Fallera

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Rotbuch, 2002, Seiten: 225, Originalsprache
  • Essen: Klartext, 2007, Seiten: 159, Originalsprache
  • Berlin: Rotbuch, 2011, Seiten: 223, Originalsprache

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Lars Schafft
Herrlich abgefahren, völlig durchgedreht, wahnwitzig spannend

Rezension von Lars Schafft Aug 2003

Im Frühtau zu Berge stiefelt ein gar seltsames Trüppchen, gegen das jeder Paradiesvogel farblos dasteht, durch die Schweiz: Schwerbehinderte, Schwerverbrecher, ein Bergführer, zwei Betreuer und ein V-Mann bei einem Resozialisierungs-Projekt. Der V-Mann ist Kristof Kryszinski, seines Zeichens erfolglosester Privatdetektiv aus Mülheim/Ruhr und seit ziemlich genau 13 Monaten - seit dem Motorrad-Unfall, der für seine Freundin Kim tödlich endete - auf einem Höllentripp aus Speed, "allen Drogen, die ich in die Hand bekam" und Schlafmitteln. So weit so schlecht für den körperlich wie psychisch angeschlagenen Kryszinski. Aber es ist ja einfaches verdientes Geld...

Von wegen einfach! Die Truppe bei diesem "Scheiß-Gekraxel" (Zitat Autor Jörg Juretzka) hat es in sich: Munter und in bester Harald-Schmidt-Manier lässt Juretzka seinen Protagonisten Witze über jede an der Berg-Tour beteiligte Randgruppe machen, dass die Schwarte nur so kracht. Egon mit dem Down-Syndrom und der sächselnde Ernesto Che ("Mensch Grüsdof") sind da noch die harmloseren Opfer.

Ein actiongeladener Albtraum

Was also "recht" harmlos beginnt, wird erst für Kryszinski, dem nicht nur die Verpflegung (Rum) sondern auch die Schlafmittel genommen werden, sondern für die gesamte Gruppe zu einem actiongeladenen Albtraum. Erst stirbt Bergführer Toni (Steinschlag?), dann einer nach dem anderen (Lawine?). Mühselig führt "Pfeifenkopp" Siegismund - einer der Schwerverbrecher - und der betreuende Doktor die arg dezimierte Gruppe immer höher in die Schweizer Berge. Beleibe kein leichtes Unterfangen - mit Rollstuhlfahrerinnen über vereiste Berghänge.

Durch einen nicht sonderlich zufälligen Sturz findet sich Kryszinski isoliert von der Gruppe und plötzlich in der Berghöhle der Teilzeit-Aussteigerin Mona wieder. Und begreift, dass das gesamte Projekt ein abgekatertes Spiel ist. Es geht um mehr als um Rehabilitation und Resozialisierung - es geht um Gold, tonnenweise. Mitten in den Stollen (!) der Schweizer Alpen. Doch genau so schnell merkt der Ruhrpott-Marlowe, dass seine Kontrahenten über Leichen gehen. Und ihre nächsten Schritte sollen über seine sein...

Zweckverlagerung aus dem Ruhrgebiet

Jörg Juretzkas vierter Fall beweist, dass es sein Protagonist und damit seine Krimis mühelos vertragen, aus ihrer Umgebung - dem Ruhrgebiet - zweckverlagert zu werden. Es ist ein wahres Vergnügen, "Fallera" zu lesen. Jeder Satz birst vor bissigem Humor und Ruhrpott-Charme. Und die Story? Erstaunlich frisch! Goldgräberstimmung in der Schweiz, das Trauma des Protagonisten und dann diese Figuren! Die sind es nämlich, die "Fallera" besonders auszeichnen, die trotz aller bösen Witze äußerst liebevoll gezeichneten Charaktere, vom stotternden Aaaaa--lll--fff-rr-ee-dd über die zickige Frau Dr. Marx bis zu Kryszinski selbst. Alle. Ausnahmslos.

Möge Juretzka endlich entdeckt werden und möge er sein Publikum endlich finden. Verdient hat er es seit seinem ersten Roman "Prickel", dem "Fallera" in nichts nachsteht: Herrlich abgefahren, völlig durchgedreht, wahnwitzig spannend - und verdammt gut!

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