Bis zum Hals

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2007, Seiten: 320, Originalsprache

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Thomas Kürten
Der Fluch des Ruhrpotts ermittelt wieder in der Heimat

Rezension von Thomas Kürten Jan 2007

Still ist es um Jörg Juretzka geworden. Die Ausflüge von Juretzka in die Alpen, auf ein Kreuzfahrtschiff und zuletzt in den Wilden Westen sind längst verdaut und gerade nach Wanted war die Frage groß, ob und wie es mit dem ewig klammen Detektiv aus dem sympathischen Mülheim an der Ruhr weiter gehen kann. Es hat ein wenig gedauert, bis Juretzka im September 2007 mit Bis zum Hals seine Antwort vorlegt. Kristof Kryszinski darf endlich wieder in seinem angestammten Revier ermitteln.

Während sich Kryszinski in seinem gammeligen Toyota ärgert, dass ihm Autohändler Vonscheidt sein Honorar nicht zahlen will (was eigentlich auch gut nachvollziehbar ist, denn seine verschwundene Frau kam aus eigenem Antrieb zu ihm zurück und ohne Zutun Kryszinskis), wird dem Mülheimer Privatdetektiv ein Mann vor den Wagen geschmissen. Der Russe Dimitrij ist sofort tot und wäre Kryszinski nicht zufällig gerade mal clean und nüchtern, hätte ihn die Polizei - in Person der altbekannten Kommissare Menden und Hufschmidt - am liebsten für immer eingebuchtet. Zwar glauben die beiden Kryszinski die Geschichte vom Mord nicht und gehen lieber von einem Unfall aus, lassen aber den gut bekannten und harmlosen Junkie und Säufer wieder laufen. Kryszinski, vom eigenen Ehrgefühl gepackt, begibt sich auf die Suche nach den beiden schrägen Gestalten, die sich in einem Audi vom Tatort gemacht haben.

Juretzkas legere Schreibe wie immer grandios

Im Russenmilieu zu ermitteln heißt Wodka in Unmengen zu vertilgen. Kein anderer Ermittler könnte hier bestehen und auch Kristof Kryszinski muss an seine Grenzen gehen, um erste Anhaltspunkte über Dimitrij und seine Kontakte in Deutschland zu entdecken. Sein Ehrgeiz wird durch das Auftauchen der schönen Anoushka, einst Dimitrijs Frau, noch mehr angestachelt. In Kryszinskis Pupillen hüpfen die Herzchen, aber die Holde will partout nicht bei ihm übernachten. Verfolgt von Killern der russischen Mafia, drei halbstarken BMX-Rockern und einer Horde Motorradrockern, die inzwischen die Schwulenbars im Ruhrgebiet betreiben, setzt der Privatermittler die Fragmente eines verzwicken Falles zusammen, wobei es um weit mehr als einen vorgetäuschten Autounfall geht.

 

"Die Sonne hob ihr schwelendes Auge über einen Horizont aus Strommasten und Mobilfunkantennen, boshaft entschlossen, einen weiteren, endlosen Tag lang Leim aus den Knochen der Lebenden zu sieden." 

 

Juretzkas Ruhrpott erhält seinen ganz besonderen Charme durch die legere Ausdrucksweise des Mülheimer Autors. Ein anderer deutscher Schriftsteller, der in auch nur annähernd ähnlicher Manier mit Stilblüten und flapsigen Kommentaren um sich schmeißt, muss erst noch geboren werden. Da ist Juretzka absolut konkurrenzlos. Und in Bis zum Hals läuft Juretzka wieder zu großer Form auf. Auf jeder Seite ein Schenkelklopfer. Action und Humor, gepaart mit einer Lovestory, schrägen Typen und Bezügen zum gesellschaftlichen Zeitgeschehen. Doch ist Bis zum Hals mehr als Slapstick, vielleicht sogar der konventionellste der Kryszinski-Reihe. In Juretzkas Romanen wird jedenfalls spannend-komische Unterhaltung zum Hochgenuss.

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