Was gut und böse ist

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • London: Faber & Faber, 1997, Titel: 'A Certain Justice', Seiten: 390, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 1999, Seiten: 548, Übersetzt: Christa E. Seibicke
  • München: Droemer Knaur, 2000, Seiten: 637
  • Augsburg: Weltbild, 2002, Seiten: 548
  • München: Droemer Knaur, 2001, Seiten: 637
  • München: Droemer Knaur, 2003, Seiten: 637
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006, Seiten: 504

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Sabine Reiß
Langatmig, sehr langatmig

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2003

Zitat 1.Mose 3 Vers 22: "Und Gott sprach: Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."

Der deutsche Verlag wählte für das neueste Buch von P.D. James den Titel: "Was gut und böse ist". Diese Aussage passt zwar zu so ziemlich jedem Krimi, aber der Titel soll ja nicht Gegenstand der Rezension sein. Soviel sei verraten, der Mörder lässt uns an dieser Weisheit teilhaben...

Die Anwältin der Krone Venetia Aldridge verteidigt einen Mandaten, der seine Tante bestialisch ermordet haben soll. Sie feiert einen Triumph und er kommt frei. Ob er nun schuldig war oder nicht, das erfährt der Leser zunächst nicht. In ihrer Kanzlei entspinnt sich inzwischen die Diskussion um die Nachfolge des Kanzlei-Vorstandes Hubert Langton. Drysdale Laud hat schon lange auf das Amt spekuliert, schließlich ist er schon jahrelang die rechte Hand des alten Hubert. Dumm nur, dass er nicht der Dienstälteste ist, denn Venetia hat ihm wenige Monate an Dienstzeit voraus, nur weil ihn sein Blinddarm zwickte und er deshalb nicht am gleichen Tag in die Anwaltskammer aufgenommen werden konnte wie sie. Nun, Venetia würde die Kanzlei auf jeden Fall umkrempeln. Der alte Kanzleisekretär Henry würde sicherlich durch einen Kanzlei-Manager ersetzt und die Referendarin Catherine würde nicht übernommen werden. Venetia findet zudem heraus, dass Simon Costello, ein anderes Mitglied der Kanzlei, von der Bestechung der Geschworenen in einem Prozess wusste und die Frau des Anwalts Aktien vom Beschuldigten erhielt. Venetia ist eine kalte Frau, sie will keinerlei Gnade walten lassen.

Der Schock sitzt tief, als ihr ihre Tochter, die gerade aus dem Kloster-Internat zurückgekommen ist, ihren Verlobten vorstellt. Es ist Gary Ashe, den sie vor kurzer Zeit erfolgreich von der Mordanklage befreit hat. Sie möchte ihren Geliebten, den Abgeordneten Mark Rawlstone um Hilfe bitten, doch dieser trennt sich von ihr, da seine Frau ein Kind erwartet und er sich wegen seiner Karriere keinen Skandal leisten kann. Es läuft also nicht gerade blendend, doch es kommt noch schlimmer: Venetia Aldridge wird eines Morgens tot in der Kanzlei aufgefunden. Sie sitzt auf ihrem Schreibtischstuhl, mit der Allonge-Perücke der Kanzlei auf dem Kopf und ist besudelt mit Blut. Nicht mit ihrem Blut, sondern dem Blut, das Desmond Ulrick als Eigenblutspende für seine Operation in der Kanzlei in einem Kühlschrank aufbewahrte. Die Anwältin wurde mit ihrem Brieföffner erstochen. Es ist an der Zeit, dass Adam Dalgliesh auf den Plan tritt, seines Zeichens Commander bei der Londoner Polizei und eingesetzt für Sonderaufgaben. Denn die Ermittlung in der feinen Gesellschaft der Anwälte ist wahrlich delikat.

Das soll es mit der Inhaltsangabe gewesen sein. Zu viele Personen? Das liegt daran, dass P.D. James nicht mit Verdächtigen spart. All diese Leute haben ein Motiv und hier habe ich noch die Details ausgelassen. Die Autorin lässt es aber langsam angehen. Die ersten 138 Seiten lernt man zunächst Venetia und die anderen Kanzlei-Mitglieder kennen. Normalerweise mag ich es gar nicht, wenn man als Leser das Opfer noch zu Lebzeiten kennenlernt, vielleicht, weil ich keine Beziehung zur Figur aufbauen möchte, wenn sie später stirbt. Krimiautoren wählen oft den anderen Weg, nämlich dass die Ermittler nach und nach die Vergangenheit des/der Ermordeten freilegen, um so das Motiv zu enthüllen. Hier aber beginnt diese Schilderung schon im ersten Kapitel (noch zu Lebzeiten), was mich allerdings nicht so sehr störte, denn Venetia ist einfach durch und durch unsympathisch. Ihre Kindheit war zwar auch nicht einfach, denn ihr Vater leitete ein Jungen-Internat, das geschlossen werden musste, als sich ein Schüler aus Furcht vor den Prügelstrafen erhängte, doch das kann keine Entschuldigung sein. Komischerweise entsteht also durch die anfängliche Schilderung des Mordopfers überhaupt keine Nähe, Venetia bleibt blass und distanziert für mich. Ob dies nun Absicht oder Unvermögen der Autorin ist? Ich vermag dies nicht zu beurteilen.

Langatmig, sehr langatmig war das Buch. Natürlich hat die genaue Vorstellung der vielen Personen und Motive am Ende einen Vorteil. Es wird nicht hastig etwas zusammengereimt, damit es passt, damit die Spannung da ist und trotzdem die Enthüllung des Täters eine Überraschung für den Leser darstellt. Nein, alles ist schlüssig geschrieben und ich habe eine große Auswahl an Verdächtigen. Dennoch, P.D. James hätte sich wahrlich ein bisschen kürzer fassen können. Trotzdem lässt sich der Krimi recht flüssig lesen und ich griff nicht mit Widerwillen zur Lektüre, aber der Gedanke an die vielen Seiten frustrierte mich, während ich bei anderen Büchern einfach Spaß an der Handlung habe. Schließlich kommt es zum Showdown, an dem die Tochter Venetias und Gary Ashe beteiligt sind, sehr dramatisch, aber ziemlich überflüssig.

Nein, hier hat mich P.D. James nicht überzeugt, ich kann den vielen Lobeshymnen nicht in der Aussage zustimmen, dass es sich um ihr bestes Buch handelt. Ich schätze jedoch, es ist ihr längstes Buch. Für Fans der Autorin mit Sicherheit empfehlenswert, doch die sympathische Person ihres Ermittlers Adam Dalgliesh kommt in anderen Büchern weitaus besser zur Geltung

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