Prickel

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Rotbuch, 1998, Seiten: 301, Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2004, Originalsprache
  • Hamburg: Rotbuch, 2007, Seiten: 301, Originalsprache, Bemerkung: Neuauflage
  • Berlin: Rotbuch, 2011, Seiten: 304, Originalsprache

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Thomas Kürten
´Das find ich aber gar nicht prickelnd.´

Rezension von Thomas Kürten Sep 2003

Jeder fängt mal klein an? Nicht so Jörg Juretzka, denn für seinen Debütroman Prickel wurde er 1999 mit dem Deutschen Krimipreis geehrt. Und Prickel bildete dabei nur den Auftakt der erfolgreichen Serie um den Ruhrpott-Marlowe Kristof Kryszinski. Ein Privatdetektiv, der nicht nur gegen Unrecht und Verbrechen, sondern auch gegen political correctness zu Felde zieht.

Doch zunächst einmal beginnt alles sehr verhalten. Kryszinski scheint der typische, ewig klamme Detektiv zu sein, der jeden Cent (nein - damals waren es noch Pfennig) in seiner Tasche gebrauchen kann. Dabei ist er angewiesen auf verschiedene Anwälte, die ihn mit Ermittlungen betrauen. Als er von einem windigen Schrottplatzhändler und nebenbei guten Freund den Auftrag erhält, gestohlene Motoren für eine Prämie von 5.000,- DM zu suchen, macht sich einer wie Kryszinski voller Elan ans Werk.

Gleichzeitig lernt der Leser in kursiv gesetzten Absätzen Bernd Roselius kennen. Roselius ist ein etwas langsam denkender Zeitgenosse, dem die Sätze nicht so recht über die Lippen kommen wollen und der so gerne eine Freundin hätte. Aufgrund seines Lieblingssatzes "Das find ich aber gar nicht prickelnd." wird er von seiner Umwelt nur noch "Prickel" genannt. Prickel lernt Det kennen, der ihn eines Abends vor einer Schlägerei bewahrt und ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Bis Det eines Abends eine Frau in ihrer Wohnung umbringt und danach das Haus in Brand steckt - und Prickel darin einschließt. Von der Polizei wird Prickel als Mörder verhaftet und umgehend in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Denn da Prickel nicht gerade schnell denken kann, halten ihn die Polizisten für eindeutig geistig verwirrt. Anwältin Veronika van Laar bittet Kryszinski um einen Gefallen, nämlich Prickels Unschuld zu beweisen, was dem Detektiv bei dem lukrativen anderen Fall nicht gerade passend kommt.

Kryszinski clean

Juretzka braucht relativ lange, bis er mit seinem Debütroman die Leser für sich gewinnen kann. Fast hundert Seiten lang drängt sich der Eindruck auf, dass der Autor selber noch nicht so richtig warmgeschrieben war. Es stockt noch im Getriebe, die Geschichte nimmt nur recht zögerlich Fahrt auf. Der Wortwitz, für den der Mühlheimer Autor bekannt ist, entwickelt sich anfangs beinahe ausschließlich auf Kosten von Prickel, der als Behinderter ein ziemlich einfaches Ziel für falschen Humor ist. Doch dieses Bild wechselt sehr schnell, sobald die Kursivtexte aufhören, in denen die Geschichte von Prickel erzählt wird. Erst dann dreht Juretzka so richtig auf und präsentiert einen Kryszinski in Höchstform - vielleicht auch in Höchstform, weil er bis auf den ein oder anderen Tropfen Alkohol und den unvermeidlichen Kater am nächsten Morgen sämtliche Exzesse seines Helden mit harten Drogen im Gegensatz zu den späteren Romanen auslässt.

Prickel  ist Auftakt einer Serie, die nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen werden muss. Die Kryszinski-Romane sind getrieben von einer lakonischen und sehr humorbereiten Sprache, während die Weiterentwicklung der Hauptfigur nicht den Kern der Handlung bildet. Die Situationen, die Kryszinski durchlebt, sind alltagstauglich und erhalten von dem doch recht fatalistisch eingestellten Detektiv den notwendigen humorvollen Anstrich. Bissige Bemerkungen zu absurden Lebenslagen sowie ausgefallene Aktionen bei der Suche nach der Wahrheit liefern die Grundlage für die in dieser Form in Deutschland relativ konkurrenzlosen Krimis Juretzkas.

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