Im Saal der Mörder

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • London: Faber, 2003, Titel: 'The Murder Room', Seiten: 371, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 2004, Seiten: 525, Übersetzt: Christa E. Seibicke
  • München: Knaur, 2005, Seiten: 525
  • München: Knaur, 2008, Seiten: 525

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Sabine Reiß
Ein moderner Klassiker

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jun 2004

Personal und Schauplatz

Commander Adam Dalgliesh trifft zufällig einen Bekannten in der Stadt, der ihn überreden kann, mit ihm ins Dupayne-Museum zu fahren, das sich mit seiner Ausstellung ganz der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen widmet, jedoch nicht nur Kunst, Literatur und andere zeitgenössische Ausstellungstücke beherbergt, sondern mit seinem sogenannten "Saal der Mörder" auch berühmte Verbrechen der damaligen Zeit beleuchtet. Dalgliesh war noch nie zuvor dort.

Das Museum wird von den Nachkommen des Gründers geleitet, Caroline Dupayne, die zugleich noch Konrektorin an einer Mädchenschule ist, und ihrem Bruder Marcus, der gerade den wohlverdienten Ruhestand angetreten hat, nachdem er als Ministerialdirektor im Staatsdienst stand. Der zweitälteste Bruder Neville ist Psychiater und kann dem Museum nichts abgewinnen. Er ist es, der eine entscheidende Rolle für den Fortbestand des Hauses spielt, da die Geschwister als Stiftungsmitglieder einstimmig für die anstehende Verlängerung des Pachtvertrags votieren müssen. Es kommt, wie es kommen muss, Neville stimmt dagegen und die besten Argumente Carolines und Marcus' können ihn nicht umstimmen. Seiner Tochter Sarah käme das Geld aus der Auflösung der Sammlung sehr gelegen, was allerdings nicht der Hauptgrund für seine Einstellung ist. Er meint, die Familie beschäftige sich zu sehr mit der Vergangenheit. Damit stünde aber nicht nur der Arbeitsplatz des Kurators James Calder-Hale auf dem Spiel, sondern auch der der Empfangsdame Muriel Godby, der Haushälterin Tally Clutton und der beiden ehrenamtlichen Helferinnern sowie des Gärtnerjungen Ryan.

Das erste Opfer

Die Haushälterin Tally Clutton ist es, die wenige Tage nach der Sitzung des Stiftungsrats den grausigen Fund machen muss. Als sie nach dem ausgefallenen Abendkurs zu ihrem Cottage auf dem Museumsgelände zurückkehrt, riecht sie schon von weitem den Rauch. Sie wird auf der Einfahrt von einem rasanten Autofahrer erfasst, bleibt aber bis auf ein paar Prellungen unverletzt. Dieser erkundigt sich zwar noch nach ihrem Befinden, sucht dann aber schnellstens das Weite. In der Garage befindet sich ein brennendes Auto mit einem toten Insassen. Es handelt sich dabei nicht nur nach ersten Vermutungen um Dr. Neville Dupayne. Commander Adam Dalgliesh, Leiter einer Sonderabteilung bei Scotland Yard, wird mit den Ermittlungen betraut.

Das Inhaltsverzeichnis steht am Ende des Buches. Da es recht genau den Aufbau wiedergibt (Personen und Schauplatz, Das erste Opfer etc.), sollte man es nicht unbedingt im Vorfeld studieren, wenn man sich die Überraschung bewahren möchte. Es zeigt, was äußerst typisch für die Romane von P.D. James ist: Sie nimmt sich viel Zeit, um den Ort und ihre Figuren zu entwickeln, in diesem Fall die ersten 150 Seiten. Dabei konzentriert sie sich nicht wie viele andere Autoren auf das Privatleben ihres Protagonisten, dieses spielt nur eine untergeordnete Rolle. Man erfährt zwar, dass AD, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wird, gerade dabei ist, sich zu verlieben, dass er nicht nur Polizist, sondern auch Dichter ist und dass er durch sein Auftreten die Menschen zum Reden bringt, aber ansonsten bleibt man eher auf Distanz. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass diese in frühren Büchern noch ausgeprägter war, vielleicht erschließt sich die Figur aber auch erst nach der Lektüre von mehreren Bänden. Für den Leser bleibt er relativ alterslos.

Nach bester englischer Tradition

Obwohl "Im Saal der Mörder" offensichtlich in der Gegenwart spielt - Handys werden eifrig genutzt - könnte man meinen, man befände sich 30 Jahre zurückversetzt in die Vergangenheit, nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch den Umgang der Menschen miteinander, ganz anders als bei einem Thriller, bei dem auch sprachlich oft alles Schlag auf Schlag geht. Der Stil ist klar und präzise, die Beschreibungen sind detailliert und realistisch, ohne überfrachtet zu wirken. Insgesamt muss man schon ein bisschen Geduld mitbringen, aber diese wird belohnt: Die Auflösung ist nicht so einfach wie gedacht. Der neueste Fall für Dalgliesh überzeugt mich mehr als das vorletzte Werk (Was gut und böse ist), dort waren doch reichlich Durststrecken zu überwinden.

P.D. James ist inzwischen 84 Jahre alt, ihr erster Dalgliesh-Roman erschien 1962 und sie zeigt uns hier ihr "modernes" London. Ohne Zweifel gehören ihre Romane zu den Klassikern unter den Krimis nach bester englischer Tradition und man kann ihren Namen getrost in einem Zuge mit Agatha Christie und Dorothy Sayers nennen. Ich denke, damit ist ziemlich klar, an welches Publikum ihre Bücher adressiert sind.

Im Saal der Mörder

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