German Angst

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer Knaur, 2000, Seiten: 487, Originalsprache
  • Wuppertal: Guanako Audio, 2002, Seiten: 4, Übersetzt: Udo Wachtveitl

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54°
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Peter Kümmel
Brisantes Thema schlecht angegangen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Aug 2003

Das Buch beginnt mit einer Entführung: Natalia Horn wird von mehreren Männern in ihrer Wohnung überfallen und mißhandelt. Anschließend wird sie gefesselt und geknebelt und im Kofferraum eines Autos weggebracht.

Danach blendet der Autor zwei Wochen in der Zeit zurück und wir lernen Natalia Horn besser kennen. Sie hat sich zu Hause ein Kosmetikstudio eingerichtet, in dem sie zusammen mit ihrer blinden Angestellten Ines ihre Kunden betreut. Josef Rossi war heute zum ersten Mal aufgrund einer Empfehlung einer Bekannten in ihrer Praxis. Rossi ist Natalia von Anfang an unsympathisch. Als er unverschämt wird und Natalia ihn hinauswirft, gibt er ihr den Rat, sich die Sache mit ihrer Hochzeit noch einmal zu überlegen.

Da wird Natalia stutzig, denn sie ist verlobt mit Christoph Arano, einem Schwarzafrikaner, der seit Jahren in Deutschland lebt und einen gutgehenden Sanitärbetrieb führt. Arano ist zwar kein deutscher Staatsbürger, besitzt aber eine Aufenthaltserlaubnis, die jährlich verlängert wird. Das Problem jedoch ist Christophs fast 14-jährige Tochter Lucy. Diese hat den Unfalltod ihrer Mutter nicht verkraftet und ist kriminell. Sie hat bereits 68 Straftaten begangen, für die sie jedoch nicht belangt werden kann, da sie noch nicht 14 Jahre alt ist. Tagelang bleibt sie unauffindbar. An ihrem 14. Geburtstag holt sie sich kurz ihre Geschenke ab, verschwindet wieder und wird prompt verhaftet, als sie einen Jugendlichen brutal zusammenschlägt.

Für den Staatsanwalt ein gefundenes Fressen, denn er hat schon lange auf diesen Tag, an dem Lucy strafmündig wird, gewartet und setzt alles daran, dass das Mädchen aus Deutschland ausgewiesen wird. Auch die Presse macht Stimmung gegen Lucy und der Großteil der Bevölkerung würde es ebenfalls befürworten, wenn das Kind aus Deutschland abgeschoben würde.

Dann erhält die Polizei und eine Journalistin einen Brief von einer rechtsradikalen Gruppe, die sich "Aktion D" nennt. In dem Brief verlangt die Gruppe die sofortige Ausweisung von Lucy sowie ihrem Vater aus Deutschland, andernfalls wird man die Geisel Natalia Horn töten.

Mit der Beurteilung von Friedrich Anis Roman "German Angst" tue ich mich ein wenig schwer. Der Autor hat für sein Buch ein aktuelles und auch ein polarisierendes Thema gewählt: Rechtsradikalismus und Ausländerhass, im Speziellen wohl inspiriert vom Fall "Mehmet". Sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist prinzipiell zu befürworten. Doch die Art und Weise, wie er an die Thematik heran geht, finde ich nicht besonders gelungen. Eine Deutsche von Rechtsradikalen entführen zu lassen, um die Ausweisung von Ausländern durchzusetzen, ist nicht gerade ein toller Einfall.

Die Charaktere sind klar gezeichnet, doch fast schon ein wenig einseitig. Da hat der Autor etwas zu viel Schwarz-Weiß-Malerei betrieben. Am deutlichsten tritt dies zutage bei der Gegenüberstellung von Staatsanwalt sowie Lucys Rechtsanwalt. Sicherlich stehen sich Kläger und Verteidiger immer konträr gegenüber, doch dieses Hineinsteigern in die Sache, unter der sogar ihre Freundschaft leidet, finde ich zu dick aufgetragen. Die ständige Ausführlichkeit, mit der alle nebensächlichen Charaktere ihre Meinung zu der Sache kundtun dürfen, die sich immer wiederholt, bläht das Buch auf und bringt Langeweile. Da wäre etwas weniger besser gewesen, denn dieses ständige Durchkauen der gleichen Thesen bringt die Spannung, die der Autor oftmals gut aufbaut, immer wieder zum Erliegen. "German Angst" hat Ani sein Werk betitelt. Von Angst ist aber hier beim deutschen Volk nichts zu spüren, "German Hass" wäre treffender.

Sehr gelungen dagegen ist die Darstellung der öffentlichen Medien. Selbstdarsteller als Journalisten im Fernsehen, effektheischende Stories bringen um jeden Preis, nur um die Quoten nach oben zu treiben, Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch einseitige Berichterstattung, dies trifft die aktuelle Medienlandschaft auf den Punkt genau.

Mit Tabor Süden hat Friedrich Ani einen sehr unorthodoxen Protagonisten erschaffen, dessen Darstellung fast schon etwas überzeichnet wirkt. Mit seiner Flapsigkeit, seinen Zornesausbrüchen und seinem eigenmächtigen Handeln bringt er einen gewissen Schimanski-Touch in das Geschehen ein. Wie gefasst jedoch sein Vorgesetzter Südens handgreiflichen Angriff auf ihn hinnimmt, ist absolut unglaubwürdig.

Das Ende des Romans mag symbolisch gemeint sein. Ein Happy-End muß ja nicht unbedingt sein, dennoch ist dieser Schluß unglaubwürdig und gänzlich unbefriedigend.

Daß Ani dennoch Einfallsreichtum besitzt, zeigt sich beim Namen, den er einem Hund zugedacht hat: Dertutnix. Darauf sind bisher noch nicht mal die Asterix-Macher gekommen.

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