Café Größenwahn

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Jaron, 2007, Seiten: 189, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Seicht plätschernd

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2007

Die Idee, einen Berliner Kriminalisten des beginnenden 20. Jahrhunderts zur Klärung fast authentischer Verbrechen auf Räuberjagd zu schicken und dabei unterschiedliche Autoren den Typus des Titelhelden entstehen zu lassen, ist im Grunde genommen sehr interessant. Begonnen hat die Reihe um Kriminalwachtmeister Kappe mit "Es geschah in Berlin 1910" von Horst Bosetzky, der mit "Kappe und die verkohlte Leiche" den Startschuss in der Buchreihe im Jaron Verlag machte.

Zwei Jahre später versucht die Lektorin und Autorin Sybil Volks in ihrem ersten Alleingang als Buchautorin das Romangeschehen in "Es geschah in Berlin 1912" weiter zu entwickeln und versucht auf 190 Seiten den Kriminalwachtmeister Kappe zu beleben. Dazu muss sie allerdings zuerst einen Täter ins Spiel bringen und diesen hat sie in Eugen Hofmann gefunden, der als richtiges Landei nach Berlin kommt, um berühmt zu werden.

Nach anfänglichen Orientierungsproblemen legt sich der junge Mann einen neuen Namen zu. Da Gerhard Hauptmann eines seiner Idole ist, nennt er sich fortan Georg Hartwig und versucht, über das Künstlercafé Größenwahn Anschluss an die elitären Kreise der Theaterwelt zu finden. Die Menschen, die er dort kennen lernt, sind so ganz anders als der weltfremde Naivling und um Anerkennung zu gewinnen, passt er sich deren Lebensweise an, obwohl ihm das Geld dazu fehlt.

Frau Volks schildert ausführlich, wie der Verlierertyp zusehends ins Kriminal rutscht, denn wenn erst ein Mal das Geld weg ist und man selbst, im Glauben ein großer Künstler zu sein, die Arbeit scheut, dann bleibt nur der Weg zur illegalen Geldbeschaffung. Doch schon der erste Geldbotenraub endet mit dem ungewollten Tod zweier Personen. Georg Hartwig nimmt das als unvermeidliches Übel, denn das Tagebuch seiner Unfähigkeit ist die Grundlage seines Theaterstücks, das die Bühnen der Welt erobern soll.

Eugen Hofmann, der mittlerweile gezwungen ist, seinen Namen mehrfach zu ändern, wird es den Kulturbanausen schon zeigen. Der nächste Raub wird alles Vorherige in den Schatten stellen und diesmal ist der Mord im Hotel Adlon eingeplant, denn sein Theaterstück muss spektakulär werden.
Damit will er nicht nur seine erfolglos Angebetete erobern, sondern auch den Berliner Theaterhimmel.

Und wo bleibt bei dieser Geschichte jener Mann, dessen zweiter Fall am Buchtitel angekündigt wird? Kriminalwachtmeister Kappe spielt bis zum gar nicht überzeugenden Schluss nur eine Statistenrolle, um die von der Autorin seicht plätschernde Geschichte gerade noch als Krimi durchgehen zu lassen. Von Spannung ist bei dieser Milieuschilderung aus dem alten Berlin leider keine Spur zu finden. Bestenfalls darf man diese fiktive Biographie des Eugen Hofmann noch als regionale Stimmungsskizze werten, die allerdings dem Krimileser kaum große Freude bereiten wird.

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11.04.2014 07:55:35
Torsten

Natürlich ist das Buch nicht in erster Linie als Krimi zu betrachten, sondern als Beschreibung des "damaligen" Berlins und eine Miliestudie.
Während im ersten Teil die historischen Aufstände der Moabiter Kohlenarbeiter behandelt wurden, ist es in dieser Folge eben die Künstler- und Bohemeszene Berlins am Beispiel eines der tatsächlich real existierendes Cafes dieser Zeit.
Und das scheint mir auch ziemlich genau recherchiert worden zu sein. Diese Szene war ja typisch für Berlin und nur für Berlin - weswegen der Roman so eben auf keinen Fall irgendwo in einer xbeliebigen anderen Stadt hätte spielen können wie in einem vorherigen Kommentar kritisiert wurde.
Trotzdem ist das von der Intensität mit der ky im ersten Buch die Vergangenheit hat lebendig werden lassen weit entfernt. Ebenso wie der Krimi- und Kappe-Anteil tatsächlich sehr gering ist und nicht an den Vorgänger heranreicht.
Trotzdem ist das ganze Konzept der Reihe wirklich einzigartig und ich werde mich ganz sicher wieter interessiert durch die Geschichte lesen.
Beinahe putzig übrigens der "Krieg" der Autorinnenunterstützer gegen Kritiker zu Anfang des Kommentarreigens.
Ob die Schar der Freunde / Verwandten / Kollegen der Autorin aus heutiger Sicht auch einsehen, dass sie mit der Schar der zweifellos manipulierten hohen Bewertungen und dem überschwänglichen Lob eher einen Bärendienst erwiesen haben?
Für mich übrigens ehrliche 50%

30.08.2012 14:41:17
schnödelitus klatt

Meiner Meinung nach ist Café Größenwahn eine gelungene - wenn auch mutmaßliche - Bestandsaufnahme des Berlins der Vorkriegszeit. Den Typus des Protagonisten kann man auch heute noch zu genüge antreffen (junge Leute aus der Provinz, die meinen, dass Berlin auf sie gewartet hat). Zudem entwickelt sich durch die Erzählweise große Sympathie für Eugen Hofmann, der gerade in der zweiten Hälfte nahezu Mr. Ripley-hafte Züge annimmt. Demzufolge ist Kappe hier auch eher Gegenspieler und bleibt meines Erachtens etwas Formlos. Da erhoffe ich mir in den nächsten Bänden doch mehr. Alles in allem hat mir das Lesen jedoch sehr Spaß gemacht - gerade die Beschreibung der szenischen Abläufe erachte ich als besonders gelungen, da sie passenderweise nschon fast theatrale Züge annehmen. Zwar verläuft die Kriminalhandlung hier eher nach dem Schema-Raskolnikow was aber dem gelungenen Psychogramm eines "Größenwahnsinnigen" keinen Abbruch tut!

26.09.2011 11:56:22
Gabriele Jäger

Ich schätze jede/n Krimi-Autor/in, der/die in der Lage ist, im Vorfeld eine Recherche zu betreiben, um den Stoff damit zu füttern. Uns Leser/innen wird etwas mit auf den Weg gegeben, das unser bisheriges Wissen erweitert, denn nicht jede/r hat diesen Erfahrungsschatz mit in die Wiege gelegt bekommen. Mein Dank gilt u.a. Frau Volks und Herrn Bosetzky. Krimi hin oder her- das ist persönliche Geschmacksache- und jede/r erlebt beim Lesen etwas Anderes, zumal wenn man Berliner/in ist.

10.10.2009 23:01:05
Dante

Die gesamte Reihe "Es geschah in Berlin" mit dem Kriminaler Kappe als Protagonisten und verschiedenen Autoren ist eine sehr gelungene und gut umgesetzte Idee.

Das Cafe Größenwahn basiert auf einem tatsächlich damals existierenden Cafe, in dem es hoch herging. Das Flair und die Atmosphäre des damaligen Berlins kommt super rüber und nebenbei ist es auch noch ein sehr unterhaltsamer Krimi.

11.11.2008 15:43:37
detno

Nach -KYs erstem Fall des Kriminalwachtmeisters Hermann Kappe ("Die verkohlte Leiche") habe ich auf eine starke "Fortstetzung" gehofft.

Weder bei der Person des Hermann Kappe noch bei der Beschreibung der Reichshauptstadt im Jahr 1912 konnte Sybil Volks an Band 1 angeknüpfen. Kappe durfte erst zum Schluss auftreten und die Story hätte überall in jeder größeren Stadt spielen können. Der "authentische historische Background" (Klappentext) war, bis auf die Nennung einiger Künstlernamen und dem Untergang der "Titanic", nicht zu bemerken.
Es kann mit Band 3 ("Der Ehrenmord" von Jan Eik) nur besser werden.

21.02.2008 19:16:11
Lisa Dickreiter

Eine tolle Neuigkeit: Sybil Volks ist mit "Es geschah in Berlin 1912 -Café Größenwahn" für den Friedrich-Glauser-Preis 2008 in der Sparte ‘Debut’ nominiert.
Der Gewinner wird erst auf dem “Tango Criminale”, der großen Preisverleihungsgala am Samstag, den 19. April 2008 in Wien bekannt gegeben.
Also, feste die Daumen drücken!

18.09.2007 22:38:15
Gundi Roschach

Ich habe das Buch gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen. Es war mehr als nur ein Krimi. Ich wurde nicht nur gut und spannend unterhalten, sondern habe viel über eine vergangene Epoche erfahren.
Die klare Sprache hat mir auch sehr gut gefallen.
Ich kann es nur empfehlen.
Viele Grüße
Gundi Roschach

06.09.2007 00:22:05
Jochen

Nur kurz: m.E. ist im süffisanten Unterton der Inhaltsangabe, das seicht plätschernde, das Weninger wahrnimmt, bereits intendiert.
Muss da tatsächlich nochmal explizit drauf hingewiesen werden? Ich denke nicht.

05.09.2007 19:01:11
K.-G. Beck-Ewerhardy

60 bis 65 wäre meine Einteilung auf der Basis der Spannung. Rein erzählerisch hat mir die Geschichte aus der Sicht des "Gestörten" ganz gut gefallen - weil ich wie gesagt zunächst gar nicht nach Herrn Kappe suchte, den ich seit der Lektüre der anderen beiden Titel der Reihe aber durchaus schätze. Freunden der Geschichte des Intelligenzia-Milieus würde ich es eher mit 70 bis 75 Punkten empfehlen - aber nicht unbedingt als Krimi. Aber ein Buch kann ja uach gut sein, ohne ein Krimi zu sein ;-)

05.09.2007 13:27:46
Lars Nussbaum

Mein Schüppchen, dein Schüppchen...

Auch für mich ist das Thema erledigt, allerdings versehen mit einem letzten Hinweis darauf, dass das was für Sie eine Unterstellung ist, von mir als simple in den Raum geworfene Frage gedacht war. Kenntlich gemacht durch Satzstellung und entsprechende Interpunktion. Die Antwort darauf habe ich von Ihnen und Frau Kuppler erhalten. Und ich habe auch den Eindruck, dass Sie jetzt verstanden haben, was mich an der Aktion gestört hat.

Ich habe übrigens noch nie 100 Punkte hier vergeben. Meine Höchstwertung waren wohl mal 89 Punkte für einen Hill-Krimi. Klar darf man 100 Punkte vergeben, dafür reicht die Skala ja soweit. Vielleicht ist Café Größenwahn ja wirklich sowas besonderes... Denn nur ein wirklich schlechter Roman ist ein Roman, über den man gar nicht reden würde. ;-)

Und jetzt - quasi zum Abschluss - fallen Sie wahrscheinlich komplett vom Stuhl: Ihre Reaktion auf den Kommentar von Jochen könnte aus meiner Feder stammen. ;-)

Letzte freundliche Grüße,
Lars Nussbaum

05.09.2007 00:22:46
Lisa Dickreiter

Lieber Herr Nussbaum,
vielleicht sollten Sie auch mal Ihre jüngsten Kommentare durchlesen: "Viel interessanter ist aber, was sich hier in den Kommentaren abspielt. Hat hier eine gekränkte Autorin ihren Freundes- und Bekanntenkreis mobilisiert, um ihre Ehre wieder herzustellen? Einen solchen Aufmarsch an Lektoren, Regisseuren und Drehbuchautoren hat man hier ja noch nie erlebt. Und dann wird dieses Buch so einheitlich in den Himmel gelobt, dass sich einem die Fingernägel kräuseln."

Für mich unterstellen Sie Frau Volks ihren Freundes und Bekanntenkreis mobilisiert zu haben. Und genau dieser Verdacht hat Sie ja erst dazu bewegt, sich hier zu Wort zu melden.

Und wenn Sie für sich das Recht in Anspruch nehmen, durchaus über die Jahre weiser zu werden - dann gestehen Sie mir und meinem "angreifenden" Kommentar doch auch bitte zu, dass wir mit den Jahren weiser werden - ich bin schließlich erst 29 (aber das wissen Sie sicher über Google :-)). Gleiches Recht für alle, oder wie war das?

Und noch etwas, auch wenn Sie das vielleicht stört: ich als Kommentator habe das Recht 100% zu vergeben - auch wenn der Rezensent nur 25% gibt. Und für meine 100% liefere ich in meinem Kommentar genügend nachvollziehbare Argumente. Genau wie Frau Kuppler.

Lieber Herr Nussbaum, für mich ist das Thema erledigt. Wir fangen an uns im Kreis zu drehen, und ehrlich gesagt, ist es mir egal, was für Komplott und Manipulationstheorien Sie hinter unseren Kommentaren und Wertungen sehen.

Herzliche Grüße
Lisa Dickreiter

@ Jochen: "Denn sie ist durchaus sachlich und bietet Argumente, die gegen den Roman sprechen (seicht, plätschernd, spannungslos, etc.)"

Bezeichnungen wie seicht plätschernd oder spannungslos sind ersteinmal Behauptungen. Herr Weninger führt an keiner Stelle in seiner Rezension auf WARUM die Geschichte seiner Meinung nach spannungslos oder seicht plätschernd ist. Die Abschnitte 1-5 beinhalten: eine Beschreibung des Kettenromans und eine Inhaltsangabe des Krimis. Im letzten Absatz folgt dann die Wertung, die aber nicht begründet wird. WARUM findet Herr Weninger den Schluss nicht überzeugend ( Beispiele für Argumente: zu offen, zu abrupt, deus ex macchina, unlogisches Ende, etc)? WARUM findet Herr Wenninger die Geschichte seicht plätschernd (Beispiele für Argumente: keine überraschenden Wendungen, Milieuschilderungen dominieren Handlung, flache Figuren, keine interessanten Verbrechen, etc)?

Wie gesagt, ich habe per se nichts gegen Negativ-Kritiken - wenn sie argumentativ und nicht behauptet daherkommen. Eine 25% Wertung braucht aber starke Argumente. Und die kann ich in Herrn Weningers Kritik nicht finden.

04.09.2007 22:12:29
Lars Nussbaum

Zunächst einmal vielen Dank an Herrn Beck-Ewerhardy! Was Sie zum Buch berichtet haben hört sich handfest, bodenständig und aufrichtig an. Und da ich Ihre Inhaltsangaben und Kurzrezensionen aus dem Forum kenne, schätze ich Sie als vertrauenswürdig ein. Ihre Wertung würde also so bei 60° liegen, sehe ich das richtig?

Lieber jon, ihr Beitrag ist reichlich polemisch und von Jochen eigentlich hinlänglich beantwortet. Gerade in kleineren Verlagen erscheinen immer wieder Spitzentitel, die leider keine echte Chance auf Bestsellerlistenplätze haben, weil es den Verlagen an Marktmacht fehlt.

Liebe Frau Kuppler, warum Sie ihren Namen verwendet haben und nicht irgendein Pseudonym, das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Vielleicht haben Sie - reine Spekulation - bei Ihrem ersten "Kommentar" einfach nicht mit der Wirkung gerechnet, die vier überschwänglich positive "Kommentare" mit Namen und Berufsbezeichnung (wo bitte steht hier, dass man einen Beruf angeben muss, um einen Kommentar zu hinterlassen) auf eine unbedarfte Leserschaft haben. Vier Kommentare, die unisono die Qualifikation des Rezensenten zur Abgabe seiner Meinung attackieren. Kann doch jeder für sich selbst werten, ob die dünnen Argumente von Herrn Weninger ausreichen.
Dass dann mal 100 Punkte gegeben werden, ist ja auch okay. Aber 10 mal hintereinander? Das riecht nach Manipulation. Und genau das ist der Punkt, darüber rege ich mich auf!
Dass sie den Roman von Frau Volks besser finden als die Marseille-Trilogie, Agatha Christies gesammelte Werke, die Wallander- und die Brunetti-Reihe zusammen, das nehme ich Ihnen ja sogar ab. Aber warum ereifern Sie sich so vehement gegen Herr Weninger? Sein Name steht über und unter der Rezension und kennzeichnet sie als seine Meinung, sogar ein kleines Foto personalisiert diese Rezension. Erhebt die Krimi-Couch irgendwo den Anspruch, die auf ihr veröffentlichten Rezensionen für Allgemeingültig zu erklären?

Und auch Sie, liebe Frau Dickreiter, dürfen natürlich gerne ihre Meinung hier in Form eines "Kommentars" abgeben. Aber glauben sie, eine offensiv nach oben manipulierte Bewertung HILFT Informationssuchenden? Am Ende kommen noch die enttäuschten Leser, die Ihrem Ruf gefolgt sind und beschweren sich, warum die Bewertung der Krimicouch so hoch ist... Kleiner Scherz. ;-)
Ihr Versuch, mich über die alten Kommentare zu diskreditieren, wirkt ziemlich hilflos. Schade, dass Sie mein Verhalten "eigenartig" finden, denn wenn ich damals nicht Herr Weninger, sondern einen anderen Kritiker angeriffen hätte, wäre das ihrer Argumentation sicher gelegen gekommen. Aber ich nehme für mich das Recht in Anspruch, durchaus über die Jahre ein wenig weiser werden zu dürfen.
Zum guten Elmore Leonard: Er würde sich auf seine alten Tage sicherlich freuen, wenn er auch mal in Deutschland ein wenig erfolgreicher wäre. Aber in meinen Augen juckt ihn die Kritik von Herrn Weninger nicht, weil er sie überhaupt nicht lesen kann. Soweit ich weiß, kann er nämlich kein deutsch. ;-) Dass Frau Beil die Kritik von Herrn Neumann nicht erzürnt, ist aber schon erstaunlich. Was sagen Sie dazu?
Und die Unterstellung, ich hätte behauptet, Sie alle seien von der Autorin als Rettungstrupp geschickt worden, weise ich zurück! Ich kenne Frau Volks nicht, niemals würde ich sowas behaupten.

Ich hoffe innigst, nun im inzwischen vierten Versuch klargestellt zu haben, warum ich mich hier vor zwei Wochen zu Wort gemeldet habe. Herr Schafft, vielleicht macht es Sinn, die Bewertungsskala noch einmal auf 0 zu setzen?

Es grüßt sie herzlichst
Lars Nussbaum

PS: Für die ein oder andere "Spitze" bitte ich bereits jetzt um Verzeihung!

04.09.2007 15:28:16
K.-G. Beck-Ewerhardy

Um die Sache vielleicht mal wieder zum Thema zu geleiten. Ich hatte den Roman selbst gelesen und gleichfalls ein - zugegebenermaßen nicht ganz der Form entsprechenden (mein Fehler) Besprechung an die Krimicouch geschickt.

Da ich den ersten Band zu diesem Zeitpunkt noch nicht glelesen hatte - was in der der Zwischenzeit glückicherweise nachholen konnte - fiel mir das Fehlen Kappes zunächst nicht sonderlich auf und ich ließ mich mehr von der Hauptfigur fesseln und dem Milieu, in dem sie sich bewegte. Das war für sich genommen in meinen Augen schon faszinierend, wenn auch nicht wirklich spannend, worin ich mit dem Kollegen Wenniger uneingeschränkt übereinstimme. Mir gefielo das Buch dann mehr als historische Milieuerzählung mit kriminalistischem Einschlag und als solches würde ich es auch weiterempfehlen. Und das würde ich - ohne auf all die interessanten Komentare zur Person von Rezensenten und ihren Kommentatoren dazu sagen wollen.

Zum Buch wohlgemerkt. Mir gefällt diese Reihe um Kappe und ich hoffe, sie wird fortgesetzt.

04.09.2007 14:21:22
Jochen

@jon: weit gefehlt! Denn das hieße im Umkehrschluss, dass die Bestsellerlisten voll mit qualitativ hochwertiger Literatur wären. Gerade im Krimibereich ist eher das Gegenteil der Fall!

Was die Kritikerschelte angeht: Die Damen (und der Herr) sollten Weningers Rezension wenigstens gescheit lesen. Denn sie ist durchaus sachlich und bietet Argumente, die gegen den Roman sprechen (seicht, plätschernd, spannungslos, etc.). Die Abwesenheit des Wachtmeisters Kappe wird in einem Satz erwähnt - und das völlig zurecht. schließlich steht im Untertitel des Romans: "Kappes zweiter Fall". Und díe damit verbundene Erwartungshaltung ist schlicht Etikettenschwindel.

Außerdem erinnert mich abschließende Reaktion an SchülerInnen, die man beim Mogeln erwischt hat. "Herr Lehrer, wenn ich WIRKLICH geschummelt hätte, hätten sie meinen Spickzettel NIE entdeckt."

Vielen Dank auf jeden Fall für den hohen Unterhaltungswert:-)

04.09.2007 12:40:51
jon

Mädels, ihr habt ja Sorgen!
Ferner-liefen-Produkte sind weder durch "Punktzahlen" noch durch solidarische Kommentare nach vorne zu bringen.
Warum? Fehlt Qualität, ist nicht viel zu machen.

03.09.2007 13:32:33
Lisa Dickreiter

Lieber Herr Nussbaum,
ist Ihnen während des "googelns" nicht einmal kurz die Idee gekommen, dass
wir (Lisa Kuppler, Anne Stahlfort, Winnie Oelsner und ich) alle wissen, dass
man uns und unsere Verbindungen googeln kann. Nein? Hm. Denn sonst hätten
Sie sich vielleicht selbst die Antwort geben können: wir haben nichts zu
verbergen. Wenn ich oder einer der anderen es um jeden Preis hätten
verhindern wollen, dass man uns als "Freunde" oder "Bekannte" der Autorin
ausmacht, dann hätte ich meinen Kommentar unter einem Pseudonym verfasst.
Nein, lieber Herr Nussbaum, das hat schon alles seine Richtigkeit.

Und was ist daran verwerflich, frage ich Sie? Hier wurde von einem
Rezensenten ein wirklich gelungenes Buch (befreundete Autorin hin oder her)
auf eine unverdient niedrige Punktzahl abgewertet, nur, weil der Rezensent
mit einem Vorurteil (das ist Kappes 2. Fall, also muss auch viel Kappe drin
sein) an das Buch herangeht. Ich habe dieses Buch gelesen und es hat mir
ausgesprochen gut gefallen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, lieber
Herr Nussbaum, ich habe nichts gegen Negativkritiken. Nur müssen sie
fundiert sein, eine Argumentationskette aufweisen, der ich folgen kann. Der
Autorin oder dem Buch etwas vorzuwerfen, was beide gar nicht wollten, zählt
da für mich nicht dazu.

Und dass Sie die früheren Kommentare, die noch viel mehr unter Herrn
Weningers Gürtellinie gegangen sind, als "verjährt" abtun - hm, ziemlich
einseitig bemessen, finde ich.

Ich fasse zusammen: Es ist in Ordnung, wenn Sie oder andere Kommentatoren
Herrn Weninger in einem viel unfreundlicheren Ton angreifen - aber da wir ja
praktisch von der Autorin als Rettungstrupp geschickt wurden (was nicht
stimmt, aber glauben Sie, was Sie wollen), ist es auf einmal „nicht
angebracht“. Haben Sie sich eigentlich mal kurz gefragt, welches Maß an
Unprofessionalität Sie damit auch der Autorin hier öffentlich unterstellen?

Dass Sie sich hier in die Bresche des Herrn Weninger werfen und in dem
anderen Kommentatorenfeld dazu geschwiegen haben, ja sogar selbst Herrn
Weninger angegriffen haben ( Sie nennen es freundlich „mein Temperament
nicht immer zügeln können“), finde ich – mit Verlaub – eigenartig.

Und zu Ihrem ewigen Elmore Leonard Vergleich: Im Gegensatz zu der Debütantin
Sybil Volks ist Leonard ein alter, gestandener und erfolgreicher Hase. Ihn
juckt so eine, in meinen Augen, unfundierte Kritik wie die des Herrn
Weningers nicht.

Bei einem so gelungenen Debüt einer Nachwuchs-Autorin lasse ich mir aber das Recht nicht
nehmen, eine unfundierte Rezension wie die des Herrn Weninger mit deutlichen
und vor allem inhaltlichen Argumenten gegenzukommentieren. Denn mit
deutlichen Worten kanzelt Herr Weninger ja auch die Autorin ab.

Herzliche Grüße
Lisa Dickreiter

03.09.2007 13:10:25
Lisa Kuppler (Krimibüro)

Lieber Herr Nussbaum -
Hut ab, Sie können googeln ;-). Nun schlussfolgern Sie, weil ich und Sybil Volks beide Mitglieder der über 300 Mörderischen Schwestern in Deutschland sind, wäre mein Kommentar auf die "Rezension" des Herrn Weninger ein "Freundschaftsdienst". Denken Sie weiter, Herr Nussbaum: Schon die Tatsache, dass ich meinen Kommentar mit meinem Namen, der in der Krimiszene ja nicht ganz unbekannt ist, gekennzeichnet habe, müsste Ihnen Anlass zum nochmaligen Nachdenken geben. Wenn ich Sybil Volks für Café Größenwahn nur eine Gefälligkeitsmeinung hätte geben wollen, dann hätte ich doch eins meiner Internet-Pseudonyme verwandt ;-), meinen Sie nicht?
Als Krimilektorin komme ich viel zu selten dazu, veröffentlichte Krimis zu lesen. Doch Café Größenwahn wurde mir vom Verleger empfohlen, und ich hatte Zeit, so habe ich es rein zur Unterhaltung gelesen. Ich habe mit dem Buch einige vergnügte, interessante, aufwühlende Stunden verbracht und mich wirklich gefreut, einmal wieder einen handwerklich, stilistisch und inhaltlich voll überzeugenden deutschen Krimi von einer hochtalentierten neuen Autorin entdecken zu dürfen.
Umso mehr hat mich der Verriss durch die Krimi-Couch irritiert. Denn entgegen Ihrer Meinung, Herr Nussbaum, sind Rezensionen eben nicht einfach nur subjektive Meinung, zumindest sollten sie es nicht sein. Subjektive Meinungen über Bücher gehören an den Stammtisch, meinethalb noch auf Ciao, Amazon, BOL oder all die anderen "Produktbewertungsseiten" im Internet. Doch als offizielle Rezension auf einer Krimiwebseite, die etwas auf sich hält, haben sie nichts verloren. Hier wurde ein Debütkrimi, der nicht nur passabel, sondern ausgezeichnet ist, grundlos verrissen. Da die Krimi-Couch das offenbar für guten Stil hält, muss es mein Anliegen sein, die potentiellen LeserInnen darauf hinzuweisen, dass in diesem Fall das Buch, und nicht die Meinung des Herrn Weninger, überzeugt. Lesen Sie Cafe Größenwahn, Herr Nussbaum, und nicht Google. Es entgeht Ihnen sonst wirklich etwas!

02.09.2007 22:01:10
Alexander

Wie schoen, dass solch ein schlechtes Buch hier solch unterhaltsame Kritiken erhaelt!
Mir hat das Buch nicht zugesagt (aber ich bin ja auch kein Lektor, Drehbuchautor oder Filmemacher - vielleicht fehlt mit was im Koepfchen um vergleichbar vor Freude ueberzuschaeumen).

Vielen Dank an Herrn NUSSBAUM! Ihre Recherchen zu dem Beziehungsgeschlecht der Kommentatoren liesst sich zehnmal spannender als das besprochene Buch. Und ansonsten hat Herr Nussbaum recht! Jeder hat seine Meinung zu einem Titel und sollte diese vertreten (duerfen). Anspruch auf Uebereinstimmung besteht nicht.

Fuer die Nachrechnungen: ich geb' 20 Grad.

Alexander

02.09.2007 12:08:47
Lars Nussbaum

Hallo, liebe Frau Dickreiter,

nun erweisen Sie dem Rezensenten vielleicht ein wenig zu viel der Ehre, wenn Sie all seine Kritiken hier gelesen haben. Das hab ja nicht einmal ich mir angetan... ;-)

Und vielleicht darf ich an dieser Stellen noch einmal alle Zweifel ausräumen: Gegenstimmen an sich stören mich nicht im Geringsten. Genau wie ein Rezensent das Recht hat, seine Meinung zu äußern, hat ja auch jeder Kommentator ein solches Recht.

Ich setze noch einen drauf: Gegenstimmen verwundern mich bei einzelnen Rezensenten gar nicht. Wenn ich mit einer Kritik nicht einverstanden bin, kann das immer daran liegen, dass ich den Roman anders wahrgenommen habe als der Rezensent. Wenn das öfters vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass der Rezensent einen anderen Geschmack hat als ich. Und wenn das zur Regel wird, dann kann ich auch damit umgehen.

Eine Kritik gibt immer die subjektive Wahrnehmung des Kritikers wieder. Ein Berliner hätte vielleicht ganz anders über das Buch geurteilt als ein Wiener. Aber eine Kritik wird nicht falsch oder unqualifiziert, weil einer (oder fünf oder von mir aus auch 1.000 andere) das Buch anders wahrgenommen haben. Herr Weninger fand das Buch also "seicht plätschernd". Er hat "Kappes zweiten Fall" erwartet, wie es wohl auf dem Cover steht und war dann enttäuscht, so wenig Kappe zu bekommen. Und er vermisst ein wenig Spannung. Besser kann er es leider nicht in Worte fassen, aber: Ist das alles falsch? Hat Herr Weninger deshalb das Buch nicht verstanden? Nein, denn Herr Weninger gibt hiermit eine, nämlich seine eigene ganz spezielle Rezeption dieses Romans wieder. Und diese Meinung hat auch ein Recht, gesagt zu werden. Oder soll ab sofort jeder schweigen, dem ein Roman nicht gefällt?

Liebe Frau Dickreiter, die Kommentare, die Sie da ausgegraben haben, sind ja nun schon ein paar Jährchen alt. Ja, auch ich habe mein Temperament gegenüber Herrn Weninger nicht immer zügeln können. Einen Janwillem van de Wetering liebt man oder man kann nichts mit ihm anfangen. Natürlich war mir die Kritik von unserem gemeinsamen Freund ein Dorn im Auge. Noch immer ist meine Meinung zur Commissaris-Reihe eine fundamental andere (und daran wird sich auch nichts ändern!), aber ich bin mir auch darüber im klaren, dass es nicht gerade wenige Leute gibt, die genau wie Herr Weninger über die Serie urteilen. Ich kenne sogar einen (meine Frau) sehr gut... Sollen diese Stimmen verstummen?

Ich könnte jetzt auch wieder von Dan Brown anfangen (aber dann ginge ein Aufschrei durch das Forum) oder von "1964"... oder "1984" oder wie hieß der Roman von Orwell? Lassen wir das lieber.

Wollen Sie wirklich wissen, warum ich hier mein selbst auferlegtes Schweigen gebrochen habe? Weil für mich die gesteigerte Aufmerksamkeit um diesen Roman ein gewisses "Geschmäckle" hat. Das darf ich Ihnen und allen anderen Lesern dieser Kommentarspalte, besonders aber den Betreibern der Krimi-Couch gerne mal etwas genauer erklären:
Da kommentiert als erstes eine Frau Kuppler. In Klammern gibt sie an, dass sie das "Krimibüro" betreibt. Frau Kuppler und Frau Volks kennen sich, denn beide sind bei den "13 Schwestern", der Autorinnenvereinigung in Berlin. Ein Freundschaftsdienst also - abgehakt!
Einen Tag später kommentiert Anne Stalfort, die uns suggeriert, als Lektorin von Beruf ein gewichtiges Wörtchen einwenden zu dürfen. Und aus einem dummen Zufall klingelt es bei mir... tatsächlich habe ich ein Buch im Schrank stehen: "Business Rocks!"; eine wirklich amüsante Zitatesammlung aus der Wirtschaft. Verfasser sind - drei mal dürfen Sie raten - Frau Anne Stalfort und eine gewisse Sybil Volks. Also auch ein Freundschaftsdienst, man kennt sich halt.
Für mich wird es jetzt erst recht spannend...

Dann kommen nämlich Sie, Frau Dickreiter. Ob Sie Frau Volks kennen... keine Ahnung! Ob Sie hier kommentieren, um ebenfalls die Ehre einer Freundin wieder herzustellen... darüber will ich gar nicht spekulieren.
Ihr Kommentar wirkt über weite Strecken wirklich sehr fundiert. Fast wünscht man sich schon, öfter solche Kommentare von Ihnen hier zu lesen. Aber dann können Sie nicht anders und müssen Herrn Weninger angreifen. Dadurch schiessen Sie für meine Begriffe ein Eigentor, denn für mich verliert ihr Kommentar hier die Glaubwürdigkeit. Sie tun, was ein Kritiker ebensowenig tun sollte: Sie ergreifen viel zu eindeutig Partei.
Der nächste Kommentator ist nur kurz später am selben Tag der Herr Oelsner, und man braucht nicht lange zu googeln, um einen Zusammenhang zu erkennen: Sie und Herr Oelsner haben schon mal einen Film zusammen gemacht und kennen sich daher also auch. Und außerdem finde ich bei meiner Googelei, dass Sie, Frau Dickreiter, Teilnehmerin beim 6. Autorinnenforum Berlin-Rheinsberg waren, wo eine Lisa Kuppler einen Workshop Kriminalroman geleitet hat. Wie gesagt, man kennt sich halt...

Diese Kommentare gehen einher mit einer massiven Hochwertungs-Manipulation, wie ich es bislang noch nicht hier erlebt habe. Um es ganz deutlich zu machen: DESHALB HABE ICH HIER DAS WORT ERHOBEN! Das Rechenexempel von weiter unten werde ich nicht wiederholen. Inzwischen sind zwei weitere Stimmen abgegeben worden und beide müssen im Bereich von 35 Punkten gelegen haben, um nun auf eine Gesamtwertung von 84 Punkten zu kommen.

Und dann mal ein kleiner Blick über den Tellerrand: Der "Blindgänger" von Lilo Beil hat bislang eine Bewertung erhalten, Elmore Leonard hat bislang zwei Bewerter neben dem Rezensenten angezogen. Der andere Roman aus der Kommissar Kappe-Reihe auch nur einen. Hingegen komm der Krimi des Monats inzwischen auch nur auf 16 Bewertungen und selbst der neue Bestseller von Anna-Maria Schenkel "Kalteis" hat bis heute erst 18 Bewertungen erhalten. Man braucht doch wirklich kein regelmäßiger Besucher dieser Seite zu sein, um zu erkennen, was hier passiert ist, oder?

Liebe Frau Dickreiter, ich verspüre auch weiterhin kein Interesse, das Buch zu lesen. Historische Krimis interessieren mich nicht. Und auch diese tolle Idee, einen Krimi aus der Sicht des Bösewichts zu schreiben, ist ja nun nicht so brandneu, dass sie das ganze Genre auf den Kopf stellen würde. Ich habe bislang und werde auch in Zukunft keine Bewertung hier abgeben. Aber aufgrund der Tatsache, dass ich das Buch nicht gelesen habe, wollen Sie mir doch bitte nicht das Recht absprechen, auf die Ereignisse hier zu reagieren.

Liebe Frau Dickreiter, ich hoffe, diese ausführliche Erklärung dient dazu, dass sie nicht weiter ins Grübeln verfallen müssen.

Es grüßt Sie herzlichst,
Ihr Lars Nussbaum

29.08.2007 23:07:16
Lisa Dickreiter

Hallo Herr Nussbaum,
ich habe mir mal alle Rezensionen des Herrn Weninger durchgelesen. Mir stellt sich jetzt folgende Frage: Warum stört es Sie persönlich so sehr, dass hier einige Gegenstimmen laut werden? Das hier ist nicht die erste Rezension, nach der Herr Weninger scharfe Gegenkritik erhalten hat. Es gab bereits mehrere Rezensionen, die Kommentare zur Folge hatten, in denen Herrn Weningers Meinung in Abrede gestellt wurde - und das um einiges unfreundlicher, als bisher hier geschehen.
Beispiele:
"Lieber Rezensent Weininger, ich glaube, Sie haben das ganze Buch nicht verstanden; diese Rezension, die im Übrigen auch nicht eben von besonders reflektierter Lebenskenntnis zeugt, ist eine Farce; sehr bedauerlich.
Auch nach dem Lesen Ihrer "Verteidigung" muss ich es so deutlich sagen: Von jemandem, der über Bücher/Literatur schreibt, muss ich mehr erwarten können - und das hat nichts mit dem persönlichen Geschmack, sondern mit der Art der Auseiandersetzung mit einem Werk (und damit auch mit gesellschaftlichen Umständen) zu tun. Über diese Rezension habe ich mich richtig, richtig geärgert. Ein "Freigeist" wie van de Wetering ist angesichts solch simpler schwarz-weiß-Denk-Attitüden, wie Sie sie hier demonstriert haben, umso wichtiger."
Oder:
"Mit Büchern und Musik ists nun mal so: Man versteht,ist berührt oder eben nicht. Ein Kritiker, der negativ kritisiert, sollte doch so klug sein, dass er realisiert, dass nicht jedes Werk, das ihn nicht erreicht ,schlecht sein muss. Könnte auch an ihm liegen? Auch ich finde diese Rezension mangelhaft. Sie ist in vielen Punkten polemisch, ungenau und schlicht falsch. Ich verstehe nicht, warum ein Mensch, der bereits andere Krimis von de Wetering eindeutig nicht mochte( nicht verstand?), es sich antut und uns , noch eines von diesem Autor zu lesen und es öffentlich zu kritisieren. Ich mag seit vielen Jahren diesen Autor, habe nicht die Erwartung, dass alle FreundInnen meine Vorliebe teilen, kenne aber niemanden der diese Romane als antisemitisch oder gar frauenfeindlich erlebt. Diese Lesart ist verschrobener als es irgendein van de Wetering Roman sein kann! Schade, bitte demnächst einen anderen Kritiker ranlassen. Der sollte auch kritisch kommentieren, aber nicht falsch und unsachlich."

Ich finde im Gegensatz dazu meinen Kommentar noch freundlich. Warum sind Sie hier nicht auf die Barikaden gesprungen, als der Herr Weninger noch viel persönlicher angegangen wurde?

Warum ausgerechnet jetzt bei Sybil Volks?

Und vor allem: Sie haben ja nicht einmal das Buch gelesen. Da liegt der Verdacht der Frau Kleinfelder nahe, dass Sie für den Herrn Weninger in die Bresche springen - obwohl Sie ihn bereits selbst für seine Rezensionen kritisiert haben und dabei persönlich geworden sind: "Um es kurz zu machen: ich bin erschüttert. Solch gnadenlose Verrisse ohne sich die Mühe einer kritischen Reflexion zu machen. Nun gut, der Kritiker hat sich bereits weiter unten gerechtfertigt und seine Meinung darf man akzeptieren. Die Selbstkapitulation im letzten Satz obiger Rezension ist jedoch mit Abstand das treffendste, was der Kritiker nieder geschrieben hat. Bin froh, dass die anderen Rezensenten unter mir mit der Meinung des Kritiker's ebenso wenig einverstanden sind wie ich. Persönlich weiß ich inzwischen, welche Rezensenten hier meinen Geschmack annähernd treffen und welche nicht. Und das ist ja auch schon mal ein Fortschritt. :-)"

Da wird man doch sehr nachdenklich. Besonders, da Sie das Buch ja gar nicht gelesen haben...

Herzliche Grüße
L. Dickreiter

28.08.2007 21:38:45
Lars Nussbaum

Es ist immer noch unglaublich, was sich hier abspielt. Herr Schafft ist ja offenbar noch im Urlaub, aber wenn er wieder zurückkehrt, wird er sich bestimmt für diese Rezension seines Mitarbeiters Herrn Weninger interessieren - noch mehr aber für das, was nach der Veröffentlichung der Rezension hier passiert ist.

Frau Kleinfelder, ich springe keineswegs für Herrn Weninger in die Bresche. Das habe ich genauso wenig nötig, wie Herr Weninger es nötig hat, seine Position hier zu verteidigen. Sie können ebenso wenig wie ihre Vorredner beurteilen, ob dieser Herr ein Buch "versteht" oder nicht. Ich kenne viele Rezensionen von Herr Weninger hier und bin selten mit ihm einer Meinung gewesen, weswegen ich mich um seine Bewertung eigentlich nie großartig kümmere. Er liest halt Bücher anders und hat einen anderen Geschmack. Soll er doch haben... (Spricht eigentlich per se für das Buch von Sybil Volks, aber historische Krimis sind nicht mein Fall. Ich werde es also gewiss nicht lesen.)

Wofür ich eintrete ist das Recht eines Rezensenten, hier seine Meinung zu vertreten, so wie es auch das Recht eines jeden Kommentatoren ist, hier seine Meinung kund zu tun. Dabei muss man nicht persönlich werden. Ich finde es jedoch erschreckend, wie Weningers Meinung hier als unqualifiziert abgekanzelt wird und die Bewertung des Buches offensichtlich manipuliert wird.

Per heute Abend sind 11 Bewertungen zu diesem Titel hier eingegangen. Mit Verlaub, innerhalb von 3 Wochen ist das viel für einen Titel, der bei Amazon auf Rang 80.000 zu finden ist. Und nun rechnen wir einmal. Herr Weninger wertet also mit 25 Punkten. Wieviele Punkte müssen die zehn anderen Bewerter zusammenbringen, um einen Durchschnitt von 93 Punkten zu erreichen?

Ich will es nicht unnötig spannend machen. Es sind unglaubliche 998 Punkte. Von zehn Bewertern stimmen also 9 mit 100 Punkten und einer mit 98 Punkten... Hallo? Wo sind wir denn? Da wird doch ein Titel absichtlich gepusht, kann mir doch keiner was anderes erzählen. Selbst Mankell und Konsorten würden angesichts solcher Traumnoten erblassen vor Neid. Herr Jensen, sitze ich immer noch im Glashaus?

Noch eines fällt mir auf: Zeitgleich hat Herr Weninger auch den von mir sehr verehrten Elmore Leonard mit 25° abgekanzelt. Hat ihm genauso wenig gefallen, respektiere ich. Aber wo bleibt dort die Aufregung?

Es grüßt
Ihr Lars Nussbaum

P.S.: Herrlich, diese Krimi-Couch!

24.08.2007 17:24:17
Johannes Jensen

Ob Herr Weniger ein ernstzunehmender Rezensent ist oder – wie meine Vorrednerin behauptet – nicht, kann ich anhand dieses einen Versuchs von ihm nicht beurteilen. Was sich mir jedoch deutlich vermittelt: Da bürstet eine Autorin das Genre Krimi ein wenig gegen den Strich, schon stehen Traditionalisten auf, um ihr vermeintliche Defizite nachzuweisen.
"Café Größenwahn" ist ein formidabel konstruierter Unterhaltungsroman, wie er in Deutschland nicht jeden Tag erscheint. Ihn als "seicht" zu disqualifizieren ist abwegig. Mag Herr Weniger keine Unterhaltung? Dann solle er solche nicht zu beurteilen versuchen.


PS: Der "leicht erregte" und offenbar leicht erregbare Herrn Nussbaum scheint nicht wahrzunehmen, dass er im Glashaus sitzt. Ja, wer darf Maßstäbe setzen?

Johannes Jensen
(übrigens nicht, wie Herr Nussbaum munkeln wird, zum "Freundes- und Bekanntenkreis" der Autorin gehörend – aber köstlich amüsiert durch dem Umstand, dass offenbar Frauen [leider Gottes!] bisweilen leichter über den Tellerrand zu blicken vermögen als mein eigenes Geschlecht)

17.08.2007 23:13:44
Renate Kleinfelder

Lieber Herr Nussbaum,
springen Sie für Herrn Weninger in die Bresche?
Ich kenne hier niemanden - habe aber das Buch von Sybil Volks gelesen. Von den bisher erschienen 3 Krimis dieser Reihe, hat es mir mit Abstand am Besten gefallen (kräuseln sich Ihnen schon die Fingernägel?). Das Problem ist für mich, dass Herrn Weningers Meinung hier als ernstzunehmende Rezension erscheint. Und das finde ich nicht in Ordnung - denn schaut man sich diese "Rezension" mal genauer an, so wird man schnell feststellen, dass sie nicht sehr fundiert ist. Herrn Weningers Hauptvorwurf (und damit begründet er unter anderem auch seine MEINER MEINUNG NACH ungerechtfertigte 25% Wertung) richtet sich allein auf den Umstand, dass eine dem Herrn Weninger wichtige Figur nur eine Statistenrolle zufällt. Das Urteil „seicht plätschernd“ kann ich nicht bestätigen. Mir hat der Kriminalfall aus der Sicht des E. Hofmann spannende Lesestunden beschert! (Jetzt sind Ihnen die Fingernägel ausgefallen, oder?)

Niemand hier, so lese ich das zumindest, spricht Herrn Weninger seine Meinung ab. Nur muss man bei einer so unfundierten Rezension als Rezensent auch damit leben können, wenn man solchen Gegenwind bekommt. Die Gegenkritik von (der mir unbekannten) Frau Dickreiter liest sich im Gegensatz dazu um vieles fundierter. Genauso wie die von (der mir ebenfalls unbekannten) Frau Kuppler.

Ich möchte hier einen Kommentar zitieren, den Herr Weninger bereits auf eine seiner Rezensionen erhalten hat: „Allerdings bin ich der Meinung, dass man Bücher die man nicht versteht keines Falls derart negativ bewerten sollte und vor allem nicht anderen davon abraten sollte sie zu lesen.“
Dieser Meinung bin ich auch. Als Rezensent hat man auch eine gewisse Verantwortung. Und die sehe ich hier - meine Meinung - mit Verlaub, nicht gewahrt.
Ich wünsche Ihnen, lieber Herr Nussbaum, noch eine gute Unterhaltung – vielleicht lesen Sie ja in der Zwischenzeit das Buch?
Mit freundlichen Grüßen
R. Kleinfelder (Hauptschullehrerin)

17.08.2007 18:44:06
Lars Nussbaum

JEDER DARF SEINE EIGENE MEINUNG ZU EINEM BUCH HABEN UND SIE DANN AUCH VERTRETEN!!!

Schon allein aufgrund des Klappentextes interessiert mich dieser Roman eigentlich nicht die Bohne.

Viel interessanter ist aber, was sich hier in den Kommentaren abspielt. Hat hier eine gekränkte Autorin ihren Freundes- und Bekanntenkreis mobilisiert, um ihre Ehre wieder herzustellen? Einen solchen Aufmarsch an Lektoren, Regisseuren und Drehbuchautoren hat man hier ja noch nie erlebt. Und dann wird dieses Buch so einheitlich in den Himmel gelobt, dass sich einem die Fingernägel kräuseln.

Sicherlich, die Rezensionen von Herrn Weninger polarisieren. Aber das ist gut so und ich bin dem Rezensenten dankbar, dass er mir so unerwartet solch köstliche Unterhaltung bietet. Bin schon gespannt auf die nächsten Kommentare von Filmproduzenten, Kulturdezernenten, Oscarpreisträgern etc. :-)

JEDER DARF SEINE EIGENE MEINUNG ZU EINEM BUCH HABEN UND SIE DANN AUCH VERTRETEN!!!

Das muss ich nochmal wiederholen. Wäre ja schlimm, wenn wir alle gleichgeschaltet wären. Finde es schlimm, wie sich Menschen berufen fühlen, hier von "ungerechtfertigter Kritik" und "haltloser Negativ-Kritik" zu reden. Das wühlt mich sehr auf! Wer setzt denn bitte die Maßstäbe? Fühlen Sie sich als etwas besseres, Frau Dickreiter, nur weil sie Drehbuchautorin sind? Können sie beurteilen, ob Kritik haltlos oder ungerechtfertigt ist, nur weil sie mit ihrer Meinung nicht übereinstimmt? Bitte lassen Sie Herrn Weninger sein Recht, hier seine Meinung zu äußern!!!

Wie gesagt, bin gespannt auf die nächsten Lobeshymnen...

Es grüßt ein leicht erregter, aber sich prächtig unterhalten fühlender
Lars Nussbaum

17.08.2007 13:34:11
Micheline Vo Van

Micheline Vo Van zu "Sybil Volks: Café Größenwahn"

Mir hat der Krimi "Café Größenwahn" sehr gut gefallen! Ich habe dieses Buch an einem Abend bis spät in die Nacht verschlungen. Bei einer "seicht plätschernden Geschichte" wäre ich sicher vorher eingeschlalen! Als "alten" Krimifan" meine ich, dass die Autorin es vorzüglich schafft, einen völlig in den Bann dieser Epoche zu ziehen (also in den Bann des Eugen Hofmann). Als Bücherwurm kann ich sagen, dass viele Autoren dies nicht einmal im Ansatz schaffen. Ihre Buchkritik kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Haben wir dasselbe Buch gelesen??? Ich möchte dieses Buch wärmstens empfehlen.

16.08.2007 22:23:18
Winfried Oelsner

Winfried Oelsner, Regisseur:
Als begeisterter Leser dieses Krimis bin ich mit dieser Kritik nicht einverstanden. „Café Größenwahn“ ist alles andere als seicht plätschernd, im Gegenteil, ich habe schon lange keinen so guten „Regio-Krimi“ mehr gelesen! Das besondere Plus dieser Lektüre stellt für mich neben der spannenden (Psycho-) Krimihandlung aus Täterperspektive ganz klar der historische Hintergrund dar. Es ist einfach toll, wie geschickt Sybil Volks eine längst vergangene Epoche vor den Augen des Lesers auferstehen lässt! Mein absoluter Favorit: die Mordtasche.
Dieser Autorin ist zu wünschen, dass ein großer Publikumsverlag auf sie aufmerksam wird. Handwerklich so raffiniert gebaute Krimis, dazu noch sprachlich auf sehr hohem Niveau – Leserherz, was begehrst du mehr?

16.08.2007 16:32:15
Lisa-Marie Dickreiter

Lisa-Marie Dickreiter (Drehbuchautorin):
Ich kann mich Frau Kuppler und Frau Stalfort nur anschließen und über die ungerechtfertigte Kritik des Herrn Weninger lediglich den Kopf schütteln. Herr Weninger erwartet von diesem Buch etwas, das es nie sein wollte: ein Krimi, in dem der Kommissar Kappe eine Hauptrolle spielt. Die Autorin Sybil Volks hat sich bewusst für einen Täterkrimi entschieden, was dramaturgisch ganz klar zur Folge hat, dass der Figur des Hermann Kappe nur eine Nebenrolle zufällt. Hätte diese Umsetzung gegen die Konzeption des Kettenromans „Es geschah in Berlin XX“ verstoßen, so wäre Frau Volks vom Verleger sicher rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht worden... Man kann also davon ausgehen, dass der Figur des Hermann Kappe die Funktion eines verbindenden Elements zufällt, das von Krimi zu Krimi mal mehr, mal weniger gewichtet wird. Ich als Leserin (und Dramaturgin) finde es erfrischend, dass sich Frau Volks für einen Täterkrimi entscheiden hat, und denke, dass genau das auch den Facettenreichtum, die Spannung eines Kettenromans ausmacht. Zumal ich sagen muss, dass Kommissar Kappe, auch wenn er weniger Auftritte hat, von Sybil Volks wesentlich subtiler, genauer und vor allem auch lebendiger gezeichnet wird, als bei dem Eröffnungskrimi von Horst Bosetzky. Volks nützt jede Szene, in der sie Kappe auftreten lässt, um diesem „Fleisch auf die Rippen“ zu geben – und zwar nicht, indem sie wie Bosetzky lange Passagen summarisch erzählter Einschübe in die Handlung einbaut, also auf Deutsch: reine Leserinfo setzt, nein, auch hier arbeitet Volks äußerst genau: die Informationen über Kappe werden durch die Handlung motiviert. Durch die wenigen, aber eindrucksvollen Auftritte des Hermann Kappe, wird dem Leser schnell klar, dass unter der Schar von Kappes Vorgesetzten, nur Kappe derjenige ist, der es mit Eugen Hofmann aufnehmen kann. Was schließlich in dem wirklich brillanten Schluss des Krimis endet!
Leider beschränkt sich die Kritik des Herrn Weninger einzig auf den Vorwurf, dass Hermann Kappe nicht genügend in Erscheinung tritt. Die Beurteilung, dass dieser Krimi seicht dahinplätschert, ist schlicht und ergreifend falsch. Herr Weninger lässt völlig außer Acht, dass man es hier mit einem dramaturgisch äußert raffiniert gebautem Krimi zu tun hat, der jedes Dramaturgenherz höher schlagen lässt. Hier stimmt handwerklich einfach alles.
Für ihren Krimi ließ sich die Autorin von einem wahren Fall aus dem Jahre 1920 inspirieren. Auch hier fand die Ermordung von Geldboten statt, auch hier schrieb der Täter ein Theaterstück, das diese Morde zum Inhalt hatte. Die Täterperspektive bietet neben der schwierigen Anforderung an die Autorin, den Täter psychologisch äußerst genau und vor allem für den Leser nachvollziehbar zeichnen zu müssen, eine für den Leser sehr interessante Innenansicht. So ist der Leser beispielsweise life dabei, wenn Eugen Hofmann das Erdrosseln an der Büste des Kaisers übt oder seine verbrecherischen Erfahrungen in sein Theaterstück einbaut. Hier wird nicht nur ein historischer Kriminalfall spannend und wendungsreich erzählt, hier wird auch aufgezeigt, wie aus einem naiven, gerade volljährig gewordenen jungen Mann ein Hochstapler und Verbrecher wird.
Dazu wird das Berlin des Jahres 1912 durch die staunenden Augen Hofmanns beschrieben - so umgeht Volks die Falle, in die so mancher Autor vor ihr getappt ist: Zu keiner Zeit hat der Leser das Gefühl, dass die Informationen nur für ihn erwähnt werden. Egal welche historischen Details Volks beschreibt, sie sind vorbildlich in die Handlung eingearbeitet und immer durch diese oder Eugen Hofmanns Unwissenheit motiviert. Beachtlich ist, wie die Autorin durch die scheinbar geradlinige Krimihandlung die Stimmung der Zeit wiedergibt. Der Größenwahn ist allgegenwärtig: beim Protagonisten, bei den Erbauern der Titanic, bei den neureich protzigen Adligen und Großbürgern im Adlon. Während der Leser miterlebt, wie die Menschen großsprecherisch die Zukunft planen, weiß er, dass sie geradewegs ins Unglück steuern. Die Titanic wird sinken, der Weltkrieg steht unmittelbar bevor...
Auch sprachlich bewegt sich Volks weit über dem Niveau, das man sonst bei vielen Krimis antrifft. Ihre Sprache ist präzise und verliert sich zu keiner Zeit in sprachlichen Schnörkeln. Auch sehr geschickt gewählt: das Präsens als Erzählzeit. Der Leser wird dadurch sofort ins Geschehen gezogen. Fast 100 Jahre werden so spielend überbrückt.
Es ist sehr schade, dass dieses wirklich beachtenswerte Debüt von Sybil Volks sich dieser ungerechtfertigten Kritik aussetzen muss. Ich frage mich, warum solch eine haltlose Negativ-Kritik auf der Krimicouch erscheint. Das Buch und die Autorin haben etwas Besseres verdient!

15.08.2007 21:00:09
Anne Stalfort (Lektorin)

Offenbar habe ich dasselbe Buch gelesen wie Frau Kuppler, aber ein anderes als Herr Weninger. Denn auch ich finde "Cafe Größenwahn" als Krimi ausgesprochen spannend, den Plot raffiniert und das Milieu alles andere als Staffage, sondern im Gegenteil kunstvoll in die Handlung eingebaut. Außerdem dieser Krimi auch in sprachlicher Hinsicht ein Lesevergnügen. Dass der Kommissar keine Hauptrolle spielt, ist bei einem Täterkrimi eben so, der dafür ein Vielfaches an psychologischer Spannung bietet. Der Ermittler Kappe kommt durchaus nicht zu kurz, wird wohl dosiert entwickelt und hat im furiosen Finale seinen großen Auftritt.

14.08.2007 13:57:30
Lisa Kuppler (Das Krimibüro)

Mir als Krimileserin hat Sybil Volks *Café Größenwahn* ausgesprochene Freude bereitet. Es ist ein wunderbar geschriebener (und geradezu perfekt geplotteter) historischer Krimi, der erfreulich mit den immergleichen Klischees über das Berlin des frühen 20. Jahrhunderts bricht. Sybil Volks gelingt, was wenige Autoren von historischen Krimis erreichen, nämlich ihre detaillierten Rechercheergebnisse unaufdringlich für eine der Zeit gemäße, spannende Krimigeschichte zu nutzen, so dass sich die Welt des einstigen "Café Größenwahn" plastisch und greifbar den Lesern vermittelt. Das mag manchem "nur" als gelungene Milieuschilderung erscheinen, für mich ist es hohe erzählerische Kunst, von der ich mir in so manchem historischen Krimi mehr wünschen würde. Der Werdegang des Eugen Hofmanns vom Verbrecher wider Willen zum Mörder aus brutalem Ehrgeiz heraus ist glaubhaft und hochspannend erzählt, wie in jedem guten Krimi ist der Täter psychologisch vielschichtig gestaltet und kein Abziehbild des unerklärbar "Bösen". Wunderbar nutzt Sybil Volks das Wissen der Leser (z.B. über den Untergang der *Titanic*), das diese den Zeitgenossen des Eugen Hofmann voraus haben.
Von "seicht plätschernd" - das abschließend Urteil des Herrn Weninger – kann bei Café Größenwahn nicht die Rede sein. Warum dieser herausragende Krimi von der Krimicouch als "Blindgänger" bezeichnet wird, ist schlicht unbegreiflich. Es muss zum Problem jeder Rezension werden, wenn der Rezensent sich offensichtlich ein anderes Buch wünscht als das, welches die Autorin geschrieben hat. Sybil Volks hat einen Krimi aus der Perspektive des Täters erzählt, in dem notgedrungen weniger von den Mordermittlungen und von Kommissar Kappe zu sehen ist, als in einem Krimi, der mit der Tat – und nicht ihrer Vorgeschichte – beginnt. Doch die große Stärke des interessanten, an einen Kettenkrimi angelehnten Reihenkonzepts "Es geschah in Berlin ...19xx" des Jaron Verlags ist eben die Offenheit der einzelnen Bände, die es den Autorinnen und Autoren ermöglicht, sehr unterschiedliche Krimis zu schreiben, durch die sich die Figur des Kommissar Kappe wie ein roter Faden zieht. So kann ein Kaleidoskop des historischen Berlins entstehen, das die schillernde Geschichte der Stadt in all der nuancenreichen Vielfalt ihrer Einwohner und ihrer Verbrechen einfängt. Mit *Café Größenwahn* ist Sybil Volks genau das gelungen.