Abendruh

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Ballantine, 2012, Titel: 'Last to die', Seiten: 338, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Mechthild Großmann, Bemerkung: gekürzt

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Andreas Kurth
Showdown im Schlossturm

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2012

Drei Jugendliche überleben auf rätselhafte Weise Mordanschläge, bei denen jeweils ihre komplette Pflege-Familie ausgelöscht wird. Und das bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, denn ihre leiblichen Familien wurden zuvor ebenfalls ermordet. Zwei der Kinder sind bereits in dem Internat Abendruh untergebracht, das dritte wird von Detective Jane Rizzoli ebenfalls dorthin gefahren. Der Ratschlag dazu kam von ihrer Freundin Maura Isles, die dort gerade eine Art Patenkind besucht. Claire, Will und Teddy sind nun in bester Gesellschaft, denn alle Zöglinge der seltsamen Schule haben ihre Angehörigen durch ein Gewaltverbrechen verloren, und die Lehrer ebenfalls. Schon bald zeigt sich anhand weiterer Todesfälle, dass die Jagd des perfiden Mörders noch nicht zu Ende ist. Aber das Internat ist vielfach gesichert, Eindringlinge haben kaum eine Chance, ungesehen in das Schloss zu kommen. Jane Rizzoli stochert gemeinsam mit ihrem zunächst skeptischen Partner lange im Ungewissen herum, und kommt der Lösung des Falles erst langsam näher. Im dramatischen und dynamischen Finale wird es dann für alle Beteiligten lebensgefährlich.

Abendruh war mein erster Roman von Tess Gerritsen – und ich war gleich begeistert. Die gut zu lesende Geschichte ist von Beginn an spannend, und auch private Nebenereignisse mindern den Spannungsbogen nicht. Während die beiden Protagonistinnen der Lösung des Falles nur schrittweise näher kommen, hat man als Leser nur phasenweise einen kleinen Informationsvorsprung, da Rizzoli und Isles an unterschiedlichen Orten ermitteln. Aber das wird meistens schnell wieder aufgelöst, und die überraschenden neuen Erkenntnisse steigern jeweils die Dynamik. Die wahren Zusammenhänge für die Mordserie werden erst kurz vor Schluss enthüllt, und bis dahin tappt der Leser völlig im Dunkeln – zumindest ist es mir so ergangen. Das Finale ist ebenso fulminant wie überraschend, wirklich brillant geschrieben.

Die Autorin präsentiert so einige Personen und Gruppen, die durchaus ungewöhnlich sind. Da ist der so genannte Mephisto-Club, eine ziemlich obskure Organisation, deren Ziel es ist, aus Verbrechensopfern wieder widerstandsfähige und überlebenstüchtige Menschen zu machen. Diesem Zweck soll das Internat dienen – Maura Isles ist jedoch der Meinung, dass auf diese Weise vor allem neue Rächer und Kämpfer gegen das Böse rekrutiert werden sollen. Aber auch die Gerichtsmedizinerin ist der Auffassung, dass trotz aller Vorbehalte "Abendruh" vorläufig der beste Ort für die traumatisierten Kinder ist, wo sie einigermaßen sicher sind und sich von den schrecklichen Erfahrungen bei ihren persönlichen Familientragödien erholen können.

Dann ist da der knorrige Förster und Wildhüter des Internats, der den Kindern das Bogenschießen beibringt – zum Zwecke der Jagd, aber auch zur Selbstverteidigung. Wie so viele der Protagonisten hat er dunkle Flecken in seiner Vergangenheit. Das gilt für die Schulpsychologin, weitere Lehrer, aber auch für den Leiter des Mephisto-Clubs. Und dann sind da vor allem die Polizistin und die Gerichtsmedizinerin. Jane Rizzoli und Maura Isles sind den Fernseh-Zuschauern durch ihre gleichnamige Serie bestens bekannt. Im aktuellen Roman müssen sich die sonst sehr eng zusammen arbeitenden Freundinnen erst wieder zusammen raufen. Die Pathologin hat gegen einen Kollegen ihrer Freundin ausgesagt, aber es kommt zu mehreren Aussprachen – und alles ist wieder gut.

Diese Nebengeschichten, dazu gehört auch das bunte Familienleben von Detective Rizzoli, wird von Tess Gerritsen eher beiläufig eingebaut. Meistens dienen diese Momente zum Luftholen beim Leser, bevor es in der Kriminalgeschichte mit neuer Dynamik weiter geht.

Der Plot selbst ist ziemlich kompliziert angelegt, und sorgt dafür, dass man als Leser aufmerksam bei der Sache bleibt, denn es dauert wirklich lange, bis die Ermittler die merkwürdigen Einzelaspekte zu einem einigermaßen nachvollziehbaren Bild zusammensetzen. Tess Gerritsen präsentiert einige fachliche Details, die die Nackenhaare senkrecht stehen lassen, ohne dabei zu blutig zu werden. Und es gibt auch einiges zum Nachdenken, denn es geht um Vertrauen zwischen Freunden, zwischen Lehrern und Schülern, bei den Schülern untereinander. Es geht um subjektive Sicherheitsgefühle, um Geldgier, Pflichtbewusstsein – und vieles mehr. Es war mein erstes Buch von Gerritsen, aber sicher nicht das letzte, denn das Lesevergnügen war absolut ungetrübt.

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