Der faule Henker

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 2003
  • München: Blanvalet, 2004, Seiten: 480, Übersetzt: Thomas Haufschild
  • München: Blanvalet, 2006, Seiten: 478, Übersetzt: Thomas Haufschild
  • Augsburg: Weltbild, 2009, Seiten: 606, Übersetzt: Thomas Haufschild

Couch-Wertung:

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Peter Kümmel
Deaver setzt noch einen drauf. Und noch einen...

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jun 2004

Krimi-Couch-Volltreffer August 2004

Nichts ist so wie es scheint bei Jeffery Deaver und seinen Protagonisten, dem gelähntem Spurensucher Lincoln Rhyme und seiner hübschen Assistentin Amelia Sachs. So erscheint es nur folgerichtig, dass als Gegenspieler des Teams diesmal ein waschechter Illusionist fungiert. Dies gibt Deaver Spielraum für noch mehr überraschende Tricks als man bisher schon von ihm gewohnt war.

Der deutsche Titel Der faule Henker ist der Name eines Zaubertricks. Der Künstler liegt auf dem Bauch und lässt sich die Arme mit Handschellen auf dem Rücken fesseln. Die Füße werden mit einem Seil verschnürt, die Knie gebeugt und das andere Ende des Seils um den Hals verknotet. Schafft es der solcherart verschnürte nicht, sich zu befreien, so stranguliert er sich selber, wenn er die Beine ausstreckt. Keine Chance hatte allerdings das erste Opfer des Täters, denn ihm wurden keinerlei Möglichkeiten zur Befreiung gegeben.

Ein ganz besonderes Locked-Room-Mystery

Der Mörder wurde noch am Tatort überrascht. Und obwohl er in einen fensterlosen Raum flüchtete, schaffte er es, daraus zu entkommen. Der Name dieses Tricks The Vanished Man ist der Originaltitel des Buches. Die Polizei konnte das Rätsel nicht lösen, und so musste Rhyme mit seinem Team an die Arbeit. Zur Unterstützung engagierte man die Illusionistin Kara, mit deren Hilfe man zumindest herausfand, wie der Täter entkommen konnte. Seine Stimme aus dem verschlossenen Raum kam aus einer selbstgebastelten Apparatur, während er selber den Raum bereits aus einem zweiten Ausgang verlassen hatte und das Geschehen als Hauswart verkleidet seelenruhig beobachtete.

Wie immer hat es Lincoln Rhyme natürlich nicht mit einem Einzelfall, sondern mit einem Serienmörder zu tun. Und der macht in schöner Regelmäßigkeit weiter mit seiner Zaubervorstellung und das Ergebnis jeder einzelnen Nummer ist eine Leiche. Das große Problem der Ermittler: Obwohl sie dem Täter immer dicht auf den Fersen sind, wissen sie nicht, nach wem sie suchen müssen, denn dieser wechselt sein Erscheinungsbild in Sekunden. Das einzig sichere Erkennungsmerkmal sind zwei verkrüppelte Finger an der linken Hand. Und ist er mal geschnappt, so ist er auch schon wieder weg.

Als Meister der Irrungen und Wendungen präsentiert sich Jeffery Deaver einmal mehr. Und glaubt man, es sei keine Steigerung mehr möglich, dann setzt er noch einen drauf. Und noch einen. Und noch einen...

Wird jemand ermordet, dann muss er noch lange nicht tot sein

Wer gehört zu den Guten und wer zu den Bösen? Scheint jemand entlarvt, dann war es nur ein Trick. Oder etwa doch nicht? Welche Hinweise sind Spuren und welche hat der Täter absichtlich hinterlassen, um seine Jäger in die Irre zu führen? Ist wie so oft wieder ein Verräter in den eigenen Reihen? Wird jemand ermordet, dann muss er noch lange nicht tot sein. Der Täter wird gefasst und alles scheint gelaufen. Doch natürlich erkennt man an der restlichen Seitenzahl des Buches, dass der Fall damit noch lange nicht gelöst ist. Zwischenepisoden aus einem völlig anderen Fall verknüpfen sich natürlich peu à peu mit der Haupthandlung.

Doch was will der Mörder überhaupt erreichen? Welche seiner Verbrechen dienen nur zur Ablenkung und was ist sein eigentliches Ziel? Hier hat der Autor natürlich im Zuge von noch mehr Spannung und noch mehr Überraschung wieder ziemlich dick aufgetragen. Doch jeder Knoten - sprich: jeder Hinweis und jeder Trick - wird auch wieder entknotet, wenn auch manches etwas unrealistisch ist. Wenn natürlich auch keine Magier-Tricks en détail verraten werden, so erhält man schon einige Informationen über die kleinen Kniffe der großen Künstler.

Keine Sekunde zum Luft holen

Action-Szenen wechseln ab mit logischen Schlüssen und Szenenwechseln zum Täter, so dass einfach keine Sekunde zum Luft holen bleibt. Ein Buch, dass für eine Verfilmung prädestiniert scheint.

Einziger winziger Kritikpunkt die im Laufe der Handlung sich wiederholenden und immer länger werdenen stichpunktartigen Hinweise, die das Ermittlerteam auf seiner Wandtafel stehen hat. Aber bei fast 500 Seiten lassen sich auch ab und an mal zwei davon überblättern.

Deaver ist auf seinem Gebiet konkurrenzlos

Deaver hat mit Der faule Henker wieder einmal zweifelsfrei bewiesen, dass er selber der Meister der Illusionen und auf seinem Gebiet konkurrenzlos ist.

Der faule Henker

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