Verbrechen ist Vertrauenssache

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 1997, Titel: 'Comeback', Seiten: 292, Originalsprache
  • Wien: Zsolnay, 2011, Seiten: 256, Übersetzt: Dirk van Gunsteren

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Michael Drewniok
Dumme Ratten reizen erfahrene Katzen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2011

Die Gangster Ed Mackey und George Liss haben einen lukrativen Coup ausbaldowert. Da sie noch einen dritten Mann benötigen, holen sie Parker ins Boot. Ziel ist ein Stadion, in dem ´Reverend´ William Archibald eine seiner gut besuchten Prediger-Shows im Rahmen des "Kreuzzugs für Christus" aufführen wird. Mit 400.000 Dollar Einnahmen ist zu rechnen – Bargeld, das im Zeitalter des digitalen Geldverkehrs die drei Räuber magnetisch anzieht.

Kontaktmann ist Tom Carmody, ein unzufriedener ´Jünger´, der Archibalds Gier und Heuchelei nicht mehr erträgt, sich aber nicht ohne ein Stück des Kuchens aus dem Staub machen will. Der Überfall gelingt, niemand wird verletzt, die Summe stimmt. Für eine Weile wollen Parker, Mackey und Liss gemeinsam untertauchen und warten, bis die Polizei die landesweite Fahndung abbläst. Stattdessen will Liss seine Spießgesellen umbringen. Der misstrauische Parker hat ihn jedoch im Auge behalten. Liss kann flüchten, wird aber die Beute nicht aufgeben, sondern auf seine Gelegenheit lauern.

Ebenfalls mit im Spiel sind die drei Amateur-Gauner Ralph, Woody und Zack, die über den allzu redseligen Carmody Wind von dem Coup bekommen haben. Sie stellen sich so ungeschickt an, dass die Polizei aufmerksam wird und über das Trio an die wahren Räuber herankommen will. Zu schlechter Letzt hat der wütende Archibald seinen Sicherheitsmann Dwayn Thorsen in Marsch gesetzt, der das Geld zurückholen soll.

In der kleinen Stadt umkreisen die verschiedenen Fraktionen einander vorsichtig. Die erste Konfrontation lässt nicht lange auf sich warten. Aus einem Funken wird blitzschnell ein Flächenbrand der Gewalt. Allianzen zerbrechen und werden neu geschmiedet. Mittendrin steckt Parker, der von allen Seiten buchstäblich unter Beschuss gerät. Doch der Profi behält die Nerven: Statt zu weichen, geht er zum Gegenangriff an sämtlichen Fronten über …

Der zeitlose Kern des Verbrechens

1974 hatte ihn Richard Stark sein letztes kriminelles Abenteuer erleben lassen. 1997 kehrte er zurück. Was hatte Parker, der hartgesottene Berufsverbrecher ohne Vornamen, in den 23 dazwischenliegenden Jahren getrieben? Der Autor gibt uns keine direkte Antwort, die ohnehin nicht erforderlich ist: Wenn wir Parker wiedersehen, wissen wir sofort, dass er in dieser Zeit getan hat, was er immer tat und tun wird: Er arbeitet – hart und konzentriert, denn ein Verstoß gegen die Regeln bedeutet für ihn keine Abmahnung, sondern das langjährige Verschwinden hinter Gitterstäben.

Wenn er ´Glück´ hat, denn der Tod ist ein fixes Berufsrisiko. Er droht durch die Polizei, durch unberechenbare Opfer, die womöglich Helden spielen wollen, und sogar durch die eigenen Bandengenossen. In "Verbrechen ist Vertrauenssache" sieht sich Parker mit sämtlichen lebensverkürzenden Nachteilen seines Jobs konfrontiert. Er reagiert, wie es ihm die Erfahrung vieler krimineller Jahre sowie sein Charakter gebieten: kühl und kalkulierend. Auch Parker muss an die Zukunft denken. Der ungeahndete Wortbruch eines verräterischen Komplizen würde sich im Verbrechermilieu herumsprechen, und jeder Strolch wäre verlockt, den allzu friedfertigen Spießgesellen umzulegen.

Es gibt nur wenige und ungeschriebene Regeln für den Berufsverbrecher. Sie bilden die Konstante, die eine Verbindung zwischen dem Parker von 1974 und dem von 1997 herstellen. Ansonsten hat sich die Welt weitergedreht, und Parker Er musste sich weiterentwickeln. Sein Metier ist deutlich arbeits- und risikointensiver geworden. Bereits 1997 ist Bargeld ein rares Gut. In der Regel werden große Summen überwiesen, was sie für Räuber unerreichbar macht. Die Sicherheitsmaßnahmen haben sich verschärft, und auch die polizeiliche Fahndung wird durch eine verbesserte Kommunikations- und Überwachungstechnologie effektiver und damit gefährlicher.

Die Suche nach der Lücke im System

Selbstverständlich finden Fachleute wie Parker die Schwachstellen. Es liegt eine gewisse Ironie in der Tatsache, dass Parker dieses Mal einen ´Geistlichen´ beraubt. Doch Reverend Archibald ist einer jener Rattenfänger, die unter dem Deckmantel der Bibel ihre frommen Schäfchen tüchtig scheren. Parker überfällt einen anderen Gauner, der freilich geschickt das Gesetz auf seine Seite ziehen konnte: Es ist nicht verboten, dumme Menschen über ihre Ohren zu hauen, wenn diese damit einverstanden sind.

Folgerichtig hält Archibald Parker keineswegs die andere Wange hin, sondern sinnt auf Rückerhalt des ergaunerten Geldes sowie Rache. Nicht grundlos beschäftigt er einen Ex-Marine als Sicherheitsmann. Dennoch muss sich Archibald schließlich in die lange Reihe derer einreihen, die Parker nicht gewachsen sind. In einer denkwürdigen Szene mischt dieser Archibalds ´Schutzengel´-Truppe im Alleingang auf. Was bei einem anderen Autor leicht übertrieben und lächerlich wirken könnte, ist hier glaubwürdig, weil Stark zu verdeutlichen weiß, worin Parkers Überlegenheit wurzelt: Er hält sich nicht an die Regeln, weshalb Tiefschläge u. a. Verstöße für ihn selbstverständlich sind. Parker geht es ums Überleben. Rücksicht ist für ihn kein Muss, sondern eine Entscheidung, über deren Sinn von Fall zu Fall nachgedacht wird.

In diesem Umfeld erbarmungsfreier Professionalität ist selbst George Liss kein besonders verwerflicher Zeitgenosse, sondern ein Verbrecher, der das Prinzip der Täuschung auf seine Komplizen ausgeweitet hat. Was ihm blüht, als Parker ihn erwischt, ist Liss klar, weshalb er die Flucht unter Zurücklassung der Beute ergreift: Ein Schachzug ist fehlgeschlagen, kein Grund zur Panik. Liss wird später versuchen, sie sich anzueignen. Parker weiß es genau, und Liss weiß, dass man ihn erwartet.

Amateure sind gefährlich

Im scharfen Kontrast zu Parker und seiner Band stehen die drei Möchtegern-Gauner Ralph, Woody und Zack. Sie verkörpern ein Verbrechen, das ausschließlich auf Gewalt setzt. Intelligenz kommt nicht zum Einsatz. Die wahren Tragödien in dieser an Schüssen und Schlägen reichen Geschichte werden nicht durch Parker verursacht. Es sind die Amateure, die sofort zu den Waffen greifen und eine Kettenreaktion nutzloser Gewalt in Gang setzen. Woody und Zack sind zu dumm, Ralphs Schwester so zu ´verhören´, dass sie dies überlebt, und Ralph fragt nie danach, was seine ´Freunde’ getan haben, um seine Schwester auszuhorchen; er hatte diese selbst zu ihr geschickt.

Weil Stark die Handlung auf die Welt des Verbrechens konzentriert, ertappt sich der Leser dabei, dass er Parker die Daumen drückt. Dieser ist kein netter Mensch, man könnte ihn als kontrollierten Psychopathen bezeichnen, der nicht grundlos aber eben auch ohne Bedauern tötet. Dennoch nimmt der Leser emotional Anteil, als sich Parker und Liss in einem leer stehenden Haus ein Duell auf Leben und Tod liefern. Wieder geht es darum, welcher Profi den anderen besser einschätzen kann.

In Parkers Welt ist durchaus Platz für Frauen. Dauerfreundin Claire weiß, wie sich Parker den Lebensunterhalt verdient. Sie beteiligt sich nicht, sondern blendet das Wissen aus. Gangster Mackey zieht mit seiner Brenda ins kriminelle Gefecht. Er akzeptiert, dass sie die Klügere ist, und tut recht damit, denn mehr als einmal ist es die besonnene Brenda, die Mackey und Parker in Sicherheit bringt oder ihre Verfolger in die Irre lockt.

Am Ende bleiben nur die Polizei und Reverend Archibald erfolglos zurück. Parkers Welt ist wieder in Ordnung, er hat aufgeräumt und den gerade überstandenen Kampf schon abgehakt. Frisch und unbelastet kann und wird er in den nächsten Coup einsteigen. Der (deutsche) Leser darf sich freuen: Alle sieben "Parker"-Romane, die Richard Stark nach "Verbrechen ist Vertrauenssache" schrieb, sind hierzulande erschienen und problemlos zu erwerben – ein seltener Glücksfall, denn Stark war klug und rüttelte nicht daran, dass ein Parker-Thriller schnell und spannend und sonst nichts sein muss.

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Letzte Kommentare:
23.02.2013 15:37:24
Eglfinger

Eine halbe Million Dollar haben fromme Gläubige einem nicht ganz so frommen Prediger gespendet, der mit seinem „christlichem Kreuzzug“ Stadien füllt. Das Geld zu erbeuten, fällt Parker und seiner Bande nicht schwer, doch als es an die Verteilung geht, werden aus Kumpeln Todfeinde.

Parker und seine Bande, bestehend aus Liss, dem Tippgeber, und Ed Mackey und seiner Frau Brenda, erbeuten bei einem Gottesdienst eines Fernsehpredigers in einem Stadion eine halbe Million Dollar. Kurz danach will sich der Tippgeber aber alleine mit dem Geld davon machen, was ihm aber nicht glückt. Doch Liss lässt das nicht auf sich sitzen und begibt sich auf die Jagd nach den Dreien. Als Parker von Ed und Brenda getrennt wird, trifft er auf den Leibwächter des Predigers, Dwayne Thorsen, ein ehemaliger Marine. Parker gibt sich als Versicherungsdetektiv aus und kommt so an weitere Informationen ran. Dabei stellt er fest, dass noch eine weitere Bande, bestehend aus Amateuren, hinter dem Geld her ist und Parker und seine Kumpels überfallen wollten. Als Parker auffliegt, gelingt ihm erneut die Flucht. Er versucht, wieder an Ed und Brenda heranzukommen, doch vorher kommt es noch zu einem Showdown bei Sonnenuntergang in einem verlassenen Haus.

Wie immer schreibt Stark effizient und in kurzen Kapiteln, nur diesmal schreibt er die Kapitel immer wieder auch aus Sicht der anderen Protagonisten und wechselt dabei auch die zeitliche Perspektive. Trotzdem kommt man beim Lesen nicht durcheinander. Es ist nicht sein bester Parkerroman, dennoch vergebe ich 75 Grad.

03.03.2012 22:23:34
Wolfgang Würz

Parker ist ein ganz starker Typ. In einer scheinheiligen Welt erscheint er trotz seiner Verbrechen als Mann mit Charakter und gewinnt die Sympathie des Lesers. Die lakonische Sprache und die knappen Dialoge lassen genug Raum, um eigenen Vorstellungen und Bildern zu folgen. Dennoch ensteht beim Lesen ein griffiger Film im Kopf, der in die Parker-Welt eintauchen lässt.
Ein echtes Lesevergnügen.

09.09.2011 11:24:40
Banon

Eine große Menge Bargeld zu finden, scheint in modernen Zeiten der elektronischen Welt fast unmöglich. Doch für Profi-Gangster wie Parker gibt es immer wieder lukrative Gelegenheiten.
Mit zwei anderen Typen sollen 400.000 Dollar erbeutet werden. Durch den Tipp eines Insiders darauf gebracht, verursacht dieser allerdings dann auch unvorhergesehene Schwierigkeiten.
Ausgeraubt wird ein Prediger, von Stark wunderbar in seiner Doppelmoral dargestellt, der für seine Show in einem großen Stadion den Eintritt von den Zuschauern nur "bar" akzeptiert.
Die Tageskasse wird erfolgreich erbeutet und alles läuft zunächst nach Plan. Doch dann schert einer der Partner von Parker aus und es beginnt eine unerbittliche Jagd nach dem Geld. Ebenfalls auf der Suchenach dem Geld und den Räubern: Die örtliche Polizei und der Sicherheitschef des Predigers. Außerdem noch drei amateurhafte Möchtegernabstauber, die eher durch Zufall von dem Coup erfahren haben.

Dieser Parker-Roman erschien erstmals 1997 und war nach längerer Pause der Auftakt zu insgesamt acht neuen Romanen um den Profi-Gangster Parker.
Ein gelungener Neuanfang. Richard Stark gibt dem Leser immer wieder kleine Informationen zur Vergangenheit seines Helden und schafft ein umfängliches Bild von Parker.
Die eigentliche Handlung vollzieht sich über nicht mal zwei Tage. Mit Rückblenden wird die Vorgeschichte Stück für Stück erzählt. Richard Stark unterbricht dabei den Spannungsbogen, führt uns jedoch immer wieder zurück, jedesmal mit ein wenig mehr Hintergrund ausgestattet.

Auch dieser Parker-Krimi besticht durch seine reduzierte Sprache. Die Rationalität des Erzählten entspricht dem Denken und Handeln der Hauptperson. Parker ist ein zu allem fähiger Gangster, der auf alle Eventualitäten eine Antwort hat. Ob spektakulärer Überraschungsangriff oder geduldige Wartestellung, als Vollprofi passt er sich der Situation an. Parker scheut dabei kein Risiko, handelt aber niemals unüberlegt oder vorschnell.

Leider ist mit "Verbrechen ist Vertrauenssache" der letzte der neuen Parker-Romane auf deutsch erschienen. Mehr wird es nicht geben, da der Autor 2008 verstarb.