Der Frevel des Clodius

Erschienen: Januar 1993

Bibliographische Angaben

  • New York: Avon, 1992, Titel: 'The Sacrilege', Seiten: 216, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1993, Seiten: 316, Übersetzt: Kristian Lutze
  • München: Goldmann, 1996, Seiten: 316
  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 316
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 316

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Jörg Kijanski
Atmosphärisch dicht und mit anspruchsvollen, detailreichen geschichtlichen Bezügen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2003

Metellus kehrt von seiner Armeezeit in Gallien nach Rom zurück und findet dort Pompeius mit seinen Truppen vor den Stadttoren lagernd vor. Noch wird der ihm zustehende Triumphzug nach seinen Erfolgen im Orient von einer Mehrheit des Senates verweigert. Metellus besucht zunächst seinen Vater und dieser eröffnet ihm gleich zwei frohe Botschaften. Sein Kommandant in Gallien, Celer, will im kommenden Jahr einer von zwei Konsuln werden und möchte hierfür Metellus als seinen Wahlkampfhelfer gewinnen. Außerdem wurde Metellus unlängst in die Liste der Senatoren aufgenommen. Dennoch gibt es auch einen Wermutstropfen, denn Metellus' Intimfeind Clodius befindet sich noch immer in Rom und trachtet Metellus, wie dieser bald herausfinden soll, mehr denn je nach dem Leben.

Celer bittet Metellus umgehend mit Mamercus Capito Kontakt aufzunehmen und diesen zu befragen, ob er im nächsten Jahr als zweiter Konsul kandidieren möchte. Natürlich behält sich Celer für diesen Fall die Richtlinienkompetenz vor. Wenig später findet im Hause Capitos ein großer Empfang statt, zu dem auch Metellus geladen wird. Während des umfangreichen Essens ruft ein Diener Capito nach draußen, da er einen Besucher empfangen möchte. Kurz darauf hören die Gäste eine hitzige Auseinandersetzung, einen Schrei und finden Capito ermordet auf dem Boden liegend vor. Als Metellus sich zum Tatort begeben will, weist ihn sein Sklave Hermes darauf hin, dass sein Nebenmann am Tisch, ein Helfer Clodius', ihn umbringen wollte, in dem er die vor ihm befindlichen Gebäckstücke mit Gift versehen hat. Metellus nimmt einen Keks als Beweisstück mit und wenig später bestätigt sein Freund, der Arzt Asplekiodes, den Verdacht von Hermes. Die Befragung von Capitos Diener ergibt derweil keinerlei Hinweise auf den Täter, da dieser sein Gesicht mit einem Umhang verhüllt hielt. Lediglich der Torwächter muss ihm beim Einlassen gesehen haben, doch dieser wurde ebenfalls ermordet. Hermes folgt dem Tischnachbarn von Metellus auf dessen Heimweg und muss zu seiner Überraschung feststellen, dass dieser nicht zum Haus von Clodius, sondern zu dem Haus von Celer geht. Dies hat allerdings nicht viel zu bedeuten, denn Celer ist mit Clodia, Clodius Schwester verheiratet...

Während Metellus am nächsten Tag die Ermittlungen aufnehmen soll, findet eine überraschend angeordnete Sondersitzung des Senates statt. Bei dem geheimnisumwitterten religiösen Ritus der "Bona Dea", an der nur verheiratete Frauen teilnehmen dürfen, schleicht sich Clodius als Frau verkleidet in die Gruppe ein und begeht damit den titelgebenden Frevel. Metellus wäre nicht Metellus, wenn er nicht alsbald entdecken würde, dass hinter den geheimnisvollen Vorgängen, der Ermordung Capitos sowie dem Frevel des Clodius, ein Zusammenhang bestehen würde, der auf eine große Verschwörung hinausläuft...

Im dritten Teil der sog. "SPQR"-Serie hätte sich John Maddox Roberts zur Abwechslung mal eine neue Story einfallen lassen dürfen, denn so hervorragend er es versteht, seine Leser in das Jahr 693 der Stadt Rom, im Jahr des Konsulats von Calpurnias und Messala Niger hinein zu katapultieren (gemeint ist übrigens das Jahr 63 vor Christus), so sehr langweilt er dann doch mit dem erneuten Aufguss um eine weitere Verschwörung. Nach einigen Morden und dem "Frevel des Clodius" vermutet Metellus einen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und da er bereits in den ersten beiden Romanen jeweils eine Verschwörung aufdecken konnte, liegt es auch in der vorliegenden Geschichte nahe, hier eine weitere zu vermuten. Das ihm die Lösung des Falles bei einer Theateraufführung förmlich zufliegt, erscheint ein wenig simpel gestrickt und das ihm der alles entscheidende Beweis dann auch noch in Form eines "Insider-Briefes" zugetragen wird, ist selbst für Roberts zu einfältig konstruiert. Demgegenüber verlangt Roberts dem Leser erneut ein Höchstmaß an Konzentration ab, will der Leser verfolgen, wer mit wem wie verwandt oder politisch verbunden ist:

"Fausta war die Tochter des verstorbenen Diktators Sulla. Aber was war sie sonst noch? Das Mündel von Lucullus, der als Sullas Testamentsvollstrecker benannt worden war. Ihr Zwillingsbruder Faustus war ein Spießgeselle Pompeius. Fausta hatte also eine Verbindung zu Pompeius. Sie lebte im Haushalt Lucullus, der Pompeius haßte, während sie wahrscheinlich auf der Seite ihres geliebten Zwillingsbruders als auf der ihres Vormunds stand. Am Abend der Riten war sie zusammen mit Lucullus' Frau Claudia, der älteren Schwester von Clodius und Clodia, zu Caesars Haus gekommen. Der andere Bruder der Claudier, Appius, hielt sich in Pompeius' Lager auf..."

Die Vorzüge der SPQR-Romane liegen in ihrer atmosphärischen Dichte und ihren anspruchsvollen, detailreichen geschichtlichen Bezügen. Für den Urlaub am Strand oder für "Freizeit"-Leser eignen sie sich jedoch keinesfalls, da man - wie das vorstehende Beispiel aufzeigt - sehr schnell den Überblick und damit den Lesespaß zu verlieren droht.

Wer "leichtere Kost" bevorzugt und dennoch einen anspruchsvollen Roman aus dem alten Rom lesen möchte, dem sei alternativ "Caligula" von Siegfried Obermeier empfohlen.

Der Frevel des Clodius

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