Scheintot

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam, 2005, Originalsprache
  • München: Random House Audio, 2006, Seiten: 6, Übersetzt: Iris Böhm, Bemerkung: Gekürzte Fassung. Regie: Sabine Buß
  • München: Blanvalet, 2008, Seiten: 412

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Sabine Reiß
Da geht die Post ab

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2006

Eine Geburt ist ja für sich alleine gesehen schon nicht leicht, wenn diese jedoch noch während einer Geiselnahme stattfinden soll, dann kann man schon von erschwerten Bedingungen sprechen.

Das ist jedoch erst die Folge davon, dass die Pathologin Maura Isles eines Abends in den Räumen der Gerichtsmedizin Geräusche hört, obwohl sie sich alleine wähnte. Sie öffnet einen der Leichensäcke und findet dort eine Frau, die offensichtlich doch nicht so leblos war, wie es dem Totenschein zu entnehmen war. Maura bringt die völlig unterkühlte Scheintote in das nahegelegene Krankenhaus. Als ihre Lebenszeichen zurückkommen, reagiert die Unbekannte völlig hysterisch. Sie entreißt einem Wachmann die Pistole, erschießt ihn und nimmt einige Patienten als Geiseln, unter ihnen auch Detective Jane Rizzoli, die kurz vor der Entbindung steht.

Kompetenzgerangel auf allen Ebenen

Janes Mann Gabriel Dean ist Agent beim FBI. In der Einsatzzentrale vor den Türen des Krankenhauses muss er erfahren, dass höhere Ebenen die Entscheidungen an sich reißen. Ein Sondereinsatzkommando wird die Geiselnahme in jedem Fall beenden, ob blutig oder unblutig. Und so kommt es auch: Beim Sturm des Röntgenbereichs, wo sich die Geiselnehmerin mit einem Komplizen verschanzt hatte, um von dort aus der Öffentlichkeit eine Botschaft zu übermitteln, werden die beiden Täter sofort getötet. Jane ist gerettet und das Baby kommt gesund zur Welt. Es könnte alles so wunderbar sein.

Doch Jane und Maura verstehen nicht, warum diverse Geheimdienste die Aufklärung des Falles behindern. Ehe Maura die Obduktion der Unbekannten zu Ende führen kann, wird ihr der Fall entzogen und die Leiche weggebracht. Kurz vor ihrem Tod konnte die Frau Jane noch einen Satz zuflüstern: "Mila weiß Bescheid." Jane und ihr Mann stellen auf eigene Faust Ermittlungen an und finden eine Verbindung zu einem Massaker an fünf Prostituierten in Virginia. Die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Ein Pageturner in klassischen Sinne

Wer zu einem Buch von Tess Gerritsen greift, der sollte schon wissen, was auf ihn zukommt. Mit knackigen Worten hetzt sie ebenso wie ihre Schriftstellerkolleginnen Karin Slaugther und Kathy Reichs den Leser durch die mit Grausamkeiten bestückte Handlung, so dass man kaum zum Aufatmen kommt. Da hier zur Abwechslung kein Serienkiller am Werk ist, halten sich die blutigen Details jedoch in Grenzen. Wer sich die Beschreibungen einer Obduktion sparen möchte, kann diese Passagen einfach überspringen.

Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der flüssige Schreibstil tut sein Übriges dazu, so dass man hier wirklich von Verschlingen statt Lesen sprechen kann. Dass in einigen Teilen des Buches die Logik oder Nachvollziehbarkeit der Motive auf der Strecke bleibt, ist hier akzeptabel - wahrscheinlich wird ein Großteil der Leser dies noch nicht einmal bemerken. Ein Vergleich mit dem zweiten Band der Serie Der Meister offenbart hier schon einige Fortschritte in der Erzählweise. Spannung und Nervenkitzel trösten jedoch nicht nur darüber hinweg, sondern sogar über die einfache Charakterisierung der Figuren, die Tiefe und eine differenzierte Darstellung vermissen lässt. Hier kann sich die Autorin durchaus noch weiterentwickeln.

Wer sich an den banalen Elementen und dem reißerischen Stil nicht stört, der findet hier Unterhaltung ohne Reue. Scheintot bietet alles, was sich der Thriller-Liebhaber wünscht: ein Pageturner im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Thema Prostitution und Menschenhandel bringt die Autorin allerdings noch eine zusätzliche Ebene mit ein, die selbst die Hartgesottenen unter uns nicht kalt lassen kann. Von einem brillanten Meisterwerk ist dieses Buch zwar meilenweit entfernt, aber dennoch gibt es hier eine klare Leseempfehlung.

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