Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2005, Seiten: 318, Originalsprache

Couch-Wertung:

82°
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Thomas Kürten
Mehr als eine berufliche Bekanntschaft???

Buch-Rezension von Thomas Kürten Aug 2005

Ungewöhnlich genug, dass zwei Detektive mit einem Fall betraut werden. Aber sowohl der Besitzer des Club Marquis als auch der Gatte der braven Frau Averbeck, Erbin einer erfolgreichen Firmengruppe, haben ein Interesse daran, dass der Täter, der die gefesselte Frau Averbeck mit einem Messer traktiert hat und sich nicht an übliche SM-Absprachen hielt, diskret und unauffällig gefunden wird. Und so ermittelt Wilsberg auftrags der beiden Clubbesitzer und Pia Petry kommt ihrer Jugendliebe Jochen Averbeck zu Hilfe, der sie damals wegen ihrer besten Freundin sitzen ließ.

Georg Wilsberg spielt auf heimischem Terrain, über diese Figur braucht man nicht viele Worte verlieren. Bereits 15 Romane spielten in Münster und einige wohl bekannte Randfiguren treten auch diesmal wieder in Erscheinung. Seine Kontakte zu Kommissar Stürzenbecher helfen ihm wieder mal ein wenig, um in den Ermittlungen voran zu kommen. Sehr erfrischend übrigens die neue Assistentin des Kommissars. Und auch Franka, inzwischen als Anwältin etabliert, bekommt ihren Auftritt. Weniger bekannt sein dürfte Pia Petry. Diese Figur ist bislang erst in zwei Romanen von Petra Würth aufgetreten und genießt (noch) nicht den Kultstatus ihres männlichen Kollegen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Spuren nach Argentinien

Zunächst stürzt sich Pia Petry in die SM-Szene und lernt dort den charismatischen Dracu kennen. Währenddessen hat sich Wilsberg die Gästeliste des Clubs besorgt und bittet Kommissar einmal mehr um Hilfe auf dem kleinen Dienstweg. Nachdem sich die beiden Ermittler mehrfach über die Füße laufen und sich darüber hinaus auch noch halbwegs sympathisch finden, begreifen sie allmählich, dass sie beide am gleichen Fall arbeiten. Allerdings ist es zu diesem Zeitpunkt nicht bei der Körperverletzung bei Pias Freundin geblieben: Die beiden finden eine Verkäuferin aus einem SM-Laden aufgeschlitzt und von der Decke baumelnd in der Wohnung eines Verdächtigen, aufgeknüpft mit einem SM-Knoten um den Hals. Eines ist offensichtlich: der Täter scheint sich in der Sado-Maso-Szene auszukennen. Und noch etwas: Immer wieder führen Spuren und Verbindungen nach Argentinien.

Pia Petry bringt einen frischen Wind in diesen Roman, wobei man irgendwie das Gefühl nicht loswird, eine Mischung aus Protagonistinnen von Janet Evanovich, Marian Keyes und Ildiko von Kürthy vor sich zu haben. Chaotisch, teilweise auch neurotisch und nicht unbedingt professionell purzelt sie durch die Handlung. Welcher Detektiv fährt schon einen Porsche bei seinen Ermittlungen? Wer ließe sich auf SM-Spielchen mit einem Verdächtigen ein? Grund genug, um bei Wilsberg mehr als einmal Beschützerinstinkte zu wecken. Der ist phasenweise kaum wieder zu erkennen. Angetrieben von einem mächtigen Hormonstau sieht er in Pia Petry mehr als nur eine Konkurrentin - und lässt sich so manches mal die Butter vom Brot nehmen.

Autoren-Ping-Pong

Mit jedem Kapitel ändert sich die Erzählperspektive. Mal wird aus der Sicht von Petry, dann aus der Sicht von Wilsberg berichtet. Wenngleich dieser fortwährende Wechsel, dieses stets gleiche Muster, mit der Zeit gerade an den Kapitelanfängen Abnutzungserscheinungen hervorruft, kann man dem Autorenduo durchaus ein sehr gelungenes Gesamtwerk attestieren. "Blutmond" ist das Resultat einer Zusammenarbeit; die Autoren haben sich gegenseitig keine faulen Eier ins Nest gelegt. Lediglich bei den "Aktivitäten" ihrer Helden in der SM-Halbwelt necken sich die beiden mit teilweise erstaunlichen Detailkenntnissen.

Inwiefern es eine weitere Zusammenarbeit der beiden Ermittler gibt, lässt das Ende des Romans offen. Beide in einer ähnlichen Konstellation "gegeneinander" antreten zu lassen, scheint jedoch nur schwer vorstellbar. Dieses Zusammentreffen jedenfalls bringt Lesefreude und hat dem ansonsten gerne mal mit westfälischer Gemütlichkeit daher kommenden Wilsberg eine gehörige Portion frischen Wind verliehen.

Blutmond - Wilsberg trifft Pia Petry (mit Petra Würth)

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