M

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2013, Seiten: 368, Originalsprache
  • München: audio media, 2015, Seiten: 5, Übersetzt: Hans Jürgen Stockerl, Bemerkung: Gekürzte Lesung

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Lars Schafft
M wie Meisterwerk

Buch-Rezension von Lars Schafft Jun 2013

Bislang waren Friedrich Anis Tabor Süden Romane kleine feingeistige Erzählungen, in denen es um Vermisste aber nicht um das große Verbrechen ging. In M wird Ani politisch. Ohne den Hintergrund NSU/Zschäpe lässt sich sein neuestes Werk nicht lesen. Ein überaus aktueller Kriminalroman, hochaktuell wie -brisant und ein Mal mehr zeigt Ani, warum er in einer anderen Liga spielt als die gar so vielen Provinz-Krimis.

M wie Mia

Mia Bischoff, Redakteurin einer lokalen Zeitung, beauftragt die Detektei Liebergesell ihren vermissten Freund zu finden. Südens Nachforschungen ergeben schnell, dass dieser Kontakte in die rechte Szene aber auch zum LKA hatte. War er ein V-Mann, der untertauchen musste oder gar enttarnt wurde? Dramatisch wird die Geschichte, als auch noch Südens Kollege während der Ermittlung lebensgefährlich verletzt wird.

M wie München

Friedrich Ani schildert ein München abseits jeglicher Schickeria. Seine Metropole ist düster, traurig und bevölkert von Rechtsgesinnten und Aristokraten, deren Einfluss soweit reicht, dass weder Polizei, LKA noch Detektive sie einzuschüchtern vermögen. Nicht ohne lebensgefährliche Folgen für alle Beteiligten. Süden und seine Kollegen führen einen ungleichen Kampf gegen Windmühlen, lange ist nicht klar, wer hier gut oder böse ist.

M wie Martin

Nebenbei zeichnet Ani gewohnt feinsinnig gescheiterte Charaktere, allen voran Tabor selbst, der immer wieder um seinen Jugendfreund Martin trauert, der den Freitod wählte, webt die ungelöste Entführungsgeschichte Ingmars, dem Sohn von Tabors Chefin, ein, die überraschenderweise mit dem aktuellen Vermisstenfall in Zusammenhang zu stehen scheint.

M wie Melancholie

Friedrich Ani und seiner Schreibe wohnt eine große Melancholie inne. Seine Figuren müssen mit Verlusten leben, vermissten Personen, verpassten Chancen. Diese Romantik des Scheiterns, des Selbsterhaltens in Einsamkeit, gipfelt in M in Ausweglosigkeit, und macht aus einer vordergründigen Kriminalgeschichte mit politischem Hintergrund eine zutiefst menschliche Erzählung.

Könnten doch mehr deutschsprachige Autoren schreiben und erzählen wie Friedrich Ani - eine Diskussion über den Provinz- und Regio-Krimi wäre überflüssig. M ist großartige (Kriminal-)Literatur, die auf eine leise Art unscheinbarer daherkommt als sie ist.

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