Ostfriesenfluch

  • Jumbo
  • Erschienen: Januar 2018
  • 25
  • Hamburg: Jumbo, 2018, Seiten: 4, Übersetzt: Klaus-Peter Wolf
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Thomas Gisbertz
65°1001

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2017

Ostfriesenkrimi mit Spannung und Humor - aber auch mit Schwächen

In ihrem nunmehr zwölften Fall bekommt es Hauptkommissarin Klaasen mit einem psychopathischen Täter zu tun, der Frauen entführt, aber kein Lösegeld fordert. Stattdessen schickt er deren Kleidung an Bekannte der Entführungsopfer. Das Ermittlerteam steht vor einem schwierigen Fall, da das Motiv des Täters Rätsel aufgibt. Plötzlich wird auch noch ein Anschlag auf den Ehemann der Toten, Peter Röttgen, verübt und eine weitere Frau wird vermisst.

Hängen diese beiden Fälle mit der Ermordung zusammen? Aber warum sollte der Entführer den Ehemann töten wollen? Als Ann Kathrin Klaasen dann auch noch als Geisel genommen wird, und der Täter Jagd auf Kinder macht, droht alles aus dem Ruder zu laufen. Erst eine zufällige Entdeckung bringt die Ermittler auf die richtige Spur.

Verbrecherjagd mit viel Humor, aber leider auch zuviel Slapstick

Man kann vortrefflich darüber streiten, wie viel Humor in einem Kriminalroman erlaubt sein sollte. Klaus-Peter Wolf verfügt sicherlich über eine Menge Witz - und lässt dies auch immer wieder in den Roman mit einfließen. Ich gebe zu, dass ich an einigen Stellen schmunzeln, zum Teil auch laut lachen musste. So antwortet zum Beispiel Peter Röttgen, der Ehemann des ersten Opfers, auf die Frage, ob er Feinde habe: -Ich habe mal bei den Kommunalwahlen kandidiert-. Wolf formuliert teilweise auch auf eine recht schwarzhumorige Art und Weise, was dem Krimi gut tut.

Allerdings - und hier muss man leider auch deutliche Kritik üben - driftet Wolf auch immer wieder ins Platte und Alberne ab. So wird beispielsweise ein Eindringling von einer rüstigen Dame mit der Klobürste verjagt, und Kommissar Rupert klärt eine Verwechslung mit einem -Partyboy- beim Jungesellinnenabend nicht auf, sondern strippt stattdessen munter drauf los, als gäbe es kein Morgen. Damit nicht genug: Er findet bei einem Verdächtigen Aktfotografien und sieht es als seine polizeiliche Pflicht an, alle Frauen persönlich zu danach zu befragen - gerne auch nach Feierabend. Auch der russischen Austauschpolizistin Larissa nimmt er sich an und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Wie ein Mann mit solch einem wiederholt infantilen Benehmen, der immer wieder dienstliche Anweisungen missachtet, von sich selber aber restlos überzeugt ist, überhaupt Kommissar bei der Kriminalpolizei werden konnte, ist für mich das größte Rätsel dieses Romans.

Das alles ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Sicherlich wird es Leser geben, denen genau das gefällt, aber es passt meines Erachtens nicht zum Gesamtkonzept dieses Krimis. Auch wenn Kollegen des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden als einfältige und naive Anfänger dargestellt werden, die der Kriminalpolizei in Friesland nicht ansatzweise das Wasser reichen können, wirkt der Roman schnell unglaubwürdig und plump.

Die Hauptkommissarin stellt leider keine Ausnahme dar. Als Klaasen beispielsweise ein Muttermal untersuchen lässt, das sich als bösartig herausstellt und unverzüglich entfernt werden muss (nicht, dass die Kommissarin daran auch noch vor Lösung des Falles stirbt), versucht Klaus-Peter Wolf mit dem Brecheisen dem Leser die menschliche, verletzliche Seite der Polizistin zu zeigen. Da passt es nur allzu gut, dass die harte, resolute Kommissarin trotz Wundpflasters weiter ermittelt. Nicht nur hier wird der Roman unfreiwillig komisch, um nicht zu sagen albern. Eine fast schon nette Randnotiz ist es, dass man durchaus das Gefühl bekommen kann, einen Fremdenführer des ostfriesischen Touristenverbandes zu lesen, da fast alle Orte, Gemeinden und Städte dieser Region einmal namentlich genannt werden.

Hervorragendes Psychogramm eines Irren

Die Darstellung des psychopatischen Entführers ist meines Erachtens sehr gut gelungen, da Wolf es schafft, ihn in seiner ganzen Zwiespältigkeit zu zeichnen. Er zeigt den Täter von seiner schwachen, zum Teil auch verrückt-liebevollen Seite. Diese wird aber auch immer wieder durch Anfälle von Brutalität und blanken Hass gebrochen. Hier zeigt der Autor seine Stärke: die Darstellung eines wahnsinnigen, psychisch kranken Menschen, der unter dem Glück seiner Umwelt und Mitmenschen leidet und der eigentlich für seine Opfer nur das Beste will. Er vermittelt das Bild einer zerrütteten Seele.

Das verstört den Leser und lässt ihm immer wieder einen Schauer über den Rücken laufen. Besonders der Wechsel zwischen der Perspektive der Opfer und den Gedanken des Entführers lassen den Leser mitfiebern. Gerade in solchen Phasen wirken die slapstickhaften Einschübe dann aber mehr als störend. Der Autor schafft es dennoch, den Leser im letzten Drittel des Romans wieder mitzureißen, da die Spannung steigt und man wie in einem Film die Handlung verfolgen kann. Hier spürt man deutlich, dass Wolf eigentlich Drehbuchschreiber (-Tatort- und -Polizeiruf 110-) ist. In diesen Momenten fesselt der zwölfte Fall von Ann Kathrin Klaasen den Leser tatsächlich.

Spannender Ostfriesenkrimi mit Schwächen

Klaus-Peter Wolfs aktueller Krimi -Ostfriesenfluch- hätte das Potential zu einem packenden Roman. Es ist nur schade, dass sich der Autor nicht allein auf den eigentlichen Fall und die sehr gute Darstellung des Täters und dessen Motivs beschränkt. Vor allem das Verhalten der Kriminalbeamten ist oftmals überzogen und unglaubwürdig. Insgesamt verliert der Roman dadurch an Glaubwürdigkeit.

Der Autor hätte sich entscheiden müssen: seichte Comedy-Unterhaltung oder ernstzunehmender Kriminalroman. So bleibt Klaus-Peter Wolf aber irgendwo zwischen packendem Thriller und vergnüglichem Regio-Krimi à la Rita Falk stecken. Unterhaltsam mag das für den einen oder anderen Leser durchaus sein. Wolf-Fans werden daher beim zwölften Band der Reihe um das Auricher-Ermittlerteam ihre Freude haben. Auch wer gerne Nina Ohlandt (Benthien-Reihe), Klüpfl/Kobr (Kluftinger) oder Nicola Förg (Mangold-Reihe) liest, wird hier gerne zugreifen.

Ostfriesenfluch

Klaus-Peter Wolf, Jumbo

Ostfriesenfluch

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