Ostfriesengrab

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2009, Seiten: 3, Übersetzt: Klaus-Peter Wolf

Couch-Wertung:

55°
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Wolfgang Weninger
Marke Tatort

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2008

Nach dem sehr ansprechenden Krimi Ostfriesenblut bringt der Autor Klaus-Peter Wolf erneut seine Kommissarin Ann Kathrin Klaasen in gefährliche Nähe zu einem Serienkiller und hat im Fischer Taschenbuch Verlag bereits das Ostfriesengrab ausgehoben.

Das tödliche Szenario beginnt im Park von Schloss Lütetsburg, wo er eine bildhübsche Frau malerisch mit Eisenstangen am Baum drapiert und die Nackte mit den Blüten der Rhododendronsträucher verschmelzen lässt. Ihre Kleidung und ihre Habseligkeiten lässt er mit einer verschlüsselten Nachricht in einem Päckchen für die Kommissarin zurück.

Ihre Ermittlungen führen Ann Kathrin Klaasen zu einem brutalen Kleinganoven, dem die Tote angeblich eine Delle in den Wagen gefahren hat, den Schaden aber nicht bezahlen wollte und deshalb wurde an ihr ein Exempel statuiert. Aber leider halten sich die sonst so smarte Kommissarin und ihr gegenwärtiger Lebensabschnittpartner Frank Weller nicht an den vorgeschriebenen Amtsweg und so kommt der Übeltäter wieder frei. Und prompt gibt es die nächste Leiche, also muss der Verdächtige erneut eingefangen werden.

In der Zwischenzeit hat Frau Klaasen nichts Besseres zu tun, als sich von einem Freund ihres Freundes, der ein echter Künstler ist, nackt malen zu lassen, um Frank an seinem Geburtstag zu überraschen. Nur leider deucht Ann Kathrins Gespielen, dass der Künstler eventuell der Killer ist und er platzt mit einem Sonderkommando in die gute Stube, just als Ann Kathrin ohne Hüllen mit einem Fuß im Sarg steht, während der Pinselguru ihre Rundungen auf die Leinwand bringt und auch der Verdacht gegen den Künstler wird entkräftet.

Im Folgenden bauen Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller weiterhin so viel Mist, dass eine Dienstfreistellung das Mindeste ist, was der Polizeichef anordnen kann und so wird auch die Stimmung in der trauten Zweisamkeit ordentlich vergiften, während Ann Kathrin und Frank zusehen müssen, wie der Täter ein weiteres Mal zuschlägt. Aber was ein echter Kriminalist ist, lässt sich von Nichts aufhalten und ermittelt weiter ...

Abgesehen davon, dass die Mordgeschichten rund um die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft und deren künstlerische Darstellung längst von anderen Autoren verarbeitet wurden, ist auch die Umsetzung der kriminalistischen Arbeit mit der gekonnten Präsentation im Vorgängerband nicht zu vergleichen. Anstatt konsequent ihren Beruf nachzugehen, verwickeln sich die Ermittler zunehmend in privaten Problemen, die ihre Sichtweise beeinträchtigen. Allerdings tun sie dies nicht in schreiberisch emotionaler Form, wie man es von skandinavischen Krimis kennt, sondern eher in schnapsgeschwängerten Mitleidsarien und literarischer Selbstzerfleischung. Dadurch werden die Figuren vielleicht menschlicher, aber die Polizeiarbeit leidet deutlich.

Darüber hinaus versucht der Autor Klaus-Peter Wolf wieder den Leser durch falsche Spuren in die Irre zu führen, aber diesmal gelingt es ihm nicht sonderlich gut, denn er lässt in seiner Nebenhandlung den Psychopathen viel zu ausführlich zu Wort kommen, womit er zwar die Ermittler nervt, aber den Leser nicht täuschen kann.

Mittlerweile weiß der Leser von Ostfriesenkiller und Ostfriesenblut auch schon sehr gut, dass Ann Kathrin sofort jegliche Beherrschung verliert, wenn es um den mysteriösen Tod ihres Vaters geht und auch im dritten Teil macht sie davon keine Ausnahme. Diese und ähnliche Details lassen Ostfriesengrab zum Abklatsch werden, die an Serienkrimis Marke Tatort erinnern, was bei Klaus-Peter Wolf nicht verwunderlich ist, schreibt er doch auch dafür Drehbücher.

Schreiberisch muss man dem Autor keinerlei Mängel anmerken. Die Dramaturgie ist zielsicher erarbeitet und der Spannungsbogen schwingt sich leicht nach oben bis zum reißerischen Ende. Wer schon beide Bücher gelesen hat, wird auch dieses Buch lesen (wollen) und kann sich an dem stimmigen Landschaftsszenario erfreuen und bekommt einen brauchbaren Durchschnittsschmöker, der leider die hohe Qualität des Vorgängers nicht erreichen kann. Solche starken Schwankungen findet man bei fast allen Autoren, die jährlich mindestens einen Nachfolger auf den Buchmarkt werfen müssen.

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