Wahlkampf

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Wien; Bozen: Folio, 1999, Seiten: 251, Originalsprache
  • Wien; Bozen: Bastei Lübbe, 2006, Seiten: 251, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2009, Seiten: 252, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Leider fehlt die durchgehende Spannungskurve

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2003

Als ich Frau Rossmann anlässlich einer Lesung fragte, wie sie dazu kam, Mira Valensky auf den Krimileser los zu lassen, erklärte sie mir lapidar: "Ich wollte ganz einfach etwas Neues machen." Und dabei griff die Autorin bei der Gestaltung ihrer Protagonistin ordentlich auf die eigene Biographie zurück.

Eva Rossmann war Verfassungsjuristin im Bundskanzleramt und danach politische Journalistin, Mitinitiatorin des österreichischen Frauenvolksbegehrens und Wahlkampfkoordinatorin für Gertraud Knoll. Und in ihrem ersten Krimi "Wahlkampf" steigt Frau Rossmann auch sofort in dieses Metier ein.

Mira Valensky, promovierte Juristin, arbeitet als freiberufliche Lifestyle-Journalistin beim "Magazin". Ihr Auftrag lautet, den Wahlkampf des Präsidentschaftskandidaten Wolfgang A. Vogl zu begleiten und das Drumherum aus menschlicher Sicht für die Leser des Boulevardblattes journalistisch aufzubereiten. Folglich treibt sie sich in der Wahlkampfzentrale herum und beobachtet dort diejenigen, die an den Fäden der Macht ziehen wollen. Johannes Orsolics, Public-Relation-Manager der Sozialdemokraten und Chloe Fischer, die Pressesprecherin von Wolfgang A. Vogl, sind immens bemüht, alles für ihren Kandidaten zu tun, um die Wahl zu gewinnen. In der Wahlzentrale wimmelt es, zahlreiche Helfer sind oft unentgeltlich rund um die Uhr im Einsatz, aber nicht jeder wird gebraucht. Zum Beispiel Bellini-Klein, der sich viel zu wichtig nimmt, sich überall einmischt und immer ein wenig zu hoch stapelt. Und aus diesem Grund einfach abserviert wird. Dabei stürzt er aus dem 13. Stock seines Wohnhauses.

Die Einzige, die um ihn zu trauern scheint, ist die Tochter von Wolfgang. A. Vogl. Mira hat gehört, wie sie ihren Vater als "Mörder" beschimpft hat. Und Mira hat auch gehört, wie sich Orsolics und Fischer beglückwünscht haben, dass Bellini-Klein nun entgültig erledigt sei. Mira bleibt gar nichts anderes übrig, als ihre Nase tiefer in die Sache zu stecken. Wer aus der Wahlkampfzentrale könnte Motiv und Gelegenheit zu einem Mord gehabt haben, den die Polizei als Suizid zu den Akten legen will? Oder ist es doch die Konkurrenz aus den gegnerischen Politlagern? Und wer hat Angst vor Miras Schnüffeleien und hetzt ihr seine Schläger auf den Hals?

Die journalistische Arbeit der Autorin ist in Wahlkampf allgegenwärtig. Flüssig und mit gut recherchierten Details zeichnet sie ein mit viel hintergründigem Charme und kleinen Seitenhieben gewürztes Politgemälde, in dem sich Mira Valensky und ihre bosnische Putzfrau vorstellen. Auch der Schildpattkater Gismo und ihr Redaktionskollege Drauch, der Star unter den politischen Journalisten, sind bereits mit von der Partie. Auch die Liebe zum Kochen, zur Küche des Veneto und zu einem ordentlichen Schluck Jameson sind kleine Menschlichkeiten, die der emanzipierten Zufallskriminalistin Leben verleihen und sie zu einer Persönlichkeit wachsen lassen, die dem Leser in weiterer Folge sympathisch wird.

Wahlkampf kommt jedoch nicht über einen mittelmäßigen Regiokrimi hinaus, weil ihm eine durchgehende Spannungskurve fehlt. Da nützt es auch nichts, wenn Frau Rossmann mit Lokalkolorit brilliert, dabei aber vergisst, die Handlung ordentlich ins Laufen zu bringen. Zu viel Ratlosigkeit, zu viele Zufälle und wenig Kriminalistik bringen zwar letztendlich einen mit Frauenpower und Actionelementen versetzten Politkrimi über die Runden, der humorig und angenehm zu lesen ist, aber nicht vom Hocker reißt.

Wahlkampf ist vor allem für diejenigen Leser interessant, die schon einen von Frau Rossmanns späteren Kriminalromanen gelesen haben, denn die persönlichen Verhältnisse Mira Valenskys zu Vesna und Drauch finden hier ihren Ursprung. Sprachlich kann man bei Eva Rossmann auch in ihrem Erstling keinerlei einschränkende Kritik anmerken, denn die Schwierigkeit leichte Unterhaltungskost ansprechend zu servieren, ist auch im Wahlkampf bereits auf jeder Seite zu spüren.

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