Die zweite Stimme

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 1996, Titel: 'A Test Of Wills', Seiten: 282, Originalsprache
  • München: Heyne, 2005, Seiten: 382, Übersetzt: Uschi Gnade

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Sabine Reiß
Vielversprechender Erstling

Buch-Rezension von Sabine Reiß Nov 2005

Mit "Die zweite Stimme" liegt nun der erste Roman um den englischen Inspector Ian Rutledge in deutscher Sprache vor, nachdem schon die Bände 2 bis 6 hierzulande veröffentlicht wurden. Auch wenn jedes der folgenden Bücher gut ohne das detaillierte Hintergrundwissen aus dem ersten Band zu lesen ist, so wird einem doch hier der Einstieg erleichtert, da man von Beginn an mit dem psychisch angeschlagenen Protagonisten vertraut gemacht wird. Natürlich wird auch in den Folgebänden kurz umrissen, dass Ian Rutledge an einer Schützengrabenneurose leidet, deren Folgen für ihn nicht unerheblich sind. Der Erste Weltkrieg ist vorbei und Rutledge ist seit seiner Rückkehr ein anderer Mann. Er hört eine Stimme in seinem Kopf, die eines schottischen Soldaten namens Hamish, den er wegen Befehlsverweigerung exekutieren ließ. Ein Detail erschien mir jedoch neu: Da das Exekutionskommando nicht allzu zielsicher war, gab Rutledge den erlösenden letzten Schuss selbst ab. Mitfühlend teilt man die Erinnerung an den wohl schwierigsten Moment im Leben des Soldaten.

Die Last der Ermittlungen

Die Stimme Hamishs ist im Gegensatz zu den späteren Büchern noch eine größere Last, eine Bedrohung, auch weil der Inspector noch nicht weiß, ob er seinem früheren Beruf nach diesen einschneidenden Erfahrungen noch gewachsen ist. Er zweifelt zudem an seinen Fähigkeiten, die er vor dem Krieg so selbstverständlich eingesetzt hat. Später ist er sicherer, wenn auch psychisch nicht wirklich stabiler, aber indem er London entflieht und Fälle in der Provinz aufklärt, kann er sein Leben erträglicher gestalten. Hamish wird später auch mehr und mehr zu einer Art Assistent, wovon hier noch nichts zu spüren ist.

Obwohl diese Serie aufgrund ihrer Ausgangslage ohnehin das ruhigere Segment in der Kriminalliteratur besetzt, passiert entschieden zu wenig in der ersten Hälfte der Geschichte. Offensichtlich geben die Autoren (Mutter und Sohn schreiben gemeinsam unter dem Pseudonym Charles Todd) dem Leser sehr viel Zeit, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Doch dann beginnt die Intensität zu wirken, mit der sie ihren Plot ausgestattet haben. Das Ende ist ergreifend und zugleich überraschend, auch wenn die Auflösung auf den letzten Seiten fast ein wenig zu schnell vonstatten geht. Wie Rutledge nach den mühevollen und ergebnislosen Ermittlungen doch noch richtig kombiniert, ist verblüffend. Eher scheint es, als offenbare sich der Mörder selbst.

Wie glaubwürdig kann ein gebrochener Mann sein?

Die Story ist schnell erzählt: Der angesehene Colonel Harris wird eines morgens mit einer Schrotflinte erschossen. Ein Motiv scheint es nicht zu geben, auch wenn sich der Verlobte seines Mündels angeblich am Vorabend mit ihm gestritten hatte und dieser dann auch kurz vor dem Mord im hitzigen Gespräch mit dem Colonel gesehen wurde. Der Zeuge ist allerdings nicht wirklich glaubhaft, ein ehemaliger Soldat und Trinker, der an Schützengrabenneurose leidet. Es ist für Rutledge fast unerträglich, sich mit diesem Mann auseinanderzusetzen. Das Pikante daran ist, dass sein Vorgesetzter in London ihm die Existenz dieses Zeugens verschwiegen hat und auch bewusst ihn , Rutledge, ausgewählt hat, weil der Fall eigentlich nicht zu lösen ist. Der verdächtige Verlobte ist ein hochdekorierter Flieger des Ersten Weltkriegs und dessen Verurteilung würde ihm Königshaus mehr als Befremden auslösen. Sollten die Ermittlungen scheitern, so könnte man so oder so Rutledge als Sündenbock darstellen.

Wie gesagt, die Intensität der Geschichte nimmt ungefähr ab der Hälfte zu und dann fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Insgesamt braucht sich "Die zweite Stimme" nicht hinter den Nachfolgebänden zu verstecken und es ist mir daher unverständlich, warum man die Veröffentlichung der Reihe nicht mit diesem Buch eröffnete.

Die zweite Stimme

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Letzte Kommentare:
08.10.2014 16:13:12
Juristan

Mir war das Buch zu zäh,doof auch die Lösung,die völlig abseitig ist und auf die man erst mit Glück gegen Ende des Romans kommen kann.
Fast 10 Verdächtige werden mehrmals reihum verhört,wenn wieder mal ein neuer Aspekt oder ein neues Detail aufgetaucht ist.
Das Buch ist nahezu völlig humorfrei,der Inspektor hat oft mehr mit seinem Kriegstrauma zu tun als mit dem Fall.
Hätte man auf die Hälfte der Verdächtigen verzichtet und somit auch auf 150 Seiten,hätts mir viel besser gefallen,trotz des unbefriedigenden Endes.
Für mich nicht mehr als 40°.

05.01.2009 15:54:11
AndreaO

Ian Rutledge fasziniert - trotz seiner ausgeprägten Darstellung als Antiheld- gerade aufgrund seiner oftmals abstrusen Ermittlungsformen. Hinzu kommt sein unsichtbarer Begleiter Hamish: Die Darstellung der von den Wirren des ersten Weltkrieges geschaffenen, unerwünschten Begleitperson ist vortrefflich und immer wieder überraschend. Überhaupt versteht es Charles Todd in anschaulicher Weise die Menschen dieser Zeit, geprägt durch die Kriegsjahre, dem Leser treffend vor Augen zu führen und mit gehörigem Maß an Lokalkolorit zu versehen. Der Krieg selbst wird in kurzen Impressionen aufgezeigt, nicht lästig oder überladen ausgeschmückt. Ganz im Gegenteil, das Grauen kommt dem Leser nahe, beeindruckt durch dessen Folgen und trotzdem bleibt der Roman ein Krimi im besten Sinn. Die drei Folgeromane habe ich verschlungen (ebenfalls hervorragend und absolut empfehlenswert) und sehe ungeduldig weiteren Ian-Rutledge-Fällen entgegen.

23.12.2008 16:26:22
katharina Kaspers-siebert

Langatmig? Niemals!!! Superspannend! Und nicht so auf Blut und Gewalt aus wie Mankell. Spannend ohne Sexszenen, das muss auch erst mal einer schaffen. Diese Atmosphäre von England und altmodischer Höflichkeit macht mir totalen Spaß. Ich hab bis 3h morgens gelesen und lese jetzt hintereinander weg das fünfte Buch von Charles Todd! Aber dass das Ende überraschend ist, stimmt! Schade, dass das Englische Requiem vergriffen ist, das fehlt mir noch! (Falls mir das jemand verkaufen möchte...)

16.09.2007 20:00:24
Martin

Wer bis zum Ende durchhält, wird durch die verblüffende Aufklärung des Falles doch noch für die Ausdauer belohnt.
Die Handlung war stellenweise etwas langatmig und meine "zweite Stimme" wollte mich nicht nur einmal dazu verleiten, das Buch vorzeitig wieder wegzulegen.
Fünf der bisher erschienenen Bücher habe ich gelesen - "Seelen aus Stein" war mit dem teuersten auch mein erstes Buch der Reihe, aber auch meiner Meinung nach das Beste.

10.09.2006 23:14:47
Volker

Was mich insbesondere an diesem Krimi begeistert hat, war die innere Zerrissenheit der Hauptfigur. Das persönliche Schicksal von Rutledge gespiegelt in der Handlung des Romans macht diesen Krimi besonders spannend und lesenswert. Daumen hoch!

21.03.2006 15:59:48
kalkamat

Für mich war es das erste Werk, dass ich von Todd gelesen habe. Meine Meinung ist zwiegespalten.

Als Krimi finde ich ihn solide und ordentlich gemacht. Er bietet durchgängig bis zum Ende viel Platz für eigene Spekulationen.

Aber die vielen Namen. Namen, Namen, Namen. Es hat mich wirklich gestört, dass ich manchmal das Gefühl haben musste, nicht zu wissen, wer denn nun wer ist. Ich habe diesen Roman ungefähr über 9 Abende verteilt gelesen. Vielleicht lag es daran, dass ich manchmal nicht mehr so recht mitkam.

Ich würde ihn nicht bedingungslos weiterempfehlen.