Von Angesicht zu Angesicht

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Gyldendal, 2004, Titel: 'Ansikt til ansikt', Seiten: 307, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2006, Seiten: 287, Übersetzt: Kerstin Hartmann-Butt
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2015, Seiten: 288

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Jörg Kijanski
Eine willkommene Abwechslung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2006

Privatdetektiv Varg Veum kommt von einer auswärtigen Dienstreise zurück und möchte nur noch kurz den Anrufbeantworter in seinem Büro abhören, wo er einen toten Mann vorfindet: Erlend Ekerhovd. Dieser hatte telefonisch um einen Termin gebeten, ohne dabei anzudeuten, um was es gehen könnte. Dies erfährt Veum kurz darauf von Ekerhovds Frau Tonje Svarstad, die ihn beauftragt, den Tod ihres Mannes zu untersuchen, da die Polizei, allen voran Kommissar Jakob Hamre, sich der Sache nur zögerlich annimmt. Ekerhovd hatte in den 70er-Jahren in einer Kommune gelebt, zu deren Bewohnern auch Hildegunn Hogset gehörte, eine Frau, die 1979 Selbstmord beging, ohne das ihre Leiche je gefunden wurde. Jetzt, 15 Jahre später, traf Erlend seinen früheren WG-Mitbewohner Tor Steinesto, der heute als Polizeijurist für den Geheimdienst tätig ist, und nahm anschließend wieder Forschungen über Hildegunns Tod auf. Tonje vermutet, dass Hildegunn womöglich ermordet wurde und derselbe Täter auch ihren Mann umgebracht hat. Sie fürchtet daher um sich und ihre Kinder.

Aber auch einige der übrigen Mitglieder der Kommune wecken Veums Interesse, sind sie doch heute stadtbekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise die Kommunalrätin Hedda Mikalsen (inzwischen mit Tor Steinesto verheiratet) und der Gewerkschaftsführer Atle Skureveit. In den 70er Jahren jedoch, waren die Kommune-Mitglieder überwiegend kommunistisch orientiert, einige gehörten gar zum Führungskader der Partei. Insofern interessiert sich Veum für einen Fall, der sich 1977 ereignet hat: Eine Schwester eines der WG-Mitglieder versteckte damals den IRA-Terroristen Feargal Flynn, Mitglied der berüchtigten "Catford Five", denen unter anderem ein Bobenattentat auf das britische Unterhaus 1974 vorgeworfen wurde. Flynns Aufenthaltsort wurde verraten und es kursierten hartnäckige Gerüchte, dass es einen Maulwurf in der Kommune gegeben hat...

Zunächst einmal irritieren nicht nur die zahlreichen ungewohnten norwegischen Namen von Personen und Orten, sondern auch der Umstand, dass der Mord von Hildegunn 1979 passierte, die Handlung 1994 spielt und das Buch jetzt, im Jahr 2006, veröffentlicht wird. Hat man diese beiden Punkte überwunden eröffnet sich einem ein moderner "Privat-Eye"-Roman, dessen Protagonist Varg Veum starke Parallelen zu den Figuren eines Dashiell Hammetts oder Raymond Chandlers aufweist. Prinzipiell in Geldnot wird einem der schnoddrige Ermittler zunehmend sympathisch, zumal er als Einziger an der Auflösung des Falles Ekerhovd interessiert zu sein scheint. Sein Rivale Kommissar Hamre jedenfalls sprüht nicht vor Aktionismus und so gehören die Dialoge zwischen den beiden Kontrahenten mit zum Besten des Romans. Nach einem weiteren Todesfall erscheint Hamre am Tatort:

"Was zum Teufel machst Du hier, Veum? Zu spät kommen wie gewöhnlich?"
"Ich war jedenfalls vor Dir da."

Überhaupt ist das Buch sehr dialog-lastig: Action? Fehlanzeige. Veum: "Tja, das ist nun mal mein Job. Fragen, fragen, fragen. Und am Ende taucht vielleicht die richtige Antwort auf." Stattdessen werden die WG-Mitbewohner zu den damaligen Ereignissen umfangreich befragt, um den Schlüssel zu dem Mord an Ekerhovd zu finden. Hierbei mutet einem Autor Staalesen einiges zu, denn die ganzen - mitunter wechselnden - Beziehungsgeflechte auseinander zu halten (es könnte ja wichtig sein) fällt nicht leicht. Und ganz nebenbei fließt immer wieder die IRA-Geschichte ein und die Frage, wer wohl der ominöse Maulwurf gewesen sein könnte.

Endlich einmal ein skandinavischer Krimi, in dem der Leser sich nicht ellenlang durch das verkorkste Privatleben des Ermittlers kämpfen muss (Veum hat erst gar keine Familie, in der irgendjemand Drogenprobleme oder ähnliches haben könnte), sondern ein klassischer Whodunnit mit einem Finale, dass leider ein klein wenig haarsträubend ist. Die Auflösung selbst ist ebenfalls keine Offenbarung, hält jedoch nochmals eine kleine Überraschung bereit.

Wer Spaß am Mitraten hat sollte den Norweger Gunnar Staalesen kennen lernen, da er eine willkommene Abwechslung zu den altbekannten und mitunter doch arg überschätzten "Stars" der skandinavischen Krimiszene darstellt. "Von Angesicht zu Angesicht" macht jedenfalls Spaß und bereitet schon heute Vorfreude auf den nächsten Fall des Varg Veum.

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