Wilsberg und der tote Professor

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2002, Seiten: 192, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 4, Übersetzt: Rainer Gilljohann

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Thomas Kürten
Tod eines Lustmolchs

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Wenngleich dieses Buch nicht zu den allerbesten Krimis von Kehrer zählen mag, vielleicht ist es das Buch, dass ihm den größten Trubel und die meiste Aufmerksamkeit in der Presse beschert hat. Tatsächlich glaubte ein Professor der Münsteraner Universität sich in der Figur des ermordeten Professors wiederzuerkennen und strebte eine Klage gegen den Autor an, die die Veröffentlichung und Verbreitung des Buches verbieten sollte. Jener Professor, der in dem angestrebten Rechtsstreit dem Autor unterlag, dürfte sich und seinem Ruf durch die unüberlegte Klage allerdings am meisten Schaden selbst zugefügt haben, denn wer gibt schon in aller Öffentlichkeit zu, sich durch die Figur eines derben Lustmolchs persönlich angegriffen zu fühlen...

Wilsberg soll im Auftrag einer besorgten Ehefrau deren Mann, einen Universitätsdozenten, beschatten. Ihr Verdacht bestätigt sich schnell, schon am ersten Abend der Überwachung kann Wilsberg beobachten, wie der Professor bei einer Angestellten an seinem Lehrstuhl Annäherungsversuche macht, anschließend mit einer seiner Studentinnen auf dem Schreibtisch seines Büros eine heiße Nummer schiebt. Leider erlebt der Professor den Orgasmus nicht mehr, da er zuvor erschossen wird. Unversehens ist Wilsberg also mal wieder mitten in den Ermittlungen der Mordkommission ein wichtiger Zeuge. Und er stellt zum Ärger von Kommissar Stürzenbecher wieder einmal seine eigenen Nachforschungen an.

Wer hatte es auf den Professor abgesehen?

Tatverdächtige könnten ein Dutzend geprellter und enttäuschter Studentinnen sowie deren Freunde oder Ehemänner sein. Ebenso die geprellte junge Gattin des Professors. Und was ist mit dessen Ex-Frau oder gar deren Sohn? Oder hatte jemand Interesse an der Forschungsarbeit des Akademikers, der sich mit Masematte, einer Münsteraner Geheimsprache beschäftigte. Was kann ihn bewogen haben, einen am Tourette-Syndrom erkrankten Studenten als Assistenten am Lehrstuhl zu beschäftigen? Diese Krankheit drückt sich in unkontrolliertem Gebrauch von Schimpfwörtern aus.

Wilsberg wird von der jungen und attraktiven Witwe weiterhin engagiert, nachdem in deren Haus eingebrochen und das Büro des Toten durchwühlt wurde. Sie sucht sogar offenbar seine körperliche Nähe und Wilsberg verliebt sich glatt in die hübsche Frau. Begeht er einen Fehler und lässt sich von seinen Gefühlen blenden? Offenbar erzählt ihm die Witwe nicht die ganze Wahrheit...

Wilsbergs Schnüfflernase lässt ihn auch hier nicht im Stich

Jürgen Kehrers Krimis sind stets relativ kurz und bieten daher nie allzu viele mögliche Tathergänge. So ist auch hier der Detektiv schnell auf dem richtigen Weg und verliert sich nicht darin, unter den Studentinnen nach betrogenen Affärchen des toten Professors zu suchen. Eine Suche unter Münsters Studentinnen, die bekanntermaßen zu den schönsten der Republik gehören, hätte den Detektiv vielleicht auch selbst in die ein oder andere verzwickte Lage bringen können. Zu gern schaut Wilsberg bekanntermaßen den attraktiven jungen Damen hinterher. Nein, im Gegensatz zur Polizei vermutet er sehr schnell einen anderen Hintergrund für die Tat. Und auch als Kommissar Stürzenbecher einen Tatverdächtigen festnimmt, forscht Wilsberg weiter. Und seine Schnüfflernase hat ihn noch nie im Stich gelassen.

Ein netter und routiniert geschriebener Krimi, der vielleicht noch größeres Potential gehabt hätte. Sehr störend, weil zu komisch anmutend, ist der Gebrauch der Tourette-Sprache. Das ernste Problem eines an diesem Syndrom Erkrankten erreicht nicht den Leser. Auch die Auflösung des Mordes kommt ein wenig zu gestelzt daher. Es bietet zwar eine Überraschung, aber zu Begeisterungsstürmen kann es nicht bewegen. Solide Arbeit, ein Detektiv zum knutschen und der jederzeit angenehme Erzählstil lassen das Buch zu einer unkomplizierten Lesekost für Zwischendurch werden.

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Letzte Kommentare:
15.06.2012 21:19:01
andrepolis

Hier ein Grapscher, hier eine vernaschte Studentin- Und plötzlich ist Professor Günter Kaiser tot. Ihn vermissen?? Nein, das können sich nicht viele vorstellen...Wilsberg hat die Qual der Wahl, genug Verdächtige gibt es, vom Assistentin bis hin zur überaus attraktivem Eheweib. Bremsen a la Franka und Stürzenbecher und Franka? Keine Chance - Wilsberg ermittelt.

In der Tat bleibt der Täter bis kurz vor Schluß im Dunkeln. Tatsächlich fragt sich der geneigte Leser, warum nicht schon vorher jemand den Professor umgebracht hat. Und wäre nicht die Witw, man könnte wirklich Mitleid mit Wilsberg bekommen...

28.02.2004 13:50:47
Herbert Huber

Ich wurde auf »Wilsberg und der tote Professor« durch den Prozess, den ein Sprachwissenschaftler dagegen anstrengte, aufmerksam.
Der Krimi ist gut konstruiert und flott erzählt, wenn er auch einige Unebenheiten im Plot hat (wer vergreift sich an einer Studentin ohne wenigstens die Vorhänge zu zu ziehen?).
Lesenwert. Meine ausführliche Rezension auf http://www.lesekost.de/Krimi/HHLKR14.htm

13.02.2004 19:07:54
Stephan

wie die vorigen wilsberg krimis,ist auch dieser krimi ein lesegenuss.alle wilsberg krimis sind zu empfelen.

29.09.2003 17:04:06
Ullrich Schweda

Der Autor führt den Leser in eine Welt, die vielen anderen Menschen suspekt ist. Er arbeitet die verschiedenen Aspekte, die diesen Fall so interessant machen, gut heraus. Jürgen Kehrer gelingt es, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite für diesen Krimi zu interessieren. Die Wilsberg-Reihe muß fortgesetzt werden.

01.09.2003 19:32:52
Jana Simone Kley

Wie bisher alle Wilsbergkrimis war auch dieser wieder klasse, hat alle Erwartungen erfüllt und durch die sympathische Hauptfigur kommt es erneut zu witzigen Passagen!