Evas Auge

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Cappelen, 1995, Titel: 'Evas øye', Seiten: 295, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1997, Seiten: 367, Übersetzt: Gabriele Haefs
  • München; Zürich: Piper, 1998, Seiten: 367
  • München; Zürich: Piper, 2000, Seiten: 367
  • München; Zürich: Piper, 2001, Seiten: 367
  • München; Zürich: Piper, 2003, Seiten: 367

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Sabine Reiß
zu psychologisch, um ein breites Publikum wirklich zu fesseln

Buch-Rezension von Sabine Reiß Sep 2003

Die Leiche von Egil Einarrson wird aus dem Fluss gefischt und das etwa ein halbes Jahr nach seinem Verschwinden. Entdeckt wird sie von Eva Magnus, allerdings meldet sie den Fund aus dem Leser (noch) unerklärlichen Gründen nicht. Kommissar Sejer und seinem Kollegen Karlsen fällt auf, dass Einarrson kurz nach dem Mord an der Prostituierten Maja Durban verschwunden ist. Außerdem hielt er sich oft in einer Kneipe auf, die gerade mal 300 m von Majas Wohnung entfernt liegt. Punkt. Mehr zum Inhalt wird an dieser Stelle nicht verraten, wird jedoch im folgenden bei der Bewertung offengelegt.

Leider verrät der Klappentext mal wieder viel zu viel und das in so wenigen Worten. Enttäuschend! Bitte auf keinen Fall vorher lesen.

Dieses Buch ist verwirrend. Man merkt es zunächst nicht während des Lesens, da hier alle Fakten mit den eigenen Ahnungen auf merkwürdige Weise verschwimmen. Man weiß im Rückblick kaum mehr, was man von wem erfahren hat, was man sich selbst denkt und was dem Leser wirklich mitgeteilt wird. Wenn ich jetzt so also (nach der Hälfte des Buches) über die Handlung nachdenke und diese wirren Gedanken für die Zusammenfassung des Inhalts ordne, fällt mir auf, dass unheimlich viele Zufälle dafür sorgen, dass Kommissar Sejer Eva Magnus befragt. Noch weiß man nicht genau, was mit Eva los ist, außer dass die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Eva und Sejer erzählt wird (allerdings nicht in Ich-Form) und Eva also eine Rolle spielen MUSS.

Sie war die letzte, die Maja Durban vor ihrem Tod noch lebend gesehen hat. Kommissar Sejer kam schon damals etwas komisch vor, aber er war machtlos. Bei den neuen Ermittlungen will er sich mit ihr nochmals befassen und besucht ihren geschiedenen Mann. Dort erfährt er beiläufig, dass Eva die Leiche von Einarrson gefunden hat. Zumindest erzählte ihm dies seine kleine Tochter und Eva konnte es vor ihrem Exmann nicht leugnen. Aber Sejer weiß, dass sie lügt, ihr (angeblicher) Anruf bei der Polizei ist nicht aufgenommen worden. Zweiter Zufall: Bei der Befragung der Witwe von Einarrson kommt heraus, dass er sein Auto verkaufen wollte und zwar an eine Frau. Allerdings ist der Zettel mit dem Namen verschwunden, wird aber dann durch den Sohn des Toten wiedergefunden. Wie gut, dass sich Sejer mit dem Kleinen so gut angefreundet hat, dass dieser ihm vertraut und kleine Dinge ausplaudert, die sonst nie ans Licht gekommen wären. Sejer besucht also den Mann, dessen Telefonnummer auf dem Zettel steht und es stellt sich heraus, dass es Evas Vater ist. Vielleicht ist das Wort Zufall hier auch fehl am Platz, schließlich muss die Polizei allen Spuren nachgehen, allerdings basiert alles weitgehend auf Ahnungen von Sejer, andere Spuren werden gar nicht groß verfolgt, z.B. hätte man die Kollegen des Opfers nochmals befragen können, mit denen er immer unterwegs war etc... Es kommt einem ein wenig unrealistisch vor, dass die Ermittlungen so einseitig sind.

Die sprunghafte Erzählweise der Handlung ist eigentlich problemlos zu bewältigen. Zunächst wird die Geschichte nach Auffinden der Leiche von Egil Einarrson erzählt - jeweils aus Sicht der beiden Protagonisten. Ziemlich genau in der Mitte des Buches kommt es aber dann zu einem Bruch bei der Zeit: Eva wird von Sejer mit aufs Revier genommen und nun beginnt die Geschichte am Anfang. Und dann weiß man schon bald, auf was alles hinausläuft, natürlich nicht konkret (wer hat nun wen wie ermordet etc.), aber doch in hinreichendem Maße, so dass die anfangs erzeugte Spannung nicht mehr groß aufrecht erhalten werden kann - schade. Wenn ein Autor eine solche (wechselnde) Erzählweise wählt, dann muss er damit rechnen, dass die Spannung leidet, es sei denn, es handelt sich um Einschübe, die so mysteriös sind, dass sie die Spannung noch schüren (wenn z.B. bei "Das Lied der Sirenen" von Val McDermid der Mörder selbst zu Wort kommt).

Der Krimi gewinnt an Pluspunkten durch die Figur von Kommissar Sejer, die verwirrende Erzählweise der Autorin sowie die psychologischen Momente, der Plot ist allerdings zu einfach gestrickt um zu begeistern. Evas Auge ist ein Buch, dass sicherlich Fans der skandinavischen Krimiliteratur bzw. von psychologischen Kriminalromanen ans Herz zu legen wäre, es ist jedoch zu psychologisch, um ein breites Publikum wirklich zu fesseln.

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