Wenn die Dunkelheit fällt

  • Ullstein
  • Erschienen: Januar 2003
  • Toronto: M&S, 2001, Titel: 'Aftermath', Originalsprache
  • München: Ullstein, 2003, Seiten: 5, Übersetzt: Florian Martens
  • Berlin: Ullstein, 2005, Seiten: 479
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Sabine Reiß
85°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2003

Peter Robinson hat hier einen feinen Teppich gewebt, der mich ganz und gar gefangen genommen hat

Zwei Polizisten werden zu einem Haus gerufen, in dem ein Ehestreit stattfindet. Die Ehefrau Lucy Payne liegt bewusstlos im Flur. Als Sergeant Dennis Morrissey in den Keller geht, um nach dem Ehemann zu suchen, geschieht Schreckliches: Er wird von hinten angegriffen und mit einer Machete tödlich verletzt. Seine Kollegin Janet Taylor kann Terence Payne dingfest machen, aber dann rastet sie aus und schlägt mit dem Knüppel noch auf ihn ein, obwohl sie ihn schon gefesselt hat. Was im Keller des Hauses gefunden wird, ruft echtes Grauen hervor. Nach und nach werden die Leichen von sechs jungen Frauen gefunden, das letzte Opfer lag noch gefesselt auf der Matratze, missbraucht und gefoltert. Es scheint, als habe die SOKO "Chamäleon" zufällig ihren Mörder gefunden, der für das Verschwinden von fünf jungen blonden Mädchen verantwortlich ist.

Alan Banks, leitender Beamter der SOKO, fragt sich, warum Lucy nichts vom Treiben ihres Mannes mitbekommen hat. Er schaltet die Psychologin Dr. Jenny Fuller als Profiler in die Ermittlungen ein. Von einer Nachbarin erfährt er, dass Lucy von ihrem Ehemann misshandelt wurde. Sie selbst verweigert die Aussage, beruft sich auf eine Amnesie. Als Terence Payne seinen Verletzungen erliegt, ändert sich nicht nur für Lucy die Situation, sondern auch für die Beamtin, die ihn auf dem Gewissen hat. Auch hier sind die internen Ermittlungen im Gange.

Das Grauen steht am Anfang der Geschichte und der Anfang ist so düster, dass ich eigentlich nach der ersten Seite gar nicht weiterlesen wollte, aber dann hat es mich ganz und gar gepackt. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Inspector, aber dennoch unterscheidet sich die Story von den üblichen britischen Polizei-Romanen (Police Procedural), sie ist wesentlich psychologischer aufgebaut. Habe ich nach der Lektüre von Die letzte Rechnung Alan Banks noch mit Inspector Wexford (Ruth Rendell) verglichen, so möchte ich hier mein Urteil einschränken. Auch wenn Wexford Schlimmes durchmachen musste als z.B. seine Frau gekidnappt wurde, so ist die ganze Atmosphäre hier wesentlich packender beschrieben als in den meisten Wexford-Romanen, höchstens vergleichbar mit der Story in Eine entwaffnende Frau. Die Hauptfigur gefiel mir von Anfang an. Sie erhält Tiefe durch der Schilderung der privaten Probleme. Es scheint symptomatisch zu sein: Wie viele Polizisten hat auch Alan Banks eine gescheiterte Ehe hinter sich und die Beziehung mit einer Kollegin funktioniert auch nicht so recht.

Mit Hilfe häufig wechselnder Szenen, an die einige Seiten später wieder angeknüpft wird, gelingt es Peter Robinson, eine unheimliche Spannung aufzubauen. So entsteht der Eindruck, dass die Ereignisse zeitgleich geschehen und das macht die Geschichte mehrdimensional: Nicht nur die grausamen Funde im Keller spielen eine Rolle, sondern auch die Ermittlungen gegen die Polizistin, die Terence Payne niederschlug, die Kindheit von Lucy Payne, Misshandlung von Frauen in der Ehe etc.

Langsam wird der Leser an die Geschichte herangeführt, von langer Hand vorbereitet: keine unaufgelösten Handlungsstränge, kein schnelles Zusammenstricken eines Showdowns. Peter Robinson hat hier einen feinen Teppich gewebt, der mich ganz und gar gefangen genommen hat. Summa summarum ist "Wenn die Dunkelheit fällt" ein gelungener Krimi, der zwar wenig Überraschungsmomente bereithält, aber solide konstruiert ist. Er hinterlässt eine gewisse Nachdenklichkeit. So wie ich anfangs zögerte, den Roman zu beginnen, so verlangt er nach dem Lesen ebenfalls eine Pause, insofern schließt sich der Kreis.

Wenn die Dunkelheit fällt

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