TrailerPark

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Rotbuch, 2015, Seiten: 224, Originalsprache

Couch-Wertung:

83°
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Lars Schafft
Ein Flüchtling unter Flüchtlingen

Buch-Rezension von Lars Schafft Jun 2015

Wer Jörg Juretzka und seinen Privatdetektiv Kristof Kryszinski aus Mülheim an der Ruhr nicht kennt, an dem ist nun wirklich etwas vorbeigegangen. Das Rénomme eines Friedrich Ani hat er leider nicht, aber dennoch muss man konstatieren, dass Juretzka seit über einer Dekade zu den besten deutschen Krimi-Schriftstellern zählt. Manche finden, er hat den "Ruhrpott-Marlowe" erfunden, doch tatsächlich erfindet er mit seinem Protagonisten Kristof Kryszinski sich selbst als auch seine Plots immer wieder neu. Eindrucksvoll belegt in seinem zwölften Fall TrailerPark.

Der Roman setzt nahtlos an den Vorgänger TaxiBar an und in vielen Rückblenden erzählt Juretzka, wie Kryszinski aus diesem Schlamassel herausgekommen ist: nachts am Strand hier die französischen Flics, da die Bosse von der Marseiller Mafia und im Gepäck Drogen im Wert einer sechsstelligen Summe. Krüschel, wie ihn seine Freunde nennen, gelingt die Flucht und findet in einer Art Campingplatz an der portugiesischen Küste ein neues Zuhause als lettischer Werftarbeiter. Doch dauernd schwant ihm Böses, gar zu doof kann die Mafia aus Marseille nicht sein. Und so ist er ständig weit weg von seinem Zuhause im Ruhrpott und ständig auf der Flucht.

Dass ausgerechnet sein alter Kumpel Scuzzi - Freunde der Reihe werden ihn kennen und lieben - auf Kryszinskis Spur kommt, macht bekannterweise die Sache nicht besser. Urplötzlich ist es vorbei mit dem unkomfortablen, aber letztendlich behaglichen Leben im TrailerPark und wie immer findet Kristof sich zurück in einer großen Katastrophe, die von allen Seiten auf ihn hereinbricht.

Jörg Juretzka zeigt mal wieder, dass er nicht an Ruhrpott-Klischees hängt, und groteske, komische und action-geladene Krimis schreiben kann, die nicht zwingend an einem Ort verwurzelt sein müssen. Seinen Drang zum Mittelmeer hat er bereits in diversen Vorgängerbänden zu Tage befördert. Was man dabei nicht unterschlagen darf - und das hat sich auch in den elf anderen Fällen gezeigt -: Juretzka schreibt keinen platten Slapstick.

Na klar, vieles ist hanebüchen, übertrieben und schräg, aber zwischen den Zeilen findet man auch die Flüchtlingsproblematik Europas, Korruption, und die Heimatlosigkeit. Nicht umsonst spielt der Roman in Portugal und nicht im Ruhrgebiet. Nicht fehlen darf im Sinne der Ernsthaftigkeit eine unterschwellige Traurig- und auch Auswegslosigkeit. Manches deutet sich als wenn schon nicht gut, dann doch als immerhin besser an. Aber das werden Seifenblasen bleiben. Der Begriff "Tragikomödie" trifft selten so zu wie bei Juretzkas jüngsten Werken.

Mit jedem neuen Roman wird klarer: Jörg Juretzka ist leider immer noch unterschätzt, aber er bleibt sich treu und wird mit jedem Roman besser und besser. Lesen!

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