Wilsberg - Ein bisschen Mord muss sein

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2015, Seiten: 224, Originalsprache

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Andreas Kurth
Schlager, Bomben und ein naiver Zocker

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2015

Georg Wilsberg bekommt einen Auftrag, den er scheinbar locker ausführen kann. Sein alter Bekannter Wolfram Schniederbecke taucht überraschend auf. Der ehemalige Punker, unter dem Künstlernamen Wolf Schatz zu Ruhm und Geld in der Schlagerbranche gekommen, steckt übel in der Klemme. Wilsberg soll für ihn einen Geldkoffer an ein paar zwielichtige Figuren übergeben, um die Schulden des spielsüchtigen Schniederbecke zu begleichen. Bevor es dazu kommt, wird am Treffpunkt das Auto des Schlagerbarden gesprengt - und Schniederbecke dabei scheinbar getötet. Der äußere Anschein ist Wilsberg natürlich nicht genug, also beginnt er eifrig zu recherchieren, auf eigene Faust, aber auch im Auftrag der Witwe des Sängers. Schnell gerät er dabei mit Hauptkommissarin Bauer in Konflikt, der neuen Chefin der Mordkommission Münster. Aber Zoff mit der Polizei hat Wilsberg noch nie von Recherchen abgehalten - und der abstruse Fall birgt so einige Tücken, die typisch sind für den schrulligen Privatdetektiv.

Roman hat mit Fernseh-Reihe nur Namen und Hauptperson gemeinsam

Nach langer Pause hat Jürgen Kehrer wieder einen Wilsberg-Krimi geschrieben. Auf der Mattscheibe war der Buchhändler und Privat-Schnüffler stets präsent, jetzt hat der Autor mal wieder eine Folge seiner bei vielen Krimi-Liebhabern durchaus beliebten Reihe zu Papier gebracht. Immerhin hat es acht Jahre gedauert, bis Kehrer wieder zur Feder gegriffen hat, aber seine Fans werden wohl zu den Schluss kommen, dass sich das Warten durchaus gelohnt hat.

Wer regelmäßig die Fernseh-Folgen von Wilsberg gesehen hat, meint schon nach wenigen Seiten Leonard Lansink vor seinem geistigen Auge zu sehen. Das ist kaum zu vermeiden, auch wenn die Buch-Version von Wilsberg mit der populären Fernseh-Reihe im Grunde nur den Namen und die Hauptperson gemeinsam hat. Ecki, Alex, Kommissarin Springer und ihr durchgeknallter Assistent Overbeck sind nämlich Zugaben der Fernsehmacher, um die Serie deutlich aufzupeppen - in den Büchern von Jürgen Kehrer kommen sie dagegen überhaupt nicht vor.

Georg Wilsberg ist wieder einmal hartnäckig wie eine Zecke

Die neuen Ermittlungen des an chronischem Geldmangel leidenden Privatdetektivs führen ihn zur russischen Zocker-Szene, in die unergründliche Welt der Schlager- und Volksmusik-Sternchen und in die Untiefen der Karnevalsszene von Münster. Speziell bei der Schlager-Thematik sind herrliche Anspielungen auf echte Figuren aus dieser Musikrichtung zu finden, und sorgen für großartige Unterhaltung des Lesers. Daneben ist der minimalistische Schreibstil dafür verantwortlich, dass auch bei knapper Seitenzahl mehr als genug passiert. Wilsberg wird von einer Kalamität in die nächste getrieben - und muss wie immer einiges an Nehmer-Qualitäten zeigen.den und gefährlichen Situation in die Nächste und Wilsberg muss dabei auch wieder einiges einstecken.

Aber Wilsberg ist nun mal unkaputtbar - was ihn bei seinen Fans wohl auch so populär macht. Im Grunde ist er eigentlich ein Loser, aber wenn er durch die Vordertür raus fliegt, kommt er durch den Hintereingang zurück. Er lässt sich nicht von seinen Recherchen abhalten, ist hartnäckig wie eine Zecke, und dröselt so die verwinkelten Geheimnisse schließlich doch wieder auf.

Der Unterhaltungsfaktor ist bei diesem Roman enorm hoch, kriminalistisch könnte etwas seltener der Zufall im Spiel sein - aber Schwamm drüber. Der älter gewordene Privatdetektiv vermag einfach zu überzeugen. Figuren und Dialoge sind der spannenden und eben amüsanten Handlung angemessen, und so bietet der Roman richtig gute Unterhaltung - und großen Tiefgang hat man ohnehin nicht erwartet.

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Letzte Kommentare:
12.10.2016 09:28:12
Rolf Graudejus

Diese Kritik macht Appetit auf den Roman. Ich werde mir aber auch die (hoffentliche) Verfilmung genüsslich reinziehen. Ich finde, daß die Personen durchaus getroffen sind. Lansink, Korittke, und Rita Russek sind so gut getroffen... Ich habe schon wesentlich schlechtere Verfilmungen gesehen. Nee, laß mal, da kann der Herr Kehrer schon zufrieden mit sein. Und wir Leser und Zuschauer auch.