Der Meister

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • New York: Ballantine Books, 2002, Titel: 'The Apprentice', Originalsprache
  • London: Bantam, 2003, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2005, Seiten: 412
  • Köln: Random House Audio, 2006, Seiten: 6, Übersetzt: Hansonis, Michael

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Sabine Reiß
Durchgestylt nach Schema F

Buch-Rezension von Sabine Reiß Okt 2003

Ihr Name ist nicht Clarence Starling und sie arbeitet auch nicht beim FBI, sondern bei der Bostoner Polizei, aber auch sie verspürt eine Bindung zu einem Psychopathen. Sie kann die Erinnerung an seine grausamen Taten nicht verdrängen, da sie beinahe selbst eines seiner Opfer gewesen wäre, doch nun sitzt Warren Hoyt - der Chirurg - im Hochsicherheitsgefängnis von Massachusetts. Die Narben an ihrer Seele sind weitaus schlimmer als sie Narben an ihren Händen, doch sie spielt ihren Kollegen die starke Frau vor. Diese Fassade kann Detective Jane Rizzoli nur schwer aufrecht erhalten, als ein Mörder sein Unwesen treibt, dessen Handschrift stark an Warren Hoyt erinnert. Der Täter überraschte das Ehepaar im Schlaf, der Mann musste mitansehen, wie seine Frau vergewaltigt wurde bevor er ihm die Kehle durchgeschnitten hat. Die Leiche seiner Frau wird erst ein paar Tage später in einem Waldstück gefunden, ebenso eine zweite Frauenleiche, die zunächst nicht identifiziert werden kann.

Die Ermittlungen sind für Jane Rizzoli sehr beschwerlich, nicht nur, weil sie emotional so stark in Mitleidenschaft gezogen ist, sondern auch weil sich ein Agent des FBI einmischt, der dem Team immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Die Lage spitzt sich zu, als es Warren Hoyt gelingt, aus der Haft zu entkommen. Er legt Spuren und hinterlässt dadurch verschlüsselte Botschaften, die an Jane adressiert sind, nur um ihr zu zeigen, dass er sie nicht vergessen hat. Für die Polizei stellt sich die Frage, wie die Morde und die Flucht zusammenhängen.

Ein Fortsetzungsroman: Das erste Aufeinandertreffen von Warren Hoyt und Jane Rizzoli ist in Die Chirurgin geschildert, Der Meister knüpft an diese Geschichte an. Dennoch handelt es sich hierbei um eine eigenständige Schilderung, in der ab und an Bezug auf die Vorgeschichte genommen wird. Es ist also kein Hinderungsgrund, nur eines der beiden Bücher zu lesen. Im Gegenteil, bei näherer Betrachtung reicht es wahrscheinlich völlig, wenn man sich nur eines der beiden Bücher zu Gemüte führt. Im zweiten Band erfahre ich soviel über den ersten Teil, dass ich persönlich mich langweilen würde, wenn diesen jetzt auch noch lesen würde. Umgekehrt gilt: wer Die Chirurgin gelesen hat, wird die hier vorliegende Geschichte eventuell als Abklatsch empfinden, in der die Story nochmals aufgekocht wird. Wohlgemerkt, dies ist nur eine Vermutung...

Mir scheint, Tess Gerritsen reitet ein wenig auf der Welle der psychopathischen Serienkiller-Krimis mit, denn große Überraschungen werden hier nicht geboten. Nicht dass die Geschichte langweilen würde, sie ist durchgestylt und weist keine Längen auf, aber sie scheint mir doch ein wenig zu sehr nach Schema F gestrickt. Bis auf wenige Details ist der Ausgang durchschaubar, ein Aha-Effekt wie zum Beispiel bei Val McDermids Die Erfinder des Todes sucht man vergeblich. Der Serienmörder tritt selbst gar nicht in Erscheinung und auch die Hauptfigur Jane Rizzoli bleibt blass, ohne einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, obwohl ihr Seelenleid immer wieder geschildert wird, aber sie wird darüber hinausgehend auch nicht charakterisiert.

Umso detaillierter gibt die Autorin die Autopsien wieder, wobei sie sicherlich auf ihre Kenntnisse als Ärztin zurückgreifen kann. Aber auch die Untersuchungen von Fasern und ähnlichem nehmen einen großen Raum ein, wo bei mir der Eindruck entstand, dass hier jemand unbedingt seinen Sachverstand unter Beweis stellen wollte. Ich persönlich muss es gar nicht so genau wissen, wie die Schlussfolgerungen im Einzelnen zustande kommen, Hauptsache es ist logisch.

Alles in allem nichts für empfindliche Gemüter oder umgekehrt: Wer etwas für blutrünstige Serienkiller-Geschichten übrig hat, kann es lesen, sollte aber seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen.

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