Mord ist aller Laster Anfang

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • London: Headline, 1991, Titel: 'Say it with Poison', Seiten: 224, Originalsprache
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 1997, Seiten: 319, Übersetzt: Edith Walter
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1999, Seiten: 319
  • Augsburg: Weltbild, 2001, Seiten: 319
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2002, Seiten: 319
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Eva Michaelis
  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2007, Seiten: 4, Übersetzt: Eva Michaelis

Couch-Wertung:

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Peter Kümmel
Das meint Krimi-Couch.de: Agatha-Christie-Flair, doch nicht deren Qualität

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Meredith Mitchell, Diplomatin im auswärtigen Dienst, befindet sich mal wieder auf Heimaturlaub in England. Dort findet sie eine Hochzeitseinladung vor. Die glückliche Braut ist ihr Patenkind Sara, die Tochter ihrer Cousine Eve. Schon einige Zeit vor dem Fest reist Meredith aufs Land, wo sich Eve in einem alten Pfarrhaus niedergelassen hat.

Als sie ankommt, wartet bereits am Tor der erste Schreck auf Meredith. Dort hängt eine Stofftüte mit makabrem Inhalt: ein blutiges Ochsenherz. Bevor sie das Haus betreten kann, macht sie bereits die Bekanntschaft eines weiteren Gasts: Albie Elliott, ein amerikanischer Filmproduzent, möchte die Schauspielerin Eve für seine Soap-Opera gewinnen. Gemeinsam beschließen die beiden, den merkwürdigen Fund verschwinden zu lassen, um die Hausbewohner nicht in Aufregung zu versetzen.

Seit Jahren hat Meredith ihr Patenkind nicht gesehen. So hat sie zunächst einiges an Neuigkeiten zu erfahren. Eve merkte nach dem Tod ihres dritten Ehemannes, wie sehr sie ihre Tochter Sara vernachlässigt hat. Nachdem Sara ins Drogenmilieu abzugleiten drohte, ist Eve froh, sie nun bald in festen Händen zu wissen. Der Bräutigam ist Jonathan Lazenby, der Sohn einer hochangesehenen Familie, die einiges an Geld in Saras verarmtes Elternhaus bringt.

Bis zur Hochzeit dauert es noch drei Wochen. Da hat Meredith Zeit, das kleine Dorf und seine Bewohner kennenzulernen. Bei einem Spaziergang wird sie Zeuge eines Streits zwischen dem jungen Töpfer Philip Lorrimer und seinem verschrobenen Nachbarn Bert, einem alten Mann, der nur noch für seinen gepflegten Gemüsegarten lebt. Und der sich aufregt, wenn Philips Siamkatzen seine Beete zerwühlen. Als Meredith dann eine der Katzen tot auf dem Friedhof findet, ist ihr ziemlich klar, dass diese von Bert vergiftet wurde. Sie versteckt die Katze, um den Streit nicht zusätzlich anzuheizen.

Kurze Zeit später findet sie dann auch den Besitzer der Katze tot in seiner Wohnung. Bereits am Vortag klagte er über Bauchkrämpfe, so daß Meredith vermutet, dass auch er vergiftet worden sein könnte. Und nun kommt auch Protagonist Nummer 2 ins Spiel. Alan Markby, Inspector bei der Kriminalpolizei und Pflanzenliebhaber, zufällig auch Saras Brautführer, wird mit dem Fall beauftragt. Es stellt sich heraus, dass Philip über längere Zeit hin vergiftet wurde und die jetzige Dosierung ihm den Rest gegeben hat. Auf der Suche nach einem Motiv tappt die Polizei im Dunklen.

Kein brutaler Totschlag, sondern ein gediegener Giftmord, das passt zu einem gepflegten englischen Landhaus-Krimi und fügt sich in die Idylle des kleinen etwas antiquiert wirkenden Dorfes in Oxfordshire mit seinem typischen Flair nach bester Agatha-Christie-Manier ein. Ein Inspector, dessen Ermittlungen von einer neugierigen Frau gestört werden, die auf eigene Faust ermittelt - auch das kennen wir bereits von der Grand-Lady des britischen Krimis. Doch weder in Punkto Spannung noch beim subtilen Humor kann es Ann Granger mit dieser aufnehmen. Die Handlung zieht sich recht langatmig, ohne daß richtig Schwung in die Ermittlungen käme.

Obwohl sich Ann Granger viel Zeit nimmt, ihre Charaktere einzuführen, und diese teilweise ob ihrer Skurrilität genügend Potential bieten, bleiben diese allesamt blaß. Die beiden Protagonisten können beim Leser noch nicht viele Sympathiepunkte sammeln. Markby wirkt wie ein Fremdkörper und Meredith Mitchell bleibt viel zu unnahbar und oft zu zickig, als daß sie einem schnell ans Herz wachsen könne. Obwohl Diplomatin von Beruf, wirkt sie privat alles andere als diplomatisch.

Der Schreibstil der Autorin stellt den Leser vor keine größeren Anforderungen. Störend wirkt gelegentlich, dass die Gedanken der sprechenden Charaktere oft zwischen die Dialoge geschrieben sind, nur daß eben die Anführungszeichen fehlen, so daß man höllisch aufpassen muß, was wirklich ausgesprochen wurde und was sich nur in den Köpfen der Beteiligten abspielt.

Der Plot ist relativ simpel und wenig originell aufgebaut. Auf Verwicklungen und große Überraschungen wartet man vergeblich. Völlig unmotiviert kommt dann unsere Heldin schließlich auf die Lösung. Und dann geht alles ruckzuck. Auf drei Seiten wird dem Leser die Lösung hingeknallt. Dann sehnt man das Ende herbei, doch die Autorin versucht nachzuholen, was sie bisher versäumt hat. Nämlich noch ein paar überraschende Wendungen in die Handlung zu bringen. Dies hätte sie besser sein lassen, denn der abstruse Schluß verleiht dem ganzen noch ein paar zusätzliche Minuspunkte.

Ann Granger erinnert in "Mord ist aller Laster Anfang" mit seinem Protagonistenteam stark an Deborah Crombie, deren erste Romane auch nicht gerade Brüller waren, die sich jedoch stetig steigern konnte. Von daher sollte man nach diesem nicht so gelungenen Debüt auch die Hoffnung auf Besserung nicht gleich aufgeben.

Mord ist aller Laster Anfang

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