Stumme Geister

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • New York: Bantam, 2002, Titel: 'A fearsome doubt', Seiten: 295, Originalsprache
  • München: Heyne, 2004, Seiten: 428, Übersetzt: Uschi Gnade

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Sabine Reiß
Die Stimme im Kopf

Buch-Rezension von Sabine Reiß Sep 2004

Der 11. November 1918, der Tag des Waffenstillstandes, der Tag, als auf den Schlachtfeldern Stille eintrat, wird in Großbritannien seit dem Jahre 1921 als Remembrance Day gefeiert. Die Kriegsveteranen versammel(t)en sich und man steckt sich eine Klatschmohnblüte aus Papier ans Revers. Diese sog. Poppies erinnern an ein Gedicht des kanadischen Arztes John McCrae, das er nach einer Schlacht 1915 schrieb und das später im britischen Punch-Magazin veröffentlicht wurde:

 

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

 

In Flanders fields

Unser Protagonist Ian Rutledge ist ein heimgekehrter Soldat, der schwer mit einer Schützengrabenneurose zu kämpfen hat. Er hat wesentliche Teile seiner Erinnerungen verloren, dafür hört er seitdem eine Stimme in seinem Kopf: die des schottischen Soldaten Hamish MacLeod, der unter ihm gedient hat und den er aufgrund einer Befehlsverweigerung erschoss. Dies ist für den Leser anfangs ohne Zweifel gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit wundert man sich nicht einmal mehr, wenn es Ian Rutledge ablehnt, dass jemand auf dem Rücksitz seines Automobils mitfährt. Denn dort ist ja kein Platz, da sitzt Hamish. Der tote Schotte scheint sein Alter Ego zu sein, eine Art Advocatus Diaboli, der seine Zweifel in bestimmten Situationen wiedergibt und ihn sogar auf neue Ideen bringt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass im vierten Band "Auf dünnem Eis" die Figur von Hamish etwas eigenständiger geschildert wurde, was sicherlich daher herrührt, dass die Ermittlungen ganz eng mit ihm verbunden waren. So wie es hier beschrieben wird, erscheint es mir jedoch plausibler.

Rutledge ist Inspector bei Scotland Yard. Im vorliegenden sechsten Band der Serie, wovon bisher allerdings nur vier Bücher ins Deutsche übersetzt wurden, erfahren wir wieder ein bisschen mehr über ihn, insbesondere, was ihm damals am Tag des Waffenstillstandes widerfuhr. Am ersten Jahrestag im Jahre 1919 ist er nun bei der Frau eines alten Freundes zu Besuch, der nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt ist. In dieser Gegend von Kent sind vor kurzem drei Morde an Kriegsheimkehrern begangen worden, die nicht nur zusammen gedient hatten, sondern auch noch ein weiteres gemeinsames Schicksal erlitten: Sie verloren im Krieg eines ihrer Gliedmaßen. Noch ist Rutledge als Privatperson vor Ort, kurz nach der Rückkehr nach London wird er jedoch dienstlich wieder nach Kent geschickt, um die örtliche Polizei zu unterstützen. Parallel dazu beschäftigt ihn jedoch noch ein alter Fall aus seinen Anfangstagen bei der Polizei. Da ein neues Beweisstück aufgetaucht sein soll, sät die Frau eines schuldig gesprochenen Mannes Zweifel ihn ihm und verlangt die posthume Rehabilitation ihres Gatten.

Zähes Erzähltempo

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass es sich bei dem Autor Charles Todd eigentlich um ein Duo handelt: Mutter Caroline und Sohn Charles schreiben gemeinsam an den Krimis, was hier allerdings nicht ins Gewicht fällt. Die Autoren verstehen es sehr gut, die gedrückte Stimmung des ersten Nachkriegsjahres wiederzugeben und auch die Schilderung aller Figuren ist sehr eindrücklich. "Stumme Geister" steht zwar in diesen beiden Punkten seinen Vorgängerromanen in nichts nach, der Spannungsaufbau lässt jedoch hier leider zu wünschen übrig. Nicht, dass zu früh Details bekannt würden und sich aus diesem Grund Langeweile breit macht, im Gegenteil, der Mörder wird in der Tat erst zum Schluss entlarvt, allerdings ist das Ganze viel zu zäh aufgebaut. Für mich hätten es gut und gerne 100 Seiten weniger sein können. Bis zur Hälfte passiert fast gar nichts, erst dann hat es mich gepackt und das letzte Drittel las ich rasend schnell.

Die Bücher von Charles Todd sind ohnedies nichts für Leser, die knallharte Action und ein rasantes Tempo bevorzugen. Hier hätten jedoch die beiden Autoren einen Zahn zulegen können, so dass ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen möchte.

Stumme Geister

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Letzte Kommentare:
06.03.2007 20:23:54
Richard.H

Wieder einmal war ich sehr beeindruckt von einem Buch aus der Inspektor Rudledge Reihe.Sehr gute Spannung,viele Verdächtige und ein verblüffender Schluß.Ich kann dieses Buch nur empfehlen!

06.12.2004 21:11:29
richter

Das Autoren-Team hat eine recht ungewöhnliche Idee konzipiert. Der ermittelnde Inspector Rutledge wird - in seinem Kopf - ständig von einem ehemaligen Kriegskameraden begleitet, den er im Krieg wegen Befehlsverweigerung erschiessen lassen musste. Diese Idee ist meines Erachtens nicht konsequent verfolgt worden. Hamish ist mehr eine Art "innere Stimme" denn ein wirklich "böser Geist". In diesem Krimi hat der Inspector zwei Fälle parallel zu lösen, was ihn - gelegentlich - etwas überfordert. Es steht nicht die Action, sondern mehr die Landschaftsbeschreibung, vor allem aber Psychogramme der Kriegesgeneration (I. Weltkrieg) im Vordergrund. Dabei werden alle Perspektiven berücksichtigt: Heimkehrer, Witwen, Ehefrauen von Heimkehrern. Ein Krimi, der sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber wer sich für den eher "britischen" Krimi begeistern kann, wird ein paar sehr angenehme Stunden verleben.