Ostfriesenfluch

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2018, Seiten: 4, Übersetzt: Klaus-Peter Wolf

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Thomas Gisbertz
Ostfriesenkrimi mit Spannung und Humor - aber auch mit Schwächen

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Feb 2017

In ihrem nunmehr zwölften Fall bekommt es Hauptkommissarin Klaasen mit einem psychopathischen Täter zu tun, der Frauen entführt, aber kein Lösegeld fordert. Stattdessen schickt er deren Kleidung an Bekannte der Entführungsopfer. Das Ermittlerteam steht vor einem schwierigen Fall, da das Motiv des Täters Rätsel aufgibt. Plötzlich wird auch noch ein Anschlag auf den Ehemann der Toten, Peter Röttgen, verübt und eine weitere Frau wird vermisst.

Hängen diese beiden Fälle mit der Ermordung zusammen? Aber warum sollte der Entführer den Ehemann töten wollen? Als Ann Kathrin Klaasen dann auch noch als Geisel genommen wird, und der Täter Jagd auf Kinder macht, droht alles aus dem Ruder zu laufen. Erst eine zufällige Entdeckung bringt die Ermittler auf die richtige Spur.

Verbrecherjagd mit viel Humor, aber leider auch zuviel Slapstick

Man kann vortrefflich darüber streiten, wie viel Humor in einem Kriminalroman erlaubt sein sollte. Klaus-Peter Wolf verfügt sicherlich über eine Menge Witz - und lässt dies auch immer wieder in den Roman mit einfließen. Ich gebe zu, dass ich an einigen Stellen schmunzeln, zum Teil auch laut lachen musste. So antwortet zum Beispiel Peter Röttgen, der Ehemann des ersten Opfers, auf die Frage, ob er Feinde habe: -Ich habe mal bei den Kommunalwahlen kandidiert-. Wolf formuliert teilweise auch auf eine recht schwarzhumorige Art und Weise, was dem Krimi gut tut.

Allerdings - und hier muss man leider auch deutliche Kritik üben - driftet Wolf auch immer wieder ins Platte und Alberne ab. So wird beispielsweise ein Eindringling von einer rüstigen Dame mit der Klobürste verjagt, und Kommissar Rupert klärt eine Verwechslung mit einem -Partyboy- beim Jungesellinnenabend nicht auf, sondern strippt stattdessen munter drauf los, als gäbe es kein Morgen. Damit nicht genug: Er findet bei einem Verdächtigen Aktfotografien und sieht es als seine polizeiliche Pflicht an, alle Frauen persönlich zu danach zu befragen - gerne auch nach Feierabend. Auch der russischen Austauschpolizistin Larissa nimmt er sich an und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Wie ein Mann mit solch einem wiederholt infantilen Benehmen, der immer wieder dienstliche Anweisungen missachtet, von sich selber aber restlos überzeugt ist, überhaupt Kommissar bei der Kriminalpolizei werden konnte, ist für mich das größte Rätsel dieses Romans.

Das alles ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Sicherlich wird es Leser geben, denen genau das gefällt, aber es passt meines Erachtens nicht zum Gesamtkonzept dieses Krimis. Auch wenn Kollegen des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden als einfältige und naive Anfänger dargestellt werden, die der Kriminalpolizei in Friesland nicht ansatzweise das Wasser reichen können, wirkt der Roman schnell unglaubwürdig und plump.

Die Hauptkommissarin stellt leider keine Ausnahme dar. Als Klaasen beispielsweise ein Muttermal untersuchen lässt, das sich als bösartig herausstellt und unverzüglich entfernt werden muss (nicht, dass die Kommissarin daran auch noch vor Lösung des Falles stirbt), versucht Klaus-Peter Wolf mit dem Brecheisen dem Leser die menschliche, verletzliche Seite der Polizistin zu zeigen. Da passt es nur allzu gut, dass die harte, resolute Kommissarin trotz Wundpflasters weiter ermittelt. Nicht nur hier wird der Roman unfreiwillig komisch, um nicht zu sagen albern. Eine fast schon nette Randnotiz ist es, dass man durchaus das Gefühl bekommen kann, einen Fremdenführer des ostfriesischen Touristenverbandes zu lesen, da fast alle Orte, Gemeinden und Städte dieser Region einmal namentlich genannt werden.

Hervorragendes Psychogramm eines Irren

Die Darstellung des psychopatischen Entführers ist meines Erachtens sehr gut gelungen, da Wolf es schafft, ihn in seiner ganzen Zwiespältigkeit zu zeichnen. Er zeigt den Täter von seiner schwachen, zum Teil auch verrückt-liebevollen Seite. Diese wird aber auch immer wieder durch Anfälle von Brutalität und blanken Hass gebrochen. Hier zeigt der Autor seine Stärke: die Darstellung eines wahnsinnigen, psychisch kranken Menschen, der unter dem Glück seiner Umwelt und Mitmenschen leidet und der eigentlich für seine Opfer nur das Beste will. Er vermittelt das Bild einer zerrütteten Seele.

Das verstört den Leser und lässt ihm immer wieder einen Schauer über den Rücken laufen. Besonders der Wechsel zwischen der Perspektive der Opfer und den Gedanken des Entführers lassen den Leser mitfiebern. Gerade in solchen Phasen wirken die slapstickhaften Einschübe dann aber mehr als störend. Der Autor schafft es dennoch, den Leser im letzten Drittel des Romans wieder mitzureißen, da die Spannung steigt und man wie in einem Film die Handlung verfolgen kann. Hier spürt man deutlich, dass Wolf eigentlich Drehbuchschreiber (-Tatort- und -Polizeiruf 110-) ist. In diesen Momenten fesselt der zwölfte Fall von Ann Kathrin Klaasen den Leser tatsächlich.

Spannender Ostfriesenkrimi mit Schwächen

Klaus-Peter Wolfs aktueller Krimi -Ostfriesenfluch- hätte das Potential zu einem packenden Roman. Es ist nur schade, dass sich der Autor nicht allein auf den eigentlichen Fall und die sehr gute Darstellung des Täters und dessen Motivs beschränkt. Vor allem das Verhalten der Kriminalbeamten ist oftmals überzogen und unglaubwürdig. Insgesamt verliert der Roman dadurch an Glaubwürdigkeit.

Der Autor hätte sich entscheiden müssen: seichte Comedy-Unterhaltung oder ernstzunehmender Kriminalroman. So bleibt Klaus-Peter Wolf aber irgendwo zwischen packendem Thriller und vergnüglichem Regio-Krimi à la Rita Falk stecken. Unterhaltsam mag das für den einen oder anderen Leser durchaus sein. Wolf-Fans werden daher beim zwölften Band der Reihe um das Auricher-Ermittlerteam ihre Freude haben. Auch wer gerne Nina Ohlandt (Benthien-Reihe), Klüpfl/Kobr (Kluftinger) oder Nicola Förg (Mangold-Reihe) liest, wird hier gerne zugreifen.

Ostfriesenfluch

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Letzte Kommentare:
14.10.2018 11:26:26
Pöschl Brigitte

Zu langatmig langweilige Passagen und unsympathische Hauptfiguren
Schrecklich

Zu viele Nebenstränge und Kommunikationen
Ich habe vieles einfach überlesen und weitergeblättert da unwichtig für die Geschichte
Seltsamer Humor. Wirkt sehr einfach
Mir hat dieses Buch nicht gefallen und ich werde es auch nicht weiterempfehlen

24.08.2018 17:35:48
KlausA

Es ist ja fast schon alles geschrieben, aber ich sage es trotzdem: sehr schlecht!
Selbst die Hauptprotagonistin lässt das Buch teilweise so stümperhaft vorgehen, dass es nur daran liegen kann, dass das Buch noch viele Seiten hat.
Ein nun wirklich kaum noch zu ertragender Rupert.
Ein dermaßen naiv und inkompetent "gemalter" BKA-Beamter.
Ein Ruck-Zuck verarbeitetes Krebsleiden.
Auf dem Autodach sitzende Polizisten; Mörder, die sich Essen nach Wunsch bestellen können.
Alles einfach nur grauenhaft.
Mit dem Dutzend ist das Maß jetzt voll, Ann Kathrin muss zukünftig ohne mich ermitteln.

Klaus-Peter Wolf setzt seine schlechten Bücher, die er mit dem Serienmörderheld Sommerfeldt begonnen hat, jetzt mit Ann-Kathrin fort - Schade!

06.08.2018 17:17:27
Rita J.

'Rita J.
sie waren mal wirklich spannend und unterhaltsam, die Krimis aus Ostfriesland.
Dieser neue Roman ist einfach nur Klamauk und unglaubwürdig.
Liebt der Schriftsteller eingesperrte Frauen, da gab es doch schon einen ähnlichen Fall - mit eigemauerten Frauen??
Arme Ostfriesland-Polizei - mit nur einer "intilligenten" Kommissarin als Mini-James-Bond.
Schade..

04.07.2018 22:28:25
Sigrid Otte

Ich habe selten so ein schlechtes Buch gelesen ,wie dieses ! Hören Sie auf , so eine Kacke zu schreiben . Eine MFA , die einen Wohnsitz in Gelsenkirchen findet ,ein Liebesleben wieder aufbaut, ohne Hintrerfragungen, das glaubt keiner mehr ! Sie sind zu selbst verliebt ! Sigrid Otte , die Ihre Romane , bis jetzt gerne gelesenen hat

16.05.2018 19:18:33
Heinrich Kindler

Das war definitiv mein letzter Ostfriesenkrimi von Klaus-Peter Wolf. Die Geschichte an den Haaren herbeigezogen und noch ausgeschmückt, fern jeglicher Realität. Wenn sich so Polizeibeamte benehmen und aufführen würden, hätten sie schnell ein Disziplinarverfahren am Hals. Aber in Ostfriesland ticken die Uhren anscheinend anders. Der Begriff "Klamauk" eines anderen Rezessienten trifft voll und ganz zu.

30.04.2018 18:55:49
Karl-Heinz Nimz

Ich bin eigentlich ein Krimi-Fan mit einer Krimi-Bibliothek von 492 Büchern(auch 4 Bücher diese Autors), aber was mir hier angeboten wurde könnte mich abschrecken.
Was soll es eigentlich sein? Eine Krimikomödie, eine Satire oder was eigentlich?
Vieles ist einfach unrealistisch, unwirklich oder einfach albern.
Ich habe schon besseres gelesen.
Noch nie habe ich zu einem Buch geschrieben, aber dieses Mal Konnte ich nicht anders.

17.04.2018 20:22:24
Claudia R.

Ein spannender Krimi, der die Spannung bis zur letzten Seite hält. Ich habe es kaum geschafft, das Buch aus der Hand zu legen und war in Gedanken ständig in der Handlung. Ann-Kathrin sowie Ruper & Co wie immer klasse, die Story ist interessant, die Schauplätze real. Ich liebe diese Buchreihe und freue mich auf Februar 2019!!!

09.04.2018 12:41:00
Gaby Meinschien

Ich melde mich nochmals kurz zu Wort: Nun habe auch ich den Ostfriesenfluch fertig gelesen. Mir hat er, wie die anderen Fälle auch, sehr gut gefallen. (Keine Angst - ich Beschreibe keine Details aus dem Buch)
Allerdings habe ich die Ersten Seiten des 13. Falles nicht gelesen.. Wie soll ich das aushalten ? - bis Februar 2019 ist noch lang hin. :-)

06.04.2018 20:11:48
Gaby Meinschien

Das Buch ist super, spannend und schwer aus der Hand zu legen.. habe es (leider ;-))bald geschafft. Ich finde die Fälle um Ann Kathrin Klaasen super und hoffe das Klaus Peter Wolf noch einige spannende Fälle auf Lager hat. Meine Lieblingsfigur ist natürlich Rupert :-) Ich finde das es super gelungen ist, Krimi und Witz so schön miteinander verschmelzen zu lassen !! Ich finde auch das macht die Bücher für mich so besonders.

02.04.2018 18:25:07
Clemens H.

Miserabel! Ich gebe dem Rezensenten der Krimi-Couch recht: "Ostfriesenfluch" wackelt permanent zwischen Krimi und Klamauk. Rupert ist dabei nur ein Tölpel unter vielen. Der Schreibstil ist dürftig, das Buch an vielen Stellen auch noch unfreiwillig komisch. Die Dialoge sind zum Teil unerträglich, und wieder wimmelt es von Schleichwerbung. Ich habe die Lektüre abgebrochen.

30.03.2018 21:13:11
Martina Geurtz

Ich finde den Krimi gut gelungen. Er ist spannend. Jetzt da ich die Gegend von Norden kenne, fühle ich mich mitten im Geschehen. Das erhöht die Spannung. Die Kombination aus Humor und Spannung finde ich klasse. Mal wieder ein gelungener Krimi. Weiter so...Ich freue mich auf den nächsten Fall von Ann-Kathrin. Klaus-Peter Wolf erweckt Ostfriesland zum Leben.der Mörder lauert in jeder Ecke von Ostfriesland. Super...

30.03.2018 17:45:49
Peter W.

Der bisher schlechteste Ann Kathrin Klaasen Krimi. Bisher habe ich alle gelesen aber so überzogen war bisher keine Geschichte. Völlig unglaubwürdig die Situationen mit den beiden Kindern. Da kann auch ein toller Rupert nichts mehr retten. Ann Kathrin hätte man fast gewünscht, dass sie nach dieser “schweren“ Erkrankung ihren Dienst quittieren muss um nicht noch mal in einem solchen Quatsch die Hauptrolle spielen zu müssen.

18.03.2018 12:05:24
Verena M.

Einfach super und sehr verdient Nr. 1!!! Nicht nur pure Spannung fesselt, sondern immer wieder auch das Runterkommen durch 'Situationskomik' mit Attacken auf die Lachmuskeln (Rupert z.B., der sich beim tabledance fragt, welchen 'Schlüpper' er anhat ;) )... Die Schlenker zu Monsieur le Commissair und Bettina Göschl einfach großartig und 'großes Kino'. Ich kann nur sagen, absolut gelungenes Lesevergnügen!!! Hat mir sehr gut gefallen!!!

01.03.2018 16:03:49
Ute L.

Auf den Inhalt des "Fluches" gehe ich bewusst nicht ein. Möchte niemanden den Genuss des Lesens nehmen. Der neue Roman ist wieder rundum gelungen. Als "Ostfriesland - bzw. ostfriesische InselnFan" macht es Spass beim Lesen in das platte Land einzutauchen. Das Kommissariat mit seinen verschiedenen teils liebenswerten teils schrägen Charakteren einschliesslich "Kotzbrocken" Rupert ist mir ans Herz gewachsen.
Ach ja . einen Fall zu lösen gibts natürlich auch noch. . spannend wie immer.

28.02.2018 17:36:44
Susanne M.

Spannend und witzig wie auch die jährlichen Vorgänger. Bin ein großer Fan dieser Regionalkrimis von Klaus-Peter Wolf, da Umgebung wie auch Charaktere so echt wirken, denn es gibt sie ja auch wirklich. Auch, wenn ich beruflich viel lese, habe ich die Feierabenden in der Lesezeit kaum abwarten können, um die neue Geschichte um Ann Kathrin, Weller und Rupert weiterzuverfolgen. Diesmal passiert Rupert ein abgelatschter Klassiker, worüber ich dann aber doch noch tatsächlich lachen musste. Allerdings finde ich die Eis-Szene im Zug bisher unübertroffen. Ich muss aber sagen, dass nicht alle Charaktere ihrer Linie treu bleiben. Büscher gewinnt an Akzeptanz und Weller mischt sich ein wenig in Ann Kathrins Einfühlungsmethode, was der Geschichte aber nicht abträglich ist.
Alles in allem, ein weiterer lesenswerter Krimi.

Ich bedanke mich für das Lesevergnügen und das erschwingliche Taschenbuchformat.

28.02.2018 00:10:06
Erika

Es war wieder ein packender Krimi, der mir meine Wartezeit bei der DKMS Grosse Dienste erwiesen hat. Keine Langeweile sondern nur Kurzweile . Freue mich schon auf das nächste Buch im neuen Jahr. Hatte dieses Buch hier auf der Station in 2 Tagen durch und konnte noch eine andere Spenderin damit glücklich machen

21.02.2018 18:21:30
Jürgen Schilling

Super Krimi, total spannend und ich habe wie den Ostfrisenfluch nahezu verschlungen. Die Personen sind sehr gut gezeichnet, ich "lebte" schon fast mit der Geschichte. Kurz, ein toller Autor mit einem tollen Krimi, und keineswegs weltfremd, denn die Personen, die Wolf in seinem Krimi beschreibt, die gibt es so auch in der Realität. Obwohl, ein Ruppert bei der richtigen Kripo? Also, unbedingt empfehlenswert, 5 Sterne

16.02.2018 16:52:13
Edward

Ich habe bisher alle Bücher rund um Kommissarin Ann Kathrin Klaasen gerne gelesen, aber diese Buch gefällt mit überhaupt nicht.Das Verhalten der Kommissarin im Einsatz ist nicht liebenswürdig ostfriesisch (was ich sonst an den Krimis sehr schätze), sondern wirklich absurd. Durch ihr Handeln bringt sie andere Beamte und Unbeteiligte in Gefahr und findet sich noch toll dabei. Geiselnehmer und Schwerverbrecher werden hier verniedlicht. Das Drama um die eigene, mögliche Erkrankung ist dazu völlig überflüssig.Zudem fand ich auch sehr durchschaubar, wer der Täter. Ich war froh, als ich mit lesen durch war.