Wie man sie zum Schweigen bringt

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Helsinki: Tammi, 2000, Titel: 'Ennen Lähtöä', Seiten: 375, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2005, Seiten: 384, Übersetzt: Gabriele Schrey-Vasara
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006, Seiten: 382

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Sabine Reiß
Eine starke Frau

Buch-Rezension von Sabine Reiß Dez 2004

Frauen haben es auf der Karriereleiter nun mal schwer, das bekommt Hauptkommissarin und Dezernatsleiterin Maria Kallio mal wieder zu spüren. Sie leitet die Ermittlungen im Falle des ermordeten Stadtrats Petri Ilveskivi, der auf dem Weg zu einer Sitzung im Wald mit einem Messer angegriffen wurde und den Verletzungen erlag. Da Petri homosexuell war, geraten natürlich die Rechtsextremen in Verdacht, die in bereits einmal angegriffen hatten. Bald erhärten sich die Verdachtsmomente, dass der Kleinkriminelle Marko Seppälä den Angriff ausgeführt hat, aber dieser ist unauffindbar. Mario Kallio ist nun zwar klar, wer die Tat begangen hat, doch das Motiv bleibt im Dunkeln. Als die Leiche von Marko auf der Mülldeponie gefunden wird, scheint der Fall gelöst, so sehen es zumindest die Vorgesetzten von Maria. So wird es gar nicht gern gesehen, dass die Kommissarin die kommunalpolitische Arbeit von Petri hinterfragt und dort nach Feinden sucht.

Skandinavische Krimis sind sicher etwas eigen und eine Klasse für sich sind dabei noch die, in denen eine Frau die Hauptrolle spielt. Nicht, dass man alle in einen Topf werfen möchte, aber gewisse Gemeinsamkeiten lassen sich nicht verleugnen, auch wenn der vorliegende Roman zur Abwechslung in Finnland spielt und nicht in Schweden wie viele andere. Wer zum Beispiel an Anne Holt Gefallen gefunden hat, wird sicher auch bei Leena Lehtolainen landen (oder umgekehrt). Vor den finnischen Orts- und Personennamen hatte ich mich im Vorfeld ein wenig gefürchtet, aber diese stellten absolut kein Problem dar.

Heldin mit Stärken und Schwächen

Mario Kallio ist eine sympathische Heldin mit Stärken und Schwächen, die gut zuhören kann, was ihr bei ihrer Arbeit zugute kommt, die gerne Erfolg im Beruf hat, der aber auch die Zeit mit ihrer Familie wichtig ist. Sie ist eine starke Persönlichkeit, aber ihre Gefühle stehen ihr bei den Ermittlungen auch schon einmal im Weg. Alles in allem hat sie das, was eine gute Serienfigur ausmacht und den Leser animiert, weitere Bücher von der Autorin zu lesen.

Marias Probleme im Job nehmen einen großen Raum im neuesten Roman der Finnin Leena Lehtolainen ein. Als in ihrem Briefkasten eine Bombe explodiert, führt ihr Chef die dadurch entstandene nervliche Belastung zunächst als Vorwand an, sie aus den weiteren Ermittlungen herauszuhalten. Dann wird sie sogar massiv unter Druck gesetzt, ihren eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Zudem überlegt sie, ob sie noch ein weiteres Kind bekommen sollte und was dies für ihre Karriere bedeuten würde. Gerade dieser Teil ihres Privatlebens nimmt sogar einen recht großen Raum ein, fast wird es für meinen Geschmack zu oft angesprochen.

Es mangelt an Höhepunkten

Leena Lehtolainen erzählt ihre Geschichte routiniert. Die Handlung ist schlüssig aufgebaut und der Stil ist flüssig. Nur schade, dass es dem Roman an Höhepunkten mangelt. Allzu leicht wird der Leser genau wie die Polizei auf die richtige Fährte geführt. Es kommt zwar keine Langeweile auf, aber für einen richtig spannenden Krimi fehlt es an spannenden Elementen und die Handlung plätschert fast ein wenig dahin. "Wie man sie zum Schweigen bringt" ist ein recht guter Roman, der bestimmt Lust auf mehr Maria Kallio macht, aber leider nur ein mittelprächtiger Krimi.

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Letzte Kommentare:
07.04.2018 15:15:20
trafik

Leena Lehtolainen sagt man nach, daß diese nur von Frauen gelesen wird. Dann bin ich anscheinend eine Ausnahme.
Mir gefallen die Bücher um die Kommissarin Maria immer sehr sehr gut. Für mich sind die Hintergrundgeschichten vom Privatleben der Hauptfiguren sehr wichtig. Dadurch wird die Person lebendig und man kann dann die eigentliche Handlung noch besser folgen und verstehen.
Ein großes Lob an die finnische Krimiautorin.

31.03.2008 18:11:55
Lisa1987

Spannung fehlt in diesem Buch auf keinen Fall, so wie in allen anderen Krimis von Leena Lehtolainen auch nicht. Besonders das Ende hat mir gut gefallen. Ich konnte das Buch jedenfalls nicht aus der Hand legen!
Ich finde es positiv, dass der Leser etwas über das Privatleben von Maria erfährt. So wird die Kommissarin meiner Meinung nach viel authentischer dargestellt. Ich hab schon jede Menge Bücher gelesen, wo dieser Aspekt ganz außen vor blieb. Hat mir weniger gut gefallen.

05.09.2006 12:12:49
Annkatrin

Auch diesen Krimi habe ich innerhalb weniger Tage gelesen und mir hat er wirklich gut gefallen!! Ich freue mich immer über die "Ausflüge" in Marias Privatleben - sie machen die Ermittlerin authentischer und vielleicht auch etwas weicher und verletzlicher, was sie für mich als Frau sympathischer macht. Leena Lehtolainens Krimis sind nie Thriller mit Spannungsspitzen, die einem den Schlaf rauben und dafür sorgen, dass man zweimal nachschaut, ob die Haustüre auch wirklich abgeschlossen ist. Es sind intelligent durchdachte Kriminalfälle und die Spannung entsteht nicht durch blutrünstige Beschreibungen oder waghalsige Verfolgungsjagden. Die Spannung entsteht vielmehr durch die zwischenmenschlichen Dramen und ungeklärten Beziehungen oder Vorfällen zwischen Menschen - für mich sehr real und damit mitreißend. Ich freu mich schon darauf, wenn der neuste Krimi von Leena ("Im schwarzen See") als Taschenbuch erscheint!

29.01.2006 16:20:09
Beate P.

Habe alle anderen Bücher von ihr mit Begeisterung gelesen, hänge aber an diesem fest. Ich finde das Buch langweilig, der Handlungsfluß wird ständig unterbrochen durch belanglose Sätze aus dem Privatleben Marias. Es kommt keine Spannung auf und man verspürt überhaupt keinen Drang weiterzulesen. Es ist mir selten so leicht gefallen, einen Krimi aus der Hand zu legen. Dies sollte jedoch keinen davon abhalten, die anderen weitaus besseren Krimis von Lehtolainen zu lesen.

06.07.2005 12:59:25
Kokoni

Ich schliesse mich der Meinung von Sabine Reiss an. Neben dem allgemein grossräumig skizzierten Privatumfeld und den darin (durchaus nachvollziehbaren) enthaltenen Problemen habe ich Mühe mit der gelegentlich allzu negativ gezeichneten Zukunft. In einer Stelle ist Kallio froh darüber, dass sie aufgrund ihrer Arbeit jederzeit über die Kinderschänder, die gerade frei gherum laufen Bescheid weiss. Macht das jemand glücklicher? Ist Finnland so verseucht mit Kriminellen, die in einem Vorort von Helsinki kleinen Kommissarinnentöchter auflauern. Das ist zu schwarz gemalt! Zudem: als 3-facher Vater staune ich über dieses Supermädchen Iida. Wäre es nicht angebracht, sie mit 4 oder 5 Jahren bereits an die Polizeiakademie zu schicken? Da zweifle ich bei der Autorin ab und zu etwas ob der Einschätzungsgabe von Kleinkindern. Trotz diesen nun doch etwas bösen Kritikpunkten gehe ich wohl mit vielen einig: Maria Kallio ist sympathisch gezeichnet und die Handlung ist spannend.

07.06.2005 17:32:00
Annika

Also mir hat das Buch ebebnso gut gefallen wie auch ihre anderen, war bereits an einem Wochenende fertig damit.Die Figur der Maria ist sehr glaubwürdig und sehr sympathisch dargestellt und meiner Meinung mangelte es auch diesmal nicht an Spannung!