Das blutige Erbe

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • New York: Avon, 1997, Titel: 'Blood at the root', Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2005, Seiten: 442, Übersetzt: Andree Hesse

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Sabine Reiß
Rechtsextremismus und Rassenhass

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2005

Der Ursprung der Skinheads liegt in Großbritannien, wo Jugendliche in den 60er Jahren zunächst aus Protest unter anderem gegen die Hippie-Bewegung ihre Köpfe kahl schoren und ihren Aggressionen gewalttätig auslebten. Sie machten Ausländer für ihre Probleme verantwortlich und steigerten sich in ihren Fremdenhass hinein.

Mit den Auswüchsen dieses Phänomens muss sich auch Chief Inspector Alan Banks in Eastvale herumschlagen. Zunächst sieht der Fall eigentlich ganz einfach aus. In der Nähe eines Pubs wird die Leiche von Jason Fox aufgefunden, der zu Tode geprügelt wurde. Da er Mitglied einer rechtsextremistischen Vereinigung, der sog. Albion-Liga war, und am gleichen Abend mit einem jungen Mann pakistanischer Abstammung in Streit geriet, werden ebendieser George und seine beiden Freunde in Untersuchungshaft genommen, jedoch sogleich von Banks Vorgesetzten Jimmy Riddle, mit dem in im Clinch liegt, wieder entlassen. Die aufwändige Untersuchung von Fingerabdrücken auf einer Bierflasche, die beim Opfer gefunden wurde, weist jedoch auf Jasons Geschäftspartner Mark Wood als Täter hin, der dessen nationalistische Ansichten strikt ablehnte.

Wie in den anderen Büchern der Reihe auch, erfährt man einiges über das Privatleben des Inspectors, jedoch steht es nicht im Vordergrund. Da der vorliegende 9. Band in Deutschland leider nach seinen vier Fortsetzungen erschien, weiß man eventuell schon, dass die Auszeit, die sich Sandra Banks hier nimmt, in der Scheidung endet. Nichtsdestotrotz ist "Das blutige Erbe" ebenso wie die anderen Banks-Krimis gut als Stand-Alone zu lesen. Peter Robinson dosiert seine Mitteilsamkeit über den Hintergrund seines Protagonisten sehr gut. Ebenso gefällt mir, dass Banks zwar hautsächlich in Eastvale ermittelt, jedoch immer wieder Kontakt zu Scotland Yard hat und damit über den Tellerrand hinausschaut. Auch hier tritt wieder Dick Burgess auf den Plan, ein Polizist einer Sondereinheit, mit dem in einer Art Hass-Liebe verbunden ist und der ein Garant dafür ist, dass es wieder einmal ein wenig kompliziert wird.

Was das Buch auszeichnet, ist die Darstellung der Charaktere, die sehr lebendig geschildert werden. Hier hat Peter Robinson darüber hinaus eine recht düstere Stimmung entwickelt, der man sich nicht so leicht entziehen kann. Handwerklich perfekt und routiniert knüpft er die Handlung, ohne sich zu sehr zu verirren. Und dabei hat er nicht den Anspruch, alles bis in kleinste Detail lösen zu wollen. Das offene Ende verblüfft und der Autor beweist damit meines Erachtens Mut, von den klassischen Whodunit-Mustern abzuweichen. Es ist erstaunlich, wie sich der Robinson in dieser Beziehung weiterentwickelt hat.

Nicht ganz so düster wie "Wenn die Dunkelheit fällt", nicht ganz so verzwickt wie "Die letzte Rechnung" und in der Bewertung genau zwischen den beiden genannten Büchern angesiedelt, ist "Das blutige Erbe" ein guter Grund, sich näher mit den Büchern von Peter Robinson zu befassen. Er empfiehlt sich mit der Entwicklung seines Protagonisten zu einem unabhängigen, weniger stromlinienförmigen Polizisten allen Lesern, die auch Ian Rankin mögen.

Das blutige Erbe

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Letzte Kommentare:
03.06.2010 17:42:12
Krimi-Tina

Alan Banks hat Eheprobleme. Und dazu noch einen extrem unangenehmen Fall auf dem Tisch: ein Mann wurde erschlagen und verhaftet wurden drei aus Pakistan stammende junge Männer, die kurz zuvor in einer Kneipe mit ihm zusammengestoßen sind. Ein konkreter Nachweis lässt sich nicht erbringen, die jungen Männer müssen freigelassen werden und Banks hat die Empörung der gesamten Immigrantengemeinde an der Backe, sehr zur Verärgerung seines Vorgesetzen Chief Constable Riddle. Als sich auch noch herausstellt dass der Ermordete einer dubiosen Neonazigruppe angehörte, ist die politische Brisanz des Falles noch höher. Riddle der sich mehr auf Politik als auf Polizeiarbeit oder gar Menschenführung besteht tut sein möglichstes, um Banks zu schikanieren. Bis das ganze eskaliert.
Ein kluger und nachdenklicher Krimi, in dem eigentlich keiner ungeschoren bleibt. Weder die Sprecher der Immigranten die hinter jeder Verhaftung einen Fall von Rassismus wittern, noch Umfeld und Familien der in die in rechte Szene Abgerutschten, die die Augen so lange es möglich geschlossen halten. Und schon gar nicht die Propagandisten der Rechtsradikalen selbst, deren Ziele bisweilen nicht ganz da sind was sie vorgeben zu sein.
Riddle ist nach wie vor ein fürchterlicher und leider extrem klischeehafter Stinkstiefel. Auch wenn er in diesem Fall eine wesentliche Rolle in der Dramaturgie spielt, hätte ich noch wie vor gut auf diesen Charakter verzichten können. Zu ausgelutscht, eindimensional und unoriginell diese Figur des macht- und karrieregeilen unfähigen Polizeihierarchen.
Viel besser gelungen dagegen Dirty Dick Burgess, der einen kurzen, aber wichtigen und wie immer unvergesslichen Auftritt hat. Dieser ist auch nicht gerade ein Sympathieträger, aber wesentlich vielschichtiger.
Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen. Allen Fans ans Herz gelegt, Neulinge fangen möglichst früher in der Serie an, hier wird eine Menge Hintergrundwissen vorausgesetzt.

13.01.2008 14:47:59
Luca

Nicht das beste Buch aus der Reihe um Alan Banks.
Das Thema ist recht langweilig,und passt nicht wirklich zu Robinson.
Die Lösung ist sehr an den Haaren herbeigezogen,und nicht wirklich volkommen logisch.

80%

03.11.2005 17:08:04
Julia

ich denke das Buch ist wirklich gut allerdings verwirren die vielen namen bzw. langen Inspektor namen. ich weiß nicht ob das daran liegt das das das erste buch ist welches ich von peter robinson gelsen habe. Vielleicht wäre es ja einfacher gewesen wenn ich die voriegen bücher auch gelesen hätte aber so war es teilweise schwierig mitzukommen.

27.06.2005 15:48:16
Ulli

Der Ermittler wie immer sympathisch, das Buch gutgeschrieben wie spannend, interessantes Thema und dennoch nur ein mittelklassiger Robinson. Vielleicht weil das Opfer kein Bedauern hervorruft, vielleicht weil die Verdächtigen zu stereotyp sind.
Mithin ein gutes Buch, das gesellschaftspolitisches Thema anpackt, aber letztlich als Krimi nicht wirklich funktioniert.