Messer

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Günther Frauenlob (Übersetzung)

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Andreas Kurth
Kann der beste Ermittler Norwegens ein eiskalter Killer sein?

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jan 2020

Harry Holes wechselhaftes Leben ist offenbar an einem absoluten Tiefpunkt angekommen. Nachdem er ihr einen lange zurückliegenden Seitensprung gestanden hat, packte ihm seine große Liebe Rakel Fauke kurzerhand die Tasche und schob ihn zur Tür hinaus. Hole beschäftigt sich in seiner Verzweiflung mit der obsessiven Jagd auf Svein Finne, einen notorischen Vergewaltiger, dessen Sohn er einst erschossen hat, und der jetzt aus dem Gefängnis entlassen wurde. Dabei schwankt er - wie von den Leser der Reihe nicht anders erwartet - zwischen Abstinenz und heftigen alkoholischen Exzessen.

Doch dann wird Harry Hole durch eine Todesnachricht förmlich wie vom Blitz getroffen. Rakel Fauke wurde in ihrem früher gemeinsamen Haus ermordet aufgefunden. Holes Kollegin Katrine Bratt, die ihm schon immer sehr nahe stand, will Harry so schnell wie möglich als Täter ausschließen, und leitet deshalb unverzüglich entsprechende Befragungen ein.

Für Hole gibt es einen zusätzlichen emotionalen Tiefschlag, als ihm sein aus Nord-Norwegen herbeigeeilter Stiefsohn Oleg sagt, dass Rakel es nochmals mit ihm versuchen wollte. Diese Mitteilung wirft Harry Hole zusätzlich aus der Bahn - und geht ihm für den Rest des Buches auch nicht mehr aus dem Kopf.

Harry Hole findet selbst die Beweise für seine Täterschaft

Die Ermittlungen gestalten sich als dynamisches Verwirrspiel. Harry Hole wird von seinem Fanatismus behindert, denn irgendwie will er unbedingt glauben, das Svein Finne etwas mit dem Mord an Rakel zu tun hat. Der Vergewaltiger könnte sich dafür gerächt haben, dass Harry vor langer Zeit seinen Sohn bei einer Festnahme erschossen hat. Andere Spuren führen allerdings zu Roar Bohr, der als Soldat der Spezialkräfte in Afghanistan war, und wegen des Todes seiner Schwester vor langer Zeit in psychiatrischer Behandlung ist.

Und dann kommt es für den erfahrenen Ermittler förmlich knüppeldick. Er selbst findet bei seinen fieberhaften Recherchen eindeutige Beweise dafür, dass er seine geliebte Rakel umgebracht haben könnte. Weil er in der Mordnacht total betrunken war, kann Harry sich allerdings nur daran erinnern, dass ihn sein Freund und Kollege Björn Holm aus der Kneipe nach Hause gefahren hat. Wie er dann an den Tatort gekommen und Rakel in der eigenen Küche erstochen haben soll, ist ihm ein unergründliches Rätsel. Doch dann zieht sich die Schlinge unerbittlich immer enger zu, und Protagonisten wie Leser erwartet ein dynamisches Schlussdrittel in diesem Thriller, das es wirklich in sich hat. Der Abschluss des Romans ist schwer zu beschreiben, ohne etwas zu verraten. Ich beschreibe das Ende, wie ich es gelesen habe, mal mit einem Begriff, der derzeit ziemlich gut in Mode ist: Total krass.

Überraschende Wendungen und verwirrende psychologische Verwicklungen

Jo Nesbø baut auch in seinem neuen Thriller wieder einmal enorme Spannung auf. Dafür nutzt er seine üblichen Stilmittel aus falschen Spuren, überraschenden Wendungen und verwirrenden psychologischen Verwicklungen. Neu ist hier allerdings die Dimension der persönlichen Betroffenheit seines Protagonisten. Harry Hole hat sich schon immer Katz-und-Maus-Spiele mit den Killern geliefert, die er gejagt hat. Nun muss er sich offenbar selbst jagen, und nicht nur dieser Fakt führt dazu, dass in Laufe der Geschichte sein seelischer Zustand vor dem Leser so ausführlich wie nie zuvor ausgebreitet wird. Sein Verhältnis zu Rakel, seine Beziehung zu Oleg, seine psychische und körperliche Gesundheit, seine Beziehungen zu engen Kollegen -  hier wird wenig ausgelassen.

Nicht wenige Leser werden sich fragen, ob sie hier einen Abgesang auf die Figur Harry Hole lesen. Aber über das Ende dieser so erfolgreichen Reihe wurde und wird seit Jahren trefflich spekuliert. Jo Nesbø hat hier in meinen Augen abermals eine erzählerische Meisterleistung abgeliefert. Spannung, Tiefgang, Dialoge - wenn man erstmal mit dem Buch angefangen hat, fällt es schwer, bei der Lektüre eine Pause zu machen.

Fazit:

Zwischen 1997 und 2019 hat Jo Nesbø nun schon zwölf Romane über den norwegischen Ermittler Harry Hole geschrieben. Der wurde in vielfältiger Weise beschrieben. Charismatisch, genial, ein Alkoholiker, und alle möglichen Superlative dazu. Mag alles stimmen. Aber hier wird er vom Autor gewissermaßen entblättert. “Messer” ist Jo Nesbøs persönlichster Roman um seinen am Ende doch so zerbrechlichen Helden. Einfach genial und vermutlich nun wirklich das schon mehrfach vermutete Finale der Serie - oder auch nicht. Nur der Autor selbst kann beurteilen, ob die Geschichte von Harry Hole schon zu Ende erzählt ist.

Messer

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Letzte Kommentare:
04.06.2020 20:14:08
Burke

Interessanter und spannungsaufbauender Anfang der Geschichte. Doch dann artete es aus in seitenlangen Psycho-Theorien verpackt in wenig Handlung. Meines Erachtens der bis anhin schwächste Harry Hole Roman.

28.02.2020 18:28:10
Manfred Fürst

Harry Hole, verheiratet mit Rakel, ist nicht geschaffen für eine dauerhafte Zweierbeziehung, ein hoffnungsloser Fall, dem auch eine Paartherapie nicht helfen könnte; Weil es ihm nicht gelingt und er es auch gar nicht willentlich versucht. Eine Prophezeiung wird für Hole wahr: „Du wirst schon sehen, du wirst ein paar Frauen glücklich machen. Und andere unglücklich.“

Sollte man Alkoholiker, wie Hole einer ist, ernst nehmen? Eigentlich ja, denn Alkoholismus ist eine Krankheit. Dann ist nur noch die Frage zu beantworten, ‚saufen zu Hause oder öffentlich?‘ Hole säuft öffentlich, er ist ein exhibitionistischer Trinker mit masochistischen Zügen. Er will von seiner Umwelt bedauert und gleichzeitig verachtet werden.

Krasser Plot:

- Alkoholiker Hole empfindet es bereits als Erfolg, wenn er an einer Bar „vorbeifahren“ kann
- Rakel wird ermordet
- Svein Finne, genannt der „Verlobte“ vergewaltigt Frauen und zwingt sie unter Morddrohungen das Kind auszutragen. Frauen als Host für Alien Finne.

Also wenn sich Finne, der von Hole „auserwählte“ Mörder seiner Frau bereits im ersten Drittel zu einem Geständnis „überreden“ lässt, muss etwas „faul“ sein, mit anderen Worten, Svein Finne kann nicht der Mörder seiner Frau sein. Für den Leser wirft das wieder die Frage auf, wer hatte welches Motiv und welche Motivation, war es vielleicht doch eine Frau.

„Die Sonne ging langsam auf. Diese Stadt (Oslo) war genau wie manche Frauen. Im richtigen Licht war sie plötzlich unglaublich attraktiv, um im nächsten Augenblick schon wieder so gewöhnlich, ja gerade spröde zu wirken, dass sie in der Mittelmäßigkeit versank“ (Zitat Nesbø, S. 455).

Nesbøs Cleverness als Plot-Konstrukteur ist kaum zu überbieten und das in der 12ten Fortsetzung: Nachdem alle Mordverdächtigen, einer nach dem anderen ausscheiden, bleibt nur noch – wie sollte es anders sein – Harry Hole übrig. Aber ist er der Mörder?

Dieser Mordfall sollte als der Harry-Hole-Fall in die Annalen der norwegischen Kriminalpolizei eingehen. Alle vom Staatsanwalt abwärts klopfen sich auf die Schulter. Endlich haben sie den verhassten und doch erfolgreichsten Ermittler am Hacken, auch wenn er tot? Ist.

Katrin Bratt, Leiterin der Osloer Polizei und erbitterte Konkurrentin des Osloer Kriminalamtes über ihre Situation: „Sie hatte gesehen, wie einige Frauennach der Geburt zu Depotinnen geworden waren, davon überzeugt, dass sie die Sonne und alle Planeten des Himmels nur um Mutter und Kind drehten. Und wie sie ihre Ehemänner plötzlich mit Verachtung begegneten...“ (Zitat Nesbø, S. 473).

„Love Hurts“ von den Everly Brothers “as Tribute for” Bjørn Holm.

Zum Showdown mit genialem Winkelzug passt 5. Mose 32:25 „Die Rache ist mein; ich will vergelten.“

Nochmal Katrin: „Was weiß man eigentlich über die Menschen, mit denen man Tisch und Bett teilt.“ Wie wahr.

HARRY HOLE zum 12ten. Jo Nesbø hat von seiner brillanten Erzähltechnik nichts eingebüßt. „Messer“, der beste Thriller aus der Harry-Hole-Serie.

17.01.2020 21:13:24
Verena1

Ich bin total begeistert, einer der besten Harry Hole! Nesbo holt richtig aus! Hoffe es geht weiter! Wärmstens zu empfehlen!

25.11.2019 07:36:28
Miss Marple

Harry as always

Der eingefleischte Harry- Hole- Fan kommt natürlich am 12. Band der Reihe nicht vorbei und so erleben wir zum wiederholten Male Harry am Boden. Rakel hat ihn rausgeworfen. Infolge erneuert er seine Bekanntschaft mit einem alten „Freund“- dem Alkohol und verliert dadurch seinen Job an der Polizeihochschule. Um wieder einigermaßen Boden unter die Füße zu bekommen, arbeitet er nun als einfacher Ermittler. In seinem aktuellen Fall stößt er auf einen brutalen Vergewaltiger, auf dessen Spuren er bereits vor Jahren war. Nun beginnt eine Jagd, bei der er bald selbst der Gejagte wird.
Nesbö konfrontiert den Leser wieder einmal mit Harrys dunkler Seite. Immer wieder fiebern wir mit ihm bei der Bewältigung seiner steten Aufs und Abs, dabei gerät die Aufklärung des Falles ab und an etwas in den Hintergrund. Man möchte diese Figur packen und rütteln und sie auf den rechten Weg bringen, doch am Ende merken wir, dass er immer sein eigenes Ding macht. So ist der dem Fan ans Herz gewachsen.
„Spät-Einsteigern“ in die Reihe sei empfohlen, von Anfang an zu lesen, denn nur so hat man wirklich einen Einblick in das komplizierte Leben von Harry Hole.

24.11.2019 12:19:13
TochterAlice

Hole jagt seinen alten Widersacher. Sie winken müde ab und sagen, das hätten Sie schon gehabt und zwar mehrfach? Seien Sie versichert: so nicht! Denn diesmal hat sich Rakel, die Frau, der Harry Hole die Sterne vom Himmel holen wollte, endgültig von ihm losgesagt und nicht nur das: ein altbekannter Verbrecher, nämlich Svein Finne ist wieder mal frei. Harrys größter Widersacher unter der Sonne also, ein perfider Mörder und Psychopath.

Wird Harry ihn diesmal schnappen? Oder vielleicht einen anderen? Ein wahres Defilee an Figuren aus allen vergangenen Bänden der Reihe findet hier statt - das ist mir manchmal ein bisschen zu viel des Guten wie auch die permanente Erwähnung des Musikgeschmacks von Harry - oder ist es der seines Autors Jo Nesbo? Den ich im Übrigen größtenteils teile, aber Clash und Ramones auf jeder zweiten Seite eines Thrillers muss ich dann doch nicht haben.

Ja, Sie merken schon, ich lenke ab von der Handlung. Weil ich nämlich nichts verraten will, das würde Ihnen ganz schön was von der Spannung rauben. Denn es gibt einen Punkt, der durchzieht die ganze Handlung und bringt viele Unterpunkte mit sich. Wie dem auch sei - dieser Band hat etwas von einem Schlussakkord, das kann aber auch "nur" die Befürchtung eines Fans sein, der nicht will, dass diese Reihe jemals endet.

Nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste Harry-Hole-Band. Und solides Mittelmaß ist für einen Band einer solchen Spitzenreihe doch ganz klar etwas, was man ohne Weiteres hinnehmen kann. Oder sogar mehr als das!

07.11.2019 14:13:59
anyways

Harry ist rückfällig geworden, wie schon so oft. Sein hart erkämpftes Familienleben mit Rakel und Oleg sind Geschichte, seine Dozentenrolle hat er nach dem Vampiristenfall ebenso verloren wie seinen Ermittlerstatus. Also greift er wieder zur Flasche. Nach einer durchzechten Nacht wacht er jedoch mit blutiger Kleidung auf, zu viel Blut um als kleine Kneipenschlägerei durchzugehen.

Lieber Jo Nesbø was war das?
Seit dem ersten Band verschlinge ich die Fälle von Harry Hole, immer in Sorge dass sein Alkoholismus ihn Krankheiten wie Leberzirrhose oder Ösophagusvarizen einbringt. Jedes Mal ist Harry jedoch aufgestanden und hat in einem spannenden, streckenweise komplizierten und actionreichen Fall ermittelt. Das ist hier absolut nicht der Fall. Vielleicht verabschiedet sich Nesbø so langsam von seinem Protagonisten, denn „Messer“ ist nichts weiter als ein schriftstellerisches Medley aus sämtlichen Harry-Hole-Bänden, untermalt von einer wirklich tragischen jedoch völlig unglaubwürdigen Story. Meine Befürchtungen das Harry Hole nach „Durst“ abstürzt haben sich leider vollkommen bestätigt, doch die Art und Weise wie der Autor seinen Helden zum Straucheln bringt ist einfach hanebüchen, denn von Harry’s Intelligenz und seinem brillantem Verstand ist nichts mehr übrig. Er ist ein trauriger Clown der von einer Flasche und von einem Bett ins nächste taumelt. Hier wäre ebenfalls anzumerken , dass die Frauen die Harry in der Zwischenzeit „beglückt“ (er muss sich ja schließlich trösten, nachdem ihn Rakel aus ihm unerfindlichen Gründen rausgeschmissen hat), ihren Verstand auch an den Nagel gehängt haben, denn sie verhalten sich allesamt wie Spätpubertierende die an einer Art Harry-Holle-Virus leiden und die keinerlei Anstalten machen die Konsequenzen ihres Handelns zu erfassen.
Ich bin von diesem Buch schwer enttäuscht, ich habe die ganze Zeit auf eine spektakuläre Wendung gehofft, denn ansonsten ist schon ziemlich früh klar in welche Richtung die Auflösung geht, auch wenn Nesbø das hinter vielen Rückblenden und Verweisen auf frühere Fälle unnötig in die Länge zieht.

Fazit: Ein Held strauchelt und sein Schöpfer ebenso.

02.11.2019 11:35:51
Oldman

Die Figur des Harry Hole ist schon lange zu einem Klassiker der Kriminalliteratur geworden. Dabei ist und bleibt er ein gebrochener und tragischer Held, der in diesem Plot nun wieder ganz besonders gebeutelt wird, weil seine Frau Rakel, die ihn allerdings vor 2 Monaten rausgeworfen und dem Alkohol damit endgültig in die Arme getrieben hat, ermordet wird. Er wird daraufhin als Betroffener und auch Verdächtigter von der Polizei suspendiert und sucht logischerweise nach dem Mörder. Dabei werden mehrere Verdächtige vorgestellt, hier will ich auf keinen Fall etwas verraten, der Autor schlägt jedenfalls in dieser Story mehrere Volten, fast zu viele, die aber alle gerade noch logisch aufgeklärt werden, was wiederum die Qualität dieses Nesbos ausmacht. Letzten Endes wird der Täter überführt, und das weitere Schicksal des Protagonisten steht in den Sternen, ein durchaus überzeugender Schluß. Sicherlich wird Harry Hole weiter ermitteln, und das ist auch gut so.

18.10.2019 09:37:32
Kamacha21

Absehbarer Plot. Am Ende hat Nesbo alles ordentlich zusammengezogen. Es bleibt dennoch ein fader Beigeschmack auf dem Weg zum Ziel. Im Grunde muss sich Hole nun neu erfinden, so dass ein Ende an dieser Stelle sinnvoll wäre.

26.09.2019 11:21:26
Readaholic

Absturz eines Ermittlers
Harry Hole wurde von seiner Frau Rakel vor die Tür gesetzt, warum, erfährt man erst spät im Buch. Seinen Job an der Polizeihochschule hat er ebenfalls verloren, so widmet er sich nun ganz dem Alkohol. Er säuft, schlägt sich und hurt durch die Gegend, ist also ein sehr unangenehmer Zeitgenosse. Eingefleischte Harry Hole Fans mögen dies akzeptieren, für mich war es erst der zweite Harry Hole Band und ich fand das Ganze ziemlich ätzend.
Ein alter Bekannter aus früheren Bänden, der Vergewaltiger Svein Finne wird aus dem Gefängnis entlassen und geht trotz seiner mittlerweile 77 Jahre sofort wieder auf die Jagd nach Frauen. Dieser Handlungsstrang ist sehr gruslig, aber wenig glaubhaft. Ein alter Mann, der vor Potenz strotzt, körperlich fitter ist als mancher Dreißigjährige und zudem anscheinend die Fähigkeit hat, durch Wände zu gehen.
Dann wird Harrys Frau Rakel ermordet aufgefunden. Eine fieberhafte Suche nach dem Täter beginnt, wobei irgendwann so ziemlich jeder als Verdächtiger in Frage kommt, einschließlich Harry selbst.
Das Buch beginnt spannend, aber dieser Mittelteil zieht sich in die Länge wie Kaugummi. Der Handlungsstrang um Svein Finne tritt völlig in den Hintergrund, erst gegen Ende des Buchs führen die Handlungsstränge dann zusammen. Dieser Teil ist wieder sehr gelungen und das offene Ende ein echter Cliffhanger.
Alles in allem fand ich „Messer“ nicht schlecht, aber die Einschätzung der Times, wonach Nesbø „der unumstrittene König des skandinavischen Krimis“ ist, kann ich wahrhaftig nicht teilen.

16.09.2019 15:20:54
Ilmo

Eneut legt Jo Nesboe einen Thriller um den Ermittler Harry Hole vor, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.
Harry ist aufgrund seines Alkoholproblems wieder als normaler Polizist tätig und wird im Laufe der Ermittlungen zum aktuellen Fall sogar suspendiert: Seine Frau Rakel, die ihn zuvor verlassen hat, wird ermordet aufgefunden und Harry gerät in den Kreis der Verdächtigen. Außerdem steht ein von ihm in einem früheren Fall überführter Vergewaltiger, dessen Sohn von Harry erschossen wurde, im Fokus des Geschehens.
Für die Mordnacht hat Harry zwar ein Alibi, doch durch einen Blackout fehlt ihm jede Erinnerung. Diese kehrt langsam zurück und so fügen sich gegen Ende die Puzzleteile immer mehr zusammen und es gelingt ihm , den Fall zu lösen.
Der letzte Satz lässt auf Band 13 hoffen.

15.09.2019 19:59:28
Oberchaot

Harry Hole ist tief gefallen. Von Rakel verlassen, den Job an der Polizeihochschule verloren und bei der Polizei nur noch zu Büroarbeiten verknurrt, widmet er sich wieder ausgiebig dem Alkohol. Svein Finne wütet wieder, seit er aus dem Gefängnis entlassen worden ist und vergewaltigt junge Frauen mit dem Ziel, sie zu schwängern und zu kontrollieren. Da nun auch in Harrys engsten Umfeld etwas Schlimmes passiert ist, kann dieser doch nicht zur Ruhe kommen.
Auch Harry Holes zwölfter Fall ist wieder rasant und sehr spannend. Am Anfang des Buches hatte ich etwas die Angst, dass zu viel über Harrys Sucht erzählt wird, denn davon hat man nach elf Büchern langsam genug gehört. Doch das ändert sich schnell, zu brisant ist der Fall für Harry, als dass er sich einen sturmen Kopf leisten kann. Das Buch hat überraschende Wendungen, die zusätzlich für Spannung sorgen. Einmal mehr: TOP! Und etwas kann man wohl bereits vorweg nehmen: Es tönt nach Fortsetzung.....

10.09.2019 11:22:21
Dvalin

Jo Nesbø schludert eine Gewaltorgie hin

Blutiger, pysochopatischer, noch abgestürzter. Wer keine kluge und vor allem: realistische Story braucht, ist
mit diesem Trash hier gut bedient.
Thriller- und Krimifans, die auf eine intelligente, logisch konstruierte Geschichte Wert legen, lassen die Finger von diesem Buch: Nach zwei Stunden werden Sie feststellen, dass sich abseits der eingangs erwähnten Gewaltorgie eine Sinnfreiheit auftut, die ihresgleichen sucht. Keine Angst, keine (inhaltlichen) Spoiler jetzt für jene, die lange gewartet haben und sich gefreut haben (wie ich): Aber man mache nach der ersten knappen Stunde den Test aufs Exempel: Man Spule von 60 auf 180' Minuten - der Plot ist dermassen schwach, man schliesst problemlos auf. Besonders bestürzend: Die vielen Zwischendialoge, welche als No-Brainer nichts zur Handlung beitragen, folgenlos bleiben und daher völlig ersatzlos gestrichen werden könnten, wirken in ihrer emotionalen Ernsthaftigkeit ungewollt komisch. Oslo als Setting solcher Absurdheiten, wie Nesbo sie schildert, ist zudem einfach nur noch lächerlich.
Aber klar: egal wie viele negative Rezensionen es wohl gibt:
Nesbø hat's geschrieben, Hole ermittelt, also werden die Leute es hören und lesen wollen.

05.09.2019 14:04:04
Lexa

Mit großem Vergnügen habe ich das Buch gelesen. Spannend, einfühlsam, wortreich, hintersinnig, klug, halt typisch Harry. Alle Fäden führen zusammen, kein Knopf bleibt ungelöst. Harry ganz unten, ganz oben. Jo ist Harry, drum kann er den so gut. Klare Leseempfehlung von mir.

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