Agatha Raisin und der tote Richter

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin's Press, 1992, Titel: 'Agatha Raisin and the quiche of death', Seiten: 201, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2013, Seiten: 254, Übersetzt: Sabine Schilasky

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Jörg Kijanski
Ein Krimi für das Kaffeekränzchen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2013

Die 53-jährige Agatha Raisin leitete eine erfolgreiche PR-Agentur in London, die sie nun verkauft hat, um sich – finanziell unabhängig – in den idyllischen Cotswolds niederzulassen. In dem beschaulichen Dorf Carsely sucht sie nach Ruhe und einem gemütlichen Lebensabend, allein die Dorfbewohner wollen sie nicht so richtig in ihrer Mitte aufnehmen. Zwar grüßen sie höflich, doch bleibt Agatha eine hinzugezogene Außenseiterin. Da kommt der jährliche Backwettbewerb gerade richtig, um die Damen des Dorfes zu überzeugen, aber Agatha war bislang immer nur eine Expertin, wenn es darum ging, Essen in die Mikrowelle zu stellen. So kauft sie in einem Londoner Nobelschuppen eine Feinkost-Quiche und gibt diese als ihre eigene aus. Klar muss sie mit diesem Nobelgericht gewinnen, doch in Carsely laufen die Uhren anders, nicht zuletzt dank Preisrichter Mr. Cummings-Browne, der seit Jahren immer wieder dafür sorgt, dass Mrs. Cartwright den ersten Preis, immerhin zehn Pfund, erhält. Auch dieses Jahr gewinnt Mrs. Cartwright, doch die Strafe folgt für Mr. Cummings-Browne auf dem Fuße, denn abends isst er zuhause zwei Stücke von Agathas Quiche. Am nächsten Morgen findet ihn seine Putzfrau tot im Wohnzimmer liegend und wie sich herausstellt, starb er an einer Vergiftung, denn in der Quiche fanden sich Spuren der giftigen Pflanze Kuhtod. Agatha ist verzweifelt. Sie muss zugeben, dass ihre Quiche nicht die eigene war und wenngleich die Polizei keine weiteren Ermittlungen anstellt, da sie von einem bedauerlichen Unfall ausgeht, so will doch Agatha ihre Ehre wiederherstellen und macht sich auf die Suche nach dem vermeintlichen Mörder…

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der vorliegende Roman unter dem Originaltitel "Agatha Raisin and the Quiche of Death" bereits im Jahr 1993 veröffentlicht wurde. Nachdem die Serie um Agatha Raisin in England offenbar sehr erfolgreich läuft, versucht man es nun also mit reichlicher Verspätung auch bei uns. Zu erwähnen wäre außerdem, dass M. C. Beaton ein Pseudonym ist, hinter dem sich Marion Chesney verbirgt, die bislang eher mit Werken à la "Duell der Herzen", "Verlangen des Herzens" und "Hafen der Sehnsucht" ihre Leserinnen erfreute.

 

"Ja, es gibt einen durchgehenden Zug um zwanzig nach sechs ab Paddington. Mit dem seid ihr in Moreton-in-Marsh um…"
"Wo?"
"Moreton-in-Marsh."
"Schätzchen, das klingt reichlich nach Agatha Christie."

 

Agatha Raisin möchte in ihrem vorgezogenen Ruhestand endlich Freundschaften schließen und dazu müsste sie eigentlich nur akzeptieren, dass der Tod des Preisrichters ein Unfall war und sich außerdem auf ihre Nachbarn einlassen. Stattdessen geht sie als Einzige von einem Mord aus und stellt Fragen, was nicht bei allen Dorfbewohnern gut ankommt. Folglich sind ihr schon bald die ersten Menschen feindlich gesinnt.

"Aber leider kannte Agatha nur drei Formen von Gespräch, und in denen ging es darum, ihren Mitmenschen Befehle zu erteilen, den Medien Aufmerksamkeit abzuringen oder ihren Kunden zu schmeicheln. Irgendwo in ihrem Hinterkopf regte sich der vage Gedanke, dass Agatha Raisin unter Umständen kein besonders liebenswerter Mensch war."

Agatha nimmt sich ständig vor den Unfall als Unfall zu akzeptieren und sich nicht weiter einzumischen, um dann genauso oft weitere Fragen zu stellen. Selbstredend wird sie einem Mantra ähnlich, immer wieder von der Polizei ermahnt, die Polizeiarbeit der Polizei zu überlassen, so dass man mitunter an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" denken muss.

Die Handlung besteht hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten oder besser gesagt, der Darstellung des Alltaglebens auf dem Lande. Neben der Zubereitung von Mikrowellengerichten will das örtliche Pub aufgesucht und die nächste Auktion für einen guten Zweck vorbereitet werden. Eine Busfahrt mit der Damengesellschaft und diverse Kaffeekränzchen sowie Plaudereien dürfen nicht fehlen. Dazu kommt jede Menge Lokalkolorit, was dem Plot zu Gute kommt. Wer also typische englische Krimis mag, die noch dazu auf dem Land spielen und eines gewissen Humors nicht entbehren, darf es gerne einmal versuchen. Leichte Anleihen bei Agatha Christie sind nicht zu überlesen. Dass Agathas widersprüchliches Denken und Handeln die Gesetzte der Logik bisweilen außer Kraft setzt, sollte einen allerdings nicht zu sehr stören. Man darf gespannt sein, ob sich die Serie in Deutschland behaupten kann; der vorliegende Band lässt eine diesbezügliche Beurteilung nicht zu.

Agatha Raisin und der tote Richter

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