Das große Gold

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 2002, Titel: 'Breakout', Seiten: 299, Originalsprache
  • Wien: Zsolnay, 2009, Titel: 'Das große Gold', Seiten: 284, Übersetzt: Rudolf Hermstein
  • München: dtv, 2012, Seiten: 288

Couch-Wertung:

85°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
2 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:91
V:2
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":1,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Michael Drewniok
Ein Profi in drei Fallen

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2009

Der Einbruch in mit wertvollen Medikamenten gefülltes Lagerhaus endet für Parker und seine Bande denkbar unglücklich: Sie landen im Stoneveldt Detention Center, einer Anstalt für Häftlinge in Untersuchungshaft. Parker versteckt sich hinter einer falschen Identität, die keinesfalls auffliegen darf, da seine Karriere als Berufsverbrecher, der bisher durch die Maschen der Justiz schlüpfen konnte, sonst beendet wäre. Bevor er vor Gericht gestellt und anschließend in ein ´richtiges´ Gefängnis verlegt wird, will Parker deshalb ausbrechen.

 Über seinen Pflichtverteidiger stellt Parker den Kontakt zu einem verlässlichen Kontaktmann her. Ed Mackay wird für ein Gelingen der Flucht sorgen, sobald er ´draußen´ ist. Hinter den Mauern schaut Parker sich nach brauchbaren Spießgesellen um. Er findet seinen Zellengenossen Williams sowie Tom Marcantoni – harte Männer, die eine lebenslange Gefängnisstrafe fürchten müssen und bereit sind, das Risiko eines Ausbruchs einzugehen. Doch Marcantoni stellt eine Bedingung: Wenn die Flucht gelingt, sollen Parker und Williams einen Juwelenraub mit ihm durchziehen.

 Widerwillig schlägt Parker ein. Immerhin glückt der Ausbruch reibungslos. Zudem wirkt Marcantonis Plan narrensicher. Zwar wird der begehrte Schmuck in einem uralten Zeughaus der US-Army aufbewahrt, doch vor Jahren hat Marcantoni einen unbekannten Geheimgang entdeckt. Den nutzt die neu formierte Bande, um ins Innere vorzudringen. Doch das Pech bleibt Parker treu: Der Rückweg ist versperrt, und die Einbrecher sehen sich plötzlich in einem Haus gefangen, das wie eine Festung gebaut wurde. Jetzt ist guter Rat teuer, denn die Zeit und die Polizei, die auf den Straßen nach den Ausbrechern fahndet, drängen. In höchster Not wird ein Plan geschmiedet, doch der zeigt in der Umsetzung gefährliche Lücken …

 Job mit hohem Risiko

 Nicht zum ersten Mal muss Parker die Erfahrung machen, dass gute Leute auch in seinem Milieu schwer zu finden sind. Als hart arbeitender Berufsverbrecher ist er in dieser Hinsicht schon oft enttäuscht worden. Bisher führte das zu misslungenen Coups und aufregenden Fluchten; mehrfach fing sich Parker sogar eine Kugel ein oder musste andere Verletzungen überstehen. Dieses Mal kommt es jedoch zum Super-GAU: Parker wird gefasst und kommt hinter Gitter!

 Genau das wollte und musste er vermeiden, denn sein Erfolg beruht neben der Professionalität als Verbrecher auf seiner Anonymität. Mit großem Aufwand schlägt Parker einen Bogen um alles, das ihn ins Getriebe des Systems saugen könnte. Im digitalen 21. Jahrhundert ist das eine echte Herausforderung geworden, doch Parker zahlt gern jeden Preis für seine Namenlosigkeit. Nur ihr verdankt dieses Mal die Möglichkeit, seinem Gefängnis zu entkommen, weil seine Häschern schlicht nicht ahnen, welcher dicke Fisch ihnen da ins Netz gegangen ist.

 Das kann nur gelingen, weil Parker ungeachtet der brisanten Situation die Nerven behält. Er nimmt es, wie es kommt, denn Professionalität ist auch im Gefängnis der Schlüssel zum Erfolg, der hier das Entkommen bedeutet. Parker wartet ab, taxiert seine Mitgefangenen, die Wärter, die Polizeibeamten, die ihn vernehmen, sucht nach Schwachstellen im Alltagsgefüge des Gefängnisses. Schnell hat einen Plan entwickelt, der sich an den Realitäten orientiert. Sämtliche Risiken sind nicht ausgeschaltet, aber Parker minimiert sie.

 Drückt dem Bösewicht die Daumen!

 Der Mensch tendiert dazu, um den Schwächeren zu bangen, der sich anschickt, einem übermächtigen Gegner die Stirn zu bieten. Das schließt sogar diejenigen Zeitgenossen ein, die sich wie Parker den Zorn des Gesetzes völlig zu Recht zugezogen haben. Offenbar projiziert man sich automatisch in die Rolle des Opfers, das man deshalb gern dabei beobachtet, wie es sich der Falle entwindet. (Anders denken natürlich jene Leser, die bereits von einem der Parkers dieser Welt ausgeraubt wurden …)

 Je aussichtsloser die Flucht, desto reizvoller wird der Versuch, es trotzdem zu versuchen. Der normale Leser wird im Gefängnis jede kriminelle Initiative verlieren und sich dem System unterordnen. Parker denkt nicht eine Sekunde so. Er sieht in den Schranken, die ihn zurückhalten sollen, vor allem die Möglichkeiten. Intelligenz und Entschlossenheit sind stärker als Stahlgitter: Wird das so clever umgesetzt wie von Richard Stark, ist das stets ein sicherer Garant für Spannung.

 Zumal dieses Mal Ort und Zeit nicht nur einmal gegen Parker sind. Gleich dreimal gilt es, sich selbst oder andere Gefangene zu befreien. Geschickt schürt Stark die Spannung, indem er die Handlung durch Abläufe bereichert, die Parker nicht kontrollieren kann. Im Hintergrund stellen scheinheilige Bürger, skrupelarme Polizisten und simple Verräter ihre Fallen auf. Ein Rädchen greift ins andere, und die Maschinerie, die Parkers Schicksal besiegelt, scheint schnell so rund zu laufen, dass ein Entkommen ausgeschlossen scheint.

 In der Ruhe liegt die Kraft

 Aber so denkt erneut nur der von der Situation überforderte Amateur-Straftäter. Parker setzt einen Fuß vor den anderen und bleibt geduldig. Hindernissen stellt er sich, wenn sie auftauchen, statt sich vorab verrückt zu machen. Rückschläge gehören zu seinem Leben. Deshalb ist ihm klar, dass er selbst nach einer gelungenen Flucht nicht frei ist: Er hat sich der Unterstützung von Männern versichert, die für ihre Leistungen einen Preis fordern werden. Als Profi kalkuliert Parker dies ein; er denkt gar nicht daran, seine Partner zu betrügen.

 Dabei geht es ihm keineswegs um Verpflichtung oder gar Freundschaft, denn so ist Parker nicht gestrickt. Stattdessen kalkuliert er eiskalt: Wenn er jetzt nicht bei seinen Kumpanen bleibt, werden sie ihn später ignorieren, sollte er ihre Hilfe dringend benötigen. Nur das hält ihn bei der Stange, den Parker interessiert sich letztlich nur für Parker. Ein sozial kompetenterer Mann wie Williams erkennt das und wünscht sich sogar, wie Parker zu sein, den seine Teflon-Persönlichkeit zum ideal funktionierenden Verbrecher aufwertet.

 Die Spannung steigt, wenn sich sämtliche Geschicke gegen die Gauner zu verschwören scheinen. Mit perfider Beiläufigkeit sorgt Verfasser Stark dafür, dass der Leser sich wie selbstverständlich auf Parkers Seite schlägt, obwohl dieser nicht nur flüchtet und raubt, sondern auch mordet und Zeugen einschüchtert. Der Reiz liegt wohl in der unglaublichen Zielgenauigkeit, mit der Parker sich auf jede noch so hoffnungslose Situation einzurichten versteht.

 Auf seine Weise ist Parker außerdem konsequent. Seine neuen Spießgesellen mobilisieren eigene Kontakte, um sich über ihn zu informieren. Was sie erfahren, stimmt mit dem überein, was der Leser über Parker weiß: Er ist ein Profi, auf den man sich bedingungslos verlassen kann; sollte man ihn allerdings zu linken versuchen, wird er brutal zurückschlagen. Verrat nimmt Parker nicht unbedingt persönlich, sondern er ahndet ihn, um ein Zeichen zu setzen. Damit wird sogar der Mord an einem Verräter zur Investition in die Zukunft: Marcantoni denkt nicht daran, Parker zu betrügen.

 Aller schlechten Dinge sind drei

 Auf seine beinahe zen-buddhistische Ruhe muss Parker sich dieses Mal wie gesagt stärker denn je stützen. Seit jeher leiden seine Unternehmen unter der Tücke des Objekts. Nüchtern unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet ist Parker kein besonders erfolgreicher Verbrecher. Er kommt zurecht, aber oft zahlt er drauf. Das große Gold, das der deutsche Titel fälschlich in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, ist für Parker wertlos, obwohl er es schon in den Händen hält. Stattdessen kann er froh sein, wenn er sein nacktes Leben rettet.

 Der Originaltitel Breakout beschreibt viel exakter, worum es in diesem 21. Parker-Abenteuer geht: Dreifach variiert steht der trickreiche Kampf um die Freiheit im Mittelpunkt der Handlung. Parker zieht sämtliche Register seines kriminellen Handwerks und offenbart ein erstaunliches Repertoire, das offene Gewalt ebenso einschließt wie psychologisches Geschick.

 Geschildert wird das komplexe und geschickt entwirrte Geschehen im typischen Stark-Stil, d. h. in trügerisch simplen Worten und Sätzen. Der Verfasser scheint mit jedem Wort zu kämpfen. Tatsächlich teilt er uns präzise mit, was wir wissen müssen, und erspart uns das im modernen Krimi üblich gewordene Geschwafel. Hin und wieder wechselt Stark die Erzählperspektive; plötzlich erleben wir Parker aus der Sicht der Menschen, die mit ihm zu tun haben. Das verstärkt seine Außenseiter-Stellung, während wir gleichzeitig unauffällig mit zusätzlichen Informationen versorgt werden, für die nun eine Weile die in den Fokus geratenen Figuren geraten. Parker bleibt dabei verschlossen wie eine Auster.

 Ob er unter seiner Schale überhaupt ein ´normales´ Seelenleben verbirgt, bleibt auch dieses Mal (zum Glück) wieder offen. Mit dem nächsten Bruch beginnt Parker wieder am Nullpunkt. Die wirre deutsche Veröffentlichungsgeschichte der "Parker"-Thriller verdeutlicht das unfreiwillig: Obwohl die Bände unter Missachtung der chronologischen Reihenfolge erscheinen, macht sich dies nicht negativ bemerkbar, da Parkers Biografie so wenige Fixpunkte kennt. In Erwartung weiterer unterhaltsamer Abenteuer dringen wir daher gern tiefer in Parkers kriminelle Vergangenheit vor.

Deine Meinung zu »Das große Gold«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
20.02.2013 16:54:37
Eglfinger

Als Preis für seine Flucht aus dem Knast muss Parker beim Einbruch in einen Juweliergroßhandel mitmachen. Von Anfang an missfällt ihm der vermeintlich todsichere Plan. Und tatsächlich muss Parker all seinen Scharfsinn aufbieten, damit er und seine Kumpels mit dem großen Gold davonkommen. Doch dann begeht ausgerechnet Brenda, eigentlich ein Profi, eine Dummheit…

Parker wird wegen eines Amateurs bei einem Einbruch in einen Medikamentengroßhandel festgenommen. Im Knast ist er auf sich allein gestellt und er muss eine neue Seilschaft knüpfen um aus dem Knast zu fliehen, denn es droht die Auslieferung nach Kalifornien, wo er wegen Ausbruchs und Mord an einem Wärter vor Gericht gestellt werden soll. Dabei muss er sich bereit erklären, dass er bei einem Einbruch in einen Juweliergroßhandel mitmacht. Eigentlich missfällt ihm das, und obwohl Parker keiner ist, der Schulden und Gefälligkeiten gegeneinander aufwiegt, erklärt er sich bereit, da er keine größeren Schwierigkeiten erwartet. Doch es funktioniert nicht alles nach Plan und bald muss er sich wieder entscheiden, ob er flieht oder ob er seinem Fluchthelfer Mackey noch einen Gefallen schuldet.

Richard Starks Schreibstil ist klar und ohne Schnörkel. Die Story kommt schnell voran, die Kapitel sind kurz und daher ist das Buch schnell zu lesen. Der Spannungslevel ist von Beginn an weit oben und flacht nicht ab. Es ist eine temporeiche Geschichte und es bleibt bis zum Schluss spannend, ob Parker die Flucht gelingt und er wieder nach Hause kommt. Die beschriebene Brutalität, mit der die Verbrecher vorgehen, ist von Stark so heftig beschrieben, dass ich als Leser ständig im Zwiespalt war, ob ich Parker die Daumen drücken soll, oder ob ich mir wünsche, dass er gefasst wird. Ich vergebe 80 von 100 Punkten.

26.12.2009 17:51:14
Schrodo

Nach einem missglückten Einbruch kommt Parker in den Knast, wo er natürlich nicht lange bleibt. Zusammen mit zwei Ganoven bricht er aus und lässt sich von den beiden zu einem weiteren Einbruch überreden. Aber irgendwie geht dabei alles schief.
Super spannend ist, dass dieses Mal nichts, aber auch gar nichts so läuft, wie es soll. Immer wieder müssen sämtliche Pläne über den Haufen geworfen werden um aus den nahezu ausweglosen Situationen wieder herauszukommen. Wie immer geht es ums nackte Überleben. Nach und nach bleibt der eine oder andere auf der Strecke. Über den Verlauf der Geschichte kann man wirklich nur staunen!
Mr. Stark schreibt die Story nüchtern, ohne Abschweifungen, ohne atmosphärische Beschreibungen, ohne Psychologie, ohne irgendetwas, das nichts mit der Story zu tun hätte…einfach nur purer Krimi. Die Handlung ist rasant, die Hauptfiguren kommen kaum zum durchatmen…der Leser ebenso wenig. Die knappen Dialoge sind auf das notwendigste reduziert, ab und zu mit einem klein wenig verstohlen aufblitzenden Humor.

10.12.2009 22:39:30
vargas

"Das große Gold" ist sicher nicht der beste Stark, aber definitiv immer noch klasse. Alleine in der ca. 5- seitigen, abschließenden LKW-Fahrtbeschreibung erzeugt er mehr Atmosphäre als es sehr viele andere Autoren auf 500 Seiten schaffen.

Einer der ganz wenigen Autoren mit Suchtgefahr, weil seine Bücher sich zwar natürlich ähneln, aber doch nie langweilig werden.