Auf dünnem Eis

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2003, Seiten: 420, Übersetzt: Uschi Gnade
  • München: Heyne, 2006, Seiten: 400, Übersetzt: Uschi Gnade
  • New York: Bantam, 2000, Titel: 'Legacy of the dead', Seiten: 308, Originalsprache
  • München: Heyne, 2008, Seiten: 399, Übersetzt: Uschi Gnade

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Sabine Reiß
Eindringliche Schilderung einer Hetzkampagne

Buch-Rezension von Sabine Reiß Sep 2003

Der Erste Weltkrieg ist vorbei und das Leben muss sich wieder normalisieren, auch für Inspector Ian Rutledge von Scotland Yard, der in Frankreich ein schlimmes Trauma erlitt, als er einen Kameraden erschießen ließ, der sich der Pflicht verweigerte. Er benötigte lange Zeit für seinen Genesungsprozess und hat diesen auch noch nicht vollendet, wird ihn wahrscheinlich nie vollenden, da die Erlebnisse auf den Schlachtfeldern zu einschneidend waren. Er hört die Stimme des erschossenen Kameraden in seinem Kopf und wird sie nicht mehr los, muss sich damit arrangieren, dass er nie alleine ist, Hamish MacLeod ist immer dabei und schweigt selten.

Diese Tatsache mutet etwas seltsam an und kostete mich ein wenig an Überwindung, den vorliegenden Krimi zur Hand zu nehmen. Aber Charles Todd und seine Mutter Caroline, die als Autorenteam schreiben, beschreiben diese Tatsache sehr natürlich. Hin und wieder fragt man sich zwar, wie realistisch es ist, dass Ian so viele Dinge weiß, die Hamish betreffen, aber dies lässt sich dem Umstand zuschreiben, dass die beiden die gemeinsam verbrachten Stunden sehr intensiv miteinander erlebten und sicherlich lange Gespräche führten. Im Endeffekt hilft ihm diese Stimme, die Dinge mit anderen Augen zu sehen.

Inspector Rutledge soll vermitteln, als eine Frauenleiche in den Highlands gefunden wird, von der vermutet wird, dass sie die Tochter von Lady Maude Gray ist, die seit 1916 verschwunden ist. Doch Lady Maude weigert sich, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass ihre Tochter tot sein könnte und verweist den schottischen Kollegen ihres Hauses. Hier kommt Rutledge ins Spiel. Ausgerechnet er soll nach Schottland fahren, ein Landstrich, der er nie mehr betreten wollte, denn im Krieg führte er viele Schotten in den Tod und auch Hamish war Schotte. Vorangegangen ist dem Fund der Frauenleiche, dass in Duncarrick eine junge Frau unter einer Art Hexenjagd leiden musste. Verleumderische Briefe wurden an Einwohner des Dorfes geschickt, die verlauten ließen, dass Fiona MacLeod nie verheiratet war und dass das Kind, das bei ihr lebt, nicht ihr eigenes ist. Sie soll die Mutter umgebracht haben, um den Jungen an sich zu bringen, dabei soll es sich um Eleanor Gray gehandelt haben. Nun wartet sie im Gefängnis auf ihre Verurteilung. Ian Rutledge glaubt nicht so recht an diese Theorie, aber auch er kann Fiona nicht zum Reden bringen. Mit ihrem Schweigen setzt sie ihr Leben aufs Spiel, um jemanden zu schützen. Doch wen? Rutledge verfolgt nun die Spur von Eleanor Gray, in der Hoffnung, dass sie noch lebt, und stochert auch in Fionas Vergangenheit herum, um diese vor dem Henker zu bewahren...

"Dünnes Eis" ist ein Krimi, der schwer einzuordnen bzw. zu bewerten ist. Auf der Plusseite kann verbucht werden, dass das Autorenduo eine unheimliche Spannung aufbaut und das mit ganz einfachen Mitteln: Der Leser erfährt immer nur Bruchstücke, genau soviel, wie der Inspector in Erfahrung bringt. Auf der anderen Seite gestaltet sich das Ganze mitunter auch zäh, was sich gegen Ende doch ein wenig negativ bemerkbar macht.

Die Geschichte lebt von der einprägsamen Schilderung des Protagonisten. Eindringlich ist auch die Beschreibung der Hexenjagd im Dorf, wie die Dorfbewohner sich manipulieren lassen und wie sich das Ganze verfestigt, so dass ein Urteil schon feststeht, bevor eine genaue Untersuchung stattgefunden hat. Sehr beklemmend! Dem steht wiederum ein zu Beginn etwas wirrer Handlungsverlauf gegenüber. So ganz will es mir nicht einleuchten, warum die Entdeckung der Frauenleiche sogleich mit Fiona MacLeod in Verbindung gebracht wird, obwohl der Fundort Meilen von Duncarrick entfernt liegt. Einige Dinge werden erst nach einigen Kapiteln klar, wo ich mich vorher gefragt habe, ob mein Unverständnis vom unaufmerksamen Lesen herrührt, doch nun schreibe ich es der Tatsache zu, dass es sich bei Charles Todd um ein Autorengespann handelt, so dass nicht alles wie aus einem Guss wirkt.

Im Endeffekt bin ich bei der Bewertung unentschlossen. Dass es sich um einen historischen Roman handelt, ist kein Manko für mich, obwohl ich historischen Krimis eigentlich nichts abgewinnen kann. Er wirkt nicht antiquiert und gewinnt damit auf jeden Fall Pluspunkte. Allzu schwer wiegen die Nachteile nicht und somit gibt es eine Leseempfehlung für denjenigen, der sich in die düstere Nachkriegszeit begeben und abseits der ausgetretenen Krimipfade wandeln möchte. "Auf dünnem Eis" wird die Leser allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit polarisieren.

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Letzte Kommentare:
16.02.2007 14:59:48
Richard.H

Sehr gut geschrieben! Bis zum Schluß war nun völlig offen wer der Täter war aber letztlich hat sich alles gut ineinandergefügt.Stellenweise gab es viele Verdächtige;man mußte wirklich aufpassen das man nicht auf dem Holzweg landet als Leser.Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen! Richard.H

13.04.2005 14:45:05
Sabrina

Tatsache ist, dass ich dieses Buch regelrecht verschlugen habe. Wie einige Leser vor mir schon schlilderten ist die Situation, in der Rutlegde sich begibt sehr von seiner Vergangenheit geprägt und mir schien es zuerst schwer zu begreifen, welche Rolle Hamish nun spielte. Im weiteren Verlauf gehörte er zum natürlichen Bestandteil des Buches und es gefiel mir, dass Hamish Ian bei seinen Ermittlungen "helfen" konnte.
Alles in allem ist "Auf dünnem Eis" ein sehr lesenswertes Buch.
Das einzig Negative war meines Erachtens nach das Ende...
...aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.

24.09.2004 12:45:24
Marion

vorweg: erste klasse! mir ging es anfangs, wie frau reiss; ich dachte, ich hätte unaufmerksam gelesen, da mir irgendwie anfangs immer ein verbindungsstück zu fehlen schien, bis ich dann bemerkte, dass es nicht an mir lag (pff - gott-sei-dank). hamish ist natürlich etwas gewühnungsbedürftig, aber dadurch, dass er so flüssig mit ein bezogen wird, wirkt die "stimme im hintergrund" schnell ganz normal. ein ganz tolles buch!

22.07.2004 15:51:09
dyke

Ein "leiser" Krimi. Ermittlung ohne Technik/Labor, allein mit Logik und Phantasie. Der Mensch steht eindeutig im Mittelpunkt. Interessante Charaktere und Landschaften. Ein sehr angenehme Abwechslung in den, den Markt überflutenden "High-Speed"-Thrillern. Ein weiteres Plus - die intensive Schilderungen Rutledges Erlebnisse im 1. weltkrieg und deren Folgen.

18.12.2003 22:53:55
Ralph

Ein spannender Fall in einer schwierigen Zeit. Ein sehr gut gezeichneter Hauptdarsteller, der schwere Altlasten mit sich trägt. Dann noch Schottland... Was will man mehr? Sehr gut.

16.12.2003 18:10:30
Claudia

Ganz eigene Stimmung, sehr malancholisch, manchmal etwas langatmig, aber insgesamt nimmt es den Leser trotzdem gefangen und fasziniert!

15.10.2003 18:29:01
Steffi

Das Buch ist so gefühlvoll geschrieben, dass man es nur jeden empfehlen kann ...