Süden und das grüne Haar des Todes

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2005, Seiten: 223, Originalsprache

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Peter Kümmel
Möge es nützen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Okt 2004

Seit Martin Hauer gelesen hatte, dass die Übersetzung von prosit "Möge es nützen" sei, benutzte er dies als Trinkspruch. In diesem Sinne gehe ich auch "Das grüne Haar des Todes" an, nachdem der Autor mit dem "verkehrten Kind" im vorigen Band eine ziemliche Enttäuschung abgeliefert hat.

Erstmals bringt Ani eine gewisse Logik in die verquere Erscheinungsweise der "Süden und..."-Romane, die zeitlich vor bereits erschienenen anderen Süden-Romanen liegen. So wird der Tod von Martin Heuer erwähnt, der bereits in einem vier Jahre vorher veröffentlichten Roman ums Leben kam, in den "Süden und.."-Büchern jedoch mehr oder weniger lebendig mitspielt, so daß man dieses Buch als rückblickende Erzählung aus Sicht des sensiblen Ermittlers Tabor Süden sehen kann.

Mehr oder weniger angenehme Anische Wortschöpfungen begleiten uns von der ersten Seite an. So lernen wir die Adjektive "bebiert" ("Die Wirtin wirkte nicht weniger bebiert als wir.") und "unschlafbar". Martin ist ein "Aushäusigkeitsfanatiker", Süden der "Schweigser der Nation" und als Zeuge tritt ein "Besonderling" auf. An die nicht im Duden aufgeführte "Vermissung" jedoch sollten sich regelmäßige Ani-Leser mittlerweile bereits gewöhnt haben.

Als aktuelle Vermissung beschäftigt das Kommissariat K 114, zuständig für "Vermisste und unbekannte Tote" zur Zeit der Fall der 73-jährigen Babette Halmar. Die alte Frau lebt allein und hat keine Angehörigen. Sie verreiste zwar gelegentlich, doch hat sie ihren Koffer in ihrer Wohnung zurückgelassen und nach drei Wochen wird es ihrem Bekannten Konrad doch unheimlich.

Rechtlich bewegen sich die Ermittler oft in einer Grauzone. Denn das Grundgesetz erlaubt es jedem Bürger vom achtzehnten Lebensjahr an den Weg zu beschreiten, den er für richtig hält. Auch, wenn seine Angehörigen oder Freunde nicht damit einverstanden sind. So dürfen die Kriminalbeamten nur dann nach einem Vermissten fahnden, falls eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Meist bleibt ihnen nur die Routine: Weiterleitung ans LKA und Abgleich mit dem Verzeichnis von unbekannten Toten.

Daß der Fall Halmar jedoch absolut kein Routinefall wurde, dafür sorgte der Anruf einer Frau nach dem Abdruck des Fotos der Vermissten in den örtlichen Zeitungen. Amalie Bregenz will in dem Foto ihre Schwester Ruth erkennen, die seit dem Krieg als tot gilt. Süden nimmt den Anruf ernst und wird stutzig, als sich eine Verbindung zu einem kürzlich aufgeklärten Vermisstenfall auftut.

Die Romane von Friedrich Ani eignen sich wegen dessen Schreibweise optimal für Schnellleser. Wohltuend hier, dass diesmal nicht die Probleme der Ermittler das eigentliche Geschehen in den Hintergrund verbannen. Obwohl sich immer ein menschliches Drama als Quintessenz ergibt, ist dieses doch etwas komplexer aufgebaut als gewohnt.

Und Südens unorthodoxe Ermittlungsmethoden sind es wieder mal, die menschliche Schicksale freilegen und vieles, aber nicht alles, aufklären können.

Skurrile Charaktere, bei denen man oft nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, bevölkern die Handlung, deren melancholische Grundstimmung alle Süden-Roman durchzieht. "Ich glaub an Gott. Aber glaubt er auch an mich?" Dieses Zitat aus dem Munde von Südens Kollegen Martin Heuer steht dabei stellvertretend für die meisten der im Buch auftauchenden Personen.

Abschließend kann ich sagen: "Es hat genützt". "Süden und das grüne Haar des Todes" zählt eindeutig zu den besseren Romanen der Serie. Rätselhaft bleibt allein der Titel.

Süden und das grüne Haar des Todes

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Letzte Kommentare:
09.05.2005 13:47:29
RB

Ich kann mich einfach nicht der Faszination der Süden-Krimis entziehen. Die Sprache, die Figuren, die Liebe des Autors zu seinen Charakteren, all das setzt Friedrich Ani deutlich ab von anderen deutschen Autoren. Dadurch, dass Tabor Süden eben nicht bei der Mordkommision, sondern bei der Vermisstenstelle arbeitet, besteht die Gefahr, blutrünstigen Monstermördern zu begegnen, erst gar nicht. Es sind eher die leisen Dramen, die Tabor Süden untersuchen muß. Zugegeben, die manchmal quälenden Zwischengeschichten aus dem Kommissariat mögen viele für überflüssig halten, sind passen aber hervorragend ins Panorama des Buches.