Ostfriesenwut

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2015, Seiten: 669, Originalsprache

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Silke Wronkowski
Kluntje, Klaasen und (zahlreiche) Katastrophen

Buch-Rezension von Silke Wronkowski Mär 2015

Klappentextschreiber sind manchmal wirklich nicht zu beneiden. Zumindest solche, die ihren Job ernst nehmen und tatsächlich etwas, das sich auch zwischen den Buchdeckeln wiederfinden lässt, versuchen in ihrem Anheizer- und Kaufimpulsverstärkertext zu erwähnen. Mit seinem neunten Fall der Ostfriesen-Reihe macht es Autor Klaus-Peter Wolf niemandem leicht, in ein paar Sätzen zu beschreiben, worum es diesmal geht.

Ostfriesenwut. Wut. Jemand bringt aus Wut Menschen um, die einem anderen lieb und teuer sind, nur um ihn leiden zu lassen. Jemand will aus Wut das Trinkwasser der Region vergiften und mit dem erpressten Geld der großen Liebe helfen. Jemand will aus Wut den "Mörder" (seiner) ihrer Mutter umbringen. Und jemand ist wütend, weil (er) sie sich von Menschen, denen sie vertraut hat, hintergangen und allein gelassen fühlt. Letztere ist die Serienheldin Ann Kathrin Klaasen, die in diesem Roman das größte Päckchen zu tragen hat und auch am meisten erleiden muss.

Auf knapp 500 Seiten vermengt Klaus-Peter Wolf diese Mal so viele komplexe Handlungsstränge, das es gut und gerne auch zwei oder drei Romane hätten sein können. Mafiöse Verbrecherbanden, Menschenhandel, Porno- und Abhörskandale, terroristische Anschläge – gespickt mit Leichen, gebrochenen Nasenbeinen, lebensgefährlichen Krankheitserregern, Börsenspekulationen und wilden Verfolgungsjagden – nicht nur quer durch das (eigentlich) beschauliche Ostfriesland und seine Inseln, sondern sogar bis in die Landeshauptstadt. Da werden einige Wegkilometer gemacht.

Modern und geschickt vermischt Klaus-Peter Wolf dabei Realität und Fiktion, lässt hier via Facebook nach einer vermissten Person suchen, lässt einen Erpresser einen Flashmob initiieren, um die Polizei abzulenken. Und natürlich dürfen auch die detailreichen Beschreibungen von Land und Leuten – ob nun real existierender oder fiktiver Seriencharaktere – in Band neun der Reihe nicht fehlen. Und all dies wir gleichermaßen Fanherzen höher schlagen und Kritikerstimmen lauter werden lassen. In diesem Fall vielleicht zurecht, denn Ann Kathrin schrappt in Band neun hart an der Grenze des sympathischen mit ihren teilweise Rambo-haften Alleingängen.

Die Ostfrieslandkrimis sind mittlerweile ein Phänomen für sich. Bereits mit Erscheinen schraubte sich Ostfriesenwut an die Spitze der Spiegel-Bestsellerliste, wo es sich auch in der sechsten Woche immer noch tapfer zu behaupten weiß. Unaufdringlich schafft es der Autor auch "Neueinsteigern" ausreichend Informationen über sein Personal und die Umgebung zu vermitteln, ohne dabei Serienfans allzu sehr zu vergraulen. Dennoch gilt auch hier, wie für jede Krimireihe, die sich über fast ein ganzes Jahrzehnt erstreckt: Lesen Sie zuerst den ersten Band, um den gewünschten "Nach Hause kommen"-Effekt in vollen Zügen auszukosten. Spannend bleibt, was den Leser in Band zehn erwarten wird, wo einer der Reihen-Handlungsstränge mit diesem Band abgeschlossen wurde.

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