Kupferglanz

  • Argument
  • Erschienen: Januar 1999
  • Helsinki: Tammi, 1995, Titel: 'Kuparisydän', Seiten: 248, Originalsprache
  • Hamburg: Argument, 1999, Seiten: 224, Übersetzt: Gabriele Schrey-Vasara
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006, Seiten: 284
Kupferglanz
Kupferglanz
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Sabine Reiß
75°

Krimi-Couch Rezension vonMai 2003

Die Wurzeln von Maria Kallio

Wenn man Gebrauchtbücherbörsen oder Auktionsplattformen nach "Kupferglanz" durchsucht, wird man selten fündig, was allerdings nicht dem Umstand zuzuschreiben ist, dass es nicht mehr aufgelegt wird, sondern dass es als einziges Buch der Serie Leena Lehtolainens in geringerer Auflage in einem unbekannteren Verlag, dem Ariadne-Verlag, erschienen ist. Nach diesem 3. Buch der Reihe hat sich Deutschland zunächst eine dreijährige Pause gegönnt, bis sich der Rowohlt-Verlag der finnischen Autorin erneut angenommen hat.

Das Grundgerüst der Handlung ist für die Serie sicher von Bedeutung, da die junge Polizistin Maria Kallio in ihrer Heimatstadt agiert und der Leser damit sein Bild von ihr komplettieren kann. Nach ihrer bestandenen Jura-Prüfung ist sie arbeitslos und hat daher das Angebot angenommen, den Polizeichef von Arpikylä für eine befristete Zeit zu vertreten. Maria tritt ihrem alten Leben mit einer Distanz gegenüber, die wohl jeder verspürt, der schon seit einigen Jahren nicht mehr in dem Ort lebt, in dem er aufgewachsen ist.

Milieustudie par excellence

Der Name Arpikylä bedeutet im übertragenen Sinne Narbendorf, und es heißt, dass man nicht dort leben könnte, ohne Narben davonzutragen. Es ist trostlos und es scheint sich wenig verändert zu haben. Sogar ihre Jugendliebe Johnny ist noch da und Maria ist nahe daran, ihm wieder zu verfallen. Doch im Endeffekt ist klar, auch er hat sich eigentlich nicht weiterentwickelt. Zudem grübelt sie, wie sie ihre Zukunft gestalten soll. Ihr Freund Antti hat ihr einen Heiratsantrag gemacht und mit ihren fast dreißig Jahren stellt sie sich ebenfalls die Frage, ob und wann sie Kinder haben möchte.

Leena Lehtolainen lässt durchklingen, dass Maria bereits in den beiden zurückliegenden Fällen persönlich involviert war, was eine Ermittlung nicht gerade einfach macht. Dies zeigt sich auch hier. Zur Wiedereröffnung des ehemaligen Kupferbergwerks, das als kulturelles Highlight die Region wieder attraktiver machen soll, sind alle versammelt, die Rang und Namen haben. Neben der Kulturdezernentin Ella, einer Jugendfreundin Marias, sind auch die erfolgreiche Speerwerferin Kaisa Miettinen und sowie die bekannte Künstlerin Meritta Flöjt unter den fast 200 Gästen. Am Morgen nach dem Fest gibt es ein grausames Erwachen, denn Merittas Leiche wird am Fuße des Turms gefunden. Sie soll eine Affäre mit dem Direktor des Bergwerks Seppo Kivinen gehabt haben, aber auch mit Johnny verband sie mehr als bloße Freundschaft. Maria behagt es gar nicht, aber sowohl Ella, Johnny als auch Merittas Bruder Jaska, mit dem sie früher in einer Band gespielt hat, muss sie in den Kreis der Verdächtigen einbeziehen.

Unspektakulär, aber lesenswert

Obwohl die eigentliche Story recht unspektakulär ist und keinen hohen Erinnerungswert besitzt, ist das Buch lesenswert, eben wegen der persönlichen Beziehung der Polizistin zu den Verdächtigen und der gelungenen Milieustudie. Die Krimis Leena Lehtolainens zeichnen sich sowieso eher durch die starken Figuren aus als durch die ausgeklügelten Krimihandlung, was auch hier zum Tragen kommt. Dass der Verlag die Protagonistin als "junge Wilde" aus Finnland bezeichnet (oder ist hier die Autorin gemeint?), halte ich zwar für ein wenig übertrieben, aber Maria Kallio ist eine Figur, die hier schon ihr Potential zeigt und die, wie wir jetzt wissen, dies in späteren Büchern auch ausspielt.

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