Kalt wie das Grab

  • Ullstein
  • Erschienen: Januar 2002
  • Toronto: Viking, 2000, Titel: 'Cold is the Grave', Originalsprache
  • München: Ullstein, 2002, Seiten: 479, Übersetzt: Susanne Aeckerle
  • München: Ullstein, 2003, Seiten: 479
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Sabine Reiß
78°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Solider konstruierter englischer Krimi

Was soll Inspector Alan Banks davon halten? Ausgerechnet Chief Constable Jimmy Riddle, der ihm bisher das Leben ziemlich schwer gemacht hat und ihn offensichtlich nicht leiden kann, bittet ihn um einen Gefallen. Das Bild seiner sechzehnjährigen Tochter Emily, die vor einem halben Jahr ausgerissen ist, ist auf einer Pornoseite aufgetaucht und Alan Banks soll sie suchen - diskret natürlich, denn der Chief Constable will die Karriereleiter noch höher hinaufsteigen. Dafür muss Banks sogar seinen Wochenend-Trip nach Paris mit seiner Tochter Tracy absagen. Er fährt nach London und findet über die Agentur den Fotografen, von dem das Foto stammt. Craig, bei dem Emily kurze Zeit gewohnt hat, schickt ihn zu Ruth Walker, von der Banks die Information erhält, wo sich die verlorene Tochter aufhält: Sie ist bei Barry Clough untergekommen, einem Infant terrible, bei dem man nur vermuten kann, wie er seine Brötchen verdient. Abgesehen davon könnte er ihr Vater sein, versorgt sie mit Drogen und behandelt sie nicht sehr gut. Das hat Folgen, denn Emily taucht in der Nacht aufgelöst in Banks Hotel auf und will ihn bei der Gelegenheit gleich verführen, doch der gute Inspector bleibt Gentleman und liefert sie am nächsten Tag bei ihren Eltern ab.

Einige Wochen sind seitdem ins Land gegangen, als Alan Banks eines abends angerufen wird. In einer Bar hat es einen Todesfall gegeben und laut Führerschein handelt es sich bei dem Opfer um Ruth Walker, doch als Banks die Tote sieht, ist er geschockt...

Solide Unterhaltung mit melancholischem Unterton

Im Großen und Ganzen ist die Story nach dem Schema aufgebaut: Vorgeschichte - Fund des Opfers - zähe Ermittlungen - Überraschung für den Leser - Ende. Peter Robinson hat es geschafft, am Ende ein stimmiges Bild abzugeben, bei dem kein Handlungsstrang ins Leere lief. Einziger Nachteil: Leider waren die Längen im dritten Viertel des Romans unübersehbar, auch für jemanden, der ein Fan von englischen Polizeiromanen ist. Überraschend fand ich, dass die Auflösung nicht durch die harte Arbeit der Polizei ans Tageslicht gekommen ist, sondern mehr oder weniger fremdbestimmt durch die Enthüllung eines gutgehüteten Geheimnisses, was jedoch keinesfalls negativ zu sehen ist.

Wexford und Banks

Seit der Entdeckung von Peter Robinson ist die Figur von Alan Banks für mich ebenbürtig mit Ruth Rendells Inspector Wexford und dass letzterer einen ungleich höheren Bekanntheitsgrad erreicht hat, kann nur darauf zurückzuführen sein, dass Ruth Rendell schon viel mehr Bücher veröffentlicht hat. Und obwohl die beiden Protagonisten unterschiedliche Charakterzüge aufweisen, ist eine Ähnlichkeit nicht zu verleugnen, die je nach Story mehr oder weniger zum Tragen kommt. Mir scheint jedoch, Banks entwickelt sich in den späteren Büchern etwas mehr zum einsamen Wolf, der nicht mehr so sehr im Team verwurzelt ist. Er ist dennoch eine vertrauenserweckende Person, die mit all ihren Problemen sehr lebendig geschildert wird.

Wenn man von den erwähnten Längen mal absieht, hat man mit "Kalt wie das Grab" wieder einen solide konstruierten klassischen englischen Krimi vor sich, der eine gut durchdachte Story aufweist. Er komplettiert die Reihe um Inspector Alan Banks und das Ende versöhnt den Leser einmal mehr.

Kalt wie das Grab

, Ullstein

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