Keiner rennt für immer

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Dietmar Wunder
  • New York: Mysterious Press, 2004, Titel: 'Nobody Runs Forever', Seiten: 295, Originalsprache
  • München: dtv, 2011, Seiten: 286

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Michael Drewniok
Das große Ding scheitert an der Summe von Kleinigkeiten

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2009

Ein vielversprechender Coup führt Berufsverbrecher Parker in die Kleinstadt Rutherford im US-Staat Massachusetts. Dort löst man im Rahmen einer Fusionierung eine Bank auf. Die Geldeinlagen werden mit gepanzerten Transportwagen abtransportiert. Den Konvoi wollen Parker und seine Komplizen Nick Dalesia und Nelson McWhitney überfallen und ausrauben.

Das nötige Hintergrundwissen verschaffen ihnen Elaine Langen, die verbitterte Gattin des Bankchefs, und Jake Beckham, ein ehemaliger Polizist, der in besagter Bank tätig war, bis er wegen Unterschlagung gefeuert wurde. Ebenfalls an Bord ist Dr. Myron Madchen, der dafür sorgen soll, dass Beckham, der für die Polizei nach dem Überfall zum Hauptverdächtigen würde, ein Alibi erhält.

Während die Planung des eigentlichen Überfalls voranschreitet, mehren sich die Schwierigkeiten. Langen, Beckham und Madchen sind Amateure, die sich verdächtig benehmen und außerdem Nerven zeigen. Als Beckham von einer übereifrigen Langen ins Bein geschossen wird, übernimmt die außerordentlich neugierige und tüchtige Polizistin Gwen Reversa den Fall. Parker, Dalesia und McWhitney müssen sich mit dem Kopfgeldjäger Roy Keenan und seiner Partnerin Sandra Loscalzo plagen, die nach einem früheren Komplizen fahnden und nicht locker lassen wollen. Beckham vertraut sich seiner rechtschaffenden Schwester an, die den Überfall verhindern will.

Obwohl sie wie überforderte Zirkusjongleure immer mehr Bälle in der Luft halten müssen, beschließen Parker, Dalesia und McWhitney den Raub durchzuziehen. Ohne dass sie davon ahnen, gewinnen die Tücken des Objekts eine Eigendynamik, die ausgerechnet in der Nacht des Überfalls ihren spektakulären Höhepunkt findet ...

Immer diese Amateure!

Keiner rennt für immer: Dieser Titel - in der Übersetzung ausnahmsweise korrekt dem Original folgend - bedarf einer Erklärung, da Eile ganz und gar kein Element ist, das diesen Roman prägt. Tatsächlich beschränkt sich jener Teil der Handlung, den man ´Action´ nennen könnte, auf einige Seite ziemlich am Ende des Buches. Bis es soweit ist, wird viel geplant und noch mehr einander belauert.

Parker und seine Spießgesellen begeben sich dieses Mal in mehr als einer Beziehung auf ungewohntes Terrain. Sie sind eigentlich Stadtstrolche, die sich in der Provinz erst zurechtfinden müssen, was ihnen nie wirklich gelingt. Dabei machen sie sich von der Mitarbeit blutiger Amateure abhängig. Diese sind es, die genug vom Rennen haben, was ein Leben beschreibt, das sich im Kreis dreht und nichts als einen elenden Tod als Ausweg bietet. Der Ex-Polizist haust in einem Trailer-Park, die Bankiersgattin hasst ihren Gatten, der Doktor wird von seiner Ehefrau drangsaliert. Der große Überfall soll ihnen die Mittel zum Neuanfang verschaffen.

Stünden Parker & Co. nicht selbst finanziell unter Druck, hätten sie die Finger von diesem Coup gelassen. Sie sind Profis, die sich mit schweren Kapitalverbrechen den Lebensunterhalt verdienen. Nach vielen aktiven Jahren haben sie nicht nur die dafür erforderlichen Kenntnisse, sondern auch die notwendige Nervenstärke erlangt. Nüchtern wird vorbereitet, das Risiko ist eingeplant. Ganz anders denken dagegen die Komplizen: Sie treibt die Angst vor dem Gefängnis mindestens ebenso um wie ihre kriminelle Unerfahrenheit. Die Bankiersfrau betrinkt sich und muss für ihren kurzen aber unbedingt erforderlichen Einsatz erst geweckt werden, der Ex-Polizist verliert die Nerven. Immer wieder muss Parker seine unberechenbaren Schäfchen zur Ordnung rufen, statt sich auf die Planung des Überfalls zu konzentrieren.

Murphys Gesetz triumphiert

Autor Richard Stark schildert in seinem Roman detailliert die Vorbereitungen eines gewagten Verbrechens. Es wird scheitern, was kein Spoiler ist: Parkers Fischzüge enden in der Regel katastrophal, denn die Parker-Krimis beschreiben nie Coups, die glattgehen. Das Schiefgehen und die daraus folgenden Konsequenzen bilden das hauptsächliche Spannungsmoment. Nicht einmal fünfzig Seiten widmet Stark deshalb dem Überfall auf den Geldtransport. Der geht problemlos über die Bühne, denn hier sind Parker und seine beiden Kumpane unter sich.

Noch während pralle Geldsäcke den Besitzer wechseln, haben Parker, Dalesia und McWhitney dennoch das Spiel verloren. Sie waren zu optimistisch, wollten es sein, was den Erfolg ihres Unternehmens betraf. Dabei begannen die Schwierigkeiten bereits, als der Coup noch ein reines Gedankenspiel war. Fasziniert beobachtet man, wie das Rad ins Schlingern kommt. Wie das enden wird, weiß man genau: Alle verzweifelte Gegenmaßnahmen werden scheitern. Die Ereignisse schaukeln sich auf, bis sie im buchstäblich großen Knall münden. Zunehmend zornig aber immer noch ruhig sorgt Parker für Ruhe im Glied. Aber er kann nicht überall sein. Macht- und ahnungslos muss er auf das letztlich irrationale Handeln der verschreckten Laien reagieren; weder Steuerung noch Kontrolle sind möglich.

Die täuschend simple Kunst des (Be-) Schreibens

Stark ist ein Schriftsteller der einfachen, klaren Sprache. Die Sätze sind kurz, die Aussagen prägnant, die Dialoge knapp und eindeutig. Der daraus resultierende Stil ist unter der Feder eines fähigen Autoren für den Leser eine Offenbarung. Stark versteht sein Handwerk. Jederzeit hält er die Fäden in der Hand. Er kann sich Aussparungen leisten, denn der Kontext füllt die Lücken. Der Leser weiß sofort, was sich ereignet hat, obwohl es ihm nicht vorgekaut wurde. Dieses Buch wäre einem weniger ökonomisch schreibenden Verfasser vermutlich doppelt so lang aber sicher nicht besser geraten.

Keiner rennt für immer gliedert sich in vier Großkapitel. Stark schildert das Geschehen zunächst aus Parkers Perspektive. Die Figuren der Handlung werden vorgestellt, das Geschehen kommt in Gang. Mit Großkapitel 2 ´übernimmt´ Stark. Parker wird zur Nebenfigur. Als allwissender Erzähler liefert Stark Hintergrundwissen, das dem Leser wie Parker bisher unbekannt war. Parker kennt viele dieser Fakten nicht. Der Leser erkennt indes, wieso der Überfall scheitern wird.

Mit Großkapitel 3 kehrt Parker zurück. Das Geschehen spitzt sich zu, das Tempo zieht an. Die Ereignisse überschlagen sich, der bisher kontinuierliche Erzählfluss verebbt und wird durch kurze Schlaglichter ersetzt. Stark springt von Figur zu Figur, von Szene zu Szene. Der große Plan löst sich in Fragmente auf, was durch die Handlung widergespiegelt wird. Am Ende steht das Fiasko; ein von Hunden gehetzter Parker flüchtet in den Wald. Stark lässt sein Publikum nägelkauend zurück. (Der gemeine aber ausgezeichnet funktionierende Cliffhanger erfährt seine Auflösung erst in Ask the Parrot - dt. Fragen Sie den Pagagei -, dem 23. Parker-Abenteuer, das unmittelbar mit Parkers Flucht einsetzt.)

Tun, was getan werden muss

Wie üblich steigt Stark mit einem Knalleffekt in seine Geschichte ein. Sieben Gangster beraten über einen Coup. Dies ist der erste Satz:

 

"Als er sah, dass der Mann, der Harbin hieß, verdrahtet war, sagte Parker: ´Gib mir schon mal Karten´ und stand auf ... Während er um den Tisch herumging, löste Parker seine Krawatte ..., nahm sie doppelt und warf sie Harbin über den Kopf. Er zog die beiden Enden durch die Schlaufe und ruckte mit der Rechten kräftig nach hinten, während sein Körper sowohl Harbin als auch den Stuhl, auf dem er saß, gegen den Tisch drückte ..." (S. 7)

 

Das ist Parker in excelsis: ein Profi als Schwerverbrecher, für den Mord zum täglichen Geschäft gehört. Niemals hat Richard Stark diese Figur verwässert. Stark ist in 24 Bänden ein Mann ohne Vornamen und Skrupel geblieben. Er tötet nicht zum Vergnügen, aber tut es ohne Gewissensbisse. Davon setzt er die Laien unter seinen Komplizen sachlich in Kenntnis, als sie schwächeln, und sie sind klug genug, die Wahrhaftigkeit seiner Worte zu erkennen.

Freundschaft ist für Parker eine Schwäche, die er sich nicht leisten kann. Selbst bewährte Kumpane, mit denen er manches Ding gedreht hat, betrachtet er mit Misstrauen und Vorsicht. Anfänger wie Elaine Langen und Jake Beckham benutzt er. Spielen sie ihre vorgesehenen Rollen gut, wird er ihnen den zugesicherten Beuteanteil nicht vorenthalten. Wie sie sich die Polizei vom Hals halten, bleibt ihre Sache. Parker sorgt dafür, dass niemand wirklich etwas über ihn weiß. Das macht ihn zur idealen Serienfigur: Parker zieht seine Bahn durch ein kriminelles Untergrund-Amerika. Obwohl wir wissen, wie er sich verhalten wird, werden wir nie müde, ihn bei einem neuen Coup zu beobachten. Ein unermüdlich ideenreicher Richard Stark wird zuverlässig dafür sorgen, dass dieser wieder unterhaltsam in turbulentem Chaos endet.

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Letzte Kommentare:
09.05.2014 18:57:55
Stefan83

Die Wiederentdeckung von Richard Starks „Parker“-Serie durch den Zsolnay-Verlag gehört für mich persönlich zu den positivsten Überraschungen in der Kriminalliteraturszene, war doch der unter anderem mit drei Edgar Awards ausgezeichnete und durch die Mystery Writers of America sogar zum „Grand Master“ ernannte Autor auf dem deutschen Buchmarkt viel zu lange in der Versenkung verschwunden. Zsolnays Verdienst wird dabei allerdings ein wenig durch die zeitliche Abfolge der Veröffentlichungen geschmälert, was insbesondere die letzten drei Bände der Reihe um den Berufsverbrecher Parker betrifft, die gemeinsam eine lose Trilogie um den Überfall auf einen Geldtransport bilden. „Keiner rennt für immer“ stellt dabei den Auftakt dar, wurde aber auf Deutsch nach „Fragen Sie den Papagei“, dem mittleren Part, veröffentlicht. Ein Wahl, die wohl vor allem dem Inhalt geschuldet ist, kommt doch letztgenannter Titel wesentlich actionreicher und kurzweiliger daher, was den Neueinsteig für Leser natürlich erleichtert. Doch so „handlungsarm“ „Keiner rennt für immer“ in Anführungsstrichen auch ist – gerade die Planung des Coups und die sich im weiteren Verlauf ergebenden Schwierigkeiten bieten Parker beste Möglichkeiten, seine Stärken in Gänze auszuspielen, weshalb ich diesen Band auch für den gelungensten, weil homogensten der drei halte. Und auch zum besseren Verständnis sei jedem geraten, mit „Keiner rennt für immer“ die letzten Auftritte von Parker in Angriff zu nehmen.

Kurz zur Story: Das kleine Kaff Rutherford im US-Staat Massachusetts. Mit Sicherheit kein Ort, dem der Stadtmensch Parker unter normalen Umständen einen zweiten Blick gönnen würde. Doch die Umstände sich nicht normal, denn das Geld wird langsam knapp, so dass plötzlich eine im Rahmen einer Fusionierung aufgelöste Bank schon ein lohnenswertes Ziel darstellt. Kein Kapitalverbrechen des üblichen Kalibers für Parker und seine Komplizen Nick Dalesia und Nelson McWhitney, aber dennoch selbst für die Profis eine Herausforderung, da die Geldeinlagen mit gepanzerten Transportwagen abtransportiert werden. Und drei Mann reichen dafür einfach nicht aus. Parker wäre jedoch nicht Parker, hätte er nicht auch dafür bereits vorgesorgt. Über Elaine Langen, unglückliche Gattin des Bankchefs, und den ehemaligen Polizist Jake Beckham, der in der Bank tätig war, bis man ihn feuerte, kommt er in den Besitz der nötigen Informationen für den geplanten Coup. Abgesichert wird das Ganze schließlich durch den Arzt Dr. Myron Madchen, der Beckham, welcher nach Beendigung des Überfalls zu den Hauptverdächtigen zählen würde, ein Alibi verschaffen soll. So weit, so gut. Doch wann ist jemals schon etwas nach Plan gelaufen?

Schon recht bald erweisen sich einige der Beteiligten als Risikofaktoren, denn der Druck auf jeden einzelnen in dieser kriminellen Unternehmung wächst. Insbesondere Langen und Madchen beginnen Nerven zu zeigen, was wiederum die Neugier der äußerst tüchtigen Polizistin Gwen Reversa anfacht, die sich sogleich des Falls annimmt. Und als ob das noch nicht genug wäre, haben sich auch zwei Kopfgeldjäger an Parkers Fersen geheftet, welche sich ihrerseits Profit vom Überfall versprechen und zudem noch ein Hühnchen mit einem früheren Komplizen zu rupfen haben. Parker muss schließlich all seine Improvisationskünste ausspielen, um die vielen Amateure auf Kurs zu halten und den Raub durchzuziehen – doch auch er kann nicht überall zugleich sein …

Sie mögen Filme wie „Oceans Eleven“, wo am Ende die coolen Diebe mit blitzender Sonnenbrille aus dem Casino schlendern, während die Bullen an anderer Stelle ahnungslos die Hände in die Hüfte stemmen? Oder sie favorisieren Bücher, wo letztlich alles wie geschmiert läuft und der „Held“ schon vierzig Seiten vorher weiß, was am Ende wie, wo, wann und auf welche Weise passieren wird? Wenn dem so ist, dann lassen sie mal schön ihre Patschehändchen von Richard Starks „Parker“-Romanen, in denen sich der Autor so ziemlich jeden künstlichen Effekt verkneift und die knallharte Realität billiger Effekthascherei vorzieht. Das heißt wiederum: Auch wenn dem Leser detaillierte Einblicke in die Vorbereitungen des Verbrechens gewährt werden, impliziert dies noch lange nicht deren reibungslose Ausführung – im Gegenteil. Schon recht früh wird uns gewahr, dass Parkers Überfall scheitern muss, sind doch einfach zu viele Variablen im Spiel, um diese unter Kontrolle zu halten. Fans der Serie wird dies kaum überraschen, da in jedem Auftritt des Berufsverbrechers irgendwann irgendetwas schief geht. Und gerade hiervon lebt die Figur „Parker“, der immer dann aufblüht, wenn ihm die Polizei schon ganz nah im Nacken sitzt und der frustrierte Beobachter die Flinte ins Korn werfen will.

Wo andere Thriller der Moderne sich fleißig Twists und Turns bedienen, um letztlich eine Überraschung zu präsentieren, die man doch dann irgendwie hätte erahnen können, beziehen Starks Romane ihr Spannungselement aus den Fehlern seiner Protagonisten. Und dass diese weit unberechenbarer sind, als z.B. die Genialität eines Meisterdetektivs im Stile Lincoln Rhymes, erklärt vielleicht auch die fast fünfzig Jahre andauernde Erfolgsgeschichte von Starks Serienfigur. Ob im Zeitalter von Telefonzellen oder I-Phones, ob mit dem Notizblock oder dem Notebook. Parker ist ein zeitloses Phänomen, das heute noch genauso funktioniert wie Anfang der 60er Jahre und das nichts von seiner Faszination verloren hat. Ein eiskalter Profi, bei dem zwar selten alles reibungslos abläuft, der aber dennoch auch stets ein Ass im Ärmel hat bzw. einen Ausweg findet, um der ihn verfolgenden Justiz eine lange Nase zu drehen.

Moral, Skrupel, Gewissensbisse – sie sind dabei wie Freundschaft oder Liebe Schwächen, die sich Parker weder leisten kann noch will. Und er verzichtet selten darauf, seine jeweiligen Komplizen, für die er zumeist eine unberechenbare Größe bleibt, daran zu erinnern. Von diesem beständigen Gefahrenmoment lebt auch „Keiner rennt für immer“, da Parker, dessen Vorname wir in keinem der vielen Bände erfahren haben, genauso wenig einzuschätzen ist, wie der letztliche Verlauf der Handlung. Und die kredenzt uns Richard Stark mal wieder auf unnachahmliche Art und Weise. Knapp, kurz, prägnant werden dem Leser die Sätze um die Ohren gehauen, spart sich der Autor jegliche Ausschweifungen und Nebenschauplätze. Hier bleibt kein Raum für Interpretationsansätze, sondern nur ein geradliniger, scharf geschnittener roter Faden, der sich, trotz etwas längerer Vorbereitungen und Planungen zu Beginn, kontinuierlich durch den Plot fräst, um am offenen Ende in einem actionreichen Paukenschlag zu münden. An dieser Stelle fällt der Vorhang, ist die Folge vorbei, wird der Leser quasi genötigt zu „Fragen sie den Papagei“ zu greifen, der inhaltlich direkt an das Finale dieses Buches anknüpft. Und wer darauf keine Lust hat – nun, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Für mich ist „Keiner rennt für immer“ ein Highlight in der langjährigen Reihe. Düster, diabolisch, lakonisch und eiskalt hat Stark hier noch einmal sämtliche Register gezogen. Ein „Hardboiled“-Vertreter im besten Sinne des Wortes mit einem Parker in Hochform. Kaufen – aufschlagen – lesen!

31.07.2013 14:13:56
Darix

Parker und Co planen den perfekten Banküberfall. Gefühle, ein Graus für Parker, wirken sich störend auf die Vorbereitung und den Überfall aus. Trotzdem wird der Überfall durchgezogen. Parker, ein Phänomen, sparsam und direkt in Sprache und Handlung. Ein cooler Verbrecher, völlig ohne Gefühl, Moral, skrupellos nur am Geld orientiert. Gnadenlos zielstrebig aber irgendwie scheitern seine Planungen an der Durchführung.
Die Person Parker bleibt trotz aller Skrupellosigkeit dem Leser sympathisch, vielleicht weil Parker dem Leser als berechenbarer und letztlich scheiternder Akteur vorgestellt wird.
"Keiner Rennt für immer" hat noch nicht das Niveau wie beim "Papagei“, aber es bleibt ein sehr guter, klar gegliederter Kriminalroman.

17.02.2013 20:14:35
Eglfinger

Bankenfusion in einer amerikanischen Kleinstadt. Das schreit geradezu nach einem Überfall, findet Parker, und seine Komplizen sind derselben Ansicht. Doch von Anfang an ist der Wurm drin bei diesem Bankraub. Jeder will an das Geld, aber keiner hält sich an die Abmachungen. Ein schwieriger Job für Parker, der für Präzision berüchtigt ist, aber auch dafür, dass er keine Skrupel kennt…

Auch hier geht es wieder, wie in allen Parker-Büchern von Richard Stark, nicht um die Aufklärung eines Verbrechens, sondern um die Planung und um das Verbrechen, welches Parker und seine Komplizen planen. Eine kleine Bank wird von einer größeren geschluckt und beim Umzug der kleinen Bank in die Zentrale der größeren, wollen Parker und seine Komplizen zuschlagen und das Bargeld ergaunern. Doch es kommt zu Schwierigkeiten im Verlauf der Planung, weil sie es mit zu vielen Amateuren zu tun haben. Da gibt es den Kleinganoven, von dem sie den Tipp für den Coup erhalten haben, der ein Verhältnis mit der Frau des Bankdirektors hatte. Seine Schwester, die besorgt ist, dass er wieder in Schwierigkeiten geraten könnte, eine übereifrige Polizistin und dann taucht auch noch ein Kopfgeldjäger mit seiner Kollegin auf. Diese und noch einige andere Personen bereiten Parker zunehmend Kopfschmerzen, aber dennoch wollen sie es durchziehen.

Man könnte meinen, dass das für ein Buch mit unter 300 Seiten zu viele Personen sind. Aber Stark hält sich nicht lange mit Beschreibungen auf, sondern beschränkt sich auf das Wesentliche, auch wenn dadurch die Beschreibungen der Protagonisten etwas zu kurz kommen. Er schreibt effizient und es macht Spaß es zu lesen, weil es durch seinen Schreibstil sehr flüssig ist. Das Story an sich ist geschlossen, aber es ist eigentlich der erste Teil zu „Fragen Sie den Papagei“, welches ich gleich als nächste lesen werde. Ich gebe 80 von 100 Punkten.

07.12.2010 23:18:24
mylo

Puh, bin mehr durch Zufall auf die Reihe gestoßen, habe sie gebraucht erworben, also nicht zum sehr hohen Originalpreis und habe mit diesem Band das erste Buch der Trilogie gelesen.
Toll, in den meisten Krimis ist die Polizei die taktiert, kombiniert und genial alle Schwierigkeiten meistert, hier ist es die Gegenseite. Genial geplante Verbrechen generalstabmäßig organisiert und Sympathieträger ist unbestritten Parker, ein kalt berechnend agierender Gangster, aber wie gesagt trotz kaltblütigem Mord wird er für den Leser zum Sympathieträger.
Die Story mit kurzer Sprache, spannend vom Beginn an hält sie durch bis zum Schluss und darüber hinaus ( - Geschichte ist ja noch nicht zu Ende). Keine Seite auf der nichts Neues passiert - absolut keine Längen. Reines Lesevergnügen, macht es schwer zur späten Stunde das Buch wegzulegen um endlich zu schlafen.
95 Punkte und die Gier nach mehr

04.01.2010 21:28:28
mark

Ungebunden gibt es das erste und zweite Buch der Reihe gibt es seit 01.01.2010 als Taschenbuch für unter 10 Euro.
"Fragen sie den Papagei" hat zugegebener Maßen einen anderen Witz. Viel subtiler als im ersten Band. Dafür liest sich das zweite aber viel atemloser, schneller. Die Handlung überspringt sich viel mehr.

16.08.2009 12:38:44
Schrodo

Es ist schon seltsam mit den Buchverlagen. Da schreibt der für mich überragende Schriftsteller Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark drei Krimis über seinen Serienhelden Parker.
2004: Keiner rennt für immer
2006: Fragen sie den Papagei
2008: Das Geld war schmutzig
Der Verlag dreht das Ganze aber so um, dass das zweite Buch der Trilogie als erstes Erscheint. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Wenn sie dieses Buch nun als erstes lesen, haben sie alles richtig gemacht und können sich die Trilogie schön der Reihe nach vornahmen. Was ich ihnen auch dringend empfehlen würde! Aber zum Buch.
Durch eine Bankenfusion in einer Kleinstadt wird ein Geldtransport nötig. Parker, der Held der Story erfährt davon und möchte sich die Kohle unter den Nagel reißen. Dass ihm ein Kopfgeldjäger, eine liebeskranke Ehefrau, ein dümmlicher Tippgeber und eine hübsche Polizistin dabei in die Quere kommen stört ihn wenig. Parker überragt als eiskalter Gangster wieder alle anderen Figuren, die sich manchmal schon etwas dämlich anstellen, so dass der beste Plan am Ende…
Richard Stark schafft es, dass man nach der ersten Seite das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es beginnt sehr spannend, was sich auch im Verlauf der Geschichte nicht ändert. Immer wieder tauchen neue Probleme und Figuren auf, die es dem sympathischen Parker schwer machen an das Geld zu gelangen.
Insgesamt absolut empfehlenswertes Buch, wenn es auch mit knapp 17 € für die broschierte Ausgabe sehr teuer erscheint.

11.06.2009 11:33:59
froggy

Nicht schlecht diese Story über ein perfekt geplantes Verbrechen.

Aber nach "Fragen Sie den Papagei" hat mich dieses aktuelle Buch von Stark doch enttäuscht. Im Vergleich zu seinem Vorgängerwerk fehlt mir bei "Keiner rennt für immer" Parkers unübertrefflichen Witz, seine Coolness und die vielen Kehrtwendungen (nicht weil nur jemand reinpfuscht!) in der Geschichte.

24.04.2009 18:20:24
koepper

"Keiner rennt für immer" ist erst mal die präzise Beschreibung eines geplanten Verbrechens. Sachlich, klar und emotionslos beschreibt Richard Stark wie Parker und seine professionellen Kumpane immer wieder auftauchende Schwierigkeiten meistern müssen, ohne den Plan, an das große Geld zu kommen, aus den Augen zu verlieren. Stark hält das Tempo hoch, dauern passiert etwas, Kopfgeldjäger, eine eifrige Polizistin, die Schwester eines der Gangster... alle pfuschen ins Handwerk.
Stark beschreibt in kurzen Kapiteln, aus verschiedenen Erzählperspektiven emotionslos, hart und hält somit die Spannung hoch.
Gleich zu Anfang des Buches stirbt einer. Stark erzählt dies fast so nebenbei -buisness as usual. So ist Parker, sachlich, emotionslos, ein echter Profi eben.
Mir hat das Buch gefallen, die klare, schörkellose Sprache, die vielen überraschenden Einfälle, die Geschichte an sich.

28.03.2009 22:18:53
vargas

Ich fands spitze - herrlich, wie unaufgeregt der Überfall geplant wird und wie kalt Parker und Kollegen bei diversen Komplikationen reagieren.
Dass das Buch trotzdem immer Ironie und einen gewissen Witz behält, macht es noch unterhaltsamer zu lesen.

Von mir gibts eine klare Empfehlung für dieses wahrhaft coole Buch - "Fragen sie den Papagei" wartet auch schon im Bücherregal.

09.02.2009 15:39:47
effie

Schon im ersten Kapitel von Richard Starks Roman „Keiner rennt für immer" wird klar, dass hier nicht lange gefackelt wird.
In der neuenglischen Kleinstadt Rutherford fusionieren zwei Banken, jede Menge Kohle ist unterwegs. Doch Mrs. Inside ist die Frau des Bankdirektors und der Tipgeber hat ein Verhältnis mit ihr. Die Sache wird durch die Beteiligung von Amateuren und Emotionen verkompliziert. Jede der am Rande oder mitten in dieser Angelegenheit verstrickten Personen hat zudem noch ein eigenes Süppchen am Kochen, verfolgt eigene Ziele. So müssen Parker und seine Kollegen den Aktionsplan immer wieder über den Haufen werfen und neue Kniffe aushecken, damit garantiert nichts schiefgehen kann. Doch Garantien gibt es in ihrem Beruf für nichts und niemanden...
Obwohl es sich bei „Keiner rennt für immer" um den zweiundzwanzigsten Roman aus der Reihe mit dem amoralischen Helden Parker handelt, läßt sich dieser als „Stand alone" lesen.
Das Buch ist wegen seiner überwiegend dialogischen Struktur ein kurzweiliges Lesevergnügen. Trocken, gewieft, professionell - man merkt, der Mann ist ein Könner. Doch gleichzeitig ist dies ein Buch, das nicht lange in der Erinnerung verbleiben wird oder Spuren in der Seele hinterläßt, denn auf tiefergehende Personenzeichnung wird weitestgehend verzichtet.