Die Catilina-Verschwörung

Erschienen: Januar 1993

Bibliographische Angaben

  • New York: Avon, 1991, Titel: 'The Catiline Conspiracy', Seiten: 216, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1993, Seiten: 251, Übersetzt: Kristian Lutze
  • München: Goldmann, 2003, Seiten: 250

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Jörg Kijanski
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Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2003

Mithridates, König von Pontus, der zäheste Widersacher Roms ist tot und auch Tigranes, König von Armenien, wurde von Feldherr Lucullus vernichtend geschlagen. So gewährt der Senat Lucullus seinen Triumphzug, obwohl der einflussreiche Pompeius zuvor versucht hat, die Tribunen zu einer Blockade von Lucullus Ansinnen zu bewegen. Während des Festbanketts sitzt Decius Caecilius Metellus, der nach seiner Rückkehr aus dem Exil jetzt als Quaestor für die finanziellen Angelegenheiten Roms zuständig ist, neben Lucius Sergius Catilina, einem Patrizier, der sich mit der zunehmenden Bevorzugung aufsteigender Plebejer bei der Vergabe öffentlicher Posten nicht abfinden mag. Als sich auch noch Publius Clodius (vormals Claudius) Pulcher bei den Festlichkeiten einfindet, drohen die alten Feindschaften wieder auszubrechen, war es doch Clodius, der während der Kämpfe von Lucullus in dessen Armeen einen Aufstand anzuzetteln versuchte.

Einige Zeit später stößt Metellus auf seinem Weg zur Arbeit auf eine Menschenmenge, die sich um einen Leichnam drängt. Bei dem Toten handelt es sich um den Bankier Manius Oppius, der mit einem Dolch erstochen wurde. Das besondere an der Tatwaffe ist sein Schlangengriff, wie er in Afrika nach dem Krieg gegen Jugurtha üblich war. Doch dieser Krieg fand bereits vor über 50 Jahren statt.

Kurze Zeit später wird auch der Bauunternehmer Sextus Calenius vor seiner Haustür erstochen aufgefunden. Als Metellus, der einen mit ihm verwandten Praetor bittet, ihn mit den Ermittlungen der Morde zu beauftragen, in einem abgelegenen Raum des Saturn-Tempels auf ein geheimes Waffenlager stößt, wo er unter anderem Schwerter mit dem Schlangenmotiv findet, glaubt er einer großen Verschwörung auf die Spur gekommen zu sein. Einer der Wortführer, so stellt sich bald heraus, ist Catilina, doch kann er mangels ausreichendem Intellekt und Einfluss nicht der eigentliche Drahtzieher sein. An Verdächtigen mangelt es Metellus nicht und auch die nächsten Morde kommen schneller als erwartet...

"Die Catilina-Verschwörung" geht dort weiter, wo das Debüt "SPQR" aufhört, allerdings zwei Jahre später, da der Protagonist Metellus nach der Lösung seines ersten Falles vor-rübergehend ins Exil verbannt wurde. Sofern nicht in "SPQR" verstorben, sind wieder alle namhaften Nebendarsteller mit dabei und so treffen wir erneut auf Caesar, Cicero, Pompeius, Crassus und dergleichen mehr. Leider ähnelt "Die Catilina-Verschwörung" ein bisschen sehr stark dem Debütroman, frei nach dem Motto, was einmal funktioniert klappt auch ein zweites Mal. In der Tat ist der vorliegende Band wieder ein lesenswerter Ausflug in die Geschichte, in dem nebenbei wieder einige Mordfälle aufgeklärt werden und darüber hinaus wieder eine Verschwörung verhindert wird. Wer "SPQR" kennt wird wohl im Ergebnis enttäuscht sein, ein nahezu identisches Handlungsschema vorzufinden. Zumindest sollte man die beiden Bände nicht unmittelbar hintereinander lesen, da dann nur noch die historische Rahmenhandlung von Interesse ist, welche aber ohnehin die Hauptrolle einnimmt. Allein der Austausch der Gespielinnen des Helden reicht eben nicht, um den Leser zu überzeugen.

Betrachtet man den vorliegenden Roman ohne Vorkenntnisse von "SPQR", so findet man sich schnell im alten Rom wieder. Zahlreiche lateinische "Fachausdrücke" machen die Story sehr authentisch und wer den ein oder anderen Begriff nicht zuordnen bzw. übersetzen kann, dem steht im Zweifelsfall ein über 15 Seiten langes Glossar zur Verfügung. Mit detailgetreuen Figurenzeichnungen hält sich der Autor nicht lange auf und dennoch kann man das Buch nicht zügig durchlesen. Zu anspruchsvoll gestaltet sich die mit hinterhältigen Intrigen und Verschwörungen gespickte Rahmenhandlung. Die zahlreichen Figuren, die teilweise nur namentlich erwähnt werden, den jeweiligen Gruppierungen zuzuordnen ist mitunter Schwerstarbeit, sofern überhaupt möglich, denn so richtig weiß man ja bei politischen Verschwörungen meist nie, wer letztendlich und wenn in welcher Form daran beteiligt ist.

Wer einen anspruchsvollen historischen Roman mit Krimihandlung sucht, wird mit "Die Catilina-Verschwörung" bestens bedient. Ansonsten gilt, was auch schon in der Rezension zu "SPQR" geschrieben wurde. Tendenz: Mehr davon!

Die Catilina-Verschwörung

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