In blindem Zorn

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Toronto: Viking, 1991, Titel: 'Past Reason Hated', Originalsprache
  • München: Ullstein, 2001, Seiten: 460, Übersetzt: Andree Hesse

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Sabine Reiß
Überzeugende Charaktere in einem klassischen Whodunit

Buch-Rezension von Sabine Reiß Nov 2003

Krimi-Couch-Volltreffer Dezember 2003

Ein Tag vor Weihnachten und alle im Polizeirevier sind ausgeflogen, da sie Abschied und Hochzeit eines Kollegen feiern. Nur Susan Gay, frischbefördert zum Detective Constable, ist auf ihrem Posten, als ein Mord gemeldet wird. Ohne die Fakten zu überprüfen, holt sie ihre Vorgesetzten von der Feier, aber es war kein falscher Alarm: Caroline Hartleys Leiche liegt nackt auf der Couch, der Plattenspieler spielt immerzu das gleiche Stück von Vivaldi. Gemeldet wurde der Fund der Leiche von ihrer Lebensgefährtin Veronica Shildon. Hatte sie einen Grund, ihre Geliebte zu töten? Oder vielleicht ihr Ex-Mann, der erfolgreiche Komponist Claude Ivers, der nicht damit fertig wurde, dass sich Veronica von ihm wegen einer Frau getrennt hat? Oder liegt das Motiv noch weiter zurück in der Vergangenheit, als Caroline von zuhause ausriss und in London als Prostituierte ihre Brötchen verdient hat? Inspector Banks als Musikliebhaber beißt sich an dem Stück von Vivaldi fest, das nach seiner Recherche als Requiem für ein Kind gedacht war.

Peter Robinson schafft eine heimelige Atmosphäre, in der ich mich als Liebhaber von klassischen Whodunit-Krimis sofort wohlfühle. Und das liegt nicht nur daran, dass er seine Handlung hier um die Weihnachtszeit ansiedelt, denn das spielt eher eine untergeordnete Rolle und bietet nur einen geeigneten Rahmen. Es sind die Charaktere, die mir unheimlich vertraut vorkommen und dazu muss man nicht bereits x Bücher des Autors gelesen haben; er macht es einem leicht, sich mit den Figuren anzufreunden.

Bewundernswert ist, welche Wandlung Peter Robinson und damit Alan Banks in dieser Reihe vollzogen hat. Von drei bereits gelesenen Bänden ist der vorliegende der älteste und auch der stromlinienförmigste, d.h. Alan Banks ist seinem Vorbild Inspector Wexford (erschaffen von Ruth Rendell) recht ähnlich. Dies ist absolut nicht negativ zu sehen, aber in späteren Büchern erhält er noch mehr Kontur und die Handlung hier ist eine Spur gewöhnlicher. Was aber schon jetzt deutlich herausgearbeitet wird: Banks ist nicht der ewige Dorfpolizist, der nie aus diesem Milieu herausgekommen ist, sondern seine Arbeit im Londoner Rotlicht-Viertel hat ihn ausgebrannt und auch seine Ehe belastet, so dass er seinen Segen in Eastvale suchte. Sein Charakter ist nicht flach angelegt, sondern äußerst lebendig geschildert, mitfühlend und vertrauenserweckend. Auch darüber hinaus legt der Autor ein großes Geschick an den Tag, die psychologischen Hintergründe gut zu beleuchten und eine glaubwürdige Auflösung zu bieten, man könnte fast von komponieren sprechen...

Handwerklich lässt "In blindem Zorn" nichts zu wünschen übrig, es wird Spannung geliefert, die zwar nicht atemlos macht, aber den Leser auf eigene Weise fesseln wird. Es gehört einfach dazu, um die Serie abzurunden und stellt außerdem eine passende Lektüre für die Weihnachtszeit dar.

In blindem Zorn

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Letzte Kommentare:
26.08.2009 19:19:20
Krimi-Tina

Eine junge Frau wird von ihrer Geliebten tot kurz vor Weihnachten aufgefunden. Blindwütig erstochen. Alan Banks ermittelt im im Schnee versunkenen Yorkshire und muss feststellen, dass praktisch niemand in diesem Fall die Wahrheit sagt. Doch wer hat wirklich mit dem Mord zu tun?
Wiederum sehr intelligent gestrickter Plot mit einer Menge von Wendungen. In der Vergangenheit der Toten gibt es einiges, das die Personen in ihrem Umfeld zu verbergen trachten und das Ermitteln ähnelt stellenweise dem Schälen einer Zwiebel. Was kann es gewesen sein dass einen derartigen Zorn hervorruft. Die Lösung, wie wohl durchaus angedeutet kommt dann ziemlich überraschend.
Die Personen wie immer sehr detailliert und sehr glaubhaft, sowohl auf Ermittlerseite als auch im Umkreis der Verdächtigen. Es ist immer ein Vergnügen Alan Banks bei seinen Untersuchungen zu begleiten. Umso mehr als sein Erfolg weniger dem üblichen polizeilichen Prozedere zuzurechnen ist, als vielmehr seiner Fähigkeit Stimmungen und Emotionen aufzufangen und zu deuten.

05.08.2008 23:33:34
Holger S.

Dieser Banks ist auch ein Erlebnis. Was mir besonders an dem Inspektor gefällt, ist, dass er sich menschliche Gefühle leistet. Er geht mit anderen Menschen, ja, mit Verdächtigen, fair um und bemüht sich, ihnen zu zeigen, dass er nicht willenloses Teil einer gigantischen Maschinerie ist. Andererseits zeichnet der Autor gerade die Figur, die an der Seite des Inspektors steht, nämlich seine Frau, ziemlich blass. Man versteht eigentlich nicht, was die beiden gemeinsam haben und was sie zusammen hält. Auch die Kinder werden eher skizzenhaft gezeichnet. Es ist interessant, dass es vielen Autoren nur schwer gelingt, glaubhafte Beziehungen ihrer Polizeihelden zu schaffen... Dies ist auch der erste Krimi von Robinson, dessen Lösung ich ziemlich früh erraten konnte, und man steht dann vor dem Dilemma, dass man Banks' langen Weg zum Abschluss des Falls ermüdend findet.

25.08.2005 09:00:31
Matthias Brennenstuhl

Peter Robinson setzt auf sympathische Art und Weise die neue englische Krimitradition von Martha Grimes und P. D. James fort. Mit Alan Banks hat er eine Figur mit Charisma und Charakter geschaffen. "In blindem Zorn" macht da keine Ausnahme. Spannend, schlüssig, und auch mit zwischenmenschlichem Tiefgang. Schade, dass die angelsächsischen Krimis insgesamt auf dem internationalen Markt nur noch eine (fast) Nebenrolle spielen.

20.08.2004 18:47:03
Anja S.

Ein gut gemachter Who-Dunnit-Krimi mit vielen falschen Faehrten. Leider nicht super-spannend und am Ende auch nicht besonders originell. "Wenn die Dunkelheit kommt" ist viiiiiiiiiiiiiiiiel besser.

29.03.2004 09:51:42
William

Ich schliesse mich der Meinung von Samantha an. In der Mitte des Buches wird es (zumindest für mich klar) dass ein Zusammenhang vom Mord und Diebstahl sein könnte und dass die 3. Frau auch ein Mann sein kann, (Hinweis wieder zum Diebstahl bei der Laiengruppe) denn wie kommt man an die hübsche Caroline ran wenn nicht als Frau - verkleidet ? -- etwa so dachte ich. Die Gespräche sind allerdings oft Klasse, manchmal einfach nicht vollständig. Fragen, fragen, fragen ist für mich immer noch der Schlüssel im Krimi.

11.09.2003 16:57:35
Samantha

Das Buch ist wirklich gelungen. Ich konnte es eigentlich kaum aus der Hand legen. Die Dialoge klingen wirklich echt. Einziger Minuspunkt meinerseits besteht daraus, dass ich das Ende nicht so gut fand. Das Motiv etc. waren mir zu einfach. Der Anfang verpricht nämlich etwas mehr. Trotzdem wirklich gut zu lesen. Als Noten würde ich diesem Buch eine 2- geben.