Eine seltsame Affäre

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Pan Books, 2005, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2007, Seiten: 464, Übersetzt: Andrea Fischer
  • Berlin: Ullstein, 2009, Seiten: 451

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Sabine Reiß
Strangers in the night

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jan 2007

Als Detective Chief Inspector Alan Banks eines Abends nach Hause kommt, ist auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht seines jüngeren Bruders Roy. Der Anruf beunruhigt ihn, da er in den letzten Jahren sehr wenig Kontakt zu Roy hatte und dieser Andeutungen über seine Situation macht, in der es anscheinend um Leben und Tod geht. Banks Rückrufversuche bleiben ohne Erfolg und so setzt er sich am nächsten Tag ins Auto und fährt nach London, um vor Ort herauszufinden, warum Roy nicht erreichbar ist. Das Haus ist unverschlossen, das Handy liegt in der Küche, aber der Laptop ist verschwunden. Die Nachfrage bei einem Nachbar ergibt, dass sein Bruder kurz nach dem aufgezeichneten Telefonanruf das Haus mit einem grauhaarigen Mann verlassen hat. Banks war bereits seit langem überzeugt davon, dass die Geschäftsaktivitäten seines Bruders nicht ganz astrein waren, doch nun macht er sich Sorgen, was mit ihm geschehen sein könnte.

Parallele Ermittlungen in Eastvale

Gleichzeitig in Eastvale: Detective Inspector Annie Cabbot übernimmt mit ihren Kollegen die Ermittlungen in einem Mordfall. Zunächst sah es so aus, als wäre die junge Frau, deren Auto am Straßenrand gefunden wird, eines natürlichen Todes gestorben, doch unter ihren Haaren ist eine Einschussstelle verborgen. Sie hatte in ihrer Gesäßtasche die Adresse von Alan Banks, an der er allerdings zur Zeit nicht wohnt, da sein Haus vor kurzem ausgebrannt ist. Annie kann ihren Kollegen nicht erreichen, da sie nicht weiß, wo er sich aufhält und sein Handy nicht mitgenommen hat. Was hat die junge Frau von Alan gewollt?

Kurze Zeit später wird an der Themse die Leiche eines Mannes angeschwemmt, die von Alan Banks als die seines Bruders Roy identifiziert wird. Obwohl er in diesen Fall wegen seiner familiären Beziehung zu sehr involviert ist, kann er es nicht lassen, auf eigene Faust zu ermitteln.

Vergleicht man Eine seltsame Affäre - übrigens eine Anlehnung an einen Musiktitel namens ´Strange Affair' - mit den vorigen Bänden der Serie, so zeigt sich eine Weiterentwicklung der Figur Alan Banks. Er wird nun weitaus differenzierter gezeichnet, als zu Beginn seiner Karriere. Schon mit dem vorigen Band wurde ein Umbruch eingeläutet, da der Protagonist selbst in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zwar war bereits in einem früheren Fall war ein Angehöriger eines Polizisten verwickelt, doch so nah ist ihm noch keine Ermittlung gekommen. Alan Banks hat schwere Zeiten hinter sich. Der Anschlag auf sein Leben und die damit verbundene Zerstörung seines Heims und all seiner Habseligkeiten haben ihn psychisch stark mitgenommen. Er zeigte z.B. keinerlei Interesse, seine verlorene Musiksammlung wieder aufzubauen. Erst der Anruf seines Bruders scheint ihn wachgerüttelt und dazu bewogen zu haben, einen Schritt auf das Leben zuzumachen.

Konsequent weiterentwickelt

Diesen tieferen Einblick in die Psyche des Protagonisten scheint Peter Robinson über den Fall als solches zu stellen, auch wenn die Spannung nicht darunter leidet. Im Gegenteil, die erste Hälfte des Buches ist äußerst fesselnd und danach bleibt die Spannung auf einem akzeptablen Niveau. Robinson verknüpft die beiden Fälle mit einer Selbstverständlichkeit und ohne den andernorts oft gern genutzten Zufall zu bemühen. Auch die Auflösung gibt keinen Anlass zur Kritik.

Empfehlenswert ist dieses Buch ohne Zweifel für Kenner der Serie. Als Einsteiger bzw. Erstleser wird man sich an den vielen Anspielungen auf frühere Ermittlungen stören, die man nicht einordnen kann und die im Zweifelsfall sogar den Ausgang verraten, so dass man die Lust daran verliert, diese Bücher zu lesen. Betroffen sind insbesondere der Vorgänger Kein Rauch ohne Feuer und ein frühes Buch Eine respektable Leiche. Gerade letzteres erscheint überflüssig; allenfalls macht das Wiedertreffen mit einer Verdächtigen von damals deutlich, dass Banks sein Leben auf den Prüfstand stellt. Die Verknüpfung zum Vorgänger ist verständlich, stellt sie doch eine konsequente Weiterentwicklung der Figuren dar. Eine seltsame Affäre ist zwar nicht das beste Buch der Serie, es gehört jedoch in punkto Qualität zum oberen Drittel von Peter Robinsons Büchern.

Eine seltsame Affäre

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Letzte Kommentare:
27.01.2013 00:20:55
Anfangsverdacht

Dieser Roman atmet gute Literatur. Er zeichnet gut die Charaktere, versteht es eine Geschichte zu erzählen, läßt sich Zeit mit allem. Man fühlt sich in diesem Roman mit Robinson gut aufgehoben. Und ein verdammt häßliches Thema von uns Menschen stellt er unspektakulär dar und deshalb tut es in der Seele weh.

02.12.2012 20:04:41
Krimina

Dies ist mein erstes Buch von Peter Robinson. Ich bin total begeistert. Er geht bei der Darstellung von Örtlichkeiten und Persönlichkeiten sehr ins Detail. Beim manch anderem Autor sind diese ausschweifenden Beschreibungen oftmals langweilig. Bei Robinson stört mich dies jedoch überhaupt nicht. Im Gegenteil man fühlt sich sofort Alan Banks verbunden, ist sozusagen Teil der Geschichte. Freue mich schon auf die anderen Geschichten mit diesem interessanten und vielschichtigen Inspektor Banks. Peter Robinson schreibt genauso wie ich es mag!!

17.10.2010 15:59:44
Rolf Majaranta

Und wieder hat es sich gelohnt, Peter Robinson ist meines Erachtens einer der subtilsten Krimiautoren. Mein Krimiolymp beinhaltet neben Robinson noch Nesser, Rankin, Fossum, Mankell, Marklund. Auch dieser Fall ist packend und kommt ohne grosse Blutrünstigkeiten aus. Die Nebenfiguren sind sehr realistisch dargestellt: Das Buch also highly recommended !