Kakerlaken

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Aschehoug, 1998, Titel: 'Kakerlakkene', Seiten: 337, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 2007, Titel: 'Kakerlaken', Seiten: 410, Übersetzt: Günther Frauenlob
  • Berliin: Ullstein, 2009, Seiten: 432
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2010, Seiten: 5, Übersetzt: Buch, Achim, Bemerkung: gekürzt

Couch-Wertung:

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Thomas Kürten
Ungeziefer im Land des Lächelns

Buch-Rezension von Thomas Kürten Sep 2006

Der Norweger Jo Nesbø ist einer der vielen Skandinavier, die in der Bugwelle der Erfolge eines Henning Mankell und Hakan Nesser auf den deutschen Buchmarkt geschwemmt wurden. Sein Debüt Der Fledermausmann wurde 1998 von Ullstein erstmalig verlegt - wohl mit wenig erfolg, denn von einer Veröffentlichung des Nachfolgers Kakerlaken sah man vorerst ab. 2003 fand der Verlag offenbar die leicht angestaubten Autorenrechte und wagte mit Rotkehlchen einen zweiten Anlauf. Diesmal blieb der Erfolg nicht aus. Auf der Krimi-Couch wurde der Roman zu unserer Empfehlung des Monats. Auch die Nachfolger bewiesen Qualität. Die durchgehend hohe Bewertung seiner Romane unterlegt, dass der Autor bei Kritik und Leserschaft gleichermaßen beliebt ist und einem Vergleich mit den beiden genannten Autoren locker standhalten kann.

Im Frühjahr 2007 zieht Ullstein endlich nach und schließt die Lücke. Mit Kakerlaken erscheint nun also der zweite Roman aus der Harry-Hole-Reihe endlich in deutscher Übersetzung. Und wie immer, darf man als Leser auf diesen zweiten Roman besonders gespannt sein, zeigt sich hier doch immer wieder, aus welchem Holz ein Autor geschnitzt ist, wie er mit dem Druck seitens seines Verlegers umgehen kann und welche Qualität seine kriminelle Phantasie hat.

Noch ein Spezialauftrag für Harry Hole

Nach dem gewaltsamen Tod des norwegischen Botschafters in Thailand, wird Harry Hole als Sonderermittler der norwegischen Polizei abkommandiert und darf die Untersuchungen der Polizei in Bangkok begleiten. Mit so was hat Hole Erfahrung, war er doch in Der Fledermausmann schon mit Nachforschungen in Australien betraut. In Thailand nun wartet ein brisanter Fall, denn in der Limousine des Botschafters wird ein Koffer mit unzweideutigen Fotos gefunden: War der Botschafter ein Pädophiler? Hole wühlt tiefer, entdeckt eine Spielleidenschaft, Wettschulden und gelangt zu der Erkenntnis, dass die Ehe des Botschafters nur auf dem Papier bestand, seine sexuellen Vorlieben aber eher dem eigenen Geschlecht galten. Nicht sehr rühmlich für einen Mann, der zu Studienzeiten eine Wohnung mit dem amtierenden Premierminister teilte... Für welche Spekulationen das wohl in der heimischen Presse sorgen könnte?

Bei der Rekonstruktion der letzten Stunden des Botschafters gerät Harry Hole auf die Spur des Bankers Jens Brakke und des Bauunternehmers Ove Klipra. Während Klipra zunächst nicht auffindbar ist, verstrickt sich Brakke in ein paar Widersprüche. Zudem führt er mit der Witwe des Botschafters eine heiße Affäre. Genug, um Brakke in Untersuchungshaft zu nehmen. Zwar sprechen Indizien gegen den Banker und auch die norwegische Diplomatie scheint mit dem Ermittlungsergebnis zufrieden. Lediglich Hole glaubt, den Falschen inhaftiert zu haben. Als Brakke ein Alibi für den Tatzeitpunkt vorlegen kann, setzt Harry die Nachforschungen gegen den Willen des Auswärtigen Amtes weiter fort. Schon bald gibt es weitere Tote und ein Sumpf von Korruption und fadenscheinigen Geschäften rund um die Stadtautobahn BERTS tut sich auf. Doch wer ist der Drahtzieher?

Guter Krimi. Punkt.

Es gibt viele Aspekte, die für die Qualität dieses Romans sprechen. Der erste Aspekt ist dabei das Konzept, auf dem Nesbö seine Story entwickelt. Rundum überzeugend und mit der richtigen Dosierung aus Spannung und Überraschung versehen. Besonders brillieren kann Nesbö jedoch mit seiner guten Beobachtungsgabe. Gerade in der ersten Hälfte, wo Nesbö noch die Zeit dafür hat, schildert er in Schlaglichtern gerne kulturelle Unterschiede zwischen Asien und Europa.

Was nicht immer nachvollzogen werden kann, ist die Selbstbeherrschung des Alkoholkranken Kommissars. Eingangs wird seine tägliche Sauforgie in einer Osloer Spelunke geschildert, doch sobald er in Bangkok angelangt ist, bleibt er trocken und führt mit aller Akribie und voller Enthusiasmus die Ermittlungen zu Ende. Andere Holprigkeiten kann man wohl eher der Übersetzung anlasten: Da wird die Tochter des Botschafters als ein hübscher Teen mit einer Armprothese vorgestellt. Bei einem nächtlichen Bad im Swimmingpool von Harrys Unterkunft, liegt diese Prothese neben dem Pool, als sie plötzlich "mit den Händen in seinem Nacken" Harry ins Wasser zieht. Da schluckt man, liest noch einmal und stellt fest, dass es davon auch nicht richtiger wird.

Wofür Nesbø aber besonders zu loben ist, dass nicht an einer Stelle auch nur ein Hauch von Langeweile auftaucht. Von Anfang an versteht es der Autor dieses Romans, die Leser in seinen Bann zu ziehen. Kakerlaken ist einer der Romane, die man nur ungern zur Seite legt, weil man stetes befürchten muss, dass schon auf der nächsten Seite wesentliches passieren kann. Die Harry-Hole-Reihe ist nun nach gegenwärtigem Stand komplett auf Deutsch erschienen und jeder einzelne Roman kann überzeugen - einen eindeutigeren Garantiestempel kann es für eine Serie nicht geben.

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