Tod im weißen Häubchen

Erschienen: Januar 1978

Bibliographische Angaben

  • London: Faber & Faber, 1971, Titel: 'Shroud for a Nightingale', Seiten: 296, Originalsprache
  • Tübingen: Wunderlich, 1978, Seiten: 377, Übersetzt: Wolfdietrich Müller
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1981, Seiten: 300
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999, Seiten: 439
  • München: Droemer Knaur, 2001, Seiten: 397
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003, Seiten: 383
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005, Seiten: 383

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Peter Kümmel
Für Teetrinker

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

In der Krankenpflegeschule eines kleinen Krankenhauses einer ländlichen Gegend findet eine Inspektion statt. Die Schülerinnen demonstrieren eine künstliche Ernährung mittels einer Magensonde. Bei solchen Übungen stellt sich jeweils eine Schülerin als Patientin zur Verfügung. Eigentlich wäre Schwester Fallon an der Reihe gewesen, doch diese liegt mit hohem Fieber im Bett. Also fällt Schwester Pearce die unangenehme Aufgabe zu, sich den Schlauch einführen zu lassen. So weit läuft alles problemlos, doch als die milchige Flüssigkeit in ihrem Magen ankommt, bricht sie mit einem Schrei zusammen und windet sich in Krämpfen. Auch der anwesende Chirurg Courtney-Briggs kann nichts mehr für sie tun. Handelt es sich um einen tragischen Unglücksfall oder um heimtückischen Mord? Und wenn jemand Gift in die Flasche gefüllt hat, war es dann für Schwester Pearce bestimmt oder sollte Schwester Fallon das eigentliche Opfer werden?

Der Fall wird von der örtlichen Polizei zunächst als Unglück abgetan, bis schließlich Schwester Fallon morgens in ihrem Bett tot aufgefunden wird. Todesursache war vermutlich Gift in ihrem Schlummertrunk. Selbstmord oder Mord? Nun nimmt sich Kriminalrat Adam Dalglish von Scotland Yard der beiden Todesfälle an.

Da P. D. James lange Jahre in einer Krankenhausverwaltung tätig war und einen Arzt zum Ehemann hatte, darf man von einer gewissen Authentizität des Milieus ausgehen, das sie hier beschreibt. Außer "Tod im weißen Häubchen" sind mit "Eine Seele von Mörder" und "Der schwarze Turm" übrigens noch zwei weitere ihrer frühen Romane im Bereich des Gesundheitswesens angesiedelt.

Wenn man P. D. James kennt, weiß man, mit welcher Akribie sie zu Werke geht. Bisweilen nimmt sie sich schon mal eine Seite oder mehr Zeit, um zum Beispiel nur ein Zimmer zu beschreiben. Auch bei der Darstellung ihrer Charaktere spart sie nicht mit Details, was selbstverständlich auf Kosten des Tempos geht. Sympathieträger sind in Mrs. James Romanen meist spärlich gestreut. So findet man hier einen sehr von sich eingenommenen Arzt, dominierende Oberschwestern vom alten Schlag und zickige Schwesternschülerinnen. Auch mit ihrem Protagonisten Adam Dalglish wird man so schnell nicht warm. Der Kriminalrat besticht ebenso wie seine Erfinderin durch Präzision und ausdauernde Arbeit.

Wenn man ein Buch der großen alten Lady des British Crime in die Hand nimmt, dann sollte man schon so ungefähr wissen, auf was man sich einlässt. Einen Roman für Schnellleser darf man auf keinen Fall erwarten. Doch obwohl ich mit Werken der Autorin vertraut bin und bereits zwei ihrer späteren Bücher mit Vergnügen gelesen habe, konnte ich mich hier zu keiner Zeit einfinden und kaum ein Kapitel flüssig durchlesen. Ich habe nicht mitgezählt, wieviele Kannen Tee in diesem Roman gekocht werden, es dürfte aber ein rekordverdächtiger Wert sein.

Zu zäh, zu viele Wiederholungen, überflüssige Details. Das beginnt schon mit dem ersten Kapitel. Dort werden zwei Charaktere so ausführlich beschrieben, dass man von ihnen eine tragende Rolle erwartet, die aber nach dem ersten Todesfall überhaupt nicht mehr auftauchen. Die minutiöse Aufarbeitung der Verbrechen lässt den Leser zwar ständig auf dem Niveau der Ermittler bleiben und somit zum Mitdenken anregen, verlangt aber auch ob der vielen Einzelheiten die ständige Aufmerksamkeit. Direkte Motive für Morde sucht man zwar vergebens, doch können diese aufgrund der vielen vorhandenen Emotionen schnell auftauchen. Die Auflösung ist natürlich alles andere als einfach und geradlinig und kann über einige Längen hinwegtrösten.

Tod im weißen Häubchen

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