'The unpleasantness at the Bellona Club', Seiten: 287, Originalsprache
  • Wien; Leipzig: Tal, 1939, Titel: 'Totenstille im Club', Seiten: 222, Übersetzt: Ellen Diner
  • Nürnberg: Nest, 1951, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 306, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • Frankfurt am Main: Das goldene Vlies, 1955, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 189, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • München: Goldmann, 1968, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 196, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • Tübingen; Stuttgart: Wunderlich, 1972, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 288, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • München: Goldmann, 1975, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 188, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • Tübingen: Wunderlich, 1980, Titel: 'Ärger im Bellona-Club', Seiten: 301, Übersetzt: Otto Bayer
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1983, Titel: 'Ärger im Bellona-Club', Seiten: 245, Übersetzt: Otto Bayer
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 1995, Titel: 'Ärger im Bellona-Club', Seiten: 6, Übersetzt: Christian Brückner
  • München: Goldmann, 1998, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 249, Übersetzt: Hilda Maria Martens
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2002, Titel: 'Ärger im Bellona-Club', Seiten: 7, Übersetzt: Christian Brückner
  • München: Goldmann, 2005, Titel: 'Es geschah im Bellona-Club', Seiten: 285, Übersetzt: Hilda Maria Martens, Bemerkung: Vorwort von Elizabeth George

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Michael Drewniok
Ehrlose Erben & eiskalter Mord

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Der alte General Arthur Fentiman besitzt nicht nur die Rücksichtslosigkeit, im Salon des ehrwürdigen Bellona-Clubs zu London das Zeitliche zu segnen. Sein Tod ruft außerdem die Justiz auf den Plan, denn beinahe zeitgleich verblich Lady Felicity Dormer, Arthurs Schwester, die ebenfalls betagt sowie ungemein vermögend war. Mindestens eine halbe Million Pfund sind im Topf, doch wer wird sie erben? Das Geld der Lady sollte an den Bruder fallen und würde nunmehr an dessen überlebenden Nachkommen, die Enkel und Brüder George und Robert Fentiman, gehen. Ist der General jedoch vor seiner Schwester gestorben, erbt Ann Dorland, Lady Felicitys Gesellschafterin und Quasi-Tochter.

Die beiden Erben-Fraktionen sind zu keinem gütlichen Vergleich bereit. Um die delikate Angelegenheit ohne Erregung öffentlichen Aufsehens zu klären, bittet Mr. Murbles, Familienanwalt der Fentimans, Lord Peter Wimsey um Hilfe. Dieser gehört zum britischen Hochadel und ist Mitglied des Bellona-Clubs. Außerdem gilt er als bekannter und erfolgreicher Hobby-Ermittler, der sich in der Tat zutraut diskret festzustellen, wann genau General Fentiman starb.

Das "Wann" ist freilich gar nicht so wichtig, die Frage nach dem "Wie" schiebt sich stattdessen in den Vordergrund: Der alte General starb weder zum bisher angenommenen Zeitpunkt noch ohne meuchelnde Nachhilfe. Zum Schrecken aller Beteiligten wird aus einem juristischen Dilemma ein ungeklärter Mordfall. Die Erben avancieren zu Verdächtigen, die Polizei schaltet sich ein, und die Presse wird aufmerksam. Glücklicherweise ist Charles Parker, Kriminalinspektor bei Scotland Yard, ein alter Freund Peter Wimseys, der deshalb seine Nachforschungen fortsetzen und sogar intensivieren kann. Eile tut Not, denn die Aktivitäten der meist alibischwachen Verdächtigen könnten den womöglich erfolgreichen Versuch des Täters oder der Täterin belegen, seine oder ihre Spuren endgültig zu verwischen …

Zeiten ändern sich

1928 scheint die britische Welt zumindest in der Welt der Londoner Clubs noch in Ordnung zu sein. Hier findet man einen sicheren Hafen, in den man sich vor den Stürmen des Alltags- und Ehelebens flüchten und von servilen Bediensteten bauchpinseln lassen kann. Gefürchtete Feinde in Gestalt adelsfreier oder nicht militärischer Emporkömmlinge, neugieriger Reporter sowie emanzipierter Frauen bleiben ausgesperrt. Man ist buchstäblich unter sich und kultiviert in beruhigender Langeweile Animositäten und Feindseligkeiten.

Bei näherer Betrachtung ist die Zeit aber auch im Bellona-Club nicht stehengeblieben. Dies betrifft nicht nur die von Autorin Sayers herausgestellte Präsenz kriegsversehrter Mitglieder und Club-Angestellter, sondern auch den zwar gern verschwiegenen aber nicht wirklich ignorierbaren Druck der Gegenwart. Auch und gerade die Oberschichtler müssen sich nach der Decke strecken. Seit dem Ende des I. Weltkriegs zwingt man sie, die einst in Privilegien schwelgten, sogar Einkommenssteuern zu zahlen! Hochrangige Offiziere wurden außer Dienst gestellt und auf karge Pensionen gesetzt. Das Geld ist so knapp, dass manchmal darüber gesprochen werden muss; für einen Gentleman der alten Schule der Gipfel der Schmach, wie George Fentiman in einem unkontrollierten Gefühlsausbruch deutlich macht.

So ist es möglich, dass eine Oase wie der Bellona-Club als Kulisse für einen schnöden Erbschaftsbetrug missbraucht wird. Wer die tief eingeschliffenen Gewohnheiten der Mitglieder und Angestellten kennt, kann fast risikolos mit einer Leiche hantieren. Die ostentativ zur Schau gestellte Club-Gleichgültigkeit erleichtert die Tat. Hinzu kommt umgekehrt der clubkollektive Drang, die eigentlich zuständige Polizei auszusperren. Die Zeremonie und der Schein sind allemal wichtiger als die Realität. Ein Club kann daher durch einen Skandal seinen Ruf verlieren und auf diese Weise zerstört werden.

Eine unerwartete Wendung

General Fentimans Tod, zunächst nur ein ärgerlicher Zwischenfall, wird paradoxerweise deshalb zum Skandal, weil der um Klärung gebetene Peter Wimsey zwar von hohem Adel ist, ohne jedoch die daraus resultierende Vorrechte über das Gesetz zu stellen. Er ist "einer der Jungs" und tief dort in die Oberschicht eingebettet, wo diese Einfluss und Vermögen wahren konnte. Doch der Kriminalist gewinnt stets die Oberhand über den Lord. Da er "nur" der zweite Sohn seines Vaters ist, besteht für Wimsey kaum die Gefahr, den ohnehin ungeliebten Titel des Herzogs von Denver übernehmen zu müssen. Er hat daher das Geld, die Muße sowie die intellektuelle Ausstattung, seinem Hobby – der Schurkenjagd – zu frönen.

Nur Wimsey, der Insider, entdeckt, dass sich hinter Arthur Fentimans Tod mehr als ein juristisches Planspiel verbirgt. Bereits die stringente und jederzeit nachvollziehbare Aufklärung eines komplizierten Erbbetrugs ist eine literarische Meisterleistung. Sayers gelingt ein Plot, der zwar komplex aber nicht überkonstruiert ist: So wie beschrieben hätte der Betrug tatsächlich funktionieren können.

Für angenehme Verwirrung sorgt die Erkenntnis, dass bei Entlarvung der Schuldigen gerade die Hälfte des Romans gelesen ist. Hinter dem Erbstreit kommt plötzlich und unerwartet ein "richtiges" Verbrechen zum Vorschein. War der Ton bisher leicht, wird es nun zunehmend dramatischer. Dorothy Sayers begnügte sich bereits in ihren frühen Schriftstellerjahren nicht mit dem Entwurf gut geschürzter Krimi-Plots. Anders als die Mehrheit jener Autoren, die mit ihr das goldene Zeitalter des klassischen "Whodunits" prägten, legte sie Wert auf eine psychologische Unterfütterung des Geschehens.

Scharfe Kehre, das Tempo zieht an

Der Mensch ist bei Sayers kein Zahnrad im Getriebe eines Verbrechens, das wie eine gut geölte Maschine aber ohne Schmierung durch Emotionen funktioniert. Sie hatte begriffen, dass Handlungen eine psychologische Vorgeschichte haben. Davon sind Detektiv wie Gauner gleichermaßen betroffen. Da Sayers diese Ursachen überzeugend ins Leben rufen konnte, bleiben ihre Romane aktuell: Sie bieten mehr als Rätselnüsse.

Lord Peter Wimsey ist eine interessante Figur; er besteht aus "Nerven und Nase", wie ihn ein fiktiver Verwandter treffend in einer ebenso fiktiven Kurzbiografie beschreibt, die Sayers ihrem Serienhelden 1926 verfasste bzw. 1935 ergänzte. Auf der einen Seite ist Wimsey ein begeisterter Schurkenjäger, auf der anderen ein Mensch mit charakterlichen Stärken und Schwächen, der immer wieder mit der ihn in Seelennot stürzenden Erkenntnis konfrontiert wird, dass am Ende seiner stimulierenden Ermittlungsarbeit der Galgentod eines überführten Mörders steht. Eine andere unerfreuliche Nebenwirkung ist der Zwiespalt, als intimer Freund eines hochrangigen Scotland-Yard-Beamten in Gefahr zu geraten, zum ehrlosen Spitzel abzugleiten.

Die daraus resultierenden Konflikte kennen die meisten der "klassischen" Krimi-Detektive nicht, zumal es schwierig ist, die Balance zwischen Figurenzeichnung und Seifenoper zu halten. Sayers ist selbst ins Rutschen geraten, als sie Lord Peter in eine schwierige, sich über mehrere Romane erstreckende Liebesgeschichte verwickelte. In Ärger im Bellona-Club deutet sich der Hang, den Krimi zugunsten der Nebenhandlung auszusetzen, bereits an.

Autobiografische Spiegelungen

In diesem Zusammenhang muss freilich berücksichtigt werden, dass Sayers das emotionale Element wirklich wichtig war. Sie wusste darüber hinaus, worüber sie schrieb. Die in Liebesangelegenheiten ungeschickte und enttäuschte Ann Dorland erinnert an ihre geistige Mutter. Auch Dorothy Sayers tat sich schwer mit Männern. Ihre erste große Liebesbeziehung ging sie 1921 mit dem Schriftsteller John Cournos (1881-1966) ein. Sie endete tragisch und erinnert sehr an den Schiffbruch, den die unerfahrene Ann Dorland mit einem fiktiven aber treulosen und manipulativen Maler erlitt.

Über die Problematik überlebender aber durch Traumata gezeichneter Soldaten des I. Weltkriegs wusste Sayers Bescheid, nachdem sie 1926 Captain Oswald Atherton Fleming, einen schottischen Journalisten, geheiratet hatte. Schon vorher hatte sie Lord Peter Wimsey selbst mit einer entsprechenden Neurose geschlagen, was sie in weitere Romanen der Serie thematisierte.

Das Frauenbild, mit dem wir in Ärger im Bellona-Club konfrontiert werden, stellt eine sorgfältig austarierte Mischung aus weiblichem Selbstbewusstsein und zeitgenössischer Zurückhaltung dar. Obwohl Sayers eine gebildete und selbstständige Frau war, achtete sie die Konventionen. Eine Feministin war sie keineswegs, sondern realistisch darum bemüht, ihren Standpunkt deutlich zu machen, ohne anders gesonnene Leser zu irritieren oder abzuschrecken.

Die Wahl eines Mannes als Hauptfigur ist eine der daraus resultierenden Konzessionen: Nur ein Lord Peter Wimsey kann sich innerhalb aller gesellschaftlichen Milieus wie ein Fisch (und ein wenig zu glatt, wie bereits zeitgenössische Kritiker anmerkten) im Wasser bewegen. Immerhin ist er anders als Sherlock Holmes oder Hercule Poirot freilich weder ein Frauenverächter noch ignoriert er die Frauen. In diesem Punkt ist Wimsey so modern, wie es der zeitgenössische (Kriminal-) Roman ermöglichte. In Kombination mit dem ausgefeilten Talent einer Krimi-Autorin auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten sichert dies ein Lektürevergnügen auf hohem Niveau bei höchstmöglichem Unterhaltungswert.

Anmerkung

Ärger im Bellona-Club wurde von der BBC 1972 als vierteilige Mini-Serie verfilmt. Die Rolle des Peter Wimsey spielte Ian Carmichael (1920-2010), der dem neugierigen Lord zwischen 1971 und 1975 insgesamt fünfmal sein Gesicht lieh und damit Fernsehgeschichte schrieb.

 

Ärger im Bellona-Club / Es geschah im Bellona-Club

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Letzte Kommentare:
25.02.2013 17:23:26
abdullah.yenirce

Ich find es sehr schade, das hier mehr über ihrem Glauben diskutiert wird, als sich zum Buch selbst zu äußern. Ich habe es noch nicht gelesen und hier leider auch nicht viel erfahren können. Natürlich werde ich es dennoch lesen, aber es ist vorab immer sehr gut einige Informationen zu erfahren: Ist das Ende sehr überraschend, Ist die Lösung sehr raffiniert, hätte man auch selber auf die Lösung kommen können, wie ist der Aufbau der Charaktere, kommt der Detektiv sehr früh ins Geschehen oder sehr spät, ist es ein lookedroom-case.

Ich werde es natürlich trotzdem lesen!

16.08.2008 17:32:12
germansabs

Lieber Elmar,
zu Ihren Kommentaren fällt mir im Moment nichts Passendes auf Deutsch ein, aber da Sie ja im Gegensatz zu mir gebildet genug sind, Fehler bei den Zitaten zu entdecken, verstehen Sie ja bestimmt auch Englisch.
Any chance you might have some kind of a chip on your shoulder? So much devotion in reading book after book by an author one hates...

24.10.2007 21:13:28
SukRam

Ich habe wirklich schon viele Romane des Golden Age gelesen und bin eigentlich auch immer sehr von der Good Old English Atmosphere begeistert, aber dieser Krimi ist einfach nur langweilig: Lord Peter führt sinnlose Dialoge immer und immer wieder, wobei die eigentliche Frage sehr zäh gelöst wird. Hat mir Lord Peter in ,,Der Tote in der Badewanne" doch recht gut gefallen, ist sein Humor in diesem Buch irgendwie überhaupt nicht komisch. Da kann das Ende noch so überraschend sein, man wird als Leser nicht über das langatmige Lesen hinweggetröstet: Schade eigentlich!

Meine Wertung: 55°

14.05.2007 09:27:32
Torsten Janssen

Die Serie "Mord im Bellona Club" ist auch im Deutschen Fernsehen gelaufen oder?. Leider weiß ich nicht ob es sie schon mal gab. Vielleicht kann mir jemand helfen.

05.11.2005 13:43:54
Ulrich Thiemer

ein super krimi,
ich kann elmar meinung nicht nachvollziehen. ich suche immer noch die verfilmung der bbc mit dt.synchronisation.
warum werden eigentlich so wenige bücher von d.s verfilmt?
liebe grüße
Thiemer

17.08.2005 07:02:03
Rolf Wamers

Also: DLS war natürlich keine (römische) Katholikin sondern Angehörige der Anglikanischen Hochkirche (High Church im Gegensatz zur Low Church).Besonders der Gottesdienst (übrigens auch Messe genannt) gleicht im Ritus sehr der römischen Form. So kam es auch immer wieder zu spektakulären Konversionen zur kath. Kirche (im Krimi-Bereich Father Ronald A. Knox oder G.K. Chesterton).
Heute ist das alles unwichtig - die Kirchen in England sind genauso leer wie bei uns. Gott zum Billigtarif, ist das Motto. DLS kann von da oben nur den Kopf schütteln.

16.08.2005 18:29:06
Torsten Janssen

Lieber Marius, wenn man sich Ihre Kommentare so durchliest, frage ich mich langsam, wer oder was ist hier schwachsinnig? Katholische Kirchen gibt es zwar WIEDER, aber wenn man bedenkt wie lange seit der Scheidung Henry VIII und der Hinrichtung seiner Nichte Mary Stuart dieser Glaube im Lande verfemt war, auch unter Elisabeth I. und James I(VI) verfolgt wurde? Durch den Bann des Papstes auf Elisabeth I. 1571 (" wer sie tötet, dem ist ein Platz im Himmel sicher"), waren schließlich alle Katholiken potentielle Verräter! Erst um 1800 fand wieder eine Lockerung statt. Und doch ist der Anglikanische Glaube Staatsreligion, auch wenn z.B. eine Kusine der Engl. Königsfamilie, die Herzogin von Kent inzwischen konvertiert hat. Höchstens 3 % aller Engländer sind Katholiken. Grüße

12.08.2005 16:57:34
Marius

Nachtrag: Man glaubt es kaum, aber es gibt in England sogar KATHOLISCHE Krichen!! Doll, wa? Und daß sie Katholikin war, steht in jedem Einband (auch bei Rowohlt, jedenfalls in meiner Ausgabe). Da Innes sich ausdrücklich sayers zum Vorbild genommen hat, kann man beide m.E. durchaus vergleichen.

11.08.2005 18:35:18
Torsten Janssen

Also, hatte ich recht in dieser "schwachsinnigen Debatte" und sie war KATHOLISCH. Die ganze Geschichte wurde übrigens durch die unflätigen Bemerkungen eines gewissen Herrn Elmar ausgelöst. Für mich bleibt sie eine klasse Autorin oder I like Lord Peter. Grüße

10.08.2005 19:16:57
Sigrid

Der Vater von D. Sayers hatte eine Landpfarrei irgendwo in Huntingdonshire - muss ja wohl Anglikaner gewesen sein. Meines Wissens ist sie nicht konvertiert. Und Crispin schrieb seinen ersten Roman 1944 (Mord vor der Premiere). Man kann Innes und Crispin mit ihrem speziellen Stil nicht mit der Sayers vergleichen - das macht keinen schlechter oder besser sondern ist Ge-schmackssache!Wie wäre es mit etwas Toleranz?
Zum Schluss - bitte nicht die schlechtesten Übersetzungen als Diskussionsgrundlage nehmen (die Rowohltausgaben sind wesentlich besser und ungekürzt).

10.08.2005 14:26:21
Marius

Um die schwachsinnige Debatte abzukürzen: Sie war Katholikin. Sie war Antisemitin. Sie war Antifeministin. Kann man alles nachlesen in einschlägigen (englisch geschriebenen) Biographien. Und zwischen Sayers einerseits und Innes / Crispin andererseits liegt kein Weltkrieg, Innes hat zu schreiben begonnen, als auch Sayers noch schrieb, und Crispin hat seine ersten Romane vor 1945 geschrieben. Wenn man schon tut, als hätte man toll die Ahnung, muß man dem auch gerecht werden. Wirklich gut war die Fernsehserie mit Ian Carmichael im BBC, die auch mal auf Deutsch ausgestrahlt wurde - sehr viel besser und witziger als die Bücher, die alle schon ziemlich Patina angesetzt haben (oder unfreundlicher gesagt: Schimmel).

19.07.2005 18:39:05
Torsten Janssen

Liebe BeateS, sollte Sie des Lesens mächtig sein, was ja heute bei Studenten nicht selbstverständlich ist ,lesen Sie meinen Beitrag vom 12.05. noch mal GENAU. Ich meinte nicht Oxford speziell, sondern Universitäten generell. Und zu Sigrid: Sind sie sich da sicher daß Sayers Anglikanerin war, denn auch in GB gibt es Katholiken. Grüße

23.06.2005 19:50:41
Sigrid

Ein spannendes und amüsantes Buch, und ein Buch, das exemplarisch für diese Debatte steht - man muss beachten, dass es in den 20-ern geschrieben wurde und die Denkweise dieser Zeit widerspiegelt. Wie wohl die von uns heute so gelobten Bücher in 30 oder 40 Jahren besprochen werden? Wenn Innes oder Crispin amüsanter erscheinen, darf nicht vergessen werden, dass 20 Jahre und ein Weltkrieg dazwischen liegen. Also ich lese sie alle gern und lasse mir meine Sayers nicht madig machen! Also, lieber Elmar, wenn Sie die Sayers dröge finden, lesen Sie etwas anderes, und akzeptieren, dass es verschiedene Geschmäcker gibt. Und zu guter letzt - die Sayers war Anglikanerin und keine Katholikin.

23.06.2005 18:20:58
BeateS

Sorry, aber- was ist den anno 68 ausgerechnet in Oxford passiert??? Nichts!!! Da wurde die Studentenrevolution nur deshalb nicht mit Wasserwerfern und MGs niedergeschlagen, weil es überhaupt keine Revolte gab (im Gegensatz zu Vincennes, Paris, Berlin, Frankfurt/M.). Erstmal informieren, bevor man drauflosfantasiert!

22.06.2005 19:11:32
Monika

Hallo,
"Ärger im Bellona Club " ist leider wirklich nicht der stärkste Sayers-Krimi. Mir gefällt vor allem nicht, dass Selbstmord als ehrenhaft dargestellt wird. "Aufruhr in Oxford" oder "Der Glockenschlag" sind Klassen besser. Von Antisemitismus kann eigentlich keine Rede sein- es sei denn, man stört sich an manchen Beschreibungen, wie z. B. im allerestren Krimi. Und die Überstezungen von Otto Bayer sind super!

12.05.2005 17:23:21
Torsten Janssen

Lieber Ulli, danke für Ihr Statement. Lieber Elmar, eine Emmeline Pankhurst wäre in Oxford sicherlich auch gut aufgehoben. Den Universitäten sind seit jeher Orte des eigenständigen Denkens, siehe 68er. Das Dorothy Sayers eben keine gehuschte, überangepasste Frau war, kann man an dem Faktum ablesen, das sie dort ihr Examen ablegte. Ansonsten gehört sie immer noch zu den 3 führenden Autorin GB. (Neben Agatha Chrsitie und P.D. James). Grüße

11.05.2005 17:08:25
Ulli

Lieber Elmar, jetzt verraten Sie dem geneigten Leser dieser Seiten dochmal, warum Sie sich eigentlich die Qual antun, immer wieder die gar furchtbaren Bücher von Sayers zu lesen. Wenn einem ein Autor nicht gefällt, riskiert man vielleicht noch einen weiteren Titel und wenn es wieder nichts ist, testet man den nächsten Autor. Machen Sie nur die Bücher froh, über die Sie schimpfen können? Ihr Leben scheint mir kein glückliches zu sein.
Wie auch immer: Gerade für den anglophilen Leser ist dieser Roman ein Mordsvergnügen. Einer von Sayers Pluspunkten ist das Schildern von konkreten - teils typisch britischen - Milieus. Oft kurios, oft vom "wirklichen Leben" abgehoben wirkend, aber stets vergnüglich.

26.03.2005 16:51:58
Elmar

Die Zitate sind nicht falsch übersetzt, sondern falsch zugeordnet (es werden nicht die richtigen Autoren genannt usw.), aber das ist ja auch egal. das mit Oxford sollte man mal besser umgekehrt interpretieren: Eben weil Dorothy Sayers eine erzkonservative, katholische Frau und keineswegs eine Anhängerin der Emanzipationsbewegung war, die es damals schon gab, durfte sie studieren. Selbst Virginia Woolf, die wirklich gute soziale Voraussetzungen mitbrachte, hatte es wegen ihrer Intelligenz schwerer. Und es läßt sich doch einfach nicht bestreiten, daß diese Bücher öde sind: Hier erfährt man schon nach zwei Dritteln die Antwort auf die eigentlich interessante Frage (bzgl. dem Fundort der Leiche), der Rest ist einfach langweilig.

22.03.2005 17:23:07
Torsten Janssen

Der liebe Elmar kann es einfach nicht lassen, Dorothy Sayers, eine hochintillegente Autorin, sie machte als eine der ersten Frauen in Oxford ihr Examen, madig zu machen. Wenn die Zitate falsch sind, könnte es vielleicht am Verlag liegen. "5 falsche Fährten", "Diskrete Zeugen" und "Der Glockenschlag" sowie die Story "Onkel Meleagers Testament" fand ich jedenfalls, auch was die Dramaturgie betraff exellent. Sicherlich kann man auf die finanzielle Unabhängikeit Lord Peter Wimseys neidisch werden, aber es ist doch nur Fiktion. Dorothy Sayers nahm übrigens 1935 auf die Jagd nach der damals für 10 Tage verschwundenen Agatha Christie teil, und ihre Romane sind nun Teil ihrer Träume. Grüße

22.03.2005 16:27:51
Elmar

Leider isses mit dem Intellekt bei Dorothy Sayers nicht weit her. Die Hälfte der so großspurig eingestreuten lateinischen, französischen usw. Zitate sind FALSCH, die literarischen Anspielungen schief usw....wenn man sich denn überhaupt damit befassen möchte. Wie auch immer, jedenfalls kann sie einfach keine guten Krimis schreiben. Die Plots sind fehlkonstruiert, die Spannungsdramaturgie spottet jeder Beschreibung, der \'Witz\' ist schal (man lese im Vergleich bloß mal die schreiend komischen Bücher von Anthony Berkeley!) - und der katholische Moralismus macht alles noch schlimmer. Was \'Stil\' und Bildung angeht sind z. B. Michale Innes und Edmund Crispin viel besser. Nichts für ungut, aber so ist es nun mal.

12.12.2004 16:46:32
Petra

Ein spannendes Buch ! Man kann es allerdings nur richtig genießen, wenn über den entsprechenden Intellekt verfügt, was hier nicht bei jedem der Fall ist, ansonsten müßten wir zu D. Sayers nicht solche kindischen Kommentare lesen.

06.10.2004 15:06:18
Marion

wie immer: erstaunlich, wortgewaltig, gewitzt - mit einem wort: exquisit. wenn ich an die vielen so genannten krimis denke, dich ich schon auf diverse empfehlungen hin ge"schlafen" habe, ist es mir unverständlich, wie man sayers werke als langwelig bezeichnen kann. ich bin jedesmal aufs neue begeistert!

10.09.2004 11:00:58
Liz

Mir gefallen die Lord Peter Wimsey Krimis allesamt! Die einen extrem gut, die anderen ein bisschen weniger, aber spannend find ich sie alle. Wer gerne Krimis mit einem Quentchen British Humour liest, sollte sich diese nicht entgehen lassen.
Aber das allerwichtigste: ignoriert Elmars Meinung. Der liest Bücher offensichtlich nicht zum Vergnügen, sondern nur, damit er sie kritisieren kann, kritisieren hier wirklich wörtlich gemeint. Erinnert mich doch an irgendwen....???

05.07.2004 16:36:04
Torsten Janssen

Lieber Elmar, bevor ich Ihre Meinung niedermache, würde mich mal interessieren (vielleicht an Hand von Textzitaten) wo die Bücher von Sayers antisemitsch und rassistisch sind ?? Mein Eindruch ist dieses nicht, vielleicht sind sie etwas misogyn. Mein Deutsch Lehrer meinte jedenfalls, Sie wären gute Literatur.

04.07.2004 13:19:42
Elmar

Es wundert mich immer wieder, weshalb diese Bücher so gelobt werden. Sie sind offen misogyn, antisemitisch und rassistisch, außerdem langweilig und dröge, ohne jede Sensibilität bei der Charakterzeichnung und vollgestopft mit teilweise falschen, arroganten Bildungszitaten, die keinerlei Funktion für die Handlung haben. Besonders überraschend ist hier, daß die einzig interessante Frage (was geschah mit der Leiche nach dem Tod?) in der Mitte des Romans geklärt wird, so daß auch der letzte Rest an Spannung bis zum Ende ausgelöscht ist.