Englisches Requiem

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 1998, Titel: 'Wings of Fire', Seiten: 294, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 319, Übersetzt: Markus Knop
  • München: Heyne, 2009, Titel: 'Flügel aus Feuer', Seiten: 383

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Sabine Reiß
Außergewöhnliche und mitreißende Familiengeschichte

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jun 2003

England, kurz nach dem Ersten Weltkrieg: Inspector Ian Rutledge wird von seinem Vorgesetzten wieder einmal in die Provinz geschickt, damit dieser den Serienmörder, der London gerade in Atem hält, alleine dingfest zu machen kann. Auf Bitten eines einflussreichen Mannes soll Scotland Yard in Cornwall den Tod von drei Personen untersuchen. Der Tod der berühmten Dichterin Olivia Marlowe und ihres Halbbruders Nicholas Cheney wurde von der örtlichen Polizei als (Doppel)-Selbstmord eingestuft, sie starben an einer Überdosis Laudanum. Ein weiterer Halbbruder der beiden, Stephen FitzHugh, fiel einige Wochen später die Treppe hinunter und verstarb sofort. Ein Unfall, so das Urteil des ermittelnden Beamten.

Natürlich ist die Dorfgemeinschaft nicht gerade erbaut, dass ein Fremder diese Todesfälle wieder aufrollt. Rutledge versucht, sich ein Bild der angesehen Familie zu machen, als da wären:

  • Rosamund Trevelyan, die Mutter der Geschwister, die drei Ehemänner überlebte. Sie ist gestorben, bevor der vierte Ehemann ins Spiel kam.
  • Anne und Olivia Marlowe, Zwillinge. Anne ist tot, sie fiel als kleines Mädchen vom Apfelbaum. Olivia war Dichterin. Erst einige Zeit vor ihrem Tod wurde bekannt, dass sie hinter dem Pseudonym O.A. Manning steckte, von der die herzerreißenden Gedichte stammten, deren Lektüre nicht nur Rutledge an der Front tief bewegt haben.
  • Nicholas und Richard Cheney. Richard verschwand als kleiner Junge bei einem Familienausflug und kehrte nie zurück. Nicholas lebte mit seiner Halbschwester zusammen und pflegte sie aufopferungsvoll, da sie gehbehindert war.
  • Stephen und Susannah FitzHugh, Zwillinge. Susannah ist die einzige Überlebende der Geschwister und teilt sich das Erbe nun mit Cormac FitzHugh, erstgeborenem Sohn von Rosamunds drittem Mann Brian, und Rachel Ashford geborene Marlowe, eine Cousine von Olivia. Rachel war es, auf deren Bitten hin die Untersuchungen wieder aufgenommen werden sollten. Doch nun fürchtet sie sich vor den Ergebnissen...

Dass die Familienmitglieder hier ausdrücklich genannt werden, hat einen wichtigen Grund: Erstens ist die Geschichte der Familie das zentrale Thema des Krimis und ihre Geheimnisse halten den Leser einige Zeit in Atem, zweitens sind die Familienverhältnisse so komplex, dass ich mir zu Beginn einen Stammbaum gewünscht hätte, der einem hilft, den Überblick zu behalten. Schon in der ersten Szene, in der es um die Verteilung des Erbes geht (Stephen ist noch am Leben) ist man verwirrt, wer hier mit wem eigentlich verwandt ist.

Der Inspektor ist ein gebrochener Mann

Die Figur von Inspector Rutledge scheint mir hier im Gegensatz zu den anderen Büchern der Reihe mehr im Hintergrund zu stehen bzw. die Familie Trevelyan hat eine so starke Präsenz, dass dieser Eindruck entsteht. Die persönliche Situation des Protagonisten, die in den Nachfolgebänden recht ausführlich geschildert wird, wir hier eher beiläufig erwähnt. Er ist erst seit kurzem wieder im Dienst, nachdem er längere Zeit in Behandlung war, die nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg erforderlich war. Er ist ein gebrochener Mann und leidet an Schützengrabenneurose, die sich darin manifestiert, dass er die Stimme eines Soldaten in seinem Kopf hört, den er wegen Befehlsverweigerung an der Front erschießen ließ.

Die Stimme, die einem Schotten namens Hamish MacLeod gehört, ist für den Leser ohne Zweifel gewöhnungsbedürftig. Er fungiert quasi als Assistent und weist Rutledge auf Dinge hin, die in seinem Unterbewusstsein schlummern. Wenn man mehrere Bücher aus der Reihe gelesen hat, nimmt man seine Rolle jedoch als selbstverständlich hin. Hier ist seine Präsenz allerdings nicht so stark ausgeprägt wie im Vorgängerroman - was eventuell andeuten soll, dass Rutledge auf dem Wege der Besserung ist - und auch einigen Nachfolgebänden, die ihn durch ihre Geschichte mehr herausfordern - die Konfrontation mit Schottland und Hamishs Vergangenheit.

Mitreißende Familiengeschichte

Zum besseren Verständnis sollte noch erwähnt werden, dass es sich bei "Englisches Requiem" um den zweiten Band handelt, der als erstes in Deutschland veröffentlicht wurde und zur Zeit leider vergriffen ist. Ein Jammer, denn von allen Büchern des Autorengespanns Charles Todd, das aus Mutter und Sohn besteht, ist das vorliegende Buch das Beste. Vielleicht erklärt sich damit auch die Reihenfolge der Veröffentlichung.

Den beiden Autoren ist es mit ihrem zweiten Buch gelungen, eine mitreißende und komplexe Familiengeschichte zu spinnen, die zahlreiche Geheimnisse bereit hält und den Leser lange auf die Folter spannt, was es mit den vielen Todesfällen auf sich hat. "Englisches Requiem" ist jedem Krimileser ans Herz zu legen, der eine originelle Ausgangslage kombiniert mit einem traditionellem Plot zu schätzen weiß.

Englisches Requiem

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Letzte Kommentare:
06.07.2014 14:40:06
kianan

Nach "Die zweite Stimme" das zweite Buch aus der Serie um Inspektor Rutledge und ich wurde auch hier nicht enttäuscht.

Todd schafft es, ein richtiges Verwirrspiel zu erschaffen: Man schwankt ständig hin und her: Haben die Halbgeschwister Olivia und Nicholas Selbstmord begangen oder wurden sie ermordet? Und starb das nächste Familienmitglied tatsächlich durch einen Unfall oder war der Treppensturz Mord? Und wenn es sich um Morde handelt, welches Familienmitglied steckt dahinter? Und steckt das Familienmitglied vielleicht auch hinter einigen oder allen der zahlreichen mysteriösen Todesfällen in der Familie?

Kaum war ich mir sicher zu wissen, wer es ist und welcher Todesfall Mord war, schon streute der Autor wieder Zweifel daran und konnte dadurch die Spannung bis zum Schluß aufrecht erhalten.

Für alle die auch ruhige Krimis in "alter englischer Tradition" lieben, sehr empfehlenswert - für Actionfans meines Erachtens jedoch eher nicht. Ich bin schon auf das nächsten Fall von Rutledge gespannt!

14.08.2009 13:44:31
Mistie

"Englisches Requiem" ist im Juli 2009 neu erschienen unter dem Namen "Flügel aus Feuer".

Ich kann mich den Worten der Rezensentin nur anschliessen. Dieses Buch ist sehr spannend - ein Familiendrama pur und Inspektor Rutledge wie immer ein besonnener und feinfühliger Ermittler. Sogar Hamish ist vor diesem Familienhintergrund weniger aufsässig und gehässig und gibt als "Stimme aus dem Hintergrund" diesmal eher Tipps.
Ein empfehlenswertes Buch für Leser die eher beschauliche Krimis lieben - so wie ich - 89° von mir

13.10.2004 18:07:16
dyke

Ich gestehe, hätte ich "Englisches Requiem" als erstes Buch von Charles Todd gelesen, wäre meine Meinung "netter Roman, ordentliche Landschafts-Beschreibungen, viel Lokalkolorit und eine nette Variante der Spurenlegung und –verfolgung“ gewesen, mit dem Vermerk, per Gelegenheit vielleicht einmal einen weiteren.
So habe ich mit „Auf dünnem Eis“ und „Seelen aus Stein“ angefangen und kann kaum glauben, dass das der gleiche Autor ist. Rutledges Zerrissenheit ist hier nur ein laues Lüftchen a la „english ghost“. Was ist mit dem Autor zwischen Band 2 und Band 4 der Reihe (Band 1 + 3 sind nicht auf deutsch erschienen), also zwischen 1998 und 2000 geschehen?? Oder wurde das „Englische Requiem“ gar bei der Übersetzung bearbeitet?? Ich versteh’s nicht.
LG Dyke